26.06.2020
Kirchenstatistik 2019 veröffentlicht

Rund 2/3 aller Bayern sind Mitglied einer Kirche - Trotzdem schrumpfen Gemeinden zunehmend

Die Zahl der Kirchenaustritte ist auch in Bayern erneut gestiegen - trotzdem gehört noch eine deutliche Mehrheit der Menschen im Freistaat einer der beiden großen christlichen Konfessionen an. Landesbischof Bedford-Strohm schmerzt die Entwicklung.
Gottesdienst mit Abstand in Corona-Zeiten auch in Wendelstein in der Kirche
Gottesdienst mit Abstand in Corona-Zeiten auch in Wendelstein in der Kirche.

Die beiden großen christlichen Kirchen haben im vergangenen Jahr auch in Bayern mehr Mitglieder verloren als in den Jahren zuvor - trotzdem gehörten 2019 mit mehr als 8,5 Millionen Menschen noch immer fast zwei Drittel aller 13 Millionen Einwohner des Freistaats einer Kirche an, wie aus den am Freitag vorgelegten Kirchenstatistiken hervorgeht.

Kirchenaustritte in Bayern

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte, ihn schmerze die hohe Zahl an Kirchenaustritten sehr.

Es sei die Aufgabe der Kirche, vor allem die junge Generation "aktiv davon zu überzeugen, dass der christliche Glaube eine gute und stärkende Lebensgrundlage ist".

Der Statistik zufolge sank Zahl der Mitglieder der bayerischen evangelischen Landeskirche auf 2,97 Millionen (2018: 2,326 Millionen) Menschen. Die Zahl der Austritte hat im Jahr 2019 mit 32.387 Menschen noch mal zugenommen, ein Jahr zuvor waren es noch 27.673 Leute gewesen.

Die Zahl der Eintritte lag vergangenes Jahr bei 2.827 (2018: 2.956), auch die Zahl der Bestattungen ging auf 25.827 zurück, sie lag im Jahr 2018 noch bei 27.204. Die Zahl der ehrenamtlich Engagierten nahm ebenfalls ab - von 156.208 Personen im Jahr 2018 auf 152.656 Personen im vergangenen Jahr, hieß es.

Bedford-Strohm sagte, es tue ihm weh, "wenn über 32.000 Menschen sich von unserer Kirche und vielleicht auch vom christlichen Glauben abwenden". Der Blick auf die Zahlen verdeutliche, dass die Generation, für die eine Mitgliedschaft in der Kirche selbstverständlich ist, immer älter werde.

Die jüngere Generation sei dann in der Kirche, wenn sie vom christlichen Glauben überzeugt sei und erlebe, dass ihnen die Mitgliedschaft in der Kirche etwas gebe.

Der Bischof ist überzeugt, dass der kirchliche Reformprozess "Profil und Konzentration" die Weichen "in die Richtige Richtung gestellt" habe.

Im größten katholischen Bistum Bayerns, dem Erzbistum München und Freising, nahm die Zahl der Katholiken 2019 ebenfalls deutlich ab. Sie sank im Vergleich zum Vorjahr um 1,7 Prozent auf 1,645 Millionen. Die Zahl der Austritte lag mit 27.124 Menschen deutlich über dem Wert von 2018 (22.580).

Eintritte verzeichnete das Erzbistum 177 (2018: 203) sowie 544 Wiederaufnahmen (704). Generalvikar Christoph Klingan rief dazu auf, die Zahlen ernst zu nehmen. Man müsse "genau hinsehen und hinhören", warum sich Menschen abwenden. Kirchliche Angebote müssten an die "Bedürfnisse der Menschen" angepasst werden.

Auch im zweiten bayerischen Erzbistum nahm die Zahl der Katholiken deutlich ab: Das Ordinariat in Bamberg meldete für das Jahr 2019 in seinem Gebiet 657.391 Mitglieder, ein Minus von 1,8 Prozent gegenüber 2018.

Die Zahl der Austritte lag mit 8.170 Menschen um 27,7 Prozent über dem Wert des Vorjahres. Die Zahl der Eintritte sei jedoch auf 56 gestiegen (2018: 46). Die Zahlen bilden nach Ansicht von Erzbischof Ludwig Schick eine gesellschaftliche Entwicklung ab.

Der Austritt als Reaktion auf Skandale und Kritik an Fehlentwicklungen sei für viele Menschen "heute eine selbstverständliche Option", sagte Erzbischof Schick.

In den anderen bayerischen Bistümern ist die Lage wie folgt: In Augsburg gab es 2019 noch 1,266 Millionen Katholiken, ausgetreten sind 15.532 Menschen. In Eichstätt gehörten 2019 noch 386.798 Menschen der katholischen Kirche an, 4.492 traten aus. In Passau lag die Zahl der Katholiken 2019 bei 457.096 Personen, 4.281 Menschen traten aus der Kirche aus.

Im Bistum Regensburg traten 10.655 Menschen aus, es hatte 2019 noch 1,143 Millionen Gläubige. Im Bistum Würzburg traten 8.043 Menschen aus - der höchsten Wert aller Zeiten innerhalb eines Jahres. Es schrumpfte 2019 auf 720.399 Katholiken.

Kirchenaustritte 2019 in Deutschland

Auch bundesweit sieht die Entwicklung so aus: Die beiden großen christlichen Kirchen verloren 2019 deutlich mehr Mitglieder als in den vorangegangenen Jahren. Die Zahl der Protestanten ging um 427.386 zurück, die Katholiken verloren 401.757 Mitglieder.

Grund für den Rückgang ist vor allem die Zahl der Kirchenaustritte, die sowohl bei Katholiken als auch bei Protestanten einen historischen Höchststand erreichte.

Laut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) sind nach den vorläufigen Zahlen vergangenes Jahr mit etwa 270.000 Menschen rund 22 Prozent mehr ausgetreten als noch 2018.

Aus der katholischen Kirche traten sogar noch mehr Menschen aus: Mehr als 272.700 Frauen und Männer annullierten ihre Mitgliedschaft - ein Anstieg von 26,2 Prozent. Rund 20,7 Millionen Menschen waren zum Stichtag 31. Dezember 2019 Mitglied in einer der 20 Landeskirchen der EKD, teilte die EKD mit.

Das waren rund zwei Prozent weniger als im Vorjahr (21,1 Millionen) und entspricht einem Bevölkerungsanteil von noch knapp 25 Prozent. Der katholischen Kirche gehörten 2019 22,6 Millionen Menschen in Deutschland an (2018: 23,0). Damit gehören noch 52,1 Prozent der Deutschen einer der beiden Konfessionen an.

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