Evangelische Theologie öffnet sich dem Bachelor-Master-System: Eine neue Rahmenstudienordnung soll das Studium erleichtern und die Mobilität zwischen Studiengängen verbessern. Für angehende Pfarrer bleiben alle drei alten Sprachen Pflicht.
Studierende der Evangelischen Theologie können künftig auch einen Bachelor und einen Master erwerben. Eine entsprechende Rahmenstudien- und Prüfungsordnung wurde am Wochenende beim Evangelisch-Theologischen Fakultätentag in Jena beschlossen. Sie eröffnet den Universitäten und Landeskirchen neue Möglichkeiten, ihre Studiengänge und Prüfungen zu gestalten.
Eine wesentliche Änderung betrifft die Sprachvoraussetzungen: Für den Bachelor in Evangelischer Theologie sollen künftig zwei der drei Sprachen Hebräisch, Griechisch und Latein ausreichen. Wer einen Masterabschluss anstrebt, muss eine weitere Sprache wählen. Wer Pfarrer oder Pfarrerin werden möchte, muss weiterhin alle drei Sprachen beherrschen.
Hoffnung auf Schwellenabbau
Die Reform soll den Zugang zum Theologiestudium erleichtern und neue Wege in andere Studiengänge eröffnen. "Ich hoffe, dass dadurch eine hohe Schwelle für Studieninteressierte abgebaut wird", sagte der Vorsitzende des Fakultätentags, der Kieler Theologieprofessor Andreas Müller, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Er erhoffe sich zudem eine größere Mobilität zwischen Studiengängen, etwa in Richtung Lehramt oder anderer Masterprogramme.
Wann und in welcher Form die Universitäten ihre Studiengänge umstellen, ist noch offen. Die Rahmenordnung gibt ihnen Spielraum bei der konkreten Ausgestaltung. Wie schnell die neuen Abschlüsse eingeführt werden und welche Studienmodelle sich durchsetzen, wird sich daher erst zeigen.
Jahrelange Diskussionen um Studium der Evangelischen Theologie
Dem Beschluss gingen jahrelange Diskussionen voraus. Befürworter des Bachelor-Master-Systems standen dabei jenen gegenüber, die an den bisherigen Magister- und Diplomstudiengängen festhalten wollten. Die theologischen Fakultäten hatten sich der Bologna-Reform, mit der Studiengänge europaweit auf Bachelor und Master umgestellt wurden, bislang weitgehend entzogen.
Traditionell schloss das Studium für das Pfarramt – ähnlich wie in Jura und Medizin – mit einem Examen ab, das die gesamte Breite des Fachwissens abprüfte. Die in Jena beschlossenen Rahmenstudien- und Prüfungsordnungen sehen eine solche Abschlussstruktur nicht mehr als verbindliches Modell vor. Universitäten und Landeskirchen können künftig selbst entscheiden, wie sie Studiengänge und Prüfungen ausgestalten.
Hochschul-Beratungen vor der Konferenz in Jena
Im Vorfeld der Jenaer Konferenz hatte es bereits diverse Beratungen gegeben. Ziel war es, für die Neustrukturierung nach Synergiemaßnahmen zu suchen und die Kompetenz aller beteiligten Institutionen wahrzunehmen. Bei den Beratungen wurden auch der Katholisch-Theologische Fakultätentag (KthF) sowie die Konferenz der Institute für Evangelische Theologie (KIET) einbezogen.
Der Evangelisch-theologische Fakultätentag ist die hochschulpolitische Vertretung der 19 Evangelisch-theologischen Fakultäten und Fachbereiche an deutschen Universitäten und der kirchlichen Hochschulen in Neuendettelsau, Wuppertal und Oberursel.
(mit Material von epd)