10.02.2018
Neubau-Sorgen

Erlanger Gemeinde wartet auf Baubeginn

Wann kann es endlich mit dem neuen Gemeindezentrum los gehen? Pfarrer Peter Baumann von der Erlanger Altstadtgemeinde ist derzeit ratlos. Seit Anfang 2015 werden schon Pläne geschmiedet. Ein Architekten-Entwurf prallte jetzt an den Einwänden des Baukunstbeirates der Stadt Erlangen ab, das Projekt steht derzeit still. Dabei könnte die Lösung doch recht nahe liegen.
Pfarrerin Imke Pursche und Pfarrer Peter Baumann der Erlanger Altstadtgemeinde. Mit der Stadt ist man sich immer noch nicht einig über die Gestalt des Neubaus für das baufällige und unzweckmäßige Gemeindezentrum.

Zwei Pfarrwohnungen, ein nicht barrierefrei zugängliches Pfarramt im ersten Stock, eine längst verwaiste Post-Filiale im Erdgeschoss, ein viel zu kleiner Gemeindesaal, das Ganze noch mit einem Eingang, der weitab vom Gehweg geradezu versteckt scheint – Peter Baumann ist ebenso unglücklich über den Zuschnitt und auch den Gemeindezentrums wie beispielsweise die rund 120 Mitlieder des Chores der Gemeinde, die auf knappen Raum regelmäßig proben. „Das Gebäude ist erst rund 40 Jahre alt, aber schon lange ein Sanierungsfall“, sagt Baumann, der seit rund drei Jahren hier die erste Pfarrstelle inne hat. Was vor vier Jahrzehnten als modern und zukunftsträchtig galt, habe sich schon längst überlebt – nicht nur architektonisch, sondern auch funktional.

Schon seit Jahren wisse man in der rund 3000 Mitglieder starken Gemeinde, dass das Gemeindezentrum nicht nur ein unpraktischer Bau sei, sondern wegen des schlechten baulichen Zustands nicht mal mehr ein Sanierungsfall sei und abgerissen werden sollte. Bis man sich im Kirchenvorstand zum Neubau durchgerungen hatte, bis entsprechende Pläne und mögliche Fördergelder mit der Landeskirche abgesprochen sind – dieser Weg habe einfach einige Zeit lang gedauert. Mit Architekt Hartmut Niederwöhrmeier habe die Gemeinde dann jemanden gefunden, der mit ähnlichen Projekten bereits Erfahrung gesammelt habe.

Seit Jahren baufällig

Dieser beschreibt die Grundzüge seines Vorschlages so: „Es wäre richtig, den Baukörper längs an die Straße zu stellen und die Traufhöhe der beiden südlich anschließenden Gebäude aufzunehmen. Damit entsteht ein bislang nicht vorhandener, grüner Innenhof für das Gemeindeleben und eine besonnte, nach Süden sich öffnende Freifläche für den Kindergarten an der Haagstraße. Zudem rückt das Gemeindehaus an die Straße und belebt über ein offenes Foyer die überdimensionierte und noch ungestaltete Verkehrsfläche“, erklärt Niederwöhrmeier. Gemeindesaal und Gemeinderaum ließen sich zu einem Raum zusammenschalten. Die Jugend, die bislang im Kellergeschoss untergebracht ist, bekomme nun Räume im Obergeschoss.

Warum der Vorschlag im Stadtrat Erlangen bisher keine Mehrheit findet, erklärt Josef Weber, Referent für Planen und Bauen der Stadt, und hat auch gleich eine Lösung parat. „Würde das Dach des Neubaus zumindest ein wenig geneigt sein und die geplante Fensterfront etwas dezenter, könnten wir innerhalb weniger Wochen schon grünes Licht geben.“ Der Plan von Architekt Niederwöhrmeier, selbst jahrelang Vorsitzender des Baukunstbeirats, der aus sieben Fachleuten besteht und die Gemeinde in baukünstlerischen Fragen und bei Planungen im Hinblick auf das Stadtbild berät, füge sich nach dem Geschmack des Gremiums bisher zu wenig in die „Formensprache der umliegenden Gebäude ein.“ Tatsächlich würde der Bau, der das bisherige Gebäude in der Bayreuther Straße 11 ersetzt, näher an die Straße rücken und damit prominenter in dem Ensemble wirken, das nahe der Altstadt liegt und in dem einige Einzeldenkmäler stehen. „Das ist nicht das Problem. Die Gestalt dürfte aber nicht kontrastierend zu der Umgebung sein, so wie es der Architekt gerne hätte“, meint Weber. Der „Ball“ liege jetzt also in seinem Feld.

Niederwöhrmeier wiederum verweist auf den bestehenden Bebauungsplan, der beispielsweise ein Flachdacht vorsieht. Er schlägt als Kompromiss ein Mansarddach vor. Sein Auftraggeber, die Kirchengemeinde mit Pfarrer Peter Baumann will in den kommenden Wochen noch einiger „Sondierungsgespräche“ führen.“ Bis dahin bleibt die Hoffnung – auf eine Lösung, die augenscheinlich alle wollen und die gar nicht mal so weit weg liegt, wenn man Geschmacksfragen und Standpunkte nicht länger dem Gemeindeinteresse voran stellt.

 

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