Pfarrer Christoph Seyler ist zuversichtlich: "2026 könnte die Einweihung sein", sagt der Leiter des Evangelischen Bildungszentrums (EBZ) Hesselberg bei Gerolfingen. Gemeint ist die sogenannte Denkmallandschaft, die mit Stationen auf dem Berg und einer neuen Ausstellung in den Räumen des EBZ die Geschichte der mit 689 Metern höchsten Erhebung Mittelfrankens aufarbeiten und darstellen will. Denn auch wenn der Hesselberg heute fest in evangelischer Hand ist und im EBZ Demokratiebildung gelebt wird - seine Geschichte hat wegen der "Frankentage" während der NS-Herrschaft auch ein unrühmliches Kapitel.

Wie die meisten Großprojekte, an denen viele verschiedene Institutionen und Stellen beteiligt sind, stottert es auch bei der Denkmallandschaft. Seyler selbst würde das als Mitglied der Steuerungsgruppe zwar so nicht sagen, aber: Die Finanzierung steht noch nicht. Seit Monaten liegt ein Grobkonzept für die Denkmallandschaft vor, die Projektbeteiligten sind bereits mit der Feinkonzeption befasst, und doch ist unklar, woher die ungefähr zwei Millionen Euro insgesamt kommen sollen. So viel soll die neu konzipierte Beschilderung auf dem Berg, die Ausstellung im EBZ, die Umgestaltung der Räume dafür und das Personal für Bildungsarbeit kosten.

Verschiedene Fördertöpfe angezapft

"Wir haben verschiedene Fördertöpfe angezapft, da schaut es gut aus", sagt Seyler. Auch aus sogenannten Fraktionsmitteln der Landtagsfraktionen sind 200.000 Euro zugesagt und teilweise schon geflossen. Doch der EBZ-Leiter ist sich sicher, dass am Ende eine Finanzierungslücke bleiben wird: "Die können wir als EBZ und die Landeskirche nicht füllen." Ein beträchtlicher Teil der Denkmallandschaft wird sich mit der Vereinnahmung des Hesselbergs durch die Nationalsozialisten unter Gauleiter Julius Streicher widmen.

Der Rechtsnachfolger des NS-Unrechtsregimes in Bayern ist der Freistaat - und damit auch "verantwortlich" für die Aufarbeitung.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) stellte deshalb bei seinem Besuch auf dem Hesselberg am Pfingstmontag anlässlich des Bayerischen Evangelischen Kirchentags eine Beteiligung des Freistaats an den Kosten in Aussicht. Man könne sich eine Mitfinanzierung des Projekts "sehr gut vorstellen", die vorgelegten Konzepte sähen gut aus, es sei "doch ein wichtiges Projekt". Konkreter wurde Söder nicht. Weitere Anfragen dazu leitet die Staatskanzlei ans Kultusministerium weiter - das vertritt die bayerische Staatsregierung in der Steuerungsgruppe. Dort gibt man sich aber zurückhaltender, was die weitere Finanzierung betrifft.

Erst nach Fertigstellung des Feinkonzepts könne man "valide Kostenschätzungen" erstellen, antwortet das Kultusministerium auf eine Anfrage des Sonntagsblatts. Und erst wenn dieser "seriöse Kostenrahmen" vorliege, "kann erörtert werden, wie dem Rechnung getragen wird". Das Ministerium verweist auf verschiedene Förderprojekte und Förderrichtlinien, aus und mit denen Gelder abgerufen werden können. Die "grundsätzliche Herausforderung" bestehe bei der Denkmallandschaft darin, "einen sowohl fachlich fundierten und markant gestalteten, dabei jedoch auch leicht zugänglichen Ort" zu schaffen, hieß es.

Daran hängt es noch

Nach SOB-Informationen ist der Knackpunkt aktuell folgender: Für die Ausstellung, die im zweiten Stock des EBZ untergebracht werden soll, sind bauliche Veränderungen nötig. Aus einem "Hintereingang" soll ein echter Zugang mit Foyer werden, der räumlich in die Ausstellung hineinführt. Zudem müssen die Ausstellungsräume selbst umgebaut werden. Der Staat zögert, dafür Geld in eine kirchliche Immobilie zu stecken. Und die Kirche verweist darauf, dass sie ohne die Ausstellung gar keinen derartigen Umbau am EBZ bräuchte. Dazu Seyler:

"Die Aufarbeitung der Geschichte des Hesselbergs ist eben eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe."

Die geplante Denkmallandschaft soll die wechselvolle Geschichte des Hesselbergs beleuchten. Die NS-Zeit, in der von 1933 bis 1939 jeden Juni die propagandistischen "Frankentage" bis zu 100.000 Menschen angezogen haben, soll zwar im Zentrum stehen. Darüber hinaus wird der uralte Kulturplatz Hesselberg ein Thema sein, der zu allen Zeiten auf die Menschen in der Region eine Faszination ausgeübt hat. Natürlich will die Ausstellung auch einen Blick auf das Nachkriegs-Engagement der Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) lenken, die 1951 die Landvolkshochschule mit dem Leitsatz "Kein Bauer wählt mehr braun" gegründet hatte.

Wie es nun weitergeht? Christoph Seyler ist optimistisch. Noch dieses Jahr soll die Feinkonzeption stehen. Nächstes Jahr könnten die Details der Finanzierung geklärt und 2025 die Bereinigung des Schilderwalds auf dem Hesselberg begonnen werden - denn derzeit finden sich unterschiedlichste Tafeln zu Pflanzen, Steinen oder historischen Ereignissen auf dem Berg, nur eben alle ohne Gesamtkonzept und keine mit Hinweise auf die NS-Geschehnisse. 2026 dann schließlich könnten auch die Umbaumaßnahmen im EBZ fertiggestellt und die Ausstellung eingerichtet sein, hofft er: "Die Denkmallandschaft ist eine Chance für die ganze Region.

Kommentare

Diskutiere jetzt mit und verfasse einen Kommentar.

Teile Deine Meinung mit anderen Mitgliedern aus der Sonntagsblatt-Community.

Anmelden