Das Gefühl von Schwesternschaft. Der Wunsch, Bündnisse zu bilden und gemeinsam zu kämpfen. Und das dringende Bedürfnis, sich für Gleichberechtigung starkzumachen und gegen Ungerechtigkeit starkzumachen – all das erleben viele, wenn sie sich mit feministischen Themen beschäftigen.
Oft sind es Filme und Serien, die genau diese Gefühle auslösen: Geschichten über Macht, Solidarität, Ungerechtigkeit – und den Mut, dagegen anzukämpfen.
Im Folgenden findet ihr eine Auswahl an Film- und Serienempfehlungen, die berühren, wütend machen oder inspirieren.
1. Promising Young Woman
(auf YouTube/Amazon Prime erhältlich)
Dieser provokante Thriller erzählt die Geschichte einer Frau, die beschließt, zurückzuschlagen. Cassie ist klug, berechnend und voller Wut. Nacht für Nacht geht sie in Bars, gibt vor, stark betrunken zu sein, und lässt sich von Männern mitnehmen, die diese Situation ausnutzen wollen. Doch dann dreht sie den Spieß um.
Der Film entwickelt sich bald zu weit mehr als einer Geschichte über Rache. Er stellt unbequeme Fragen nach Verantwortung und dem Wegschauen von Freund:innen sowie nach dem gesellschaftlichen Bild des "vielversprechenden jungen Mannes", der trotz schwerer Vergehen oft glimpflich davonkommt. Ein verstörender, kluger Film, der lange nachwirkt.
In den sozialen Medien liest man oft den Satz: "Seid froh, dass wir nur Gleichberechtigung wollen und keine Rache." Dieser Film zeigt, was passiert, wenn Frauen sich mit Gleichstellung nicht zufriedengeben.
2. Little Women
(Amazon Prime)
Vier Schwestern wachsen im 19. Jahrhundert in den USA auf, einer Zeit mit klaren und engen Geschlechterrollen. Jede von ihnen sucht ihren eigenen Weg zwischen gesellschaftlichen Erwartungen, Liebe, Beruf und Selbstbestimmung.
Der Film ist warmherzig, klug und inspirierend zugleich. Er zeigt, wie Frauen schon damals versuchten, die Grenzen ihrer Zeit zu erweitern. "Little Women" ist längst ein Klassiker der feministischen Literatur und Filmgeschichte und bleibt auch heute erstaunlich aktuell.
3. The Morning Show
(Apple TV+)
Mit einem Staraufgebot um Jennifer Aniston, Reese Witherspoon und Steve Carell widmet sich diese Serie einem #MeToo-Skandal im Zentrum einer beliebten Morning-Show.
Als dem langjährigen Moderator sexuelle Übergriffe vorgeworfen werden, gerät nicht nur seine Karriere ins Wanken, sondern ein ganzes System. Wer wusste was? Wer hat weggesehen? Wer profitiert von den bestehenden Machtstrukturen?
Besonders bemerkenswert ist, dass Steve Carell seine Rolle als beschuldigter Moderator ohne jede Beschönigung spielt. Man kann seine Rolle regelrecht nicht ausstehen, und er schreckt nicht davor zurück, sich in diese Position zu begeben. Auch Jennifer Aniston, seine Co-Moderatorin in der Serie, zeigt auf erschreckende Weise, dass es schwer sein kann, wenn ein geliebter Mensch ein Täter ist und man diesen plötzlich hassen muss.
Die Serie zeigt, wie komplex solche Fälle sind und wie viele Menschen in Machtstrukturen verstrickt sein können. Sie macht oft wütend, aber genau deshalb lohnt sie sich.
4. The Handmaid's Tale
(auf YouTube/Amazon Prime kaufbar)
In dieser preisgekrönten Serie wird eine erschreckende Dystopie gezeigt: In einer nahen Zukunft hat sich in den USA ein christlich-fundamentalistischer Staat etabliert. Frauen verlieren nahezu alle Rechte und werden systematisch kontrolliert.
Einige von ihnen werden als sogenannte "Mägde" dazu gezwungen, Kinder für reiche und mächtige Familien zu bekommen, da eine Umweltkatastrophe große Teile der Bevölkerung unfruchtbar gemacht hat.
Die Serie zeigt nicht nur dieses brutale System, sondern auch in Rückblicken, wie leicht demokratische Strukturen kippen können. Gerade deshalb wirkt die Geschichte so beklemmend realistisch. "The Handmaid’s Tale" ist düster, aufwühlend und schwer anzusehen – aber genau deshalb auch so wichtig.
5. Unbelievable
(Netflix)
Die Serie erzählt die Geschichte der 18-jährigen Marie, die nach einer Vergewaltigung Anzeige erstattet, aber niemand glaubt ihr.
Marie wirkt traumatisiert und verunsichert, was dazu führt, dass die Polizei ihre Aussagen anzweifelt. Während Marie immer mehr unter Druck gerät, beginnen zwei Ermittlerinnen schließlich, den Fall ernst zu nehmen und selbst nach Beweisen zu suchen.
Das besonders Erschütternde: Die Serie basiert auf wahren Ereignissen. Die Serie "Unbelievable" zeigt nicht nur das Leid eines Opfers, sondern auch, wie institutionelles Misstrauen und schlechte Ermittlungsarbeit weiteren Schaden anrichten können.
6. Bridgerton
(Netflix)
Auf den ersten Blick scheint die Serie über den britischen Adel im frühen 19. Jahrhundert nicht unbedingt feministisch zu sein. Im Mittelpunkt stehen gesellschaftliche Debüts, Heiratsmärkte und höfische Intrigen.
Und trotzdem gibt es Figuren, die viele Zuschauerinnen begeistern, allen voran Eloise Bridgerton. Sie rebelliert offen gegen die Erwartungen ihrer Zeit und will sich nicht in die Rolle der "perfekten Ehefrau" drängen lassen.
Gleichzeitig bleibt der Feminismus der Serie begrenzt. Er spielt sich meist innerhalb eines sehr privilegierten, adeligen Umfelds ab. Gerade deshalb lohnt sich ein kritischer Blick. Trotzdem macht die Serie Spaß und zeigt zumindest kleine Momente weiblicher Selbstbehauptung.
7. The Bold Type
(RTL+ / Amazon Prime)
In dieser Serie werden drei junge Frauen begleitet, die gemeinsam in der Redaktion eines großen Frauenmagazins arbeiten. Als Freundinnen navigieren sie gemeinsam durch Karriere, Beziehungen, Sexualität und gesellschaftliche Erwartungen.
"The Bold Type" erzählt dabei nicht nur klassische Liebesgeschichten, sondern rückt auch weibliche Freundschaft, Solidarität und berufliche Selbstverwirklichung in den Mittelpunkt. "The Bold Type" kommt auch bei Menschen gut an, die bisher keine Berührungspunkte mit Feminismus hatten. Die Serie führt auf gute Art an das Thema heran und motiviert zu Solidarität.
8. Workin' Moms
(Netflix)
Auch in dieser Serie geht es um Frauen im Berufsleben, allerdings liegt der Fokus hier besonders auf der Mutterschaft.
Die Figuren versuchen, Karriere, Familie, Partnerschaft und eigene Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen. Genau darin liegt der Kern der Serie: Sie zeigt, wie unrealistisch viele gesellschaftliche Erwartungen an Frauen sind.
Mit viel Humor und Selbstironie werden Themen wie das Stillen im Büro, Erschöpfung nach der Geburt oder Probleme in der Partnerschaft nach der Geburt von Kindern behandelt. Die Serie ist ehrlich, chaotisch und sehr nah an der Realität vieler Frauen.
Serien wie "Workin' Moms" sind wichtig für Frauen, denn sie beschönigen nichts. Dadurch können sich Frauen damit identifizieren. Außerdem können Männer so erfahren, mit welchen Realitäten Mütter zu kämpfen haben. Das wird hoffentlich in Zukunft zu mehr Verständnis und Unterstützung führen.
Warum Filme und Serien mehr bewirken, als man denkt
Natürlich verändern Filme und Serien allein die Welt nicht. Aber sie können Perspektiven öffnen, Geschichten sichtbar machen und Diskussionen anstoßen. Zum Beipsiels am Frauenstreiktag erinnern sie uns daran, welche Kämpfe Frauen schon geführt haben – und welche noch vor uns liegen.
Und manchmal beginnt Veränderung genau dort: beim Zuhören, Mitfühlen oder gemeinsamen Wütendwerden vor dem Bildschirm.