Für manche ist es ein alter Hut, andere können mit dem Begriff nichts anfangen: "Italian Brainrot" ist im Jahr 2025 groß geworden. Inzwischen hört man sogar Kinder, die mit englischen oder völlig sinnfreien Begriffen um sich werfen. 

Es ist nun einmal typisch für Jugendsprache, dass junge Menschen Wörter oder ganze Sätze benutzen, die andere Generationen entweder gar nicht kennen oder zumindest nicht im gleichen Kontext verstehen. 

Der TikTok-Hype um absurde KI-Figuren

Der wohl heißeste Trend des Jahres war eindeutig "Italian Brainrot". Die dazugehörigen "Figuren” waren selbst Kindergartenkindern bekannt – und sind es vielerorts noch immer. Wörtlich übersetzt bedeutet der Begriff "italienische Hirnfäule" und beschreibt ein Internetphänomen, bei dem ein TikTok-Nutzer mithilfe von KI bizarre Kreaturen erschaffen hat. 

Dabei handelt es sich meist um Wesen, die tierische Körper mit menschlichen oder anderen fremdartigen Merkmalen kombinieren. Sie sind oft überdimensioniert, animiert und bewusst grotesk gestaltet. Jede Figur erhält eine eigene, jedoch völlig sinnfreie Hintergrundgeschichte. 

Anschließend werden diese Kreaturen als kurze Videos animiert und mit KI-Stimmen auf TikTok und anderen Social-Media-Plattformen veröffentlicht. Wie es der TikTok-Algorithmus so will, gingen viele dieser Clips eher zufällig viral – besonders bei Kindern und Jugendlichen fanden sie großen Anklang. Der Hype wuchs so stark, dass bereits im vergangenen Sommer Merchandise-Artikel wie Kissen, T-Shirts oder Sammelkarten verkauft wurden. 

Skurrile Figuren zwischen Humor und Absurdität

Als Ausgangspunkt des Trends gilt "Bombardiro Crocodilo": eine absurde Mischung aus dem Körper eines B-17-Bombers und dem Kopf eines Krokodils. In den begleitenden Videos wird erzählt, das Wesen bombardiere Kinder in Gaza und Palästina, glaube nicht an Allah und liebe Bomben. 

Auch "Bombombini Gusini", der als Bruder von Bombardiro dargestellt wird, bewegt sich in diesem militärischen Kontext. Er erscheint als bewaffnete Gans in Kampfmontur. 

Deutlich spielerischer, aber nicht weniger bizarr ist "Tralalero Tralala": ein dreibeiniger Hai mit Nike-Schuhen, der Fortnite spielt und von seiner Großmutter mit vulgären Zurufen zum Abendessen gerufen wird. 

"Trippi Troppi" wiederum kombiniert den Körper einer Garnele mit dem Kopf einer Katze und trägt unsinnige Reime vor, die keinerlei erkennbare Bedeutung haben. 

Mit "Cappuccino Assassino" taucht schließlich eine anthropomorphe Figur auf, die mörderische Absichten andeutet und die Absurdität des Trends damit weiter zuspitzt. 

Eines der skurrilsten Wesen ist "Lirili Larila": ein Kaktus-Elefant mit Flossen, der durch die Wüste wandert – ein Bild, das jede Logik bewusst ignoriert. 

Zwischen Spaß und Gefahr: Warum Eltern aufpassen sollten

Auf den ersten Blick wirkt "Italian Brainrot" zwar sinnlos, aber harmlos – ähnlich wie andere virale Phänomene wie Labubus, die ebenfalls einen überraschenden Hype erlebt haben. Die Figuren sind zwar nicht besonders ästhetisch, scheinen aber niemandem direkt zu schaden. 

Problematisch wird es jedoch, wenn man genauer hinsieht. Die von KI-Stimmen in den Videos erzählten Hintergrundgeschichten enthalten häufig fragwürdige Inhalte. Das bleibt oft unbemerkt, da es sich um Kauderwelsch, meist auf Italienisch, handelt. Übersetzt man die Texte jedoch, treten Blasphemie, die Verharmlosung von Kriegsszenarien und verstörende Aussagen zutage. So werden Gott und Allah beispielsweise als Nutztiere bezeichnet und es wird explizit von der Bombardierung von Kindern in Gaza und Palästina gesprochen. 

Kinder plappern diese Inhalte ungefiltert nach, lernen die Texte trotz der fremden Sprache auswendig und reproduzieren so problematische Aussagen – oft ohne jedes Verständnis für deren Bedeutung. Eltern sollten das Kaufen oder Konsumieren von "Italian Brainrot"-Figuren daher nicht befürworten. Gleichzeitig lässt sich kaum verhindern, dass Kinder auf dem Schulhof oder im Freundeskreis damit in Kontakt kommen oder darüber lachen. Verbote entfalten bekanntlich oft eine fast magische Anziehungskraft. 

Hinzu kommt, dass der dauerhafte Konsum solcher völlig sinnbefreiter Videos aus pädagogischer Sicht ebenfalls kritisch zu betrachten ist. Zu hoffen bleibt, dass der Höhepunkt des Trends bald überschritten ist, der Hype abflacht – und nicht in ähnlicher Form zurückkehrt.