Sea-Watch-Klage vor EuGH erfolgreich

Montag, 1. August 2022, 12.19 Uhr: Behörden dürfen Schiffe humanitärer Organisationen künftig nur noch aus triftigem Grund kontrollieren. Das hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) am Montag in Luxemburg entschieden. Das Urteil schaffe "Rechtssicherheit für die Seenotrettung", sagte Sea-Watch-Sprecher Oliver Kulikowski dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Organisation hatte geklagt, weil italienische Behörden im Sommer 2020 die beiden Schiffe "Sea-Watch 3" und "Sea-Watch 4" über Monate festgehalten hatten.

Staaten dürfen in ihren Häfen dem Urteil zufolge grundsätzlich auch Schiffe humanitärer Organisation kontrollieren. Für eine Kontrolle müssten die Behörden "jedoch konkret und detailliert nachweisen, dass belastbare Anhaltspunkte für eine Gefahr für die Gesundheit, die Sicherheit, die Arbeitsbedingungen an Bord oder die Umwelt vorliegen", entschieden die Richter.

Sea-Watch wertet das als Erfolg. "Dass Hafenstaatkontrollen weiterhin an NGO-Schiffen stattfinden dürfen, ist gut so. Denn sie sollen der Schiffssicherheit dienen, an der auch uns sehr viel liegt", teilte die Nichtregierungsorganisation (NGO) auf Twitter mit. Anlass der Klage sei die Willkür der Kontrollen gewesen.

Die beiden Schiffe "Sea-Watch 3" und "Sea-Watch 4" waren auch mit der Begründung überprüft worden, dass sie eine weitaus höhere Zahl von Personen an Bord aufgenommen hätten als zulässig gewesen sei. Rettungsschiffe steuern oft mit Hunderten Flüchtlingen und Migranten die Häfen an. Das Gericht stellte nun klar, dass die Personenzahl für sich genommen keinen Grund darstellen dürfe, der eine Kontrolle rechtfertige.

Außerdem hatten die italienischen Behörden von den Sea-Watch-Schiffen eine Zertifizierung als Rettungsschiff verlangt. Diese Kategorie gebe es in Deutschland aber nur für Rettung im staatlichen Auftrag, nicht für eine zivilgesellschaftliche Initiative, erklärte Kulikowski. Auch das Gericht wies diese Forderung der italienischen Behörden zurück. Die "Sea-Watch 3" und "Sea-Watch 4" führen unter deutscher Flagge und erfüllten alle Forderungen des Flaggenstaats. Der Hafenstaat sei nicht befugt, weitere als die vom Flaggenstaat ausgestellten Zeugnisse zu verlangen, heißt es in der Mitteilung des EuGH.

Mehr als 430 Flüchtlinge verlassen "Sea-Watch 3" in Tarent

Sonntag, 31. Juli, 21 Uhr: Die mehr als 430 von der "Sea-Watch 3" im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge sind Italien an Land gegangen. Eine Woche nach der ersten Rettung hätten die Menschen das zivile Rettungsschiff im Hafen von Tarent verlassen, erklärte die Regensburger Betreiber-Organisation Sea-Watch.

Die italienischen Behörden hatten der "Sea-Watch 3" den Hafen von Tarent am vergangenen Donnerstag zugewiesen. Das Schiff hatte die Flüchtlinge und Migranten am Wochenende zuvor bei mehreren Einsätzen im Mittelmeer gerettet und anschließend auf die Zuweisung eines europäischen Hafens gewartet. Mehrere der Überlebenden mussten aus medizinischen Gründen evakuiert werden.

Derzeit sind noch die "Geo Barents" von "Ärzte ohne Grenzen" und die von dem internationalen Verbund "SOS Méditerranée" betriebene "Ocean Viking" auf dem Mittelmeer unterwegs. Beide Schiffe haben in den vergangenen Tagen ebenfalls jeweils Hunderte Menschen gerettet und warten nun auf einen Hafen. Am Freitagabend brach außerdem die "Sea-Eye 4" vom Hafen von Messina zu einer neuen Mission auf.

Das Mittelmeer ist eine der wichtigsten und zugleich gefährlichsten Fluchtrouten nach Europa. Immer wieder wagen Menschen auf der Suche nach Schutz die riskante Überfahrt. Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn des Jahres mindestens 1.037 Flüchtlinge und Migranten bei der Fahrt über das Mittelmeer gestorben oder gelten als vermisst.

 

"Geo Barents" rettet 89 Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer

Mittwoch, 27. Juli 2022, 11.05 Uhr: Die Crew der "Geo Barents" hat Dutzende Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Bei zwei Rettungsaktionen in der Nacht zum Dienstag wurden 89 Schutzsuchende an Bord geholt, wie die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen", die das Schiff betreibt, auf Twitter mitteilte. In den vergangenen Tagen haben die Schiffe privater Seenotrettungsorganisationen Hunderte Flüchtlinge und Migranten im Mittelmeer gerettet.

Auf der "Geo Barents" sind nach den jüngsten Rettungen laut Angaben von "Ärzte ohne Grenzen" 141 Überlebende. Bereits am Montag wurden demnach 52 Frauen, Männer und Kinder an Bord genommen.

Auch die "Sea-Watch 3" und die "Ocean Viking" haben mehrere hundert Flüchtlinge und Migranten an Bord. Die "Sea-Watch 3" hatte am Wochenende 444 Menschen vor der libyschen Küste gerettet. Nachdem mehrere Menschen aus gesundheitlichen Gründen evakuiert wurden, warten nun 439 Überlebende auf die Zuweisung eines Hafens. Die von dem internationalen Verbund "SOS Méditerranée" unterhaltene "Ocean Viking" hat nach mehreren Rettungen 387 Flüchtlinge an Bord, darunter mehr als hundert Minderjährige.

Auf der Suche nach Schutz in Europa wagen Flüchtlinge und Migranten immer wieder die riskante Fahrt über das Mittelmeer. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettungsmission, lediglich die Schiffe privater Organisation halten Ausschau nach Schutzsuchenden. In den vergangenen Tagen haben sich laut Medienberichten Hunderte Flüchtlinge auf die italienische Insel Lampedusa gerettet.

Hunderte Flüchtlinge retten sich in Italien an Land

Dienstag, 26. Juli 2022, 11.43 Uhr: Hunderte Geflüchtete haben sich seit dem Wochenende auf die italienische Insel Lampedusa gerettet. Im Morgengrauen des Montags seien sieben Boote angekommen, berichtete der staatliche italienische Sender RAI. Am Sonntag waren demnach 784 Frauen, Kinder und Männer in 31 Booten angelandet.

Dem Sender zufolge befinden sich in der Erstaufnahmeeinrichtung in Lampedusa nun 1.871 Menschen, obwohl nur 350 Plätze verfügbar sind. Weitere Flüchtlinge wurden durch die privaten Rettungsschiffe "Ocean Viking" und "Sea-Watch 3" sowie von der italienischen Küstenwache gerettet.

Die "Ocean Viking " nahm am Sonntag in einer dritten Rettung 73 Menschen an Bord und versorgt nun insgesamt 268 Gerettete, darunter 100 unbegleitete Minderjährige, wie die Organisation SOS Méditerranée mitteilte, die das Schiff betreibt. Die "Sea-Watch 3" der gleichnamigen Organisation rettete nach eigenen Angaben am Wochenende 444 Menschen in fünf Einsätzen vor der libyschen Küste. Die private Notrufhotline Alarm Phone hatte die Besatzung auf die Notfälle aufmerksam gemacht. Nach der Evakuierung einer hochschwangeren Frau und eines Kindes mit schweren Verbrennungen mit deren jeweiligen Angehörigen befänden sich noch 439 Gerettete an Bord. Die Besatzung hofft auf die baldige Zuweisung eines Hafens, um die Menschen an Land zu bringen.

Die italienische Küstenwache rettete laut RAI zudem mehr als 120 Menschen aus drei Schiffen in Seenot. Die Geflüchteten stammen demnach aus Ländern wie Eritrea, Sudan, Palästina, Syrien, Marokko, Bangladesch und Tunesien.

Auf der Suche nach Schutz in Europa wagen Flüchtlinge und Migranten immer wieder die riskante Fahrt über das Mittelmeer. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettungsmission, lediglich die Schiffe privater Organisation halten Ausschau nach Schutzsuchenden. Die italienische Küstenwache reagiert nur in seltenen Fällen. Immer wieder braucht es mehrere Tage, bis die privaten Rettungsschiffe die Erlaubnis zur Anlandung in einem italienischen Hafen erhalten. Malta lässt seit Monaten keine Seenotretter einlaufen. Am Samstag hatte das Rettungsschiff "Rise Above" der Organisation Mission Lifeline die Erlaubnis erhalten, mit 70 Flüchtlingen an Bord den sizilianischen Hafen Augusta anzulaufen.

"Sea-Watch 3" rettet über 400 Flüchtlinge im Mittelmeer

Montag, 25. Juli 2022, 13.16 Uhr: Die "Sea-Watch 3" hat am Wochenende mehr als 400 Flüchtlinge im Mittelmeer gerettet. Wie die Rettungsorganisation Sea-Watch am Sonntag auf Twitter mitteilte, wurden bei mehreren Rettungsaktionen insgesamt 444 Menschen an Bord genommen. Sie waren in überfüllten Booten unterwegs gewesen.

Nun fahre das Schiff in Richtung Norden, hieß es Die Crew hoffe, bald einen sicheren Hafen zu finden. Die "Sea-Watch 3" war erst am Samstag zu ihrem aktuellen Einsatz in der Rettungszone vor der libyschen Küste eingetroffen.

Auf der Suche nach Schutz in Europa wagen Flüchtlinge und Migranten immer wieder die riskante Fahrt über das Mittelmeer. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettungsmission, lediglich die Schiffe privater Organisation halten Ausschau nach Schutzsuchenden.

Am Samstag hatte das Rettungsschiff "Rise Above" die Erlaubnis erhalten, mit 70 Flüchtlingen an Bord den sizilianischen Hafen Augusta anzulaufen. Wie die Dresdner Organisation Mission Lifeline, die das Rettungsschiff betreibt, via Twitter mitteilte, waren die Menschen am Dienstag aus einem überfüllten, nicht seetauglichen Holzboot im südlichen Mittelmeer gerettet worden.

Seit Beginn des Jahres sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 990 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

"Rise Above" mit 70 Flüchtlingen darf Hafen von Augusta anlaufen

Montag, 25. Juli 2022, 09.16 Uhr: Die rund 70 von der "Rise Above" geretteten Flüchtlinge und Migranten können in Italien von Bord gehen. Wie die Dresdner Organisation Mission Lifeline, die das Rettungsschiff betreibt, via Twitter mitteilte, darf die "Rise Above" den Hafen von Augusta auf Sizilien anlaufen. Die Menschen waren am Dienstag aus einem überfüllten, nicht seetauglichen Holzboot im südlichen Mittelmeer gerettet worden.

Auf der Suche nach Schutz in Europa wagen Flüchtlinge und Migranten immer wieder die riskante Fahrt über das Mittelmeer. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettungsmission, lediglich die Schiffe privater Organisation halten Ausschau nach Schutzsuchenden.

Seit Beginn des Jahres sind nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 990 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Brückenpreis 2022 geht an Sea-Eye-Gründer Michael Buschheuer

Freitag, 22. Juli 2022, 13.54 Uhr: Der Brückenpreis der Stadt Regensburg geht in diesem Jahr an Michael Buschheuer, den Gründer der Seenotrettungsorganisation Sea-Eye. Buschheuer sei ein "unermüdlicher Kämpfer in der Seenotrettung von Flüchtlingen", teilte die Stadt Regensburg am Freitag mit. "Keine Widrigkeiten, Drohungen und Anfeindungen konnten ihn und sein Team von ihrem Einsatz, Menschen im Mittelmeer zu retten, abbringen", begründete die Jury ihre Auszeichnung.

Der Verein Sea-Eye rettete seit seiner Gründung 2015 nach eigenen Angaben mehr als 16.000 Geflüchtete vor dem Ertrinken im Mittelmeer. Dotiert ist der Preis mit 15.000 Euro. 2020 erhielt Buschheuer bereits den renommierten Georg-Elser-Preis für Zivilcourage von der Stadt München.

Im Frühjahr 2018 zog sich der Unternehmer und Gründer von Sea-Eye aus dem Vorstand zurück, gilt aber bis heute als Gesicht und Herz der Organisation und setzt sich nach wie vor für deren Ziele ein. Buschheuer rief im November 2018 einen weiteren Verein ins Leben, die Organisation Space-Eye. Diese überwacht und dokumentiert die Bewegung von Flüchtlingsbooten im Mittelmeer vor der libyschen Küste, um eine sichere Hilfe durch Seenotretter zu ermöglichen.

Space-Eye sammelt zudem dringend benötigte Hilfsgüter und lässt diese in die Flüchtlingsunterkünfte auf die griechischen Inseln oder ins bosnische Bihać bringen. Der Unternehmer hat auch die Initiative "Second Life - zweite Heimat Regensburg" gestartet, mit deren Hilfe Flüchtlinge aus den Camps auf den griechischen Inseln ein Zuhause bei Paten in Regensburg finden können. Seit Kriegsausbruch in der Ukraine organisiert er laut Mitteilung gemeinsam mit der Stadt Hilfstransporte nach Odessa und unterstützt mit Space-Eye ankommende Flüchtlinge aus der Ukraine in Regensburg.

Im Rahmen eines Festaktes am 15. Oktober wird der Brückenpreis im Reichssaal von Oberbürgermeisterin Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD) überreicht. Der Brückenpreis wurde im Jahr 1995 anlässlich des Jubiläums "750 Jahre Stadtfreiheit" gestiftet.

"Geo Barents" mit 314 Flüchtlingen darf italienischen Hafen anlaufen

Mittwoch, 13. Juli 2022, 10.56 Uhr: Die 314 von der "Geo Barents" im Mittelmeer geretteten Flüchtlinge können in Italien an Land gehen. Das zivile Seenotrettungsschiff darf den Hafen von Tarent anlaufen, wie die Organisation "Ärzte ohne Grenzen", die das Schiff betreibt, am Montagabend mitteilte.

Die Crew der "Geo Barents" hatte die Flüchtlinge und Migranten am vergangenen Donnerstag bei mehreren Einsätzen im Mittelmeer gerettet und seitdem auf die Zuweisung eines europäischen Hafens gewartet. An Bord sind nach Angaben der Organisation auch mehr als 70 Minderjährige.

"Sea-Eye 4" bringt mehr als 470 gerettete Migranten nach Sizilien

Donnerstag, 23. Juni 2022, 08:29 Uhr: Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" mit mehr als 470 im Mittelmeer geretteten Flüchtlingen an Bord darf in Sizilien anlegen. Die italienischen Behörden haben dem Schiff den Hafen in Messina zugewiesen, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt, am Mittwochabend mit. Die Ausschiffung habe bereits begonnen.

Die Crew der "Sea-Eye 4" hatte in der Woche zuvor 494 geflüchtete Menschen bei mehreren Einsätzen aus seeuntauglichen Booten im Mittelmeer gerettet. Die italienische Küstenwache evakuierte unterdessen 18 von ihnen wegen ihres schlechten Gesundheitszustandes. Die Menschen waren vor dem libyschen Bürgerkrieg geflüchtet. Sie stammen laut Angaben von Sea-Eye aus 23 unterschiedlichen Herkunftsländern, darunter Afghanistan, Äthiopien, Eritrea, Mali oder Syrien.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Vor allem aus Libyen, wo Flüchtlingen und Migranten Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen drohen, wagen viele Schutzsuchende die Überfahrt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn dieses Jahres bislang mehr als 800 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

"Sea-Eye 4" rettet fast 500 Flüchtende aus dem Mittelmeer

Donnerstag, 16. Juni 2022, 13:40 Uhr: Mit fast 500 aus Seenot geretteten Menschen an Bord hat die "Sea-Eye 4" am Donnerstag auf die Zuweisung eines Hafens in Europa gewartet. Die Mannschaft des Rettungsschiffes hatte nach Angaben der Regensburger Organisation Sea-Eye in drei Einsätzen seit Mittwoch mehr als 350 Männer, Frauen und Kinder in Sicherheit gebracht, bereits am Montag waren weitere 63 Flüchtlinge und Migranten gerettet worden.

Bei der letzten Rettung in der Nacht zum Donnerstag habe die Crew der "Sea-Eye" ein schweres Unglück noch verhindern können, erklärte die Organisation Sea-Eye. "Die Menschen hatten großes Glück, dass die 'Sea-Eye 4' zum Zeitpunkt des Notrufs weniger als drei Stunden entfernt war und dass sie bei Nacht noch rechtzeitig gefunden worden sind", sagte Vorsitzender Gorden Isler.

Bereits im ersten Notruf habe die Organisation Alarm Phone den Behörden berichtet, dass das Schlauchboot beschädigt sei, Wasser eindringe und die Menschen um Hilfe riefen. "Von staatlichen Akteuren gab es erneut keine Reaktionen." Als die "Sea-Eye 4" den Unglücksort erreicht habe, sei in den Schläuchen kaum noch Luft gewesen. Sehr viele der Geretteten hätten Verätzungen erlitten, weil bei der Vermischung von auslaufendem Kraftstoff mit Meerwasser ein stark ätzendes Gemisch entstehe.

Zu einem weiteren Seenotfall kam laut Sea-Eye am Mittwoch das spanische Rettungsschiff "Aita Mari": Mehr als 100 Menschen hätten sich dort in einem überfüllten Schlauchboot auf der Flucht befunden. Der Einsatz der Retter sei von der libyschen Küstenwache gestört worden. 17 Menschen, die ins Wasser gesprungen seien, seien dann von der Crew der "Aita Mari" gerettet worden. Die auf dem Schlauchboot verbliebenen Menschen seien von der libyschen Küstenwache auf deren Schiff gezwungen und gegen ihren Willen zurück nach Libyen gebracht worden.

"Heute mussten wir erneut beobachten, wie gefährlich die sogenannte libysche Küstenwache agiert. Von den EU-Staaten finanziert, verschleppt die sogenannte libysche Küstenwache flüchtende Menschen in ein Bürgerkriegsland, wo sie schwersten Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt sind", erklärte Isler.

Das Mittelmeer zählt zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Vor allem aus Libyen, wo Flüchtlingen und Migranten Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen drohen, wagen viele Schutzsuchende die Überfahrt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn dieses Jahres bislang 818 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Sea-Eye: 21 Seenotretter in Italien angeklagt

Freitag, 20. Mai 2022, 10.14 Uhr: An diesem Samstag (21. Mai ) beginnt in Trapani auf Sizilien die Vorverhandlung gegen 21 Seenotretter. Ihnen werde vorgeworfen, "Beihilfe zu illegaler Migration" geleistet zu haben, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye am Freitag mit.

Anlässlich der Vorverhandlung veröffentlichen Sea-Eye, German Doctors, Refugee Rescue und United4Rescue, die als Partnerorganisationen mit dem Rettungsschiff "Sea-Eye 4" Seenotrettung betreiben, ein gemeinsames Statement, das dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Darin heißt es unter anderem, dass die Anklage von Menschen, die andere vor dem Ertrinken retten, "niemals zur Normalität" werden dürfe. Der Prozess mit seinem insgesamt fünfjährigen Ermittlungsverfahren verfolge das Ziel der Abschreckung. Den 21 Angeklagten drohten laut Sea-Eye bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe von 15.000 Euro pro geretteter Person.

Zahlreiche Hilfsorganisationen bekundeten im Vorfeld ihre Solidarität mit den Angeklagten. Laut Mitteilung findet am Samstag ein deutschlandweiter Aktionstag statt, bei dem Sea-Eye-Gruppen sowie Aktivisten der Seebrücke und anderen Organisationen auf die Straße gehen.

Seebrücken aus ganz Bayern fordern solidarische Migrationspolitik

Dienstag, 17. Mai 2022, 15.09 Uhr: Seebrücke-Organisationen aus ganz Bayern haben sich für eine solidarische Migrationspolitik ausgesprochen. Mit ihrer Forderung für Gleichbehandlung aller Menschen auf der Flucht wandten sich die 26 bayerischen Seebrücken an die Staats- und die Bundesregierung, teilten sie am Dienstag mit. Eine Spaltung in Geflüchtete erster und zweiter Klasse dürfe es nicht geben.

Solidarität und Hilfsbereitschaft müssten allen Menschen gelten, auch denen, "die aus Syrien, dem Irak, Afghanistan oder anderen Kriegs- und Krisengebieten fliehen", sagte Johannes Rückerl von der Seebrücke Regensburg. Statt solidarischer Aufnahme erlebten diese Menschen jedoch "Abschottung, Zurückweisung und die Verweigerung von Menschenrechten".

Unter anderem forderten die Seebrücke-Organisationen sichere Fluchtwege, ein Ende der Pushbacks und der Gewalt an den europäischen Grenzen sowie keine weiteren Abschiebungen. Zudem müsse Bayern ein Landesaufnahmeprogramm aufsetzen und aufnahmewillige Kommunen unterstützen, sagte Laura Hoffmann von der Seebrücke München: "Durch die Erklärung zum sicheren Hafen wird eine Kommune nicht automatisch zu einem echten Zufluchtsort. Vielmehr braucht es dafür konkrete Maßnahmen und Aktionen."

"Sea-Eye 4" bringt 58 Gerettete in Italien an Land

Montag, 16. Mai 2022, 10.27 Uhr: Die Besatzung der "Sea-Eye 4" hat 58 gerettete Flüchtlinge in Sizilien an Land gebracht. Alle Menschen seien im Hafen von Pozzallo von Bord gegangen, teilte die gleichnamige Organisation am Sonntag mit. Zugleich kritisierte Sea-Eye die maltesischen Behörden scharf. Malta habe seine Pflicht zur Koordinierung von Seenotfällen mehrfach nicht erfüllt. Das sei inakzeptabel und müsse juristische und politische Konsequenzen haben, forderte der Sea-Eye-Vorsitzende Gorden Isler. Zwei weitere private Rettungsschiffe warteten derweil noch auf die Zuweisung eines Hafens.

Die Besatzung der "Sea-Eye 4" hatte die 58 Geflüchteten im Mittelmeer in zwei Einsätzen an Bord genommen. 24 konnten in der Nacht auf Freitag nach mehreren Tagen in Seenot aus einem kleinen Holzboot gerettet werden. Die Menschen waren bereits am 8. Mail aus der libyschen Hafenstadt Benghazi aufgebrochen. Malta hatte der Organisation zufolge drei Tage lang keine Hilfe geschickt.

Bereits am 7. Mai hatte die Crew der "Sea-Eye 4" 34 Menschen von einem Frachtschiff übernommen, dessen Besatzung die Flüchtlinge aus einem kleinen Holzboot gerettet hatte. Auch in diesem Fall hatte Malta demnach die Koordinierung der Rettung abgelehnt.

Derweil warteten die Rettungsschiffe "Sea-Watch 4" von der gleichnamigen Organisation und "Geo Barents" von "Ärzte ohne Grenzen" auf die Zuweisung von Häfen, um die Flüchtlinge an Bord an Land zu bringen. Auf der "Sea-Watch 4" befinden sich 145 Gerettete, auf der "Geo Barents" 470.

"Sea-Eye 4" rettet weitere Bootsflüchtlinge im Mittelmeer

Samstag, 14. Mai 2022, 15.23 Uhr: Die Besatzung der "Sea-Eye 4" hat 24 Menschen im Mittelmeer nach mehreren Tagen in Seenot gerettet. Die Flüchtlinge in einem kleinen Holzboot hätten bereits in der Nacht zum Donnerstag in der maltesischen Rettungszone einen Notruf abgesetzt, erklärte die Organisation Sea-Eye in Regensburg. Die maltesischen Behörden hätten allerdings die Koordinierung der Rettung verweigert. Ein Öltanker, der sich in der Nähe des Bootes befand, habe die Anordnung erhalten, das Boot lediglich zu überwachen. Schließlich habe die "Sea-Eye 4" die Menschen in der Nacht zum Freitag an Bord genommen. "Malta schickte drei Tage keine Hilfe!", erklärte der "Sea-Eye"-Vorsitzende Gorden Isler.

Die 24 Flüchtlinge waren demnach bereits am 8. Mai mit dem Boot aus der libyschen Hafenstadt Benghazi aufgebrochen. Sie stammen laut "Sea-Eye" aus Ägypten, Eritrea, Libyen, Sudan, Syrien und Tschad. Der Öltanker "Ross Sea" habe zunächst gar keine Antwort von der maltesischen Rettungsleitstelle erhalten. Der Tanker hätte die Menschen im Falle einer Rettung zum nächsten Zielhafen, der maltesischen Hauptstadt Valletta, gebracht. Obwohl Handelsschiffe rechtlich dazu verpflichtet seien, Menschen in Seenot zu retten, weise Malta sie an, Abstand zu halten.

Die "Sea-Eye 4" hatte bereits am vergangenen Samstag 34 Menschen von einem Frachtschiff übernommen, die von dessen Besatzung aus einem kleinen Holzboot an Bord genommen worden waren. Auch in diesem Fall hatte Malta demnach die Koordinierung der Rettung abgelehnt.

Derweil warten die Rettungsschiffe "Sea-Watch 4" von der gleichnamigen Organisation und "Geo Barents" von "Ärzte ohne Grenzen" auf die Zuweisung von Häfen, um die Flüchtlinge an Bord an Land zu bringen. Auf der "Sea-Watch 4" befinden sich 145 Gerettete, auf der "Geo Barents" 470.

Die Mittelmeer-Route gilt als extrem gefährlicher Fluchtweg. Es gibt dort keine staatlich organisierte Rettungsmission. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn dieses Jahres schon 646 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Deutsche Containerschiffe helfen bei Rettung Dutzender Menschen

Montag, 9. Mai 2022, 10.09 Uhr: Die deutschen Schiffe "Sea-Watch 4" und "Sea-Eye 4" haben am Wochenende 122 weitere Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Am Sonntagabend seien 88 Flüchtlinge und Migranten auf die "Sea-Watch 4" in Sicherheit gebracht worden, teilte die Betreiberorganisation Sea-Watch am Montag auf Twitter mit. Damit seien nun 145 gerettete Männer, Frauen und Kinder an Bord.

Die "Sea-Eye 4" nahm am Sonntag 34 Menschen an Bord, die von einem Containerschiff aus dem Meer gerettet worden waren. Die Flüchtlinge und Migranten seien am Freitag in einem Schlauchboot vor der libyschen Küste entdeckt worden, erklärte die Organisation Sea-Eye aus Regensburg am Montag. Das deutsche Containerschiff "Berlin Express" sei zuerst am Unglücksort gewesen, habe die Menschen aus baulichen Gründen aber nicht an Bord holen können.

Malta habe die Hilferufe ignoriert. Die "Sea-Eye 4" sei dann von deutschen Behörden um Hilfe gebeten worden, habe ihren Kurs geändert und die 34 Flüchtlinge und Migranten schließlich vom ebenfalls für eine deutsche Reederei fahrenden Frachter "BSG Bahamas" übernommen, der die Menschen inzwischen gerettet hatte. Ohne die Besatzungen der beiden Handelsschiffe hätten die Menschen keine Überlebenschance gehabt, sagte Sea-Eye-Sprecher Gorden Isler.

Für die "Sea-Watch 4" dürfte der aktuelle Einsatz einer der letzten unter dem derzeitigen Namen sein. Ab August wird das Seenotrettungsschiff von SOS Humanity betrieben und sticht unter dem neuen Namen "Humanity 1" in See, wie Sea-Watch und SOS Humanity am Montag bekanntgaben. Die "Sea-Watch 4" ist ein ehemaliges deutsches Forschungsschiff, das vor zwei Jahren auf Initiative des Bündnisses United4Rescue erworben, umgebaut und in Betrieb gesetzt wurde. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hatte die breit angelegte Spendenkampagne unter dem Motto "Wir schicken ein Schiff" initiiert. Inzwischen umfasst das Bündnis United4Rescue mehr als 800 Organisationen, Religionsgemeinschaften, Unternehmen und Initiativen.

"Die 'Sea-Watch 4' ist ein Symbol zivilgesellschaftlichen Engagements, das viele Menschen bewegt und fast 1.700 Leben gerettet hat", erklärte Sea-Watch-Vorsitzender Johannes Bayer: "Es ist für uns unglaublich wichtig, dass ihre Erfolgsgeschichte nicht nur im Mittelmeer, sondern auch als Bündnisschiff von United4Rescue weitergeführt wird." Sea-Watch werde mit dem Rettungsschiff "Sea-Watch 3" sowie mit den Aufklärungsflugzeugen "Seabird 1" und "Seabird 2" weiterhin im zentralen Mittelmeer aktiv sein.

SOS Humanity wurde als Organisation zur Rettung Schiffbrüchiger im Mittelmeer 2015 in Berlin gegründet und war bis 2021 im Verbund von SOS Méditerranée aktiv, der aktuell die "Ocean Viking" betreibt. Im Januar löste sich SOS Humanity von dem Verbund mit dem Ziel, der humanitären Krise im Mittelmeer noch stärker entgegenzutreten, und war auf der Suche nach einem eigenen Schiff.

Gerettete von "Sea-Eye 4" können in Sizilien an Land

Mittwoch, 6. April 2022, 12.29 Uhr: Die Besatzung des Rettungsschiffs "Sea-Eye 4" kann die 106 Flüchtlinge an Bord nach Sizilien bringen. Die italienischen Behörden hätten dem Schiff den Hafen der Stadt Augusta zugewiesen, teilte die Organisation "Sea-Eye" am späten Dienstagabend mit und wünschte den Geretteten "ein Leben in Sicherheit, in Würde und in Freiheit".

Die Crew hatte die Menschen am Mittwoch und Donnerstag vergangener Woche bei zwei Einsätzen an Bord genommen. 32 Schutzsuchende übernahm die "Sea-Eye 4" von einem deutschen Handelsschiff. 74 rettete sie aus einem in Seenot geratenen Schlauchboot, darunter 22 Kinder. Seitdem hatte "Sea-Eye" auf die Zuweisung eines Hafens gewartet.

Auch die "Geo Barents" der medizinischen Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" wartet darauf seit Tagen. Die Besatzung hatte bereits am 29. März 113 Menschen aus einem Schlauchboot gerettet, in das Wasser lief. Die Geretteten bräuchten dringend einen sicheren Ort und Hilfe, erklärte die Organisation. Starker Wind und zwei Meter hohe Wellen machten die Situation an Bord noch schwieriger.

Die Mittelmeer-Route gilt als die gefährlichste Fluchtroute der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind seit Beginn dieses Jahres mindestens 467 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

"Sea-Eye 4" zufolge befanden sich drei Boote in Seenot. Ein weiteres mit 145 Menschen sei von der libyschen Küstenwache abgefangen und die Menschen zur Rückkehr gezwungen worden. Das dritte Boot mit 90 Insassen sei verschollen.

"Sea-Eye 4" bittet Malta um Hafen für 106 Gerettete

Freitag, 1. April 2022, 12.45 Uhr: Die Besatzung des Rettungsschiffs "Sea-Eye 4" hat Malta um Hilfe für die Anlandung von insgesamt 106 Flüchtlingen an Bord gebeten. Bisher habe es auf die Anfragen in der Nacht noch keine Reaktion gegeben, erklärte der "Sea-Eye"-Vorsitzende Gorden Isler am Freitagvormittag. Die Crew hatte am Donnerstag 74 Menschen von einem Schlauchboot in Seenot gerettet, darunter 22 Kinder. Am Mittwoch hatte die "Sea-Eye 4" 32 Gerettete von einem deutschen Handelsschiff übernommen.

Die zuletzt Geretteten stammen den Angaben nach aus Ägypten, Nigeria, Sudan, Südsudan und Syrien. 15 von ihnen hätten medizinische versorgt werden müssen. Die "Sea-Eye 4" habe nur eines von gleichzeitig drei in Seenot geratenen Booten erreichen können, erklärte Isler. Ein weiteres mit 145 Menschen sei von der libyschen Küstenwache abgefangen und die Menschen zur Rückkehr gezwungen worden. Das Dritte mit 90 Insassen sei verschollen.

Isler appellierte an Papst Franziskus, bei seinem Besuch auf Malta am Samstag die Lage der Flüchtlinge anzusprechen. "Vielleicht kann ein unmissverständlicher Appell des Papstes an die maltesische Regierung bewirken, dass Malta sich als nächstgelegener EU-Staat für 106 schutzsuchende Menschen verantwortlich fühlt." Schließlich finanzierten auch die Kirchen in Deutschland die "Sea-Eye 4" über das Bündnis "United@Rescue".

Norddeutscher Reeder ruft "Sea-Eye 4" vor Libyen zu Hilfe

Mittwoch, 30. März 2022, 11.05 Uhr: Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat am Dienstag 32 in Seenot geratene Flüchtlinge von einem norddeutschen Handelsschiff übernommen. Der Frachter hatte bei hohem Wellengang die Geflüchteten von einem Holzboot vor der Küste Libyens gerettet, teilte die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye am Mittwoch mit.

Der ukrainische Kapitän des Handelsschiffes berief sich laut Mitteilung auf die Genfer Flüchtlingskonvention, die zur Hilfe verpflichte. Weil der Frachter nicht für die Verpflegung und medizinische Versorgung von Flüchtlingen ausgerichtet ist, habe er die Crew der "Sea-Eye 4" um Hilfe gebeten. Das Schiff war laut Sea-Eye-Angaben zu dem Zeitpunkt etwa 50 Seemeilen von dem Frachter entfernt.

Einige der Geflüchteten wurden laut Mitteilung wegen Unterkühlung und Dehydrierung im Bordhospital behandelt. Die "Sea-Eye 4" steuert die Insel Malta an und wolle um einen sicheren Hafen bitten, sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Neben der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und dem Mennonitischen Hilfswerk gehört das Erzbistum München und Freising zu den Unterstützern des Seenotrettungsvereins Sea-Eye.

Rettungsschiff "Sea Eye 4" startet zum fünften Einsatz

Montag, 14. März 2022, 9.45 Uhr: Zu seinem fünften Rettungseinsatz für Flüchtlinge in Seenot ist das Schiff "Sea Eye 4" am Sonntag vom spanischen Burriana aus aufgebrochen. Die Crew werde in den kommenden Wochen an der südlichen europäischen Meeresgrenze vor Libyen Wache halten, teilte der Regensburger Trägerverein mit. "Es bleibt die tödlichste Meeresgrenze der Welt", schreibt der Vereinsvorsitzende Gordon Isler.

Der Einsatz beginnt nach einer zehn Wochen langen Pause, in der das Schiff auf Werft lag. Die Seenotretter machen sich zum ersten Mal seit Jahresbeginn auf den Weg. Von den EU-Staaten fordern sie, für sichere Fluchtwege aus Libyen, Syrien und Afghanistan Sorge zu tragen. Zivile Rettungsinitiativen müssten weiterhin staatliche Aufgaben im zentralen Mittelmeer wahrnehmen, bedauert der Verein.

Das Schiff "Sea Eye 4" hatte zuletzt Mitte Dezember in vier Rettungseinsätzen 223 Menschen vor der maltesischen Küste gerettet.

"Sea-Watch 4" schließt Rettung von 129 Flüchtlingen ab

Montag, 28. Februar 2022: Das Seenotrettungsschiff "Sea-Watch 4" hat die Rettung von 129 Flüchtlingen erfolgreich abgeschlossen. Die Menschen konnten am Samstag auf Sizilien sicher an Land gehen, wie die Organisation Sea-Watch am Abend auf Twitter mitteilte. Hinter ihnen lägen "ihre Flucht und eine Woche auf rauher See und Sturm an Bord".

Aufgrund schlechter Wetterbedingungen hatten die italienischen Behörden dem Schiff Porto Empedocle als sicheren Hafen zugewiesen und nicht wie zunächst geplant Trapani. Die Besatzung der "Sea-Watch 4" hatte die Menschen rund eine Woche zuvor in der libyschen Seenotrettungszone an Bord genommen.

Immer wieder wagen Flüchtlinge und Migranten in oft seeuntauglichen Booten von Libyen aus, wo ihnen Folter und andere Menschenrechtsverletzungen drohen, die Überfahrt nach Europa. Es gibt auf dem Mittelmeer zurzeit keine staatliche organisierte Seenotrettungsmission, einzig die Boote privater Hilfsorganisationen halten Ausschau nach in Seenot geratenen Flüchtlingen und Migranten.

"Sea-Eye 4" erhält sicheren Hafen in Pozzallo

Sonntag, 27. Dezember 2021: Dem deutschen Rettungsschiff "Sea-Eye 4" mit 214 Flüchtlingen an Bord ist ein sicherer Hafen im italienischen Pozzallo zugewiesen worden. Wie die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt, am Donnerstagnachmittag mitteilte, werde das Schiff den Ort am Freitagmorgen (24. Dezember) erreichen. "Wir hoffen, dass die Menschen nun zeitnah an Land gehen dürfen und nicht auch noch die Weihnachtstage an Bord verbringen müssen", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Viele der geretteten Menschen müssten medizinisch versorgt werden.

Das Schiff hatte Mitte Dezember in vier Rettungseinsätzen 223 Menschen vor der maltesischen Küste gerettet, Malta hatte sich jedoch geweigert, die Koordinierung zu übernehmen. Während die "Sea-Eye 4" sieben Tage lang auf einen sicheren Hafen wartete, mussten neun Menschen aus medizinischen Gründen von der italienischen Küstenwache evakuiert werden. Die Rettungsschiffe "Ocean Viking" von SOS Méditerranée und "Geo Barents" von "Ärzte ohne Grenzen" mit mehr als 500 Geretteten an Bord suchen laut Mitteilung weiter nach einem sicheren Hafen.

Unterdessen hat die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, die neue Bundesregierung zur Mitwirkung aufgefordert: "Auch heute noch müssen sich hochschwangere Frauen auf den Weg machen oder Familien sich mit ihren Kindern in Gefahr begeben, weil Flucht ihre letzte Hoffnung ist. Auch nach 2000 Jahren ist immer noch kein Raum in der Herberge, die EU-Staaten weisen Schutzsuchende unbarmherzig ab und verweigern jede Hilfe", sagte Heinrich laut Mitteilung. Sie hoffe, dass die neue Bundesregierung alles dafür tue, dass die Geretteten spätestens Heiligabend an Land seien.

"Sea-Eye 4": EKD-Synoden-Präses fordert rasche Hilfe für Geflüchtete

Donnerstag, 23. Dezember 2021, 15.14 Uhr: Auf dem deutschen Rettungsschiff "Sea-Eye 4" warten nach sieben Nächten noch immer 216 Menschen auf die Zuweisung eines sicheren Hafens durch die italienischen Behörden. Nach Angaben der Regensburger Hilfsorganisation, die das Schiff betreibt, lehnt Malta "trotz unstrittiger Zuständigkeit" die Verantwortung ab, teilte Sea-Eye am Donnerstag mit. Das Schiff hatte Mitte Dezember 223 Menschen vor der Küste Maltas gerettet. Sieben Menschen wurden bereits aus medizinischen Gründen von der italienischen Küstenwache evakuiert.

Die Schiffsführung habe Italien bereits zum vierten Mal um die Zuweisung eines sicheren Hafens gebeten. Auch die Rettungsschiffe "Ocean Viking" von SOS Méditerranée und "Geo Barents" von "Ärzte ohne Grenzen" mit mehr als 500 Geretteten an Bord suchten nach einem sicheren Hafen. "Die Not der Menschen macht keine Weihnachtsferien", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Mit jeder Stunde, die vergehe, werde eine Ausschiffung vor Weihnachten unwahrscheinlicher.

Unterdessen forderte die Präses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, Anna-Nicole Heinrich, die neue Bundesregierung zur Mitwirkung auf: "Auch heute noch müssen sich hochschwangere Frauen auf den Weg machen oder Familien sich mit ihren Kindern in Gefahr begeben, weil Flucht ihre letzte Hoffnung ist. Auch nach 2000 Jahren ist immer noch kein Raum in der Herberge, die EU-Staaten weisen Schutzsuchende unbarmherzig ab und verweigern jede Hilfe", sagte Heinrich laut Mitteilung. Sie hoffe, dass die neue Bundesregierung alles dafür tue, dass die Geretteten spätestens Heiligabend an Land seien.

Mehrere Seenotrettungsschiffe suchen sicheren Hafen

Montag, 20. Dezember 2021, 13.58 Uhr: Das Seenotrettungsschiff "Sea-Eye 4" mit 223 Männern, Frauen und Kindern an Bord ist weiter auf der Suche nach einem sicheren Hafen. Unter den Geretteten seien sieben schwangere Frauen und acht Kinder, mehrere Personen benötigten eine medizinische Behandlung, erklärte die Regensburger Organisation Sea-Eye am Montag auf Twitter. Ein fünf Jahre alter Junge, der tagelang nahezu bewegungslos auf einem kleinen Boot ausharren musste, könne wegen starker Schmerzen nicht mehr alleine gehen. Die Mannschaft trainiere nun täglich mit ihm.

Noch am Sonntagabend hätten zwei Personen aus gesundheitlichen Gründen evakuiert werden müssen, teilte Sea-Eye am Montag mit. Für die anderen Geretteten sei dringend ein sicherer Hafen nötig, betonten die Retter. Im Mittelmeer waren am Montag weiter die "Ocean Viking" von SOS Méditerranée und die "Geo Barents" unterwegs, die von "Ärzte ohne Grenzen" betrieben wird. Auch die Mannschaften dieser Schiffe hatten Ende vergangener Woche jeweils Dutzende Menschen aus Seenot gerettet.

Derweil hat das Schiff "Rise Above" eine halbe Woche nach der Rettung von 66 Flüchtlingen aus Seenot Sizilien erreicht. Das Schiff der Dresdner Organisation Mission Lifeline legte am Sonntagabend in Porto Empedocle an, wie die Seenotretter am Montag mitteilten. Die Geretteten sollten nun bald von Bord gehen.

Die Flüchtlinge und Migranten waren am Donnerstag laut Mission Lifeline in der Malta zugewiesenen Zone aus dem Meer gerettet worden. "Eigentlich wäre Malta zuständig gewesen, den Einsatz zu koordinieren und uns einen sicheren Hafen zuzuweisen", erklärte Sprecher Axel Steier. Doch Malta habe zu keinem Zeitpunkt auf die Meldungen der Organisation reagiert.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1.691 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer könnte weit höher liegen.

"Sea-Eye 4" rettet 223 Menschen in Seenot

Samstag, 18. Dezember 2021, 20.59 Uhr. Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat auf seiner vierten Rettungsmission vor der libyschen Küste 223 Menschen in Seenot an Bord genommen. Unter ihnen seien 29 Frauen, darunter vier Schwangere, und acht Kinder, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye am Freitag mit, die das Schiff betreibt. Die Crew suche derzeit nach einem weiteren Boot in Seenot.

Die "Sea-Eye 4" war vor einer Woche vom spanischen Hafen Burriana zu ihrer Weihnachtsmission aufgebrochen. Nach dem Eintreffen in der maltesischen Such- und Rettungszone hätten die Crew zahlreiche Meldungen über Boote in Seenot erreicht. Obwohl noch weitere Boote mit Menschen in akuter Seenot gemeldet wurden, habe Malta seine Verpflichtung zur Koordinierung und Rettung von Seenotfällen erneut nicht wahrgenommen, teilte die Hilfsorganisation mit.

Zivile Seenotrettungsorganisationen sind derzeit die einzigen europäischen Einsatzkräfte, die aktiv nach Menschen auf Flüchtlingsbooten suchen. Da sich das Wetter voraussichtlich bald deutlich verschlechtern werde, sinken die Überlebenschancen für Geflüchtete deutlich. "Einerseits bin ich dankbar, dass die Sea-Eye 4 erneut viele Menschen retten konnte. Gleichzeitig ist es schwer zu ertragen, dass wir annehmen müssen, dass für einige Boote in Not keine Hilfe kam", sagte eine Sea-Eye-Sprecherin.

Die 25-köpfige Crew kündigte an, Weihnachten im Einsatzgebiet Wache zu halten. Die "Sea-Eye 4" ist ein Bündnisschiff, das maßgeblich durch das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierte zivile Seenotrettungsbündnis United4Rescue finanziert wird.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1.691 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer könnte weit höher liegen. (00/4260/17.12.2021)

"Sea-Eye 4" startet vierte Rettungsmission im Mittelmeer

Sonntag, 12. Dezember 2021, 15.08 Uhr: Das deutsche Bündnisschiff "Sea-Eye 4" ist am Samstag vom spanischen Hafen Burriana aus zu seinem vierten Rettungseinsatz aufgebrochen. Das Schiff werde sein Einsatzgebiet vor der Küste Libyens noch vor dem vierten Advent erreichen, sagte ein Sea-Eye-Sprecher dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Sonntag. Die 25-köpfige Crew kündigte an, Weihnachten im Einsatzgebiet Wache zu halten.

Die "Sea-Eye 4" ist ein Bündnisschiff, das maßgeblich durch das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierte zivile Seenotrettungsbündnis United4Rescue finanziert wird. Die Weihnachtsmission sei dank Spenden von Menschen möglich geworden, "die nicht einverstanden sind mit der europäischen Abschottungspolitik und nicht mitverantwortlich sein wollen, für das Leid und Sterben an den EU-Außengrenzen", sagte ein Vorstandsmitglied von United4Rescue.

Die Crews der Regensburger Seenotretter von Sea-Eye und der Bonner Hilfsorganisation German Doctors retteten bei ihren bisherigen drei Missionen mit der "Sea-Eye 4" laut eigenen Angaben bereits 1.194 Menschenleben. Auf der dritten Rettungsmission Anfang November 2021 kam die Crew 757 Menschen zur Hilfe, nachdem sich Malta geweigert hatte, mehrere Seenotfälle zu koordinieren und Menschen von einem mit 400 Personen überladenen Holzboot zu retten.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1.645 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen.

Rettungsschiff mit 800 Flüchtlingen an Bord darf in Sizilien anlegen

Sonntag, 7. November 2021, 16.31 Uhr: Die gefährliche Überfahrt ist zunächst zu Ende. Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" mit mehr als 800 Flüchtlingen und Migranten an Bord darf den sizilianischen Hafen Trapani ansteuern, teilte die Rettungsorganisation "Sea-Eye" mit Sitz in Regensburg mit. Das private Rettungsschiff werde voraussichtlich Sonntagnachmittag anlegen. Die Seenotretter hatten die Flüchtlinge und Migranten seit Dienstag bei sieben Einsätzen im Mittelmeer gerettet.

"Wir haben auch auf dieser Mission erneut erlebt, wie Rettungsleitstellen nicht mehr auf Notrufe reagieren", sagte "Sea-Eye-Vorsitzender" Gordon Isler. Die EU-Staaten müssten Malta eindringlich dazu ermahnen, dass die Rettungsleitstelle in Valletta endlich wieder auf Notrufe reagiere - und zwar unabhängig von der Hautfarbe der Person, die sich in Seenot befinde.

Ein weiteres Rettungsschiff wartet noch auf die Zuweisung eines Hafens. Auf dem vom SOS Méditerranée betriebenen Schiff "Ocean Viking" befinden sich Schätzungen zufolge mehr als 300 Menschen, heißt es weiter.

"Sea Eye 4" sucht weiter nach Hafen für mehr als 800 Migrant*innen

Freitag, 5. November 2021, 15.27 Uhr: Mit mehr als 800 Flüchtlingen und Migranten an Bord hat das Rettungsschiff "Sea Eye 4" auch am Freitag einen Hafen gesucht. Die "Sea Eye 4" liege vor der italienischen Insel Sizilien und warte auf die Zuweisung eines Hafens durch die italienischen Behörden, sagte der Sea-Eye-Vorsitzende Gorden Isler (Regensburg) dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Ich hoffe, dass wir den Geretteten ersparen können, noch eine Nacht auf dem Schiff verbringen zu müssen." Dennoch seien die Menschen an Bord voller Hoffnung und arbeiteten gut mit.

Das private Rettungsschiff hatte die bis zu 850 Flüchtlinge und Migranten seit Dienstag bei sieben Einsätzen im Mittelmeer gerettet. Allein in der Nacht zu Donnerstag nahm die "Sea Eye 4" bei einem gemeinsamen Einsatz mit der "Rise Above" des Dresdner Vereins Mission Lifeline etwa 400 Menschen an Bord. Unter den Überlebenden seien mehr als 200 Kinder, sagte Isler.

Ausgelegt ist die "Sea Eye 4" für etwa 200 Menschen. Die größte Sorge an Bord sei, dass es nicht genug Decken gebe und die Lebensmittelvorräte knapp werden, sagte Isler. Für die Überlebenden müsse "sofort die Ausnahmesituation an Bord beendet werden". Aufgrund der Enge und der Dunkelheit unter Deck seien mehrere Personen kollabiert.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1.559 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer könnte weit höher liegen.

"Sea-Eye 4" sucht sicheren Hafen: 400 weitere Menschen gerettet

Donnerstag, 4. November 2021: Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat erneut Hunderte Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet. In der Nacht auf den 4. November habe es eine dramatische Rettung von mehr als 400 Menschen von einem überfüllten Holzboot gegeben, teilte der Regensburger Verein "Sea-Eye" mit. In den Tagen zuvor hatten die Seenotretter von "Sea-Eye" und "Mission Lifeline" bereits 400 Menschen in mehreren Einsätzen gerettet. Insgesamt befinden sich nun 800 Menschen an Bord der "Sea-Eye 4".

Das Schiff sei nun auf der Suche nach einem sicheren Hafen, Malta habe sich bisher jeder Kommunikation verweigert, teilte "Sea-Eye-Sprecher" Gorden Isler mit. "Es ist beschämend, wie Malta sich immer wieder seiner Verantwortung entzieht und Notrufe ignoriert." Die "Sea-Eye 4" habe nun Kurs auf Lampedusa aufgenommen, weil die italienische Insel der am schnellsten erreichbare sichere Hafen sei.

Die Zeit eilt: "Auf der Sea-Eye 4 herrscht nun der Ausnahmezustand. Jede Verzögerung durch die Behörden gefährdet die Gesundheit und das Leben der geretteten Menschen und unserer Besatzung", sagte Isler. Die Situation vor Ort sei dramatisch, bestätigte auch Christine Winkelmann, Vorständin der "German Doctors", die an der Rettungsaktion beteiligt sind. "Wir brauchen Hilfe, damit alle Menschen, die gerade in Seenot sind, gerettet werden können. Das ist doch unsere gemeinsame moralische Verantwortung."

Axel Steier, Vorstand und Sprecher von "Mission Lifeline" (Dresden), geht derweil mit der EU hart ins Gericht. Das Verhalten der europäischen Behörden habe beinahe kriminelle Züge. Die Zuständigkeiten seien eindeutig und klar geregelt. "Warum sich die Staaten nicht daran halten und wissentlich Menschen in Seenot im Stich lassen, kann nur mit mangelndem Verfolgungsdruck des internationalen Strafgerichtshofs zusammenhängen."

"Sea-Eye 4" sucht sicheren Hafen für fast 400 Gerettete

Mittwoch, 3. November 2021: Mit fast 400 im Mittelmeer aus Seenot geretteten Flüchtlingen an Bord hat die "Sea-Eye 4" am Mittwoch um einen sicheren Hafen gebeten. Die Hilferufe seien aber bislang unbeantwortet geblieben, sagte ein Sprecher der Betreiberorganisation "Sea-Eye" mit Sitz in Regensburg am Mittwochnachmittag - viele Stunden nach der letzten Rettungsaktion.

Dabei hatten am frühen Morgen die Mannschaften der "Sea-Eye 4" und der von Mission Lifeline aus Dresden betriebenen "Rise Above" gemeinsam 72 Menschen aus Seenot gerettet, wie Mission Lifeline auf Twitter mitteilte. Bereits am Dienstag hatten die Crews die Rettung von 325 Menschen in fünf Notfällen gemeldet. Alle Geretteten harren den Angaben nach an Bord der deutlich größeren "Sea-Eye 4" aus.

Neben den beiden Rettungsschiffen ist noch die "Ocean Viking" im Mittelmeer im Einsatz. Bis zum Dienstag hatte sie nach Angaben der Betreiberorganisation SOS Méditerranée 139 Gerettete an Bord.

Die Überfahrt über das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten der Welt. Laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) sind in diesem Jahr bislang mindestens 1.559 Menschen bei der Überfahrt ums Leben gekommen oder werden vermisst. Die Dunkelziffer könnte weit höher liegen.

Deutsche Rettungsschiffe retten 325 Migranten aus Seenot

Mittwoch, 3. November 2021:  Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat 325 Migranten aus dem Mittelmeer gerettet und an Bord untergebracht. Der Notruf sei in der Nacht auf Dienstag eingegangen, die Rettungsaktion habe zusammen mit dem Schiff "Rise Above" von "Mission Lifeline" (Dresden) stattgefunden, teilte der Regensburger Verein "Sea-Eye" am Mittwoch mit. Schon während der ersten Rettung seien weitere Notrufe eingegangen.

Bis zum Dienstagmorgen konnten die Crews beider Schiffe schließlich 325 Menschen von insgesamt fünf Booten retten. Unter den Geretteten sind den Angaben zufolge 152 Kinder, 31 Frauen und 142 Männer. Fünf Menschen seien schwer verletzt. Auf der "Sea-Eye 4" werden die Menschen nun einem ersten medizinischen Check-up unterzogen, auf Covid-19 getestet und mit Nahrung und Trinkwasser versorgt.

Eine glückliche Fügung war offenbar die Zusammenarbeit der kleinen und schnellen "Rise Above", die zuerst am Unglücksort eintraf, und der großen "Sea-Eye 4", die mehrere Hundert Menschen unterbringen kann. "Die spezifischen Stärken und Vorteile jedes der beiden Schiffe zu kombinieren, war für die Rettungen von unschätzbarem Vorteil”, sagte Axel Steier, Vorsitzender von "Mission Lifeline", laut Mitteilung.

Der Verein "Sea-Eye" wurde 2015 in Regensburg gegründet und hat seitdem rund 16.000 Migranten im zentralen Mittelmeer aus Seenot gerettet. Die "Sea-Eye 4" ist das größte Rettungsschiff des Vereins und ist seit Mai 2021 für Rettungseinsätze unterwegs.

Würzburger drehen Kino-Dokumentation über Seenotrettung

Mittwoch, 27. Oktober 2021: In rund einem Monat feiert der Dokumentarfilm "Route 4" Premiere. An dem unabhängigen Filmprojekt von und über die Seenotrettungsorganisation "Sea-Eye" waren maßgeblich Studierende und Absolventen der Hochschule Würzburg-Schweinfurt beteiligt. Martina Chamrad, Marco Riedl, Fabian Heinz, Franziska Heinemann, Felix Konrad und Alexander Draheim haben das Projekt realisiert, wie die Hochschule mitteilte. Die Filmemacher begleiteten dazu über 15 Monate die Fahrten des Seenotrettungsschiffs "Alan Kurdi" des Regensburger Vereins "Sea-Eye".

In "Route 4" geht es um die zentrale Mittelmeerroute, die Experten zufolge die tödlichste Fluchtroute der Welt ist. Der Film will den Erzählschwerpunkt nicht nur auf eine Seite - die der Flüchtenden oder die der Seenotretter - legen, "sondern einen Überblick schaffen". Der 54-minütige Film berichtet von der Gefahr der Migrationsrouten nach, durch und in Libyen. Dabei werde "keine durchgängige Geschichte" erzählt, sondern es würden "Einblicke vermittelt über das Erlebte und Geschehene". Dazu Regisseurin Martina Chamrad: "Der Film soll berühren, aufwühlen und auch wütend machen."

Den Zuschauern soll ein möglichst realistisches Bild vermittelt werden, so die Filmemacher: "Brutalität wird nicht beschönigt." Es werde von körperlichen Misshandlungen, Vergewaltigungen und psychischen Grausamkeiten berichtet, explizite Szenen würden dabei verpixelt gezeigt. Der Film sei aus mehr als 70 Stunden Rohmaterial entstanden. Er hat am 24. November in verschiedenen Kinos bundesweit und in der Schweiz Premiere, unter anderem in Kiel, Regensburg, Freiburg, Münster, Bern, Fulda, Köln und Heidelberg.

"Sea-Eye 4" bricht zur dritten Rettungsmission auf

Montag, 25. Oktober 2021: Nach wochenlanger Vorbereitung ist die "Sea-Eye 4" wieder auf Mission im Mittelmeer. Am Samstagnachmittag brach das Rettungsschiff in Palermo zu seinem dritten Einsatz auf. "Während in Berlin über die Bildung einer neuen Bundesregierung verhandelt wird, kämpfen die zivilen Seenotrettungsorganisationen im Mittelmeer weiterhin um jedes Menschenleben", erklärte die Regensburger Seenotrettungsorganisation am Samstagabend in einer Mitteilung.

Die "Sea-Eye 4" ist ein Bündnisschiff, das maßgeblich durch das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierte zivile Seenotrettungsbündnis United4Rescue finanziert wird. Es fordert von der künftigen Bundesregierung eine Kehrtwende in der Migrationspolitik. So hätten die vergangenen Bundesregierungen das Mittelmeer als "Waffe" in ihrer Abschottungspolitik benutzt und die Menschen ertrinken lassen, damit sie die EU nicht erreichen.

"Zusätzlich wurden viele tausend Menschen von der libyschen Küstenwache zwangsweise in das Bürgerkriegsland Libyen und seine Folterlager zurückgeführt", kritisierte Sea-Eye. Gemeinsam mit AlarmPhone, Borderline Europe, Resqship, Sea-Watch und Seebrücke fordert die Rettungsorganisation von der künftigen Bundesregierung "diese grausame Politik endlich aufzugeben".

Das Bündnis fordert sichere und legale Einreisewege nach Deutschland sowie ein flächendeckendes, nicht-militärisches EU-Seenotrettungsprogramm mit Ausschiffung in einen sicheren Hafen. Da Frontex für zahlreiche Menschenrechtsverletzungen wie Push-Backs und Aussetzen von flüchtenden Menschen auf See verantwortlich sei, müsse Deutschland sich dafür einsetzen, dass die Grenzschutzagentur abgeschafft werde. "Außerdem muss Deutschland bei der Aufnahme von Geflüchteten eine Führungsrolle einnehmen und sich für die Abschaffung des Dublin-Ersteinreiseprinzips aussprechen."

An Europas Grenzen würden Menschen "frieren, hungern und sterben", sagte Sea-Eye-Sprecherin Sophie Weidenhiller. "Polizistinnen und Polizisten, Frontex-Beamtinnen und Beamte prügeln auf wehrlose Menschen ein und setzen sie auf See aus. Dieses Leid, die Qualen der Opfer sind unvorstellbar und sie sind von den Politikerinnen und Politikern der EU-Staaten mit voller Absicht so erzeugt worden."

Sea-Watch 3: 400 Flüchtlinge verlassen Boot

Sonntag, 24. Oktober 2021: Die mehr als 400 Flüchtlinge und Migranten an Bord der "Sea-Watch 3" haben das Rettungsschiff im Hafen von Pozzallo in Sizilien verlassen. Die aus Seenot geretteten Menschen seien sicher an Land gebracht worden, teilte die Organisation Sea Watch am Sonntag auf Twitter mit. Rund die Hälfte der insgesamt 406 Menschen an Bord konnte das Schiff bereits am Samstag verlassen, die übrigen folgten am Sonntag. Bei der Aktion habe es keine Zwischenfälle gegeben, sagte eine Sea-Watch-Sprecherin am Sonntag dem Evangelischen Pressedienst (epd). Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" brach unterdessen in Palermo zu einem neuen Einsatz im Mittelmeer auf.

Die Crew der "Sea-Watch 3" hatte vor rund einer Woche bei sieben Rettungseinsätzen insgesamt 412 Menschen vor der libyschen Küste im Mittelmeer aus Seenot gerettet. Mehrere Menschen durften das Schiff bereits in den vergangenen Tagen wegen gesundheitlicher Probleme verlassen, darunter zwei schwangere Frauen.

Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" brach nach wochenlanger Vorbereitung in Palermo zu seinem dritten Einsatz auf, wie die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye am Samstagabend mitteilte. Die "Sea-Eye 4" ist ein Bündnisschiff, das maßgeblich durch das von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierte zivile Seenotrettungsbündnis United4Rescue finanziert wird. Es fordert von der künftigen Bundesregierung eine Kehrtwende in der Migrationspolitik.

In der Vergangenheit mussten private Seenotretter oft tagelang auf die Zuweisung eines sicheren Hafens in Europa warten. Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettung für Migranten aus Afrika, die auf der Überfahrt nach Europa häufig in Seenot geraten. Nur private Organisationen halten mit verschiedenen Schiffen Ausschau nach gefährdeten Menschen. Bislang sind in diesem Jahr laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) im Mittelmeer mindestens 1.530 Menschen zu Tode gekommen oder gelten als vermisst.

"Sea-Eye 4" darf in Sizilien anlegen

Montag, 6. September 2021, 14.59 Uhr: Mit 29 aus Seenot geretteten Menschen an Bord hat die "Sea-Eye 4" einen sicheren Hafen zugewiesen bekommen: Die Geretteten, darunter zwei Hochschwangere und vier Babys, sollten noch am Sonntag in Porto Empedocle in Sizilien an Land gehen dürfen, teilte die Organisation Sea-Eye mit Sitz in Regensburg auf Twitter mit. Die Seenotretter hatten die Flüchtlinge am Mittwoch auf einem kleinen Holzboot im Mittelmeer entdeckt.

Die "Sea-Eye 4" war auf ihrer zweiten Rettungsmission im zentralen Mittelmeer. Sie wird vom Bündnis United4Rescue unterstützt, das unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) getragen wird.

Bedford-Strohm aus Palermo: Seenotrettung ist Akt der Nächstenliebe

Sonntag, 5. September 2021, 12 Uhr: Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hat auf Sizilien die private Seenotrettung im Mittelmeer als Gebot der Nächstenliebe verteidigt. Natürlich sei mit der Rettung von Menschen im Mittelmeer kein migrationspolitisches Problem gelöst, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in einem ZDF-Fernsehgottesdienst aus Palermo. Man dürfe jedoch niemanden in Not alleine lassen, betonte er in einer Auslegung des biblischen Gleichnisses vom Barmherzigen Samariter.

"Natürlich müssen zuallererst die Fluchtursachen bekämpft werden", fügte Bedford-Strohm hinzu: "Krieg. Armut. Wetterextreme aufgrund des Klimawandels. Natürlich muss man diskutieren, wie die besten Lösungen aussehen. Aber doch nicht anstatt der Rettung von Menschenleben! Sondern zusätzlich dazu!" Der Theologe forderte für die Geflüchteten sichere Orte in Europa, "in denen sie menschlich behandelt werden." Alle Menschen seien es wert, gerettet zu werden, einfach weil es Menschen sind.

An dem Gottesdienst beteiligten sich auch der Bürgermeister von Palermo, Leoluca Orlando sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Rettungsschiffen. Die Liturgie wurde gestaltet von der evangelischen Pastorin Sandra Bils, die durch ihre Abschlusspredigt auf dem evangelischen Kirchentag im Juni 2019 in Dortmund bekannt wurde. Dort erklärte sie: "Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt."

Mit Blick auf die Fluchtsuchenden sagte Bedford-Strohm, es sei auch nicht entscheidend, "wie man die Motive der Menschen in den Booten beurteilt - ob man ihr Handeln leichtsinnig findet oder ob man es als Folge purer Verzweiflung sieht". Das Entscheidende sei: "Sie sind auf diesen Booten und ihr Leben ist in Gefahr." Der Samariter in der Bibel habe nicht danach gefragt, wie der Verletzte am Wegesrand in diese Situation gekommen sei: "Er hat die Not des Anderen gesehen und hat geholfen."

Mit dem Gottesdienst wurde auf die Arbeit privater Rettungsschiffe im Mittelmeer aufmerksam gemacht. Bedford-Strohm hatte das Projekt der "Sea-Watch 4", die im vergangenen Jahr mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt wurde, vorangetrieben.

Im Gottesdienst sagte er: "Ich konnte nicht mehr zuschauen, wie Tausende Menschen ertrinken und die einzigen, die überhaupt noch retten, auch noch blockiert und mit Gerichtsverfahren überzogen werden." Ohne staatliche Seenotrettung der EU kümmern sich überwiegend private Schiffe im Mittelmeer um die geflüchteten Menschen.

"Sea-Eye 4" bringt hochschwangere Gerettete an Land

Freitag, 3. September 2021, 14.35 Uhr: Wegen schwerer See und hochschwangerer Geretteter will die Besatzung der "Sea-Eye 4" 29 Flüchtlinge auch ohne offizielle Erlaubnis an Land bringen. Besonders zwei Frauen im neunten Schwangerschaftsmonat und vier Babys müssten zügig an Land gebracht und medizinisch versorgt werden, erklärte die private Rettungsorganisation Sea-Eye mit Sitz in Regensburg am Freitag. Die italienische Küstenwache habe die Koordinierung am Donnerstag abgelehnt und auf die deutschen Behörden verwiesen.

"Es wäre aus unserer Sicht unverantwortlich, den Frauen eine Geburt bei schwerer See in einem Schiffshospital zuzumuten", sagte Sprecherin Sophie Weidenhiller. Die Besatzung hatte die Menschen am Mittwoch auf einem kleinen Holzboot entdeckt. Da die aus Libyen Geflüchteten nicht über ein GPS-fähiges Mobiltelefon verfügt hätten, sei die Rettung ein Glücksfall gewesen. Die "Sea-Eye 4" war am Samstag zu ihrer zweiten Rettungsmission ins zentrale Mittelmeer aufgebrochen. Sie wird vom Bündnis United4Rescue unterstützt, das unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) getragen wird.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettung für Migranten aus Afrika, die regelmäßig auf der gefährlichen Überfahrt nach Europa in Seenot geraten. Einzig private Organisationen halten mit verschiedenen Schiffen Ausschau nach gefährdeten Menschen. Bislang sind in diesem Jahr laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 1.353 Menschen ums Leben gekommen.

ZDF-Fernsehgottesdienst in Palermo zur Seenotrettung mit Bedford-Strohm

Freitag, 3. September 2021, 9.35 Uhr: Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat den zivilen Seenotrettern im Mittelmeer gedankt. Mit ihrem Einsatz hätten sie nach der Einstellung der staatlichen Seenotrettung im Mittelmeer Tausende Menschen aus Lebensgefahr gerettet, sagte der bayerische Landesbischof am Freitag. Der EKD-Ratsvorsitzende predigt am Sonntag in einem ZDF-Fernsehgottesdienst in Palermo. Dieser steht unter dem Motto "Mut zur Menschlichkeit".

"Mit ihrem mutigen Einsatz nehmen die ehrenamtlichen Crews unter widrigsten Bedingungen eine Verantwortung wahr, die wir eigentlich alle gemeinsam haben", sagte Bedford-Strohm. Zuallerst müssten die Fluchtursachen bekämpft werden. "Wie dafür die besten Lösungen aussehen, kann man kontrovers diskutieren. Aber müssten wir uns nicht darauf einigen können, dass auch bei unterschiedlichen Meinungen über die Flüchtlingspolitik das Retten von Menschenleben eine christliche Grundpflicht ist", sagte er.

Neben Crewmitgliedern der "Sea-Watch 4", die von Bord des im sizilianischen Trapani festgesetzten Rettungsschiffes zugeschaltet werden, wirken an dem Fernsehgottesdienst am Sonntag auch ein Geretteter sowie Palermos Bürgermeister Leoluca Orlando mit. Orlando und Bedford-Strohm hatten sich mehrfach gemeinsam mit dem Aufruf an die Regierungen, Parlamente und die EU-Kommission gewendet, beschlagnahmte oder festgehaltene Rettungsschiffe freizugeben.

"Sea-Eye 4" rettet 29 Geflüchtete im Mittelmeer

Donnerstag, 2. September 2021, 10.15 Uhr: Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat 29 Geflüchtete im Mittelmeer gerettet. Die Besatzung habe die Menschen am frühen Morgen auf einem kleinen Holzboot entdeckt, teilte die Betreiberorganisation Sea-Eye mit Sitz in Regensburg am Mittwoch auf Twitter mit. Die libysche Küstenwache sei bei der Rettungsaktion vor Ort gewesen, habe sie aber nicht behindert, sagte der Sea-Eye-Vorsitzende Gorden Isler dem Evangelischen Pressedienst (epd).

An Bord des Holzboots waren nach Angaben der Regensburger Organisation vier Babys und 14 weitere minderjährige Schutzsuchende und Migranten. Zudem seien zwei schwangere Frauen unter den Geretteten. Die "Sea-Eye 4" war am Samstag zu ihrer zweiten Rettungsmission ins zentrale Mittelmeer aufgebrochen.

Das Mittelmeer gehört zu den gefährlichsten Fluchtrouten weltweit. Es gibt dort keine staatlich organisierte Seenotrettung für Migranten aus Afrika, die regelmäßig auf der gefährlichen Überfahrt nach Europa in Seenot geraten. Einzig private Organisationen halten mit verschiedenen Schiffen Ausschau nach gefährdeten Menschen. Bislang sind in diesem Jahr laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) mindestens 1.311 Menschen ums Leben gekommen.

Rettungsschiff "Sea-Eye 4" ist zur zweiten Mission aufgebrochen

Samstag, 28. August 2021, 13.41 Uhr: Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" ist von Palermo aus zu seiner zweiten Rettungsmission ins zentrale Mittelmeer aufgebrochen. Die italienischen Behörden hatten das Schiff zuvor zehn Wochen im Hafen der sizilianischen Stadt festgehalten und forderten technische Anpassungen, teilte der Verein Sea Eye am Freitagabend in Regensburg mit. Mit Unterstützung der zuständigen deutschen Behörde, der Dienststelle Schiffssicherheit/BG Verkehr, sei es dem Team gelungen, die "Sea-Eye 4" so anzupassen, dass die italienische Küstenwache die Festsetzung aufhob.

Der Verein widmet den zweiten Rettungseinsatz seines jüngsten Schiffes dem Unfallchirurgen Professor Tilman Mischkowsky, der in April verstorben ist. Der frühere Vereinsvorsitzende sei ein "Mann der ersten Stunde" bei Sea-Eye gewesen und habe schon auf dem ersten Rettungsschiff eine kleine Krankenstation gebaut. Er "konnte nicht nur an der Basis zupacken, sondern auch in großen Dimensionen denken und lenken", heißt es in der Würdigung. Mitglied es medizinischen Teams an Bord des Schiffes bei seiner zweiten Rettungsfahrt ist nun Daniela Klein von der Organisation German Doctors als Einsatz- und Schiffsärztin.

Sea Eye verweist darauf, dass seit 2014 mehr als 20.000 Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer ums Leben kamen. Allein 2021 starben schon über 1.200 Menschen.

Rettungsschiff "Sea-Eye 4" wieder frei

Donnerstag, 19. August 2021, 16.51 Uhr: Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" ist wieder frei. Nach einer dreimonatigen Festsetzung entließ die italienische Küstenwache das Schiff am Mittwochabend aus einer sogenannten Verwaltungshaft, wie die Hilfsorganisation Sea-Eye am Donnerstag mitteilte. Die Organisationen Sea-Eye und United4Rescue, die das Schiff betreiben, wollen das Bündnisschiff zeitnah in seinen zweiten Einsatz entsenden.

Die "Sea-Eye 4" hatte bei ihrem ersten Einsatz im Mai insgesamt 408 Menschenleben, darunter 150 Kinder, gerettet und wurde anschließend in Palermo festgesetzt. Wie bei anderen Festsetzungen von deutschen Rettungsschiffen hätten die italienischen Behörden überhöhte Anforderungen an das Rettungsschiff gestellt, bemängelten die Zertifizierung des Schiffes und erklärten die Abwasser- und Müllentsorgungskapazitäten für unzureichend.

Inzwischen beschäftigt sich laut der Mitteilung der Europäische Gerichtshof mit der Frage, ob die Festsetzungen rechtmäßig sind. Sea-Eye gehe wie deutsche Behörden davon aus, dass die Festsetzungen unrechtmäßig sind. Mit einem Urteil des EuGHs werde nicht vor einem Jahr gerechnet. Sea-Eye entschied daher, keine Ressourcen in eine weitere Klage zu stecken und in Abstimmung mit den deutschen Behörden die geforderten Anpassungen freiwillig zu erfüllen, um schnellstmöglich wieder Menschenleben retten zu können.

Die "Sea-Eye 4" wird wie auch die "Sea-Watch 4" der gleichnamigen Organisation vom Bündnis United4Rescue unterstützt, das unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) getragen wird.

Bundesweite Proteste für Seenotrettung im Mittelmeer

Freitag, 6. August 2021, 12:18 Uhr: Ein breites Bündnis aus Seenotrettungs- und Geflüchteten-Organisationen ruft an diesem Wochenende (7./8. August) zu Demonstrationen unter dem Motto "Seenotrettung ist #unverhandelbar" auf. In mehr als 15 deutschen Städten würden Tausende Menschen bei den Protesten erwartet, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye am Freitag mit. Organisatoren sind unter anderem Sea-Eye, Sea-Watch, SOS Méditerranée, Pro Asyl und Amnesty International.

Allein in diesem Jahr ertranken laut Sea-Eye-Angaben mehr als 1.100 Menschen im Mittelmeer. Mehr als 14.000 Menschen seien völkerrechtswidrig von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht worden. In den vergangenen Tagen retteten die Schiffe "Sea-Watch 3" und "Ocean Viking" mehr als 800 Menschen im Mittelmeer, warteten aber noch immer auf die Zuweisung eines sicheren Hafens, sagte Aktivistin Alina Hansen: "Wir können und wollen uns nicht an das Sterben im Mittelmeer und die Abschottungspolitik der EU gewöhnen, deshalb werden wir am Wochenende laut sein und unsere Forderungen an die Bundesregierung auf die Straße tragen."

Mit den Demonstrationen solle auch gezeigt werden, wie viele Menschen sich gegen das Sterben im Mittelmeer stellten, hieß es. Aktionen finden unter anderem in folgenden Städten statt: Bad Berleburg, Bamberg, Berlin, Braunschweig, Bremerhaven, Dresden, Duisburg, Freiburg, Hamburg, Herrenberg, Ismaning, Karlsruhe, Köln, München, Münster und Norden. 

EKD-Ratsvorsitzender Bedford-Strohm wirft Europa Verrat ethischer Traditionen vor

Montag, 12. Juli 2021, 11.52 Uhr: Einen Verrat an den eigenen ethischen Traditionen wirft der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, den europäischen Staaten bei der Rettung von Flüchtlingen vor. Es sei ein moralischer Skandal, dass Rettungsschiffe blockiert würden, während es die Staaten gleichzeitig ablehnten, selbst die Seenotrettung im Mittelmeer wieder aufzunehmen, sagte Bedford-Strohm laut Redemanuskript am Samstag in Offenburg. Der EKD-Ratsvorsitzende und bayerische Landesbischof sprach zur Eröffnung der Ausstellung "Grenzenlose Menschlichkeit - Man lässt keine Menschen ertrinken. Punkt." in der Evangelischen Stadtkirche.Bedford-Strohm warb dafür, Ursachen für Fremdenfeindlichkeit in Deutschland ernst zunehmen. Dazu gehörten Verunsicherung, Angst vor dem Fremden sowie das Gefühl, zu kurz zu kommen. "Darüber müssen wir ins Gespräch kommen, anstatt Menschen vorschnell einen rechtsradikalen Hut aufzusetzen", betonte der Theologe.Die Offenburger Ausstellung zeigt auf 16 Tafeln Gesichter von Flüchtlingen und deren Rettern sowie pointierte Sätze zur Seenotrettung. Organisiert wird sie von der Stiftung Deutsches-Albert-Schweitzer-Zentrum (Frankfurt a. M.). Schirmherr ist Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), der an der Eröffnung persönlich teilnahm. Die Ausstellung wurde gemeinsam mit dem Bündnis United4Rescue konzipiert, das unter anderem von der EKD getragen wird.

Küstenwachse setzt Sea-Eye 4 in Palermo fest

Sonntag, 6. Juni 2021, 17.32 Uhr: Das neue Schiff der Regensburger Seenotretter "Sea-Eye 4" ist von Inspekteuren der italienischen Küstenwache in Palermo festgesetzt worden. Als Grund für die Festsetzung sei auch angeführt worden, dass die Rettungsschiffe regelmäßig zu viele Menschen vor dem Ertrinken retten und für diesen humanitären Zweck falsch zertifiziert seien, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye e.V. laut einer Mitteilung der Organisation vom Samstag.

Diese Begründung sei "grotesk": Wie bereits bei anderen zivilen Rettungsschiffen würden nun auch bei der "Sea-Eye 4" die gleichen technischen Gründe angeführt, um weitere Einsätze des Schiffes zu stoppen, so Isler. "Unser Kapitän ist der Pflicht zur Seenotrettung vorbildlich nachgekommen. Er hat Seenotfälle gesehen und eine sichere Rettung durchgeführt. Daran können sich die EU-Staaten ein Beispiel nehmen."

Inzwischen sind vier Rettungsschiffe unter deutscher Flagge von Italien festgesetzt worden: Die Alan Kurdi, die Sea-Watch 3, die Sea-Watch 4 und nun auch die "Sea-Eye 4". Die "Sea-Eye 4" führte im Mai nach eigenen Angaben ihre erste Rettungsmission durch und rettete 408 Menschen, darunter 150 Kinder. Die geretteten Menschen konnten in Pozzallo auf Sizilien an Land gehen, nachdem die "Sea-Eye 4" mehrere Tage einen sicheren Hafen gesucht hatte.

"Sea-Eye 4" erreicht sizilianischen Hafen Pozzallo

Freitag, 21. Mai 2021, 11.43 Uhr: Das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat in der Nacht zum Freitag mit mehr als 400 Geretteten an Bord den Hafen von Pozzallo auf Sizilien erreicht. Die Mehrheit der Bootsflüchtlinge, darunter Familien mit kleinen Kindern, sollten laut der Organisation Sea-Eye mit Sitz in Regensburg nach ihrer Ankunft auf das Quarantäne-Schiff "Aurelia" gebracht werden. Die 150 an Bord befindlichen Minderjährigen sollten in Aufnahme-Einrichtungen auf dem Festland untergebracht werden.

Die italienischen Behörden hatten dem Schiff der deutschen Organisation Sea-Eye Pozzallo als sicheren Hafen zugewiesen, nachdem ein junger Syrer als medizinischer Notfall von der Küstenwache in Palermo an Land gebracht worden war, in dessen Nähe das Schiff ankerte. Die Organisation hatte die Entscheidung der italienischen Behörden kritisiert, der "Sea-Eye 4" einen zwei Reisetage entfernt liegenden Zielort zuzuweisen, während sie bereits vor Palermo als sicherem Hafen lag. Dessen Bürgermeister Leoluca Orlando hatte den italienischen Behörden angeboten, die geretteten Migrantinnen und Migranten in seinem Hafen an Land gehen lassen.

Die mehr als 400 Menschen waren in den vergangenen Tagen bei sechs Einsätzen im Mittelmeer gerettet worden, nachdem sie bei der Fahrt von Afrika nach Europa in Seenot geraten waren. Es war der erste Rettungseinsatz des neuen Schiffes "Sea-Eye 4".

"Sea-Eye 4" rettet mehr als 400 Menschen im Mittelmeer

Dienstag, 18. Mai 2021, 08.52 Uhr: Das deutsche Rettungsschiff "Sea-Eye 4" hat nach eigenen Angaben mehr als 400 Menschen auf dem Mittelmeer an Bord genommen. Die Crew arbeite am Limit, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye mit, die das Schiff betreibt. In der Nacht zum Montag habe die Brückenwache ein kleines Boot mit 50 Menschen Bord gesichtet und diese aufgenommen. Nach einem weiteren Einsatz am Montag seien zunächst 99 Menschen gerettet worden. Sie gaben an, größtenteils aus Syrien zu stammen, hieß es. Bis Mittag nahm das Schiff erneut rund 70 Schutzsuchende auf, twitterte Sea-Eye. Die Bootsmigranten brechen laut Sea-Eye meist von Libyen oder Tunesien aus nach Italien auf. Viele von ihnen sind auf hochseeuntauglichen Holzbooten unterwegs.

Bereits am Sonntag nahm das Schiff bei zwei Einsätzen 172 Migranten an Bord. Unter ihnen seien Kinder, ein acht Monate altes Baby und eine schwangere Frau. "Wir mussten 12 Menschen im Hospital behandeln - ein Kind und ein erwachsener Mann mussten länger stabilisiert werden. Glücklicherweise gibt es unter den Geretteten aber keine Schwerverletzten", sagte der Einsatzarzt des Schiffes laut Mitteilung.

Bereits am Freitag hatte die Crew des Schiffes einen Notruf von einem Boot mit 50 Menschen an Bord erhalten, das Boot aber nur noch leer vorgefunden, teilte Sea-Eye weiter mit. Während des Einsatzes habe die Crew ein Frontext-Flugzeug gesichtet und sei davon ausgegangen, dass die Bootsinsassen "auf Veranlassung der EU-Staaten Opfer einer weiteren rechtswidrigen Zurückweisung geworden sind und die Menschen in die Internierungslager Libyens zurückgebracht wurden", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Nach UN-Angaben starben bis Anfang Mai mehr als 600 Menschen bei dem Versuch, das zentrale Mittelmeer nach Europa zu überqueren.

Das in Rostock umgerüstete Schiff "Sea-Eye 4" hatte am 8. Mai seine erste Rettungsmission vom spanischen Hafen Burriana aus gestartet. Der Einsatz wird von United4Rescue und der Hilfsorganisation German Doctors unterstützt. "Die Pflicht zur Seenotrettung ist ein Völkerrecht - auch wenn diese Pflicht aktuell nur von der zivilen Seenotrettung wahrgenommen wird und nicht von den Mitgliedstaaten der EU", sagte Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue. Das Bündnis United4Rescue wird unter anderem von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unterstützt.

Protestaktion mit 400 Stühlen in Regensburg

Dienstag, 11. Mai 2021, 11.20 Uhr:  Mit 400 leeren Stühlen protestierte die Hilfsorganisation Seebrücke am Sonntag in Regensburg gegen die Situation von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen. Die leeren Sitze auf dem zentralen Haidplatz sollten die Menschen symbolisieren, die an den EU-Außengrenzen festgehalten werden, und jene, die ihr Leben auf der Flucht lassen mussten, teilte Seebrücke am Montag mit. Die Aktion wurde von den Organisationen Sea-Eye, Campus Asyl, der BürgerInnen-Initiative Asyl und der Initiative "Ausbildung statt Abschiebung" unterstützt.

Ziel der Kampagne #WirHabenPlatz sei es, die Geflüchteten aus Kara Tepe und weiteren Lagern an den EU-Außengrenzen zu evakuieren und die Menschen in Deutschland aufzunehmen. Im Jahr 2021 sind nach IOM-Angaben bereits mehr als 600 Menschen auf der Flucht über das zentrale Mittelmeer ertrunken. Darüber hinaus sind die Lager auf den griechischen Inseln und an der bosnisch-kroatischen Grenze überfüllt.

"Wir wissen seit Jahren von den Zuständen in den Lagern und auf dem Meer, wir haben seit über einem Jahr eine Pandemie - und Europa hält sich die Augen zu. Das ist unverantwortlich", sagte Annika von Seebrücke Regensburg laut Mitteilung. Neben Regensburg haben sich in Deutschland bereits mehr als 240 Städte, Gemeinden und Kommunen zum Sicheren Hafen erklärt. Darüber hinaus signalisierten Bundesländer wie Thüringen oder Berlin in den vergangenen Monaten mehrmals ihre Aufnahmebereitschaft für zusätzliche Geflüchtete.

Neues Bündnisschiff "Sea-Eye 4" auf dem Weg ins Mittelmeer

Sonntag, 9. Mai 2021, 18.10 Uhr: Das neue Rettungsschiff "Sea-Eye 4" ist am Samstag (8. Mai) vom spanischen Hafen in Burriana zu seinem ersten Einsatz aufgebrochen. Das Schiff werde das Such- und Rettungsgebiet im zentralen Mittelmeer voraussichtlich in fünf Tagen erreichen, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye mit, die das Schiff betreibt. Unterstützt werde der humanitäre Einsatz auf dem Mittelmeer von United4Rescue, dem Bündnis für die zivile Seenotrettung, und der Hilfsorganisation German Doctors.

United4Rescue unterstützt die Missionen der "Sea-Eye 4" laut Mitteilung mit weiteren 423.000 Euro und ermögliche so die Erweiterung der zivilen Rettungskapazitäten im Mittelmeer. Zuvor hatte United4Rescue bereits maßgeblich den Kauf und Umbau des Schiffes finanziert. Die "Sea-Eye 4" ist bereits das zweite Bündnisschiff von United4Rescue.

Mehr als 600 Menschen seien in den vergangenen vier Monaten an Europas Außengrenze ertrunken, erläuterte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Italienische Wissenschaftler hätten errechnet, dass das Risiko, auf See zu sterben, wieder deutlich gestiegen sei. "Wir brauchen endlich sichere Fluchtrouten", sagte Isler weiter. Das Bootsunglück Ende April und die Rettungen der "Sea-Watch 4" und der "Ocean Viking" in den vergangenen Wochen zeigten, dass die zivile Seenotrettung im Mittelmeer unverzichtbar sei, ergänzte Michael Schwickart, Vorstandsmitglied von United4Rescue.

"Alan Kurdi" verlässt Hafen von Olbia in Richtung Spanien

Freitag, 7. Mai 2021: Nach sechsmonatiger Festsetzung hat das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" am Mittwochnachmittag den Hafen von Olbia auf Sardinien verlassen. Das italienische Verwaltungsgericht in Cagliari hob die Festsetzung des Schiffes wegen angeblich technischer Mängel zuvor auf, teilte die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye mit, die das Schiff betreibt. Das Schiff werde nun in die spanische Stadt Burriana überführt, um einen geplanten Werftaufenthalt zu absolvieren.

Das Schiff müsse regulär alle zwei Jahre gewartet werden. Wie es mit dem Schiff danach weitergehe, sei derzeit Gegenstand grundlegender Diskussionen bei Sea-Eye. "Unter normalen Einsatzbedingungen, wäre es uns durchaus möglich zwei Schiffe zu betreiben. Die Bedingungen sind aber nicht normal", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Italien setze Schiffe regelmäßig fest, was zu hohen zusätzlichen Kosten führe, ohne dass dadurch mehr Menschen gerettet würden.

Die Regensburger Seenotretter wollen dazu in den kommenden Wochen mit ihren Bündnispartnern sprechen. "Uns ist wichtig, dass das Schiff im Rettungseinsatz bleibt. Nach der Werft ist das Schiff für weitere zwei Jahre einsatzbereit. Zusammen mit unseren Partnern finden wir eine Lösung", sagt Isler weiter.

Die "Alan Kurdi" rettete in zehn Einsätzen seit Dezember 2018 mehr als 900 Menschenleben auf der Flucht über das Mittelmeer. Es war das erste Rettungsschiff unter deutscher Flagge. Das neue Schiff von Sea-Eye, die "Sea-Eye 4", ist deutlich größer und besser ausgerüstet. Es soll in den kommenden Tagen in seinen ersten Einsatz aufbrechen. 

Seebrücke Regensburg ruft zu Kundgebung auf

Sonntag, 2. Mai 2021: Die Seebrücke Regensburg ruft für diesen Sonntag (2. Mai) zu einer Kundgebung auf. Unter dem Motto "Ertrinken verhindern, Lager evakuieren - LeaveNoOneBehind" fordert die Hilfsorganisation sichere Fluchtwege sowie die Aufnahme der Geflüchteten aus den lebensgefährlichen Flüchtlingscamps.

Noch immer spielten sich an den europäischen Außengrenzen menschenverachtende Szenen ab. Weder habe sich die Situation für die Geflüchteten in den Lagern an der bosnisch-kroatischen Grenze und auf den griechischen Inseln verbessert. Noch seien Bootsflüchtlinge vor dem Ertrinken sicher. Erst in der vergangenen Woche ertranken nach UN-Angaben vermutlich 130 Flüchtende im Mittelmeer. Die Kundgebung auf dem Donaumarkt beginnt um 16.30 Uhr.

"Sea-Watch 4" hat nach zweitem Einsatz über 120 Gerettete an Bord

Samstag, 1. Mai 2021: Kurz nach Erreichen des zentralen Mittelmeers hat das Rettungsschiff "Sea-Watch 4" bereits zum zweiten Mal Menschen in Seenot an Bord geholt. Weitere 77 Geflohene seien am Freitagvormittag gerettet worden, darunter elf Frauen und ein Baby, teilte Sea-Watch mit. Sie seien aus einem Schlauchboot in Sicherheit gebracht worden. Nachdem das Schiff bereits am Donnerstag 44 Menschen gerettet hatte, befanden sich 121 Flüchtlinge an Bord.

Derweil wartete die "Ocean Viking" von der Organisation SOS Méditerranée mit 236 Geretteten an Bord auf die Zuteilung eines Hafens. Die Besatzung hatte die Menschen am Dienstag vor der libyschen Küste aus zwei überfüllten Schlauchbooten an Bord geholt. 114 von ihnen sind den Helfern zufolge unbegleitete Minderjährige.

Die "Sea-Watch 4" wurde im vergangenen Jahr mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt. Nach ihrer ersten Rettungsmission wurde sie im Hafen von Palermo festgesetzt und erst im März durch einen Gerichtsbeschluss wieder freigegeben. Betreiber ist der 2015 gegründete Berliner Verein Sea-Watch.

Das Mittelmeer gilt als eine der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt. Seit Jahresbeginn kamen nach UN-Angaben bei dem Versuch, auf diesem Wege nach Europa zu gelangen, bereits 599 Menschen ums Leben. Im gleichen Zeitraum 2020 waren es 278.

Sea-Eye erhält Unterstützung von Sea-Watch

Donnerstag, 29. April 2021: Für die Entsendung ihres neuen Schiffs ins Mittelmeer haben die Seenotretter von Sea-Eye Unterstützung der Hilfsorganisation Sea-Watch erhalten. Diese habe sich bereiterklärt, bei den Fertigstellungskosten der "Sea-Eye 4" und bei der langfristigen und nachhaltigen Stärkung der Strukturen mit 550.000 Euro unter die Arme zu greifen, erklärte Sea-Eye am Donnerstag in Regensburg. Der Umbau des neuen Rettungsschiffes war kürzlich abgeschlossen, die "Sea-Eye 4" ins Mittelmeer entsandt worden.

Die durch die Corona-Pandemie verursachten Verzögerungen bei den Werftarbeiten hätten aber im Zusammenspiel mit höheren Sicherheitsanforderungen zu steigenden Kosten geführt, erklärte Sea-Eye. "Gerade in Krisenzeiten müssen wir zusammenhalten und zeigen, was praktische Solidarität wirklich bedeutet", betonte Sea-Watch in Berlin. "Mit der Sea-Eye 4 startet ein weiteres Schiff der Solidarität in den Einsatz", sagte Marlene Lippmann von der Leitung Fundraising der Organisation. 

Bedford-Strohm wünscht sich "Sea-Watch 4" ohne Antifa-Fahne

Donnerstag, 22. April 2021: Aus Sicht des bayerischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm verdeckt die Debatte um eine Antifa-Fahne auf dem kirchlich unterstützten Flüchtlings-Rettungsschiff "Sea-Watch 4" die Ziele der Hilfsorganisation. "Ich würde es ausdrücklich begrüßen, wenn die Flagge alsbald eingeholt wird, da die Diskussion darum das eigentliche Anliegen der Seenotretter zunehmend unsichtbar macht", sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst (epd). Kritik an der Fahne war in den vergangenen Tagen lauter geworden.

Vor knapp zwei Wochen hatte die Organisation Sea-Watch die Flagge bewusst noch prominenter als zuvor am Schiff platziert: "Aufgrund der Stimmungsmache von AfD und anderen Rechten gegen eine Flagge der Antifaschistischen Aktion an unserem Bug haben wir uns entschieden, diese zu entfernen. Sie hängt jetzt etwas sichtbarer weiter oben. Gern geschehen", heißt es in einem Tweet bei Twitter vom 8. April, auf dem die Fahne wehend an einem Mast zu sehen ist.

In den vergangenen Tagen hatten unter anderen mehrere CDU-Bundestagsabgeordnete die Flagge kritisiert. Bedford-Strohm sagte dem epd: "Als EKD haben wir eine glasklare Position für den Schutz von Menschenleben und für Gewaltfreiheit. Wo Menschen unter dem Label des Antifaschismus Gewalt anwenden oder dazu aufrufen, macht mich das zornig. Mit wirklichem Antifaschismus hat das für mich nichts zu tun." Die "Sea-Watch 4" und ihre Besatzung retteten Menschenleben. Damit seien sie erkennbar im Dienste der Nächstenliebe und der Menschenrechte unterwegs.

Die "Sea-Watch 4" wurde im vergangenen Jahr mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt. Betreiber ist der 2015 gegründete Berliner Verein Sea-Watch. 

Kritik an kirchlicher Unterstützung

Montag, 19. April 2021: Der sächsische Bundestagsabgeordnete Alexander Krauß (CDU) wirft den Betreibern des Rettungsschiffes "Sea-Watch 4" vor, eine Flagge von Linksextremisten zu hissen. Er habe die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) aufgefordert, ihre Unterstützung für dieses Rettungsschiff einzustellen, solange es "unter der Antifa-Flagge segelt", erklärte Krauß in Berlin. Die Kirche könne nicht "mit linken Gewalttätern in einem Boot sitzen".

Zu Recht distanziere sie sich vom Rechtsextremismus, erklärte Krauß. Dies müsse auch beim Linksextremismus geschehen. Die Antifa stehe für politisch motivierte Gewalt. "Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm muss jetzt ein Machtwort sprechen", forderte der sächsische Bundestagsabgeordnete aus dem Erzgebirge.

"Sea-Watch 4" wurde mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt. Betreiber ist der 2015 gegründete Berliner Verein Sea-Watch. Die EKD hatte zudem das Rettungsschiff "Sea-Eye 4" der Hilfsorganisation "Sea-Eye" mit Sitz in Regensburg unterstützt. Es ist nach der "Sea-Watch 4" das zweite Schiff, das mit Hilfe von kirchlichen Spenden finanziert wird. "Sea-Eye 4" hatte am Samstag den Rostocker Hafen zu seiner Überführungsfahrt ins Mittelmeer verlassen.

Sea-Eye 4 auf dem Weg ins Mittelmeer

Sonntag, 18. April 2021: Das neue Rettungsschiff Sea Eye 4 hat am Samstag den Werfthafen in Rostock verlassen und ist zur Überfahrt ins Mittelmeer aufgebrochen. Es fährt unter deutscher Flagge, teilten der Verein Sea-Eye am Samstag in Regensburg mit. Die Ankunft des Schiffes in Spanien sei für Ende April geplant. Von dort aus werde es dann so schnell wie möglich in den ersten Rettungseinsatz aufbrechen. 

Sechs Monate lang wurde das Rettungsschiff von rund 250 ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern umgebaut und für den ersten Einsatz vorbereitet. Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff hat eine Krankenstation und ist auch auf Corona-Patienten vorbereitet.

Der Aufbruch der Sea-Eye 4 sei "ein wichtiges Signal eines breiten zivilgesellschaftlichen Bündnisses an die EU-Mitgliedstaaten", sagte Gorden Isler, Vorsitzender des Vereins Sea-Eye. Menschen im Mittelmeer ertrinken zu lassen, um die Zahl der Asylanträge in Europa zu reduzieren und andere von der Flucht abzuschrecken, sei menschenverachtend.

Der Verein United4Rescue, zu dessen 744 Bündnispartnern auch die evangelische und katholische Kirche gehören, habe Kauf und Umbau des Rettungsschiffs maßgeblich ermöglicht und trage auch ein großer Teil der Einsatzkosten. Die Überfahrt ins Mittelmeer wird durch Zuwendungen der katholischen (Erz-)Bistümer München und Freising, Paderborn und Trier finanziert. Thies Gundlach, Vorsitzender von United4Rescue, sagte, das Schiff sei "auch ein Symbol dafür, dass wir als United4Rescue nicht nachlassen werden im Einsatz für Menschlichkeit".

Der Verein Sea-Eye wurde 2015 in Regensburg gegründet und rettet seitdem Menschen im zentralen Mittelmeer aus Seenot. Insgesamt beteiligten sich in den vergangenen fünf Jahren über 1.000 ehrenamtliche Sea-Eye Crewmitglieder an der Rettung von 15.189 Menschen. United4Rescue wurde als ziviles Seenotrettungsbündnis von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiiert.

Sea-Eye: Rettungsschiff "Alan Kurdi" ist wieder frei

Sonntag, 11. April 2021: Nach sechs Monaten Zwangspause ist das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" wieder frei. Dies teilte die Regensburger Hilfsorganisation "Sea-Eye", der das Schiff gehört, am Sonntag mit. Die italienische Küstenwache hatte die "Alan Kurdi" wegen angeblich technischer Mängel im Oktober im Hafen von Olbia auf Sardinien festgesetzt, nachdem deren Crew 133 Menschenleben gerettet hatte. Gegen die Festsetzung hatte "Sea-Eye" im Eilverfahren geklagt.

Nach Angaben des Vereins entschied ein italienisches Gericht am Freitag, dass das Schiff nicht länger festgehalten werden dürfe, weil "Sea-Eye" dadurch "schwere finanzielle Schäden" und "weitere Schäden komplexer Art" entstehen könnten, wenn nicht gestattet werde, das Schiff rechtzeitig zu seiner zweijährigen Inspektion und geplanten Wartungen nach Spanien zu überführen. Der Verhandlungstermin in der Hauptsache, bei dem über die Rechtmäßigkeit der Festsetzung entschieden werde, wurde auf den 3. November 2021 gelegt.

Vertreter des italienischen Verkehrsministeriums setzten sich vor Gericht für strengere Regeln und höhere technische Auflagen für Rettungsschiffe ein. "Sea-Eye"-Vorsitzender Gorden Isler sagte, die italienischen Behörden gingen offenbar davon aus, "dass wir die Auflagen nur schwer erfüllen könnten". Sowohl deutsche als auch spanische Behörden und eine international anerkannte Schiffsklassifikationsgesellschaft hätten der "Alan Kurdi" zuvor die nötige Schiffssicherheit bescheinigt.

Die "Alan Kurdi" werde nun auf die Überfahrt nach Spanien vorbereitet, um geplante Wartungsarbeiten durchzuführen, teilte "Sea-Eye" weiter mit. Ferner wolle "Sea-Eye" im April ein weiteres Schiff namens "Sea-Eye 4" entsenden, an dem auch das kirchlich initiierte Bündnis "United4Rescue" beteiligt ist, sagte Isler

 

Gericht hebt Blockade der "Sea-Watch 4" auf

Mittwoch, 3. März 2021: Die "Sea-Watch 4" kann den Hafen von Palermo nach sechs Monaten wieder verlassen. Das Verwaltungsgericht Palermo hob am Dienstag nach Angaben der Seenotrettungsorganisation die Blockade des Rettungsschiffs bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) auf. Der EuGH soll über die von Sea-Watch in Palermo eingelegten Rechtsmittel gegen die Festsetzungen ihrer Rettungsschiffe befinden.

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" wartet unterdessen mit 363 Geretteten an Bord vor Sizilien weiter auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Unter den Schiffbrüchigen seien 47 Frauen, darunter einige Schwangere. Ein Drittel der Migranten und Flüchtlinge seien minderjährig, davon 120 ohne Begleitung.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, äußerte sich erleichtert über die Freigabe des Bündnisschiffes "Sea-Watch 4 - powered by United4Rescue". Er sei dankbar über die Entscheidung des italienischen Gerichts.

"Die Sea-Watch 4 darf jetzt wieder auslaufen. Und das ist auch dringend nötig", so der bayerische Landesbischof.

Allein in den ersten Wochen dieses Jahres seien bereits 185 Menschen im zentralen Mittelmeer ertrunken, fügte Bedford-Strohm hinzu: "Europa darf dabei nicht einfach zuschauen. Jeder Mensch ist geschaffen zum Bilde Gottes. Jedes einzelne Menschenleben ist kostbar." Deswegen sei es so wichtig, dass wenigstens die zivilen Seenotretter vor Ort sind und Leben retten können. Der Bischof forderte erneut einen europäischen Verteilmechanismus. Dieser solle ermöglichen, dass die geretteten Menschen in aufnahmebereite Länder gelangen und dort ein Asylverfahren durchlaufen könnten.

Das Verwaltungsgericht Palermo hatte im Dezember angeordnet, die Sache an den Europäischen Gerichtshof zu verweisen. Damit bat das italienische Gericht den EuGH um Klärung. Die "Sea-Watch 4", die im vergangenen Jahr von dem kirchlich initiierten Bündnis United4Rescue aus Spenden erworben und als Rettungsschiff ausgestattet worden war, war nach seiner ersten Rettungsmission, bei der es mehr als 350 Migranten aus Seenot gerettet hatte, seit September im Hafen von Palermo festgesetzt worden.

Zur Begründung gaben die italienischen Behörden angebliche Sicherheitsmängel an. Sie kritisierten, das Schiff habe zu viele Rettungswesten an Bord und sei im Flaggenstaat nicht als Rettungsschiff angemeldet. Dagegen hatte Sea-Watch vor dem Verwaltungsgericht in Palermo Widerspruch eingelegt. 

Schiff "Sea-Eye 4" in Rostock getauft

Montag, 1. März 2021: Das neue Rettungsschiff der Flüchtlingsorganisation "Sea-Eye" ist am Sonntag im Rostocker Hafen getauft worden. Die "Sea-Eye 4" soll im Frühsommer Richtung Mittelmeer starten, um dort Flüchtlinge in Seenot zu retten. Die Schiffstaufe der "Sea-Eye 4" sei ein wichtiges Zeichen für die Humanität und für das praktische Eintreten für Menschenrechte, sagte Claudia Roth (Grüne), Bundestagsvizepräsidentin und Mitglied von "Sea Eye" mit Sitz in Regensburg. Es seien zivile Seenotretter und Seenotretterinnen, die die Grundwerte der Europäischen Union hochhalten.

Finanziert wurde das neue Schiff größtenteils von dem Bündnis "United4Rescue", an dem auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) beteiligt ist. Die Kosten für Anschaffung, Umbau und Überführung liegen bei etwa einer Million Euro. Nach Angaben von "Sea-Eye" werden noch weitere Spenden gebraucht. Es ist nach der "Sea-Watch 4" das zweite Schiff, das mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt wird.

Taufpate der "Sea-Eye 4" war der 19-jährige Alpha Jor Barry. Er gehörte zu den ersten 17 Flüchtlingen, die von dem "Sea-Eye"-Rettungsschiff "Alan Kurdi" am 29. Dezember 2018 im Mittelmeer gerettet wurden. In dem kleinen Holzboot hätten die Menschen den Sturm damals nicht überlebt, sagte Barry. "Wenn die 'Alan Kurdi' mich damals nicht gefunden hätte, wäre ich nicht mehr am Leben."

Das knapp 50 Jahre alte Schiff ist 55 Meter lang und hat bisher Baumaterialien auf der Ostsee transportiert. Mehrere Dutzend Freiwillige arbeiten seit Oktober 2020 daran, das Rettungsschiff herzurichten. Heimathafen soll Regensburg werden, wo der Verein seinen Sitz hat. Die Feier im kleinen Kreis fand nach eigenen Angaben unter strengen Corona-Regeln statt. 

"Sea-Eye 4" startet im Frühjahr erste Rettungsmission

Donnerstag, 11. Februar 2021: Die deutsche Seenotrettungsorganisation Sea-Eye will voraussichtlich noch im Frühjahr das neue Schiff "Sea-Eye 4" auf Mission ins Mittelmeer schicken. Wie die Regensburger Hilfsorganisation am Donnerstag mitteilte, seien die Finanzierung des Kaufs und ein großer Teil der Umbaukosten für das neue Schiff gesichert. Die "Sea-Eye 4" soll Ende Februar getauft und daraufhin ins Mittelmeer überführt werden.

Aktuell befinde sich die "Sea-Eye 4" noch in einer Werft in Rostock. Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff (Baujahr 1972) sei mit 55 Metern Länge und elf Metern Breite deutlich größer und besser ausgestattet als die "Alan Kurdi", das derzeitige Rettungsschiff von Sea-Eye.

Im November 2020 riefen das kirchlich initiierte Bündnis für die zivile Seenotrettung, United4Rescue, und Sea-Eye gemeinsam zur Spendenaktion für ein weiteres Rettungsschiff auf. Innerhalb von wenigen Wochen sei das Spendenziel von 434.000 Euro erreicht worden. "Das zeigt auch, wie viele Menschen es in unserem Land gibt, die dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zuschauen wollen", sagte United4rescue-Vorstand Michael Schwickart laut Mitteilung.

Die Lage auf dem Mittelmeer sei nach wie vor dramatisch. Laut Sea-Eye sind in den ersten Wochen des neuen Jahres 124 Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken, zahlreiche Geflüchtete seien von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht worden. Die EU-Mitgliedstaaten ignorierten "ihre staatliche Pflicht zur Seenotrettung". Rettungsschiffe würden immer wieder aus politischen Gründen behindert und festgesetzt. In der Folge sei über Monate kein einziges Rettungsschiff im Einsatz gewesen.

Sea-Eye klagt gegen Festsetzung der "Alan Kurdi" in Sardinien

Mittwoch, 6. Januar 2021: Die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye klagt gegen die Festsetzung ihres Schiffes "Alan Kurdi" in Sardinien. Die italienische Küstenwache verweigere Inspektionen zur Beendigung der Festsetzung, begründete der Regensburger Verein am Dienstag die Klage vor dem Verwaltungsgericht Cagliari. Dieses solle nun in einem Eilverfahren über die Rechtmäßigkeit der Maßnahme entscheiden.

Die "Alan Kurdi" hatte im vergangenen September im südlichen Mittelmeer 133 Flüchtlinge aus Seenot gerettet, darunter 62 Minderjährige. Nach tagelangem Warten hatte das Schiff die Genehmigung erhalten, die nach einer Evakuierung medizinischer Notfälle an Bord verbliebenen 125 Migranten nach Sardinien zu bringen. Seit Oktober ist das Schiff im Hafen von Olbia im Norden der Insel blockiert.

Die italienische Küstenwache beanstandet technische Mängel des Schiffs und eine Überzahl an Rettungswesten. Sea-Eye-Sprecher Gordon Isler wirft der italienischen Küstenwache politisch motiviertes Vorgehen vor. Das Verwaltungsgericht Palermo hatte vor wenigen Tagen Klagen von Sea-Watch gegen die Festsetzung von zwei Schiffen der Organisation an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen.

Seehofer drängte auf schärfere Regeln für Seenotretter

Samstag, 26. Dezember 2020: Ein internes Schreiben des Bundesinnenministeriums hat die zivilen Seenotretter der Hilfsorganisation Sea-Eye auf den Plan gerufen. Das Schriftstück belege, wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Anfang Mai überzeugen wollte, deutsche Seenotretter unter Druck zu setzten, teilte die Regensburger Organisation Sea-Eye mit. Der Bundesinnenminister mache sich laut Sea-Eye darin die Argumentation der italienischen Behörden zu eigen, hieß es.

In dem Brief bitte Seehofer den Bundesverkehrsminister darum, der italienischen Perspektive zu folgen, "um so schließlich die Seenotrettung unter deutscher Flagge zu erschweren", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Sea-Eye rekonstruierte den zeitlichen Ablauf ihrer sechswöchigen Mission im April und brachte nun das Schreiben vom 7. Mai mit dem Einsatz ihres Schiffes "Alan Kurdi" in Verbindung. Der Name des Schiffes wurde in dem Schreiben zwar geschwärzt, es könne sich aber nur um dieses Schiff handeln, da es zu dieser Zeit im Mittelmeer im Einsatz war.

Seehofer argumentiere, dass er um die internationalen Beziehungen zu Italien besorgt sei. "Es besteht nach meiner Auffassung eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Anforderungen an die Ausrüstung von Frachtschiffen, welche im vorliegenden Falle an das Schiff angelegt werden, und den tatsächlichen Erfordernissen, welche in der selbsterklärten Mission des Schiffes liegen", schrieb der Bundesinnenminister in dem Brief, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Da das Schiff regelmäßig viele Menschen rette, müssten strengere Regeln gelten als für normale Frachtschiffe. So seien die Abwassertanks nur für die Besatzung ausgelegt, nicht aber für die hohe Zahl an Flüchtlingen an Bord.

Zurzeit liegt die "Alan Kurdi" in einem spanischen Hafen und werde überholt, um die behördlichen Auflagen zu erfüllen. Die zivilen Seenotretter sprechen von einer "gezielten Kampagne". Der Brief belege, "dass der Bundesinnenminister keine Anstrengungen unternimmt, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler laut Mitteilung. "Wer um die Sicherheit der Menschen besorgt ist, der schickt Schiffe und diskutiert nicht mit Seenotrettern über Sanitäranlagen", sagte Isler.

Seenotretter von Sea-Eye kooperieren mit Initiative Moas aus Malta

Dienstag, 8. Dezember 2020: Die private Hilfsorganisation Sea-Eye plant gemeinsame Such- und Rettungseinsätzen auf dem Mittelmeer mit der maltesischen Initiative Moas. Eine operative Zusammenarbeit auf dem neuen Schiff "Sea-Eye 4" sei beschlossen, teilte die Regensburger Organisation Sea-Eye am Freitag mit. Das Schiff wird derzeit in Rostock zum Rettungsschiff umgebaut. Ziel sei es, gemeinsam mehr Menschenleben zu retten. Mehr als 700 Geflüchtete sind laut Sea-Eye-Angaben in diesem Jahr allein im zentralen Mittelmeer ertrunken.

Die Initiative "Migrant Offshore Aid Station" (Moas) rettete nach eigenen Angaben zwischen 2014 and 2017 mehr als 40.000 Menschen vor dem Ertrinken. "Wir sind stolz darauf, die Seenotretter von Moas auf unserem Schiff zurück in den Einsatz zu bringen", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Zwischen 2016 und 2017 seien sich die Crews im Rettungseinsatz begegnet.

Die gemeinsamen Missionen mit der "Sea-Eye 4" seien ab Februar 2021 geplant. Bis dahin soll das 48 Jahre alte Offshore-Versorgungsschiff bereit sein für seine Einsätze im Mittelmeer. Das neue Schiff von Sea-Eye wurde mit der Unterstützung des von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierten Bündnisses United4Rescue erworben und soll als Heimathafen Regensburg haben. Heimathafen des zweiten Sea-Eye-Schiffes, "Alan Kurdi", ist Hamburg.

Sea-Eye rüstet mit Hilfe von United4Rescue ein neues Rettungsschiff aus

Dienstag, 1. Dezember: Noch sieht die "Sea-Eye 4" ziemlich abgerockt und unspektakulär aus. Sie liegt im Rostocker Hafen eingekeilt zwischen Kaimauer und Schwimmkran, und es ist schwer erkennbar, was für ein Schiff das genau ist. Doch zwei Dutzend Freiwillige arbeiten seit vier Wochen daran, sie zum Rettungsschiff umzubauen, das ab Frühjahr 2021 Ertrinkende aus dem Mittelmeer retten soll. Für die kommende Woche haben sich noch mal genauso viele Helfer zusätzlich angekündigt.

Der Plan sei, dass das Schiff Ende Januar, Anfang Februar fertig ist und ins Mittelmeer überführt werden kann, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. "Im März oder April könnte die 'Sea-Eye 4' dann zu ihrer ersten Mission starten." Insgesamt werden Anschaffung, Umbau und Überführung etwa eine Million Euro Spendengelder kosten. Die Kampagne #WirSchickenNochEinSchiff soll dabei helfen, dieses Geld zusammenzubekommen.

Das 55 Meter lange Schiff ist 48 Jahre alt und hat bisher Baumaterialien auf der Ostsee transportiert. Für den Einsatz als Rettungsschiff sei es besonders gut geeignet, weil es zwei große Decks hat, sagt Jörg Beiler, der die technische Leitung hat. "Dieses Schiff ist genau das, was wir suchten und brauchten." In den nächsten Tagen werden die zwei riesigen Seilwinden auf dem Achterdeck abgebaut. Stattdessen kommen dort zwei große Container als Notunterkunft für die geretteten Geflüchteten hin. Es wird eine große Krankenstation aufgebaut, und im Rumpf, wo bisher Zement gelagert wurde, soll Stauraum für Kleidung, Wasserflaschen und Rettungswesten geschaffen werden.

In die bisherigen Einzelkabinen werden Doppelstockbetten gebaut. Die Messe wird vergrößert, damit es einen Ort gibt, an dem die Crew sich in Ruhe versammeln kann - für Briefings, Besprechungen und Mahlzeiten. An Bord wird immer wie vorgeschrieben eine Crew von neun Hauptamtlichen sein - plus bis zu 17 Freiwillige, Ärzte und Journalisten.

Derzeit stehen noch überall Kisten und Eimer, liegen Arbeitsgeräte und Pläne, es riecht nach Öl und Diesel. Über das ganze Schiff verteilen sich die freiwilligen Helfer und schweißen, sägen, messen und planen. Sie kämen aus ganz Deutschland und aus allen möglichen Berufen, sagt Isler. Schiffbauer seien ebenso dabei wie Menschen aus Bürojobs, "die machen dann halt Hilfsarbeiten, da brauchen wir auch viele Hände." Als es schon dämmert, kommt Daniel Hempel (31) aus Detmold mit großem Seesack auf dem Rücken über die Gangway. Der Erzieher war bereits auf der "Alan Kurdi" von Sea-Eye aktiv. "Ich habe ein paar Tage frei und helfe bei den Umbauarbeiten", sagt er und steigt über eine große Kabeltrommel.

Wenn das Schiff einsatzbereit ist, werden Helfer mit zwei festen Schlauchbooten, sogenannten Ribs (engl. "Rigid Inflatable Boat"), Menschen vor dem Ertrinken aus dem Mittelmeer retten. Von zwei festen Kränen aus ("Davits") können diese innerhalb von fünf Minuten ins Wasser gelassen werden. An Bord der Ribs wird immer jeweils ein Einsatzfahrer, ein Kommunikator und ein medizinischer Helfer sein. Durch eine Rettungspforte an Bord der "Sea-Eye 4" werden die Geflüchteten in Empfang genommen.

Das Schiff soll den Heimathafen Regensburg bekommen, wo der Verein seinen Sitz hat. Beim ersten Sea-Eye-Schiff, der "Alan Kurdi", ist es Hamburg. Aber die Hansestadt habe nicht deutlich gemacht, dass ihr das Thema Menschenrettung viel bedeute, kritisiert Isler. "Außer warmen Worten kommt da nicht viel", sagt er und verweist auf das Bekenntnis zum "Sicheren Hafen". Bei der Aufnahme von Menschen aus den griechischen Lagern ist ihm Hamburg viel zu zurückhaltend

Die "Sea-Eye 4" ist das zweite Schiff, das United4Rescue ins Mittelmeer schickt. Das Bündnis wurde maßgeblich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiiert. Seit November 2019 gibt es den Trägerverein "Gemeinsam Retten e.V.", im August 2020 startete das erste Bündnisschiff "Sea-Watch 4" zu seiner ersten Mission. 

Kirchlich initiiertes Bündnis finanziert weiteres Rettungsschiff

Montag, 16. November: Das kirchlich initiierte Bündnis "United4Rescue" wird den Kauf und maßgeblich auch den Umbau eines neuen Rettungsschiffs "Sea-Eye 4" finanzieren. Wie der Betreiber, die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea Eye mitteilte, liegt das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff aus dem Jahr 1972 im Hafen von Rostock und soll für seine Rettungseinsätze im Mittelmeer ausgerüstet werden

Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, begrüßte die Finanzierung des neuen Bündnisschiffes:

"Ich bin dankbar dafür, dass Sea Eye nun ein weiteres Schiff in den Einsatz im Mittelmeer bringen kann."

Gerade die letzten Tage hätten gezeigt, wie dringend notwendig das ist. "Das konkrete Handeln der zivilen Seenotretter überwindet die Ohnmacht, die wir empfinden, wenn wir die Bilder von ertrinkenden Menschen im Mittelmeer sehen. Nur durch unsere Unterstützung können sie gerettet werden."

"Ohne die Unterstützung durch das Bündnis wäre der Kauf eines so großen Schiffes für uns unvorstellbar geblieben", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler laut Mitteilung. Mit seinen 55 Metern Länge und elf Metern Breite sei es größer als das derzeitige Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Organisation.

Die "Sea-Eye 4" werde in der Lage sein, mehr Menschen aufzunehmen und zu versorgen als die bisherigen Sea-Eye-Schiffe. Sea-Eye rettet nach eigenen Angaben seit 2016 mehr als 15.000 Menschen im Mittelmeer das Leben.

"United4Rescue" unterstützt bereits das Rettungsschiff "Sea-Watch 4", das derzeit in Italien festgesetzt ist. Bei der "Sea Watch 4" habe das Bündnis so viel Unterstützung erfahren, dass man beschlossen habe: "Wir schicken noch ein Schiff", so Sandra Bils, Gründungsmitglied von "United4Rescue".

Bedford-Strohm betonte, dass die evangelische Kirche auch in Zukunft die zivile Seenotrettung nach Kräften unterstützen werde, "solange Menschen weiter zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken und niemand sonst sie rettet."

Dem Bündnis gehören mehr als 660 zivilgesellschaftliche Gruppen an, darunter die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Das Bündnis wird sich insgesamt mit 434.000 Euro am Projekt beteiligen. Um die "Sea-Eye 4" möglichst schnell in den Einsatz schicken zu können, hat "United4Rescue" eine Spendenkampagne auf der Website www.wirschickennocheinschiff.de gestartet.

Laut Sea-Eye-Informationen ist die spanische "Open Arms" derzeit das einzige zivile Rettungsschiff auf dem Mittelmeer. Die anderen sechs zivilen Hochseeschiffe seien wegen angeblich technischer Mängel festgesetzt. Weil es kaum sichere, legale Fluchtwege gibt, wagten Menschen weiterhin die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer.

Ein weiteres ziviles Rettungsschiff sei daher notwendig. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ignorierten ihre Pflicht zur Seenotrettung, sagte Isler. Sie weigerten sich ihrer staatlichen, humanitären Aufgabe im Mittelmeer nachzukommen.

Zugleich erinnert das Bündnis mit einem Unterwasser-Requiem an die Menschen, die weiterhin auf ihrer Flucht nach Europa ertrinken. Dabei spiele die dänische Künstlergruppe "Between Music" die Europahymne mit Spezialinstrumenten auf dem Grund des Mittelmeers. Das Video werde am 15. November europaweit veröffentlicht. Auch appelliere "United4Rescue" mit einer Petition an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden und sich für staatliche Seenotrettung einzusetzen.

Sea-Eye präsentiert neues Rettungsschiff "Sea-Eye 4"

Mittwoch, 11. November: Die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye stellt an diesem Sonntag (15. November) ihr neues Rettungsschiff vor. Das vierte Schiff der Hilfsorganisation sei deutlich größer als die bisherigen Rettungsschiffe, teilte Sea-Eye am Dienstag mit. Es sei die Antwort von Sea-Eye auf die zunehmenden Anforderungen, die im Einsatz an zivile Rettungsschiffe gestellt würden.

Bereits im September hatte Sea-Eye den Kauf des neuen Schiffes angekündigt. Es solle nun mit Spenden zum Rettungsschiff umgerüstet werden. Das neue Rettungsschiff werde künftig den Namen "Ghalib Kurdi" tragen. Geplant sei eine Schiffstaufe, bei der Abdullah Kurdi, der Vater der ertrunkenen Kinder Ghalib und Alan Kurdi, das Schiff taufen werde.

Aufgrund der Corona-Einschränkungen könne derzeit kein Termin für eine Schiffstaufe festgelegt werden. "Aus tiefem Respekt vor der Familie und dem Schmerz, den die Familie in sich trägt, muten wir es ihnen nicht zu, den Namen schon jetzt in allen Medien und auf unserem Schiff zu lesen", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Deshalb werde das neue Schiff vorerst den Projekttitel "Sea-Eye 4" tragen.

Die Umrüstung zum Rettungsschiff sei eine "enorme Herausforderung" für den Regensburger Verein, der auf Spenden angewiesen sei. An dem ambitionierten Projekt seien insgesamt 237 Menschen beteiligt, größtenteils arbeiteten sie ehrenamtlich.

Deutsches Rettungsschiff "Alan Kurdi" erneut in Italien festgesetzt

Montag, 12. Oktober: Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" darf den Hafen von Olbia auf Sardinien vorerst nicht verlassen. Die italienische Küstenwache habe die Weiterfahrt unter anderem wegen Sicherheitsmängeln untersagt, teilte Gorden Isler von der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye mit. Die Hilfsorganisation bezeichnete die abermalige Festsetzung des Schiffes als "politisch motiviert", dadurch würden Menschenleben gefährdet.

Die Organisation mit Sitz in Regensburg verwies darauf, dass deutsche und spanische Fachbehörden der "Alan Kurdi" nach einer langen Werftpause vor kurzem erst Einsatzbereitschaft attestiert hätten. Sea-Eye werde gegen die erneute Festsetzung Klage einreichen, sagte Isler. Sea-Eye habe bereits das Auswärtige Amt und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) um Unterstützung gebeten.

Die "Alan Kurdi" ist im Mittelmeer im Einsatz, um in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten. Die Überquerung des Mittelmeers gilt als eine der gefährlichsten Flüchtlingsrouten der Welt.

"Alan Kurdi": Alle Flüchtlinge von Bord gegangen

Sonntag, 27. September: Nach einer Nacht an Bord des Rettungsschiffs "Alan Kurdi" im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens ist auch die zweite Hälfte der insgesamt 125 Flüchtlinge an Land gegangen. Nachdem bei sämtlichen Flüchtlingen Corona-Abstriche gemacht worden seien, sei auch die Besatzung auf Covid-19 getestet worden, teilte die Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt,  auf Twitter mit. Die Ergebnisse stünden noch aus. Die italienischen Behörden hätten die Besatzung jedoch bereits zu einer zweiwöchigen Quarantäne verpflichtet. Eine Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung der Flüchtlinge weiter nach Marseille fahren zu dürfen, sei abgelehnt worden.

61 Flüchtlinge der "Alan Kurdi" waren am Vortag in Olbia von Bord gegangen und laut Medienberichten in einem Gebäude der Feuerwehr untergebracht worden. Dann wurde die Ausschiffung laut Sea-Eye von den Behörden unterbrochen.

Unter den Flüchtlingen waren den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Ein Fünftel der Geretteten solle auf Sardinien verbleiben, die übrigen 100 würden auf andere europäische Länder verteilt, hieß es.

125 Flüchtlinge mit "Alan Kurdi" vor Küste von Sardinien

Samstag, 26. September, 19.29 Uhr. Die Hälfte der 125 Flüchtlinge auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" hat die erste Nacht nach der Ankunft im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens weiterhin an Bord verbracht. Nach Angaben der Organisation Sea-Eye, die die "Alan Kurdi" betreibt, wurde die Ausschiffung der Migranten am Freitagabend unterbrochen. Die 61 Flüchtlinge, die an Land gegangen und auf das Coronavirus getestet worden waren, wurden dem örtlichen Internet-Nachrichtendienst "Olbianova" zufolge in ein Gebäude der Feuerwehr gebracht.

Die italienischen Behörden ordneten für die Besatzung der "Alan Kurdi" laut Sea-Eye eine zweiwöchige Quarantäne an. Eine Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung der Flüchtlinge weiter nach Marseille fahren zu dürfen, sei abgelehnt worden.

Unter den Flüchtlingen sind den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Ein Fünftel der Geretteten solle auf Sardinien verbleiben, die übrigen 100 würden auf andere europäische Länder verteilt, hieß es.

125 Flüchtlinge wurden auf Covid-19 getestet

Freitag, 25. September, 14.26 Uhr. Die 125 Flüchtlinge auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" sind im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens auf Covid-19 getestet worden. Gegen Abend wurde mit der Ausschiffung begonnen, sagte Gorden Isler von der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt, dem Sonntagsblatt. Zunächst hatte es geheißen, die aus Seenot Geretteten sollen an Bord zurückkehren, bis die Ergebnisse vorlägen, berichtete der italienische Rundfunk am Freitag. Nur die Frauen und Kinder sollten das Schiff verlassen dürfen. Nach Diskussionen mit den italienischen Behörden sei es der deutschen Crew aber gelungen, nun auch eine Lösung für die Männer zu finden, sagte Isler. Ein leeres Gebäude sei vorbereitet worden, in dem sie unterkommen könnten.

Unter den Flüchtlingen sind den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Die französische Regierung habe noch am Mittwochabend auf eine Lösung gedrungen und erfolgreich an Italien appelliert, die humanitären Grundsätze im Fall der "Alan Kurdi" zu beachten, erklärte Sea-Eye.

Gegen die Erlaubnis für das Schiff, den Hafen von Olbia anzulaufen, protestierten die Regionalregierung und Politiker der rechtsnationalen Lega. Das italienische Innenministerium hatte die "Alan Kurdi" am Vortag wegen drohenden schlechten Wetters angewiesen, einen Hafen in Sardinien anzulaufen. Die 125 Geretteten seien nun schon sieben Tage an Bord der "Alan Kurdi" gewesen. Der Crew sei von den Behörden bereits eine 14-tägige Quarantäne angekündigt worden. Die Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung weiter zum Zielhafen Marseille fahren zu dürfen, sei bislang abgelehnt worden.

Rettungsschiff "Alan Kurdi" darf Hafen nicht verlassen

8. Mai 2020, 12.12 Uhr: Weil die italienische Küstenwache bei einer Untersuchung technische und betriebliche Mängel festgestellt habe, dürfe das Rettungsschiff bis auf weiteres den Hafen nicht verlassen.

Die Alan Kurdi hatte bei ihrem letzten Einsatz 146 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und nach langer Irrfahrt einer italienischen Fähre übergeben, auf der die geflüchteten Menschen wegen des Corona-Pandemie in Quarantäne gekommen waren.

Die Liste der Beanstandungen durch die Küstenwache seien technisch lösbare Aufgaben, erklärte Sea-Eye. Dabei würden die Seenotretter mit den italienischen und deutschen Behörden kooperieren, berechtigte Beanstandungen beheben und das Schiff für den nächsten Einsatz vorbereiten.

Allerdings dürfte die Beseitigung der Mängel vor dem Hintergrund der Corona-Krise dazu führen, dass die Alan Kurdi im Mai zu keinem neuen Einsatz auslaufen könne.

Zivile Rettungsschiffe sind nach Einschätzung von Sea-Eye die häufigst kontrollierten Schiffe im zentralen Mittelmeer. Während an sich nur eine Hafenstaatkontrolle im Jahr üblich sei, sei die Alan Kurdi in den letzten 16 Monaten vier Mal in Spanien und Italien überprüft worden.

Die letzte Kontrolle durch den Flaggenstaat Deutschland in Tarent habe ergeben, dass die Alan Kurdi korrekt registriert und zertifiziert sei und sich rechtskonform verhalte, teilte die Regensburger Organisation mit.

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