31.03.2019
Christliche Pop-Musik

Musikproduzent Dieter Falk veröffentlicht Autobiografie "Backstage"

Die Band Pur stürmte in den 1990er-Jahren die Charts und füllte die größten Konzerthallen. Der Mann hinter dem Erfolg hieß Dieter Falk: Der 59-Jährige gilt als einer der erfolgreichsten Musikproduzenten Deutschlands. Was ist dem Komponisten wichtig? Ein Gespräch über christlichen Pop, Holzhammermissionare und Mainstream.
Dieter Falk
Dieter Falk plaudert in seinem Buch "Backstage" aus seinem Leben.

Dieter Falk ist ein musikalischer Tausendsassa. Der 59-Jährige produzierte unter anderem Künstler wie Pur oder Pe Werner, trat in der Pro-Sieben-Sendung "Popstars" als Juror auf, brachte in den vergangenen Jahren die Pop-Oratorien "Die 10 Gebote" sowie "Luther" auf die Bühne und erreichte damit ein Millionenpublikum. Seine Wurzeln hat Falk, der als einer der erfolgreichsten Musikproduzenten und Komponisten Deutschlands gilt, allerdings in der christlichen Musikszene. Seine eben erschienene Autobiografie "Backstage: Von Pur, Popstars und den Zehn Geboten" handelt vom Spagat zwischen Musikbusiness und Glauben. Im Interview erzählt der Siegener auch, wie er diesen täglich schafft.

Herr Falk, Sie beschreiben die Anfänge Ihrer musikalischen Sozialisation in der kirchlichen E-Musik. Warum glauben Sie, sind Sie kein strenger Kirchenmusiker geworden, sondern vom Pop-Bazillus infiziert worden?

Dieter Falk: Weil ich immer zweigleisig gefahren bin: J. S. Bach war in meiner musikalischen Sozialisation immer auf einer Stufe mit den Beatles und Stones. Vielleicht sogar ein bisschen darüber, allerdings hörte ich in meiner Freizeit immer mehr Pop als Klassik: Elton John, Earth, Wind & Fire, Al Jarreau und mehr.

Wenn Sie heute mit jungen Musikstudenten zu tun haben, erkennen Sie diesen frühen Zugang zur Musik im Bereich Kirche häufiger oder ist das eher die Seltenheit?

Falk: Von wenigen Ausnahmen abgesehen werden die Kids von heute doch noch mehr mit Pop-Kultur groß als ich damals. Bei den Wittener Studierenden im Bereich "Kirchenmusik popular" ist das auch kein Wunder. Aber selbst die klassischen Studierenden zum Beispiel in Düsseldorf hören privat Popmusik, können diese Hörgewohnheit allerdings nur schwer auf die auszuübende Tätigkeit übertragen. Das liegt natürlich eindeutig daran, dass die kirchenmusikalische Ausbildung oft an der Realität vorbeigeht. Wobei sich gerade etwas ändert.

Von Kirchen organisierte Jugendfreizeiten sind für Sie "eine Art Eheanbahnungs-Veranstaltungen". Ist das eher als Warnung oder als Tipp zu verstehen?

Falk: Haha, das ist bestimmt keine Warnung, denn Angelika und ich sind nach 34 glücklichen Ehejahren ja ein Beispiel, dass es funktioniert. Natürlich habe ich das mit der Eheanbahnung augenzwinkernd geschrieben, weil ich weiß, dass es vielen ähnlich geht und sie im Rückblick darüber positiv schmunzeln. Kirchliche Jugendarbeit hat über Jahrzehnte diesbezüglich "sinnstiftend" gute Arbeit geleistet. Ehrlich gesagt haben große Freikirchen und vor allem charismatische Organisationen der Kirche dabei inzwischen den Rang abgelaufen. Ob ich das gut finde, steht auf einem anderen Blatt Papier.

Sie beschreiben an einigen Stellen offen Ihren Glauben. Wann ist es Ihnen auch mal wichtig, darauf hinzuweisen, dass Sie Christ sind, wann sollte man dies lieber nicht so offen sagen?

Falk: Das entscheide ich aus dem Bauch raus, aber immer nur auf Nachfrage. Im Esszimmer meiner Eltern hing der Bibelspruch "Ich schäme mich des Evangeliums nicht…" (Römer 1,16), der mich allerdings nicht dazu verleitet hat, ein "Holzhammermissionar" zu werden. Standpunkt zu beziehen in politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Dingen, und diesen dann mitunter auch mit meiner religiösen Einstellung zu untermauern, gehört für mich dazu. Ich kenne viel zu viele christlich sozialisierte Menschen in Politik und Kultur, die sich eher die Zunge abbeißen würden, als zu erwähnen, dass sie Christen sind. Dass das Bekenntnis dazu "unsexy" geworden ist, liegt halt auch daran, dass es keiner mehr sagt.

Sie waschen im Buch keine schmutzige Wäsche und plaudern nur selten aus dem Nähkästchen. Ist das eher frommer Zurückhaltung geschuldet oder der Sorge vor literarischen Racheakten der Beschriebenen?

Falk: Na ja, Howard Carpendale kommt nicht gut weg . Und die gesamte Branche auch nicht. Aber "dirty" ist nicht mein Stil. In der Tat hat ein Anwalt von Droemer-Knaur aber vorher mal drübergeschaut, denn ich schaue schon dezidiert hinter die Kulissen. Mit 60 nehme ich mir auch die Freiheit, die Musikbranche und vor allem die Radiomacher dafür zu kritisieren, dass sie ohne Mut und Ideen Langeweile verbreiten.

Sie sprechen von sich auch mal als Mainstream-Musiker. Das könnten andere Musiker auch als Schimpfwort verstehen. Wieso nicht Sie?

Falk: Der Hauptstrom des Geschmacks ist oft ja aus dem "Underground" entstanden. Kultur ist immer in Bewegung, und wenn dann ein "Mainstream" erfolgreich wird, ist das für mich eher Kompliment als Schimpfwort. Denn jenseits von einem Kulturauftrag entscheidet das Publikum, übrigens auch in der Kirche. Das mag der ein oder andere anders sehen. Dass es im großen Mainstream jenseits von Geschmack auch eine Qualitätsdebatte geben muss, steht außer Frage.

Wenn Sie sich die Zukunft komponieren könnten, wie würde sie für den Künstler Dieter Falk klingen?

Falk: Unverändert bunt statt schwarz-weiß, groovig statt eingeschlafene Füße, Crossover statt Purismus, und immer mit Chor. Derzeit schreibe ich mit Michael Kunze für 2020 an einem neuen Weihnachts-Chormusical "Bethlehem". Da versuchen wir beide das unterzubringen.

Buch-Tipp

Dieter Falk: Backstage

Dieter Falk: Backstage: Von Pur, Popstars und den Zehn Geboten. bene! Verlag München 2019, 192 Seiten, 18 Euro.

Die Termine zu den Konzertlesungen Dieter Falks finden Sie unter der Adresse www.falkmusic.de/events.html

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