14.12.2018
Musical

Nürnberger Musical-Netzwerk bringt "Seelenhändler" auf die Bühne

Das Musical "Seelenhändler" des Vereins Musicalnetzwerk Nürnberg ist noch bis 6. Januar 2019 zu sehen. Ob sich das Stück lohnt? Ein Besuch hinter den Kulissen.
Andreas Rüsing bei der Probe für das Stadtmusical mit (von links) Carina Krämer, Cassandra Schütt und Marina Pechmann.
Andreas Rüsing bei der Probe für das Stadtmusical mit (von links) Carina Krämer, Cassandra Schütt und Marina Pechmann.

Fake-News im Mittelalter, Neid und Intrigen, Buhlen um die Liebe und der Streit um den "richtigen Glauben" – es ist ganz schön viel und manchmal starker Tobak, den Autor und Regisseur Uli Spies in das neue Projekt "Seelenhändler" des Vereins Musicalnetzwerk Nürnberg gepackt hat. Das Nürnberger Stadtmusical bringt bis zum Januar das Werk auf die Bühne im Heilig-Geist-Saal. Fans des historischen Dramas sollen ebenso ihren Spaß an dem zweieinhalb Stunden dauernden Stück haben wie Freunde der reinen Unterhaltung. Ein Besuch bei den Proben zeigte, wie schwierig der Spagat ist.

In den Räumen der Musical-Akademie im Act Center in Nürnberg sieht es ein bisschen aus wie hinter einer Theaterbühne – und es hört sich auch so an. Hinter verschlossenen Türen wird gesungen, gespielt, emotional rezitiert und auch das Geschehen diskutiert. Die Sängerinnen Carina Krämer, Cassandra Schütt und Marina Pechmann üben hinter einer dieser Türen zu Pianobegleitung gerade den heimlichen Hit des Stücks. Zumindest findet das Andreas Rüsing, der bereits zum fünften Mal eine Produktion des Vereins intoniert hat. "Die Musik klingt nicht mittelalterlich, sondern hat den Sound eines modernen Pop-Musicals. Gesungen wird live, teils auch mit echten Instrumenten gespielt", sagt Rüsing. Um den Hörern aber auch den Bombast zu geben, den sie von einer solchen Produktion erwarten, hat der international tätige Musiker aber monatelang Playbacks aufgenommen oder am Synthesizer produziert.

Musical "Seelenhändler" mit Ohrwürmern

Mit der Ballade "Was nützt die Liebe in Gedanken?" ist Rüsing in der Tat ein Lied mit Ohrwurmqualitäten gelungen. Die Melodie setzt sich tatsächlich schnell in den Gehörgängen fest. "Am Ausdruck müssen wir aber noch arbeiten", erklärt der Musiker dem Damentrio. Das wissen die drei professionellen jungen Sängerinnen natürlich – aber schließlich sind dazu die Proben da. Und weil die Spaß machen, gibt’s auch kaum Stress. Was mitunter am engen und von Maria Floiger streng überwachten Zeitplan hängt, den die Regieassistentin immer auf dem Smartphone offen hat, während sie von Raum zu Raum flitzt. "Es kommen ja teils auch ein paar angehende Musical-Stars von weiter her nach Nürnberg. Die erwarten freilich, dass es läuft", sagt sie. Das will auch Uli Spies, der gerade nebenan mit Alexander Krüger den Text noch einmal durchgeht. Der Musiker und Schauspieler hat seine Ausbildung im Act Center absolviert, wo Rüsing Dozent war.

"Beim Stadtmusical treffen sich viele alte Bekannte, es ist immer ein bisschen wie nach Hause kommen", meint der in Feucht lebende Akteur. Er spielt einen der beiden Brüder, die im Mittelpunkt der vor 500 Jahren spielenden Handlung stehen, die im Wesentlichen rund um eine Druckerei, die Gunst des Vaters und die des Mädchens Rosalie geht. "Man kennt diese Zeit nur ansatzweise aus dem Geschichtsunterricht. Wenn man sich jetzt damit beschäftigt, merkt man, wie aktuell das alles ist", erklärt Krüger. Damit meint er nicht typisch menschliche Regungen wie Eifersucht, Zweifel und Hass, sondern das Zeitkolorit, das im Stil der Zeichnungen Albrecht Dürers im Heilig-Geist-Spital nachempfunden wird. "Was und vor allem wem darf man glauben – fragen wir uns das heute nicht auch dauernd?", überlegt Krüger.

"Seelenhändler" thematisiert Medienkrieg im Mittelalter

"Martin Luther wurde bildlich im Pakt mit dem Teufel dargestellt, das Ganze mehrfach verbreitet, vor allem in Nürnberg. Die Menschen glaubten das dann auch, es war ein kleiner Medienkrieg", erklärt Uli Spies. Die Zeit um das Jahr 1525 sei eben auch in Nürnberg eine Zeit der Umbrüche gewesen, wie man sie aktuell wieder erlebe. Der Bilderkrieg um Meinungen werde auch in der Gegenwart ständig ausgefochten.

Dass der "Seelenhändler" im Luther-Jahr 2017 thematisch noch besser aufgehoben gewesen wäre, weiß Spies." Allerdings gab es ja genügend Events rund um die Reformation. Mir geht es mehr um die Menschen aus dieser Zeit, das Bürgertum, die Unterprivilegierten, wie haben die sich gefühlt." Bei all dem Tiefgang wolle er aber auch ein paar künstlerische Duftmarken setzen. Wie in der Rolle der Stummen, die nur singt, wenn sie träumt. Und einige Krimi-Elemente sorgen dafür, dass das Herz nicht nur wegen der großen Gefühle höher, sondern auch schneller schlägt.

Stadtmusical Nürnberg: Informationen zu "Seelenhändler"

Mehr zum Musical "Seelenhändler" und Tickets unter www.stadtmusical.de. Der Vorhang hebt sich insgesamt 28 Mal bis zum 6. Januar 2019. An einigen Terminen werden vorab speziell abgestimmte Stadtführungen angeboten.

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