Musikunterricht
Elf Posaunenchöre gibt es in den zwölf Gemeinden des Dekanats Gräfenberg. Nicht in jedem finden sich Zeit und Know-how, dem Nachwuchs eine gedeihliche Ausbildung anzubieten. Seit September gibt es daher eine Dekanatsbläserschule. Dekan Reiner Redlingshöfer erklärt, warum es sich für die Gemeinden nachhaltig lohnt, die Ausbildung zu unterstützen.
Doreen Deyerl (links) bringt Veit Fischer, Susanne Gumbmann und noch einem Dutzend weiteren Bläserinnen und Bläsern im Dekanat Gräfenberg derzeit die richtigen Töne bei.

Jeden Montag begrüßt Doreen Deyerl der Reihe nach derzeit 15 Schülerinnen und Schüler im ersten Stock des Dekanatszentrums. Die in Sulzbach aufgewachsene Trompeterin hat ihr Instrument im benachbarten Rosenberg von der Pike auf gelernt und studiert gerade Grundschullehramt mit dem Schwerpunkt Musik, Hauptfach Trompete, in Nürnberg. "Es kommen Anfänger, aber auch Fortgeschrittene, die mehr aus sich herausholen wollen", erklärt die Musikerin, die auch Ensemblemitglied in der Bläsergruppe "Gloria Brass" des Verbands der evangelischen Posaunenchöre ist.

Posaune cooles Instrument

Gerade hat sie mit dem 14-Jährigen Veit Fischer seinen Part für einen Choral einstudiert. Sein Instrument hatte er bereits vor fünf Jahren entdeckt, als der etwa gleichaltrige Sohn einer befreundeten Familie ihm etwas auf der Posaune vorspielte. "Ich fand´s cool, daher hab ich mich dafür entschieden", erklärt er. Auch die ersten Gottesdienste im Ensemble hat er schon hinter sich und freut sich auf die nächsten Einsätze.

"Für die Trompete war ich zu blöd, daher versuche ich es nun mit dem Tenorhorn", lacht Susanne Gumbmann, die als nächstes mit einer halben Stunde Unterricht dran ist. Dabei habe sie einfach zu dicke Lippen für das Mundstück der Trompete, gibt sie zu. Zur Musik gekommen ist sie über die Kinder, die bereits Blasinstrumente spielten und die sie auf einen Posaunenchortag nach Dresden begleitete. Dort machte es "Klick". Gemeinsam mit einigen anderen Elternteilen begann Gumbmann dann im Posaunenchor Gräfenberg die Ausbildung, seit zwei Jahren spielen die Spätberufenen auch im großen Chor mit. "Und jetzt will ich mir in der Dekanatsbläserschule noch ein bisschen Schliff geben lassen", erklärt sie.

Dekan ist "Überzeugungstäter"

Die Idee zu einer solchen Schule habe der für die Region zuständige Landesposaunenwart Sven Menhorn eigentlich schon vor ein paar Jahren ins Gespräch gebracht. Als Redlingshöfer dann im vergangenen Jahr sein Amt in Gräfenberg antrat, trat Menhorn offene Türen ein – schließlich hat der Dekan selbst rund 30 Jahre lang im Posaunenchor gespielt und besitzt ein erklärtes Faible für Musik. Mittlerweile hat er sogar das Amt des Bezirksobmanns übernommen.

"Coronabedingt startete das Projekt nun ein bisschen später als geplant, aber schon nach wenigen Wochen kann man von einer Erfolgsgeschichte sprechen", meint er. Würden es noch mehr Interessenten, müsse man bald über einen zweiten Tag sprechen, an dem man Doreen Deyerl zum Unterrichten holt. Um die Kosten zu unterstützen, werden seitens des Dekanats zehn Euro, seitens der jeweiligen Heimatgemeinden 15 Euro pro Schülerin und Schüler für den wöchentlichen Unterricht pro Monat übernommen. Verbleiben dann noch 45 Euro Eigenbeitrag.

Keine Konkurrenz zur Ausbildung in den Chören

Eine Konkurrenzsituation zur Ausbildung in den lokalen Chören gebe es nicht. "Die Schule ist ein Angebot für Menschen, die Einzelunterricht haben möchten. Es entsteht daraus kein eigenes Ensemble", meint er.  

Der Bedarf ist groß: In dem rund 13.000 Mitglieder großen Dekanat seien rund 200 Bläserinnen und Bläser aktiv. Und diese leisten einen nicht zu unterschätzenden Beitrag für die Gemeinden. "Mit regelmäßigen Proben und dem Spielen in Gottesdiensten oder bei Trauerfeiern und weiteren festlichen Anlässen, bringen es diese Ehrenamtliche locker auf 70 Einsätze im Jahr", rechnet Redlingshöfer vor. Das Beste allerdings sei: Über die Musik erreiche Kirche Menschen, die man sonst vielleicht nicht angesprochen hätte.

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