"Mister PuK" kommt gerade von der Abschiedsfeier seines Büros. Sechs Jahre lang hat Thomas Prieto Peral mit zwei Mitstreiterinnen für mehr "Profil und Konzentration" (PuK) der 1536 bayerischen evangelischen Gemeinden geworben, gestritten und gekämpft. Jetzt hat das PuK-Büro seinen Job getan, doch an der Basis nimmt die Arbeit mit Strukturreformen und Graswurzel-Formaten gerade erst so richtig Fahrt auf.

Prieto Peral muss Transformationsprozess gestalten

Was aus PuK in der Praxis wird, gestaltet Prieto Peral künftig selbst mit. Als Regionalbischof muss er den Transformationsprozess im Kirchenkreis München und Oberbayern gestalten und zu einem guten Ende bringen. Seine Rolle ist dabei die eines Scharniers, sagt der 57-Jährige:

"Ich will ein Anwalt der Haupt- und Ehrenamtlichen in den Gemeinden sein und auch mal den Druck rausnehmen - gegenüber einer Kirchenleitung, die trotzdem auf bestimmte Entscheidungen vor Ort angewiesen ist."

Aufmerksam zuhören, klare Entscheidungen unterstützen, im Veränderungs-Tunnel immer wieder einen weiten Blick gewinnen: So beschreibt der Theologe seine Vision der neuen Aufgabe.

Das mit dem weiten Blick gehört zur DNA des gebürtigen Mainzers, der aus einer Winzer- und einer Eisenbahnerfamilie stammt. Das Auslandssemester seines Theologiestudiums verbrachte Prieto Peral im schottischen Edinburgh. Wenn er davon spricht, vertiefen sich die Lachfalten um seine hellbraunen Augen: "Dort haben wir mit Leuten aus der ganzen Welt studiert, gemeinsam Gott gesucht, über Frieden diskutiert und gelernt, wie Interkulturalität funktioniert."

Als Referent für Internationale Entwicklung viel herumgekommen

Seine Frau ist Spanierin - von ihr übernahm er den Nachnamen. Nach sechs Jahren Arbeit als Gemeindepfarrer leitete der Theologe ab dem Jahr 2000 die landeskirchliche Arbeitsstelle "Konziliarer Prozess für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung". Von 2006 bis 2015 kam er als Referent für Ökumene und Internationale Entwicklung viel in der Welt umher. In dieser Zeit baute Prieto Peral ein großes Hilfsnetzwerk für Christen im Nahen Osten auf.

Dort habe er erlebt, "dass das Christentum eine Hoffnungsreligion ist" trotz verschiedenster Herausforderungen an den verschiedensten Orten der Welt. "We never loose hope", wir verlieren nie die Hoffnung - dieser Ausspruch eines irakischen Pfarrers hat sich ihm tief eingeprägt. Um seelisch verletzten Menschen aus damaligen Krisengebieten wie dem Irak oder aus Bosnien-Herzegowina zu helfen, gründete Prieto Peral im Jahr 2003 zusammen mit Diakon Peter Klentzan die Stiftung "Wings of Hope", die seither stetig gewachsen ist und Traumaarbeit auch in Brasilien, Zentralamerika sowie Palästina und Israel betreibt.

Judenhass bekämpfen, auf Frieden hoffen

Gerade weil er so viele Kontakte in den Nahen Osten hat, erschüttert ihn die aktuelle Situation in Israel und Gaza. "Der Terror der Hamas ist menschenverachtend", sagt Prieto Peral, Jüdinnen und Juden lebten seither wieder in Angst. "Wir als evangelische Kirche stehen ihnen klar zur Seite und werden Judenhass in jeder Form bekämpfen", sagt der neue Regionalbischof. Nicht loslassen will er die Hoffnung auf Frieden:

"Wir dürfen nicht aufgeben, an die Menschlichkeit der Völker beider Seiten zu glauben."

Frieden werde es letztlich nur geben, wenn sowohl Israelis als auch Palästinenser eine Perspektive für Sicherheit und Gerechtigkeit gewinnen. Er hoffe, dass trotz Terror und Krieg "Kanäle offen bleiben für die Menschen beider Seiten, die Brücken bauen könnten".

Thomas Prieto Peral spürt, dass der Boden, auf dem sie stehen, für viele Menschen in Bayern wacklig geworden ist - ob das nun mit der politischen Weltlage zu tun hat oder mit den umstürzenden Veränderungen in ihrer Kirche. Ein spirituelles Fundament ist ihm deshalb besonders wichtig: "Einen anderen Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist in Gott", zitiert er aus dem Korintherbrief.

Lebensboden kann wacklig sein

Denn wie wacklig der eigene Lebensboden sein kann, hat der dreifache Vater selbst erlebt: Viel zu früh erblickten die Zwillinge des Ehepaars in der 25. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt, "860 Gramm Haut und Knochen", schildert Prieto Peral. Die Segensrituale der Krankenhauspfarrerin, eine Ikone der Muttergottes im Kreißsaal, das habe ihn und seine Frau im Rückblick durch drei Horrormonate getragen. Heute ist der älteste Sohn 24 und macht den Master in Energietechnik; die kerngesunden Zwillinge sind 19 und gerade nach Spanien und Bolivien zu einem Jahr Sozialer Arbeit aufgebrochen.

"Die Erfahrung von damals hat mich geprägt; heute bin ich einfach nur dankbar", sagt Prieto Peral.

Auch aus diesem Lebensabschnitt speist sich die Sehnsucht des neuen Regionalbischofs, dass am Ende aller Strukturfragen das durchdringen möge, worum es für ihn bei Kirche geht: "Die Erfahrung, von Gott getragen zu sein." Wenn Menschen durch kirchliche Angebote auch in Zukunft "in ihrem Leben heil werden können", dann sei der Zweck aller Reformen erfüllt.

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