12. Mai 2021
Kommentar

Warum beim 3. Ökumenischen Kirchentag Bewegung in die Abendmahlsfrage kommt

Das gemeinsame Abendmahl von Katholiken und Protestanten war beim Ökumenischen Kirchentag immer ein schwieriges Thema. Was dieses Mal anders ist, kommentiert Sonntagsblatt-Chefredakteur Helmut Frank.
Wenn man beim zentralen Zeichen des christlichen Glaubens – dem Abendmahl – ausgeschlossen wird: Wie glaubwürdig ist dann die ganze Ökumene noch?

Die Geschichte der Ökumenischen Kirchentage ist geprägt vom Spannungsfeld um das Abendmahl. Katholische Bischöfe gingen stets mit großem Unbehagen in diese Christentreffen – in Sorge, dass mehr passiert als kirchenamtlich zugelassen ist. Für evangelische Kirchenleitende verfestigte sich die Frustration, dass das Normalste nicht möglich war: als Christen gemeinsam am Tisch des Herrn zu sein.

Bereits in Berlin 2003 kam es zum Eklat, als die Initiative "Kirche von unten" Christen aller Konfessionen zu zwei Abendmahlsgottesdiensten am Rande des Kirchentags einlud. Bei einem zelebrierte der emeritierte Theologieprofessor Gotthold Hasenhüttl nach römisch-katholischem Ritus und lud alle Anwesenden zur Kommunion ein. Ihm wurde daraufhin die Ausübung seines Priesteramts verboten und die kirchliche Lehrerlaubnis entzogen. Der andere Gottesdienst wurde nach evangelischem Ritus gefeiert; der Priester Bernhard Kroll assistierte beim Austeilen der Elemente und wurde von seinem Bischof Mixa umgehend suspendiert.

Wie Katholiken und Protestanten beim 3. Ökumenischen Kirchentag gemeinsam Abendmahl feiern können sollen

2010 in München wurde deshalb ein gemeinsames Abendmahl im Vorfeld von den Leitungsebenen beider Kirchen deutlich abgelehnt. Trotz Verbots feierte Hasenhüttl mit dem evangelischen Pfarrer Eberhard Braun mit rund 1.000 Menschen ein ökumenisches Abendmahl nach der Lima-Liturgie. Weder die evangelische noch die katholische Kirche wollten hierfür eine Kirche zur Verfügung stellen; so feierten sie im Hörsaal der TU München. Hasenhüttl berief sich auf Papst Benedikt XVI. Dieser soll 1993 erklärt haben, die Gegenwart des Herrn sei auch beim evangelischen Abendmahl nicht zu leugnen.

Beim 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt (13. bis 16. Mai) ist man nun einen Schritt weiter. Bei den Gottesdiensten dürfen die Teilnehmer auch an den Mahlfeiern der jeweils anderen Konfession teilnehmen – wenn sie dies mit ihrem Gewissen vereinbaren können und wenn die Corona-Situation dies zulässt. "Nichtkatholische Teilnehmende sollen sich als willkommene Gäste erfahren", sagt Georg Bätzing, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz. Allerdings sei eine allgemeine Einladung aller Getauften zur Eucharistiefeier aufgrund der fehlenden Kirchengemeinschaft bislang nicht möglich.

Prüfung des Gewissens und die Übereinstimmung mit dem katholischen Glauben

Wer nicht einlädt, muss also auch nicht ausladen oder zurückweisen. Voraussetzung für einen würdigen Empfang der eucharistischen Gaben ist Bätzing zufolge die Prüfung des Gewissens und die Übereinstimmung mit dem katholischen Glauben. Das heißt: Wer als Protestant die Kommunion empfängt, wird in diesem Moment auch ein Stück weit römisch-katholisch. Dennoch: Die Tür ist nun für weitere Schritte offen.

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