7.03.2020
Coburg

Stolperstein für Elvis-Fotografen

Mit ungewöhnlichen Aufnahmen Elvis Presleys wurde er bekannt, nun verlegt die Stadt Coburg Stolpersteine für ihn und seine Familie: Fotograf Alfred Wertheimer floh vor mehr als 80 Jahren vor den Nationalsozialisten in die USA.
Der Künstler Gunter Demning verlegt in Augsburg Stolpersteine
Das Stolperstein-Projekt des Künstlers Gunter Demning existiert bereits in 26 Ländern

Ein Stolperstein erinnert künftig in Coburg an den Fotografen Alfred Wertheimer (1929-2014). Als eine von vier Gedenktafeln soll der Stolperstein am kommenden Montag (9. März) vor dem Geburtshaus der jüdischen Familie Wertheimer verlegt werden, teilte die Stadt Coburg mit.

International bekannt wurde Alfred Wertheimer für seine Fotoserien, in denen er den jungen Elvis Presley für dessen Plattenfirma RCA porträtierte.

Diese oft ungewöhnlich privaten und intimen Aufnahmen, die im Jahr 1956 am Anfang von Presleys Weltkarriere entstanden, gelten als wegweisend für die Fotografie der Rock'n'Roll-Ära. Später fotografierte Wertheimer zahlreiche weitere Stars und Politiker, darunter Paul Anka und Nina Simone, Jackie und John F. Kennedy oder Richard Nixon.

Auf der Flucht vor den Nationalsozialisten hatten Wertheimers Eltern Julius und Käthe zusammen mit ihren Söhnen Alfred und Heinz im Jahr 1936 Deutschland verlassen und emigrierten in die USA. Mindestens drei weitere Verwandte starben in Konzentrationslagern in Auschwitz, Theresienstadt und Belzyce. Wenige Wochen vor seinem Tod besuchte Alfred Wertheimer noch einmal seine Geburtsstadt und trug sich ins Goldene Buch der Stadt Coburg ein.

Seit 2009 wurden in Coburg nach Angaben der Stadt bereits rund 120 Stolpersteine verlegt.

Damit gehört Coburg zu rund 1.200 Städten in Deutschland, in denen diese Gedenktafeln an Verfolgte und Ermordete des Nazi-Regimes erinnern. Mit mehr als 75.000 Stolpersteinen in insgesamt 26 Ländern gilt das Projekt des Kölner Künstlers Gunter Demnig als das weltweit größte dezentrale Mahnmal. In Oberfranken gibt es Stolpersteine unter anderem in Bamberg, Hof, Kronach und Kulmbach. Bayreuth gehört ebenso wie München zu den bayerischen Städten, in denen die Verlegung dieser Steine auf öffentlichem Grund bis jetzt nicht erlaubt ist.

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