11.12.2020
Corona und Weihnachten 2020

"Weihnachtsessen to go" statt Feier: Einrichtungen gehen für Bedürftige und Einsame neue Wege

Abstand und Hygiene gelten heuer auch an Weihnachten. Doch während es für Familienfeiern Ausnahmen von den Corona-Regeln geben soll, wird es Gemeinschaftsfeiern für Bedürftige und Einsame nicht geben - die Organisatoren planen deshalb Alternativen.
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Wer an den Weihnachtstagen einsam ist, das Fest aber trotzdem im Gemeinschaft verbringen möchte, hat in Bayern vielerorts die Möglichkeit, sich einer öffentlichen Weihnachtsfeier anzuschließen. Normalerweise. Doch auch hier macht Corona vieles anders.

Etwa die Weihnachtsfeier der ökumenischen Gemeinschaft Sant'Egidio in Würzburg, zu der in den vergangenen Jahren bis zu 1.500 Menschen kamen - Bedürftige, Geflüchtete, Einsame. Die Feier wird es heuer nicht geben, dafür ein "To go"-Angebot. Das bieten sie in Nürnberg beim Obdachlosenfrühstück schon länger an.

Obdachlosenhilfe in Nürnberg

Seit mehr als 30 Jahren ist das Obdachlosenfrühstück eine Institution der Nürnberger Innenstadt-Kirchengemeinden. Eine Erfolgsgeschichte aus traurigem Anlass. Und die gerät in Zeiten von Corona noch ein Stückchen trauriger. Rund 300 Menschen kommen seit Mitte März zum "Obdachlosenfrühstück to go" an das Nürnberger Haus der Kirche "eckstein" für ein warmes Getränk und eine Tüte Lebensmittel. An Heiligabend werden doppelt so viele erwartet. Weil die Feier für sozial Schwache in St. Jakob am 24. Dezember wegen Corona aus Platzgründen nicht möglich ist.

In der Regel müssen die Kirchengemeinden rund 1.000 Euro zuschießen, um die Lebensmittel für das Obdachlosenfrühstück zu beschaffen. An Heiligabend wird es der doppelte Betrag sein.

Im "eckstein" soll es diesmal zusätzlich für die Gäste auch eine warme Mahlzeit zum Mitnehmen geben. Der 25. Dezember ist wieder ein Freitag. Auch dann werden Projektkoordinatorin, Diakonin Ute Kollewe, und ihr Team den Menschen in der Schlange Tüten packen. "Das sind Leute wie Du und ich, sie haben eine Würde, und wir wollen sie auch so behandeln", erläutert Kollewe.

Weihnachtsessen to go in München

In München arbeitet der Katholische Männerfürsorgeverein derzeit an einem Ersatz für die Obdachlosen-Weihnachtsfeier. Die findet traditionell an Heiligabend im Hofbräuhaus statt. Rund 700 Gäste werden normalerweise von über 100 Ehrenamtlichen bewirtet, die Fotos vergangener Jahre zeigen enges Gedränge wie im Bierzelt. Die Einhaltung von AHA-Regeln sei dort undenkbar. "Unser Plan war, das Essen in die Olympiahalle zu verlegen, um genug Platz zu haben", so die Organisatoren der Männerfürsorge. Das wurde nicht genehmigt. Man arbeite nun an einer "to go"-Variante.

 

Auch in der evangelischen Matthäuskirche am Sendlinger Tor gibt es für gewöhnlich ein Festessen für rund 350 Bedürftige. Dort hilft traditionell Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm beim Verteilen von Schweinebraten und Knödel mit. Man tue, "was möglich ist", sagt Pfarrer Thomas Römer von den Matthäusdiensten.

Es werde einen gemeinsamen Gottesdienst am Mittag geben, anschließend bekommen ungefähr 150 Gäste ein Essen mit. "Unsere Idee, dass verschiedene Menschen unterschiedlicher Herkunft gemeinsam an einem Tisch sitzen, können wir momentan nicht leben", sagt er.

Heiligabend in Regensburg

Auch in Regensburg wird es an Heiligabend nur "to go"-Varianten für Obdachlose und Hilfsbedürftige geben. Der Verein Strohhalm bereitet ab 14 Uhr ein warmes Drei-Gänge-Menü zum Mitnehmen. Rund 70 Gäste würden dort normalerweise von Ehrenamtlichen bewirtet. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln sei das in den Vereinsräumen nicht möglich. Auch die Innenstadtseelsorge ist an Heiligabend aktiv.

Nach einem Gottesdienst um 13.30 Uhr in der Basilika St. Emmeram werden im Pfarrgarten Essenspakete an etwa 100 Obdachlose und Hilfsbedürftige überreicht.

Essen und ein Geschenk in Würzburg

In Würzburg ist für viele bedürftige und einsame Menschen das Weihnachtsfest von Sant'Egidio am 25. Dezember jedes Jahr ein Höhepunkt. "Wir machen uns viele Gedanken und planen eifrig", wie man trotz Corona ein bisschen Weihnachtsstimmung erzeugen kann, sagte Sant'Egidio-Vorsitzender Klaus Reder.

Momentan sei geplant, die Gäste dezentral in verschiedene Kirchengemeinden im Stadtgebiet einzuladen. Dort soll es laut Reder "einen kurzen Gruß, ein Weihnachtsessen to go und ein Geschenk" geben. Die Helfer der Laienorganisation jedenfalls stünden bereit.

Um die Corona-Auflagen einhalten zu können, entzerre man das ganze: "Jeder Gast bekommt von uns eine schriftliche Einladung mit einem genauen Ort und einem genauen Zeitpunkt", sagte Reder. Zudem werde man "corona-kompatible Hausbesuche" bei denjenigen machen, die bisher nicht selbstständig zu einer Feier kommen konnten und den Fahrdienst genutzt haben: "Wirklich jeder soll ein nettes Wort, ein Essen und ein Geschenk erhalten." Darüber hinaus plane man "auch noch verschiedene Streaming-Angebote für unsere Gäste" an Weihnachten.

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