20.02.2020
Mit Biss und feinsinnigem Humor

Pfarrerkabarett "Die Schwarzarbeiter" nimmt Kirche humorvoll ins Visier

Mit einer gehörigen Portion Selbstironie, bissigen Tiraden nach oben und viel Lokalkolorit sind die Theologen und Kabarettisten ins Spieljahr gestartet. "So ein Zirkus" lautet das neue Programm, mit dem die "Schwarzarbeiter" in die Manege einladen. Vor kurzem war Premiere im Augsburger Annahof, nächster Termin ist im Mai in Bobingen.
Das Kirchenkabarett "Die Schwarzarbeiter" sind wieder mit neuem Programm unterwegs
Sie predigen von der Kanzel und spielen Kabarett auf der Bühne. Die evangelischen "Schwarzarbeiter" nehmen ihre Kirche humorvoll ins Visier und laden in ihrem neuen Programm unter dem Motto "So ein Zirkus" in die Theatermanege.

Der ehemalige Pfarrer Wolfgang Wunderer weiß noch genau, wie es dazu kam: "Angefangen hat alles 2005 mit dem 450-jährigen Jubiläum des Augsburger Religionsfriedens; damals war ein offizielles Programm geplant mit den üblichen Reden und Vorträgen." Um auch etwas Lustiges beizutragen, gründete er damals das Kirchenkabarett. Langjährige Erfahrung in diesem Metier besaß er bereits, da er 1976 in München das "Weißblaue Beffchen" mit ins Leben gerufen hatte.

"Kirche soll nicht so bierernst sein", war das Motto, auch wenn es für ein evangelisches Kirchenkabarett deutliche Grenzen gebe und man sich nicht über Gott und den Glauben lustig machen will, so Wunderer. Und das braucht es auch gar nicht, denn wer herzhaft lachend den Abend verbringen will, kommt bei den "Schwarzarbeitern" voll auf seine Kosten.

Inzwischen spielen ganz andere Theologinnen und Theologen im Pfarrerkabarett mit als zu Gründungsbeginn. Aktuell sind dies Peter Lukas von der Dreifaltigkeitskirche Bobingen, Susanne Ohr von der Erlöserkirche Bad Wörishofen, Micha Seyboth vom Peutinger-Gymnasium Augsburg, Uwe Stenglein-Hektor von der Berufsschule Augsburg und Claus-Philipp Zahn von der Passionskirche in München. 

Der Reformprozess PuK der Kirche wird auf die Schippe genommen 

Viel wird da auf die Schippe genommen, beispielsweise der innerkirchliche Reformprozess PUK innerhalb der evangelischen Landeskirche. "Bin ich eine Ressource?", fragt sich da die Theologin und muss dazu erst mal im Duden nachschlagen, um sich die Frage mit "Ja, ich bin eine" selbst zu beantworten. Ins Visier genommen wird auch das ökumenische Turteln von Heini (Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm) und Reini (Kardinal Reinhard Marx), die aufgrund von anhaltendem Mitgliederschwund auf einen gemeinsamen Zirkus "Clericali" hinsteuern. Ernüchternd nur für die Protestanten: "Entweder man fährt im Kreis oder man kommt am Ende doch immer in Rom raus", sagt Uwe Stenglein-Hektor.

Man jongliert, witzelt, domptiert über satte 15 Runden oder nahezu drei Stunden inklusive Pause hinweg in der Manege von Kirche und Gesellschaft, ehe das Schlusslied zum Mitsingen noch einmal mit lautstarkem Applaus der Besucher belohnt wird. Zwischendurch werden immer wieder Pausensnacks im Zirkus-Kabarett verteilt, Souvenirs oder Mitbringsel wie Autogrammkarten von ehemaligen oder aktuellen lokalen Augsburger Kirchengrößen, etwa von Susanna Kaschi - oder es wird Wasser angeboten aus der Dekan-Thoma-Quelle oder vitalisierendes "Bischofswasser" San Piperino. 

Mancher verliert beim Jonglierkurs die Balance

Und allen Pfarrern ist oder wird klar: man sollte die Ressourcen auf allen Ebenen im Gleichgewicht halten: "wir müssen doch gemeinsam gegen die Mittlere Ebene vorgehen", heißt es da, auch wenn die Zielgruppe dieser Gags längst zusammen mit den ganz Oberen die besten Portionen aus dem Ressourcenpool für sich gebunkert hat. Klar, dass da mancher beim Jonglierkurs die Balance verliert.

"Wir schreiben unsere Stücke alle selbst", sagt Uwe Stenglein-Hektor und bezeichnet das Kabarettskollegium als Autorenkollektiv. Viele Auftritte haben die Theologen nicht, "wir sind ja alle berufsmäßig ausgelastet, da bleibt nicht viel Zeit". Einen haben Sie aber noch, nämlich am 8. Mai um 19 Uhr in der Singoldhalle Bobingen. Auch dann heißt es wieder: "Wie ein Käfig wilder Tiere - ein Zylinder voll Menschlichkeit - ein fast vergessner Traum ist noch am Leben. Die Kirche - ein Zirkus gleich - belächelt, geliebt. Himmel und Erde zugleich", wenn nach drei Stunden das Schlusslied gesungen wird.

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