"Kirche in Bayern"
Der verehrte wie umstrittene Künstler Joseph Beuys (1921-1986) hätte dieses Jahr seinen 100. Geburtstag gefeiert. Die Münchner Pinakothek der Moderne hat beschlossen, dass einige seiner Kunstwerke zu diesem Anlass mal wieder raus müssen aus dem Museum – eins davon in die Nazareth-Kirche München-Bogenhausen.
Zum 100. Geburtstag des Künstlers Joseph Beuys haben sich die Mitarbeitenden der Münchner Pinakothek der Moderne eine besondere Aktion ausgedacht: Zehn Objekte, sogenannte Multiples, die sonst im Museum stehen, werden an Orte in der Stadt verteilt, wo sie eine neue Wirkung erzielen können. Einer davon ist die Nazarethkirche in Bogenhausen, die demnächst zum Haus der Religionen umgebaut wird.

Multiples sind Kunstobjekte, die es in einer größeren Auflage gibt. Damit werden sie billiger und können von Liebhabern in ihren Alltag integriert werden. Fast 300 Multiples von Joseph Beuys sind mittlerweile in den Archiven der Pinakothek der Moderne in München gelandet. Zum 100. Geburtstag des Künstlers sollen zumindest zehn davon wieder ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden und ihre Wirkung an anderen Orten entfalten. Joseph Beuys nannte die Multiples "seine Antennen", was den Titel "Ich strahle aus" des Projektes erklärt.

Einer der sieben Orte, an denen bis Herbst ein Beuys-Objekt ausgestellt ist, ist die Nazareth-Kirche in München-Bogenhausen. Kuratorin Tatjana Schäfer hat diesen Ort ausgewählt, nachdem sie davon erfahren hat, dass diese Kirche in ein Haus der Religionen umgebaut wird. Sie hätte das Objekt zum "Schmieren und Drehen" auch in einem Labor gesehen. Aber dort wäre es für die Öffentlichkeit nicht sichtbar gewesen. Also fand sie die Kirche, die sich im Wandel befindet passender. 

Pfarrer Rhinow freut sich über Beuys-Kunstwerk in der Nazareth-Kirche

Sehr zur Freude von Pfarrer Markus Rhinow, der sich über das kleine, fettgefüllte Döschen vor der Kanzel schon seine Gedanken gemacht hat. Das Objekt steht für Energie, Veränderung, Dynamik und Kraft. Das beuys'sche Braunkreuz hat zwar erstmal nichts mit dem christlichen Kreuz zu tun, drängt aber doch die Frage auf: "Wo ist unsere Mitte?". Eine spannende Frage, die im beginnenden Dialog mit jüdischen und muslimischen Religionsvertretern eine zentrale Rolle spielen wird.

Das Objekt zum Schmieren und Drehen war ursprünglich als bedienbarer Kunstgegenstand gedacht. Der Schraubenzieher im Döschen sollte bewegt werden. Das ist leider nicht mehr möglich, sagt Tatjana Schäfer, denn mittlerweile ist es doch ein Museumsstück geworden. Aber es lädt doch noch zur gedanklichen Bewegung ein, die Veränderung und Handeln auslösen könnte.

Zehn "Antennen" an sieben Orten in München

An insgesamt sieben Orten in München können Beuys-Objekte in ungewohnter Umgebung gesichtigt werden. Zum Beispiel im "Weiße-Rose"-Saal im Justizpalast. Hier steht die "Rose für direkte Demokratie" neben den weißen Rosen für die Opfer der Widerstandsgruppe. Im Gate, dem Garchinger Technologie- und Gründerzentrum, ist die Capri-Batterie von 1985 ausgestellt. In den Räumen der Stiftung "Kick ins Leben" sind die beiden Multiples "Pala" und "Buttocklifting" zu sehen. Bei allen Orten geht es darum, mit der Kunst und Joseph Beuys in Kontakt zu kommen und gerne auch darüber zu streiten.

Mehr Informationen und alle Standorte finden Sie auf www.pinakothek-beuys-multiples.de

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