11.11.2020
Seenotrettung

Nach Kritik an Seenotrettung: Nürnberger Pfarrer muss seine Gemeinde verlassen

Die evangelische Kirche engagiert sich in der Seenotrettung von Flüchtlingen. Ein Nürnberger Pfarrer kritisierte solche Einsätze scharf und muss jetzt seine Gemeinde verlassen.
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Der Protestssturm war heftig: Nach Bekanntwerden seines Leserbriefes zur Seenotrettung im Oktober muss der evangelische Pfarrer Matthias Dreher nun seine Nürnberger Gemeinde verlassen.

Dreher hatte im Oktober unter der Überschrift "Ein Christ kann ertrinken lassen" im "Korrespondenzblatt" des bayerischen Pfarrer- und Pfarrerinnenvereins Rettungsschiffe für Flüchtlinge kritisiert.

Trennung von der Gemeinde

Das Büro der Nürnberger Regionalbischöfe gab die Trennung Drehers von der Gemeinde im Ortsteil Ziegelstein nach einer Online-Sitzung des Kirchenvorstands der Gemeinde am Dienstag bekannt.

Bei der Aussprache sei Regionalbischof Stefan Ark Nitsche dabei gewesen, sagte der Referent der Regionalbischöfe, Jonas Schiller, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Nitsche entschied dann, Dreher mit dessen Einverständnis ab dem 15. November zu einem anderen Dienst, "zunächst mit allgemein-kirchlichen Aufgaben", abzuordnen.

Damit könne die inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Pfarrer weitergehen, "ohne den Frieden in der Gemeinde oder ihre Einheit weiter zu gefährden", hieß es.

Stellungnahme Drehers

Dreher veröffentlichte am Dienstag eine Stellungnahme, in der er einräumt, dass er "für Polarisierung, Irritation und Ärger" gesorgt habe. Er bedauere das außerordentlich. Der Titel seines Leserbriefes habe "den Anschein eines herzlosen Pfarrers erweckt". Er wolle aber "mit vollem Herzen für die Menschen da sein".

Der Pfarrer bedauert, auf das "Feld konkreter Politik" hätte er sich als Bürger und nicht als Pfarrer begeben müssen. "Ich bin quasi aus der Rolle gefallen und das tut mir leid."

Kritik an der Seenotrettung

Dreher wiederholt in der Erklärung aber seine Kritik an der Seenotrettung. Der Satz "Ein Christ kann nicht ertrinken lassen" rette niemanden, schreibt er.

Der Satz formuliere "ein unerfüllbares Ideal und stellt seinen Sprecher auf die moralisch vermeintlich 'gute' Seite". Die Motive der Sendung eines Schiffes könne man als christlich anerkennen. Es rette aber nur, wen es konkret finde. "Weitere Menschen lockt es, ohne zu helfen. Andere Migrationsprobleme übergeht es", betonte Dreher.

Der Kirchenvorstand seiner Gemeinde hatte sich nach Berichten über den Leserbrief im "Korrespondenzblatt" einer Erklärung der Nürnberger evangelischen Dekane angeschlossen, die sich von Drehers Aussagen distanzierten.

"Unter gar keinen Umständen darf man Menschen ertrinken lassen. Aus christlicher Sicht ist diese Forderung bedingungslos", hatten die Dekane geschrieben.

Bedford-Strohm: Unterstützung der Seenotrettung

Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, hat sich öffentlich in den vergangenen Jahren immer wieder für eine humanitäre Flüchtlingspolitik und die Seenotrettung im Mittelmeer starkgemacht.

Konkret unterstützt die evangelische Kirche das Bündnis "United4Rescue", das im Sommer die Mission des zivilen Rettungsschiffs "Sea-Watch 4" ermöglicht hatte. 

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