19.04.2019
Deutsche Erstaufführung in St. Lorenz

Warum Organist Meier-Appel das Gesamtwerk der Musikerfamilie Reuchsel eingespielt hat

Organist Manfred Meier-Appel hat als weltweit erster Mensch das Gesamtwerk von vier Komponisten der Familie Reuchsel aus dem 19. und 20. Jahrhundert auf CD festgehalten. Ostermontag spielt er in der Nürnberger Lorenzkirche mit Eugène Reuchsels (1900-1988) Orgelzyklus "La Vie du Christ" eine deutsche Erstaufführung.
Organist Manfred Meier-Appel
Manfred Meier-Appel spielt am Ostermontag, 22. April 2019, um 11.30 Uhr in der Nürnberger Lorenzkirche unter anderem die deutsche Erstaufführung von Eugène Reuchsels Orgelzyklus "La Vie du Christ".

Musiker, die ein Gesamtwerk von Komponisten einspielen, kennt man. Organist Manfred Meier-Appel hat sich dagegen gleich die ganze Familie Reuchsel vorgenommen und die gesammelten Werke von vier Klangschöpfern der französischen Dynastie zum ersten Mal weltweit auf CD gebannt. Am Ostermontag findet die deutsche Erstaufführung von Eugène Reuchsels Orgelzyklus "La Vie du Christ" – 19 Stationen aus dem Leben Jesu – in der Nürnberger Lorenzkirche statt. Der verspätete Endpunkt einer über fünf Jahre dauernden Reise für den Organisten.

Von 2011 bis 2016 war der aus Ochenbruck stammende Musiker immer wieder in Düdelingen, Luxemburg, zu Gast, um an der für Einspielungen beliebten Stahlhuth-Orgel in der Pfarrkirche St. Martin an seinem Mammutwerk zu arbeiten. Natürlich abends bis nachts, immer in Gefahr, dass die Glocke zur nächsten Viertelstunde schlägt. "Und mit der Sorge, dass an der draußen vorbeiführenden Ringstraße wieder ein paar Autofahrer Rennen fahren und Lärm machen", denkt der Musiker an die schwierigen Bedingungen zurück. "Aber es hat sich gelohnt", fügt er erleichtert lachend hinzu.

Manfred Meier-Appel spielt "La Vie du Christ" von Eugène Reuchsel

Auf die Idee gebracht hatte ihn Musikerkollege Günter Lade, geborener Nürnberger, der durch seine "Edition Lade" schon manche verborgene Schätze der Musikliteratur gehoben hat. Durch eine Bekannte kam vor vielen Jahren der erste Kontakt zustande, der bereits 2007 in einer CD an der historischen Strebel-Orgel von Sankt Paul in Nürnberg gipfelte. Schon damals waren acht Welt-Ersteinspielungen dabei.

Diesmal sind es rund 100 Stücke, die von Léon, Amedée, Maurice und Eugène Reuchsel komponiert und bisher noch nie auf einem Tonträger veröffentlicht wurden, teils auch nie öffentlich gespielt. "Ich kann mich noch gut daran erinnern, als ich zum ersten Mal die drei Sonaten angespielt habe, für die Günter Lade mir die Noten zugesteckt hatte. Beinahe wäre ich vom Stuhl gefallen vor Begeisterung, so schön ist diese Musik", erinnert sich Meier-Appel an den Erstkontakt mit Amedée Reuchsel.

Kompositionen aus dem 19. und 20. Jahrhundert

Dieser erste Funke entfachte ein regelrechtes Forscher-Feuer: Immer tiefer grub sich Manfred Meier-Appel in die Recherche nach dem ihm bislang unbekannten Komponisten ein und stellte bald fest, dass vom 1840 geborenen Léon bis zum 1900 geborenen Eugène gleich vier Mitglieder der Familie großartige Musiker in ihrer Zeit und Heimat waren, die allesamt nicht nur konzertierten, sondern auch ein reichhaltiges Werk schufen. Der Legende nach sollen die deutschen Wurzeln der Reuchsels sogar bis zu Heinrich Schütz als Ahn nachweisbar sein.

"Ich wollte diese Musik aus der Vergessenheit befreien und für die nachfolgenden Generationen aufheben", erklärt Meier-Appel. Dass dieses Projekt sich irgendwann verselbstständigte und fünf Jahre Forschung und Aufnahmezeit ins Land zogen, kann er selbst kaum glauben: Eigentlich ist der A-Kirchenmusiker nämlich eher rastlos, wollte sich nie auf eine einzige Stelle als Kantor konzentrieren, bei der auch Chorleitung und viel Alltagsgeschäft absolviert werden muss. So stehen auf dem Wochenplan des Ochenbruckers privater Unterricht sowie Stunden im Zuge seines Lehrauftrags an der Hochschule für Musik in Nürnberg und viele Organistendienste, vorwiegend in den Nürnberger Innenstadtkirchen, gepaart mit einigen Konzerten. Dass er vor vier Jahren die Leitung der Schwarzenbrucker Kantorei übernommen hat, war für den 51-jährigen Allrounder dann aber doch eine Herzensangelegenheit.

Als Lorenzkantor Matthias Ank ihn darum bat, eine Ostermatinee zu gestalten, die programmatisch zum kirchenmusikalischen Jahresthema "Christus: Mitten unter uns" passt, war die Wahl schnell getroffen: Neben Charles Tournemires "Victimae paschali laudes" wird Eugène Reuchsels Orgelzyklus dann erstmals auf deutschem Boden erklingen. Seine sechs CDs mit der musikalischen Familiengeschichte der Reuchsels hat Meier-Appel dann natürlich auch dabei. Wenngleich er weiß: "Reich werde ich mit der Einspielung natürlich nicht. Aber die Kunst war und ist es wert." 

Veranstaltungstipp

"Matinée zum Osterfest" in der Nürnberger Lorenzkirche

Musiker Manfred Meier-Appel spielt am Ostermontag, 22. April 2019, um 11.30 Uhr in der Nürnberger Lorenzkirche unter anderem die deutsche Erstaufführung von Eugène Reuchsels Orgelzyklus "La Vie du Christ". Mehr Infos finden Sie hier.

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