11.04.2021
Seenotrettung

Newsticker Seenotrettung: Rettungsschiff "Alan Kurdi" ist wieder frei

Die Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye ist aktiv in der Seenotrettung im Mittelmeer unterwegs. Unser Newsticker informiert aktuell über Veränderungen und Neuigkeiten zum Thema Seenotrettung.

Sea-Eye: Rettungsschiff "Alan Kurdi" ist wieder frei

Sonntag, 11. April 2021: Nach sechs Monaten Zwangspause ist das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" wieder frei. Dies teilte die Regensburger Hilfsorganisation "Sea-Eye", der das Schiff gehört, am Sonntag mit. Die italienische Küstenwache hatte die "Alan Kurdi" wegen angeblich technischer Mängel im Oktober im Hafen von Olbia auf Sardinien festgesetzt, nachdem deren Crew 133 Menschenleben gerettet hatte. Gegen die Festsetzung hatte "Sea-Eye" im Eilverfahren geklagt.

Nach Angaben des Vereins entschied ein italienisches Gericht am Freitag, dass das Schiff nicht länger festgehalten werden dürfe, weil "Sea-Eye" dadurch "schwere finanzielle Schäden" und "weitere Schäden komplexer Art" entstehen könnten, wenn nicht gestattet werde, das Schiff rechtzeitig zu seiner zweijährigen Inspektion und geplanten Wartungen nach Spanien zu überführen. Der Verhandlungstermin in der Hauptsache, bei dem über die Rechtmäßigkeit der Festsetzung entschieden werde, wurde auf den 3. November 2021 gelegt.

Vertreter des italienischen Verkehrsministeriums setzten sich vor Gericht für strengere Regeln und höhere technische Auflagen für Rettungsschiffe ein. "Sea-Eye"-Vorsitzender Gorden Isler sagte, die italienischen Behörden gingen offenbar davon aus, "dass wir die Auflagen nur schwer erfüllen könnten". Sowohl deutsche als auch spanische Behörden und eine international anerkannte Schiffsklassifikationsgesellschaft hätten der "Alan Kurdi" zuvor die nötige Schiffssicherheit bescheinigt.

Die "Alan Kurdi" werde nun auf die Überfahrt nach Spanien vorbereitet, um geplante Wartungsarbeiten durchzuführen, teilte "Sea-Eye" weiter mit. Ferner wolle "Sea-Eye" im April ein weiteres Schiff namens "Sea-Eye 4" entsenden, an dem auch das kirchlich initiierte Bündnis "United4Rescue" beteiligt ist, sagte Isler

 

Gericht hebt Blockade der "Sea-Watch 4" auf

Mittwoch, 3. März 2021: Die "Sea-Watch 4" kann den Hafen von Palermo nach sechs Monaten wieder verlassen. Das Verwaltungsgericht Palermo hob am Dienstag nach Angaben der Seenotrettungsorganisation die Blockade des Rettungsschiffs bis zu einer Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) auf. Der EuGH soll über die von Sea-Watch in Palermo eingelegten Rechtsmittel gegen die Festsetzungen ihrer Rettungsschiffe befinden.

Das Rettungsschiff "Sea-Watch 3" wartet unterdessen mit 363 Geretteten an Bord vor Sizilien weiter auf die Zuweisung eines sicheren Hafens. Unter den Schiffbrüchigen seien 47 Frauen, darunter einige Schwangere. Ein Drittel der Migranten und Flüchtlinge seien minderjährig, davon 120 ohne Begleitung.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, äußerte sich erleichtert über die Freigabe des Bündnisschiffes "Sea-Watch 4 - powered by United4Rescue". Er sei dankbar über die Entscheidung des italienischen Gerichts.

"Die Sea-Watch 4 darf jetzt wieder auslaufen. Und das ist auch dringend nötig", so der bayerische Landesbischof.

Allein in den ersten Wochen dieses Jahres seien bereits 185 Menschen im zentralen Mittelmeer ertrunken, fügte Bedford-Strohm hinzu: "Europa darf dabei nicht einfach zuschauen. Jeder Mensch ist geschaffen zum Bilde Gottes. Jedes einzelne Menschenleben ist kostbar." Deswegen sei es so wichtig, dass wenigstens die zivilen Seenotretter vor Ort sind und Leben retten können. Der Bischof forderte erneut einen europäischen Verteilmechanismus. Dieser solle ermöglichen, dass die geretteten Menschen in aufnahmebereite Länder gelangen und dort ein Asylverfahren durchlaufen könnten.

Das Verwaltungsgericht Palermo hatte im Dezember angeordnet, die Sache an den Europäischen Gerichtshof zu verweisen. Damit bat das italienische Gericht den EuGH um Klärung. Die "Sea-Watch 4", die im vergangenen Jahr von dem kirchlich initiierten Bündnis United4Rescue aus Spenden erworben und als Rettungsschiff ausgestattet worden war, war nach seiner ersten Rettungsmission, bei der es mehr als 350 Migranten aus Seenot gerettet hatte, seit September im Hafen von Palermo festgesetzt worden.

Zur Begründung gaben die italienischen Behörden angebliche Sicherheitsmängel an. Sie kritisierten, das Schiff habe zu viele Rettungswesten an Bord und sei im Flaggenstaat nicht als Rettungsschiff angemeldet. Dagegen hatte Sea-Watch vor dem Verwaltungsgericht in Palermo Widerspruch eingelegt. 

Schiff "Sea-Eye 4" in Rostock getauft

Montag, 1. März 2021: Das neue Rettungsschiff der Flüchtlingsorganisation "Sea-Eye" ist am Sonntag im Rostocker Hafen getauft worden. Die "Sea-Eye 4" soll im Frühsommer Richtung Mittelmeer starten, um dort Flüchtlinge in Seenot zu retten. Die Schiffstaufe der "Sea-Eye 4" sei ein wichtiges Zeichen für die Humanität und für das praktische Eintreten für Menschenrechte, sagte Claudia Roth (Grüne), Bundestagsvizepräsidentin und Mitglied von "Sea Eye" mit Sitz in Regensburg. Es seien zivile Seenotretter und Seenotretterinnen, die die Grundwerte der Europäischen Union hochhalten.

Finanziert wurde das neue Schiff größtenteils von dem Bündnis "United4Rescue", an dem auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) beteiligt ist. Die Kosten für Anschaffung, Umbau und Überführung liegen bei etwa einer Million Euro. Nach Angaben von "Sea-Eye" werden noch weitere Spenden gebraucht. Es ist nach der "Sea-Watch 4" das zweite Schiff, das mit Hilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung von Flüchtlingen ins Mittelmeer geschickt wird.

Taufpate der "Sea-Eye 4" war der 19-jährige Alpha Jor Barry. Er gehörte zu den ersten 17 Flüchtlingen, die von dem "Sea-Eye"-Rettungsschiff "Alan Kurdi" am 29. Dezember 2018 im Mittelmeer gerettet wurden. In dem kleinen Holzboot hätten die Menschen den Sturm damals nicht überlebt, sagte Barry. "Wenn die 'Alan Kurdi' mich damals nicht gefunden hätte, wäre ich nicht mehr am Leben."

Das knapp 50 Jahre alte Schiff ist 55 Meter lang und hat bisher Baumaterialien auf der Ostsee transportiert. Mehrere Dutzend Freiwillige arbeiten seit Oktober 2020 daran, das Rettungsschiff herzurichten. Heimathafen soll Regensburg werden, wo der Verein seinen Sitz hat. Die Feier im kleinen Kreis fand nach eigenen Angaben unter strengen Corona-Regeln statt. 

"Sea-Eye 4" startet im Frühjahr erste Rettungsmission

Donnerstag, 11. Februar 2021: Die deutsche Seenotrettungsorganisation Sea-Eye will voraussichtlich noch im Frühjahr das neue Schiff "Sea-Eye 4" auf Mission ins Mittelmeer schicken. Wie die Regensburger Hilfsorganisation am Donnerstag mitteilte, seien die Finanzierung des Kaufs und ein großer Teil der Umbaukosten für das neue Schiff gesichert. Die "Sea-Eye 4" soll Ende Februar getauft und daraufhin ins Mittelmeer überführt werden.

Aktuell befinde sich die "Sea-Eye 4" noch in einer Werft in Rostock. Das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff (Baujahr 1972) sei mit 55 Metern Länge und elf Metern Breite deutlich größer und besser ausgestattet als die "Alan Kurdi", das derzeitige Rettungsschiff von Sea-Eye.

Im November 2020 riefen das kirchlich initiierte Bündnis für die zivile Seenotrettung, United4Rescue, und Sea-Eye gemeinsam zur Spendenaktion für ein weiteres Rettungsschiff auf. Innerhalb von wenigen Wochen sei das Spendenziel von 434.000 Euro erreicht worden. "Das zeigt auch, wie viele Menschen es in unserem Land gibt, die dem Sterben im Mittelmeer nicht tatenlos zuschauen wollen", sagte United4rescue-Vorstand Michael Schwickart laut Mitteilung.

Die Lage auf dem Mittelmeer sei nach wie vor dramatisch. Laut Sea-Eye sind in den ersten Wochen des neuen Jahres 124 Menschen auf ihrer Flucht im Mittelmeer ertrunken, zahlreiche Geflüchtete seien von der libyschen Küstenwache zurück nach Libyen gebracht worden. Die EU-Mitgliedstaaten ignorierten "ihre staatliche Pflicht zur Seenotrettung". Rettungsschiffe würden immer wieder aus politischen Gründen behindert und festgesetzt. In der Folge sei über Monate kein einziges Rettungsschiff im Einsatz gewesen.

Sea-Eye klagt gegen Festsetzung der "Alan Kurdi" in Sardinien

Mittwoch, 6. Januar 2021: Die Seenotrettungsorganisation Sea-Eye klagt gegen die Festsetzung ihres Schiffes "Alan Kurdi" in Sardinien. Die italienische Küstenwache verweigere Inspektionen zur Beendigung der Festsetzung, begründete der Regensburger Verein am Dienstag die Klage vor dem Verwaltungsgericht Cagliari. Dieses solle nun in einem Eilverfahren über die Rechtmäßigkeit der Maßnahme entscheiden.

Die "Alan Kurdi" hatte im vergangenen September im südlichen Mittelmeer 133 Flüchtlinge aus Seenot gerettet, darunter 62 Minderjährige. Nach tagelangem Warten hatte das Schiff die Genehmigung erhalten, die nach einer Evakuierung medizinischer Notfälle an Bord verbliebenen 125 Migranten nach Sardinien zu bringen. Seit Oktober ist das Schiff im Hafen von Olbia im Norden der Insel blockiert.

Die italienische Küstenwache beanstandet technische Mängel des Schiffs und eine Überzahl an Rettungswesten. Sea-Eye-Sprecher Gordon Isler wirft der italienischen Küstenwache politisch motiviertes Vorgehen vor. Das Verwaltungsgericht Palermo hatte vor wenigen Tagen Klagen von Sea-Watch gegen die Festsetzung von zwei Schiffen der Organisation an den Europäischen Gerichtshof (EuGH) verwiesen.

Seehofer drängte auf schärfere Regeln für Seenotretter

Samstag, 26. Dezember 2020: Ein internes Schreiben des Bundesinnenministeriums hat die zivilen Seenotretter der Hilfsorganisation Sea-Eye auf den Plan gerufen. Das Schriftstück belege, wie Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) Anfang Mai überzeugen wollte, deutsche Seenotretter unter Druck zu setzten, teilte die Regensburger Organisation Sea-Eye mit. Der Bundesinnenminister mache sich laut Sea-Eye darin die Argumentation der italienischen Behörden zu eigen, hieß es.

In dem Brief bitte Seehofer den Bundesverkehrsminister darum, der italienischen Perspektive zu folgen, "um so schließlich die Seenotrettung unter deutscher Flagge zu erschweren", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Sea-Eye rekonstruierte den zeitlichen Ablauf ihrer sechswöchigen Mission im April und brachte nun das Schreiben vom 7. Mai mit dem Einsatz ihres Schiffes "Alan Kurdi" in Verbindung. Der Name des Schiffes wurde in dem Schreiben zwar geschwärzt, es könne sich aber nur um dieses Schiff handeln, da es zu dieser Zeit im Mittelmeer im Einsatz war.

Seehofer argumentiere, dass er um die internationalen Beziehungen zu Italien besorgt sei. "Es besteht nach meiner Auffassung eine erhebliche Diskrepanz zwischen den Anforderungen an die Ausrüstung von Frachtschiffen, welche im vorliegenden Falle an das Schiff angelegt werden, und den tatsächlichen Erfordernissen, welche in der selbsterklärten Mission des Schiffes liegen", schrieb der Bundesinnenminister in dem Brief, der dem Evangelischen Pressedienst (epd) vorliegt. Da das Schiff regelmäßig viele Menschen rette, müssten strengere Regeln gelten als für normale Frachtschiffe. So seien die Abwassertanks nur für die Besatzung ausgelegt, nicht aber für die hohe Zahl an Flüchtlingen an Bord.

Zurzeit liegt die "Alan Kurdi" in einem spanischen Hafen und werde überholt, um die behördlichen Auflagen zu erfüllen. Die zivilen Seenotretter sprechen von einer "gezielten Kampagne". Der Brief belege, "dass der Bundesinnenminister keine Anstrengungen unternimmt, um Menschen vor dem Ertrinken zu bewahren", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler laut Mitteilung. "Wer um die Sicherheit der Menschen besorgt ist, der schickt Schiffe und diskutiert nicht mit Seenotrettern über Sanitäranlagen", sagte Isler.

Seenotretter von Sea-Eye kooperieren mit Initiative Moas aus Malta

Dienstag, 8. Dezember 2020: Die private Hilfsorganisation Sea-Eye plant gemeinsame Such- und Rettungseinsätzen auf dem Mittelmeer mit der maltesischen Initiative Moas. Eine operative Zusammenarbeit auf dem neuen Schiff "Sea-Eye 4" sei beschlossen, teilte die Regensburger Organisation Sea-Eye am Freitag mit. Das Schiff wird derzeit in Rostock zum Rettungsschiff umgebaut. Ziel sei es, gemeinsam mehr Menschenleben zu retten. Mehr als 700 Geflüchtete sind laut Sea-Eye-Angaben in diesem Jahr allein im zentralen Mittelmeer ertrunken.

Die Initiative "Migrant Offshore Aid Station" (Moas) rettete nach eigenen Angaben zwischen 2014 and 2017 mehr als 40.000 Menschen vor dem Ertrinken. "Wir sind stolz darauf, die Seenotretter von Moas auf unserem Schiff zurück in den Einsatz zu bringen", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Zwischen 2016 und 2017 seien sich die Crews im Rettungseinsatz begegnet.

Die gemeinsamen Missionen mit der "Sea-Eye 4" seien ab Februar 2021 geplant. Bis dahin soll das 48 Jahre alte Offshore-Versorgungsschiff bereit sein für seine Einsätze im Mittelmeer. Das neue Schiff von Sea-Eye wurde mit der Unterstützung des von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiierten Bündnisses United4Rescue erworben und soll als Heimathafen Regensburg haben. Heimathafen des zweiten Sea-Eye-Schiffes, "Alan Kurdi", ist Hamburg.

Sea-Eye rüstet mit Hilfe von United4Rescue ein neues Rettungsschiff aus

Dienstag, 1. Dezember: Noch sieht die "Sea-Eye 4" ziemlich abgerockt und unspektakulär aus. Sie liegt im Rostocker Hafen eingekeilt zwischen Kaimauer und Schwimmkran, und es ist schwer erkennbar, was für ein Schiff das genau ist. Doch zwei Dutzend Freiwillige arbeiten seit vier Wochen daran, sie zum Rettungsschiff umzubauen, das ab Frühjahr 2021 Ertrinkende aus dem Mittelmeer retten soll. Für die kommende Woche haben sich noch mal genauso viele Helfer zusätzlich angekündigt.

Der Plan sei, dass das Schiff Ende Januar, Anfang Februar fertig ist und ins Mittelmeer überführt werden kann, sagt Gorden Isler, Vorsitzender von Sea-Eye. "Im März oder April könnte die 'Sea-Eye 4' dann zu ihrer ersten Mission starten." Insgesamt werden Anschaffung, Umbau und Überführung etwa eine Million Euro Spendengelder kosten. Die Kampagne #WirSchickenNochEinSchiff soll dabei helfen, dieses Geld zusammenzubekommen.

Das 55 Meter lange Schiff ist 48 Jahre alt und hat bisher Baumaterialien auf der Ostsee transportiert. Für den Einsatz als Rettungsschiff sei es besonders gut geeignet, weil es zwei große Decks hat, sagt Jörg Beiler, der die technische Leitung hat. "Dieses Schiff ist genau das, was wir suchten und brauchten." In den nächsten Tagen werden die zwei riesigen Seilwinden auf dem Achterdeck abgebaut. Stattdessen kommen dort zwei große Container als Notunterkunft für die geretteten Geflüchteten hin. Es wird eine große Krankenstation aufgebaut, und im Rumpf, wo bisher Zement gelagert wurde, soll Stauraum für Kleidung, Wasserflaschen und Rettungswesten geschaffen werden.

In die bisherigen Einzelkabinen werden Doppelstockbetten gebaut. Die Messe wird vergrößert, damit es einen Ort gibt, an dem die Crew sich in Ruhe versammeln kann - für Briefings, Besprechungen und Mahlzeiten. An Bord wird immer wie vorgeschrieben eine Crew von neun Hauptamtlichen sein - plus bis zu 17 Freiwillige, Ärzte und Journalisten.

Derzeit stehen noch überall Kisten und Eimer, liegen Arbeitsgeräte und Pläne, es riecht nach Öl und Diesel. Über das ganze Schiff verteilen sich die freiwilligen Helfer und schweißen, sägen, messen und planen. Sie kämen aus ganz Deutschland und aus allen möglichen Berufen, sagt Isler. Schiffbauer seien ebenso dabei wie Menschen aus Bürojobs, "die machen dann halt Hilfsarbeiten, da brauchen wir auch viele Hände." Als es schon dämmert, kommt Daniel Hempel (31) aus Detmold mit großem Seesack auf dem Rücken über die Gangway. Der Erzieher war bereits auf der "Alan Kurdi" von Sea-Eye aktiv. "Ich habe ein paar Tage frei und helfe bei den Umbauarbeiten", sagt er und steigt über eine große Kabeltrommel.

Wenn das Schiff einsatzbereit ist, werden Helfer mit zwei festen Schlauchbooten, sogenannten Ribs (engl. "Rigid Inflatable Boat"), Menschen vor dem Ertrinken aus dem Mittelmeer retten. Von zwei festen Kränen aus ("Davits") können diese innerhalb von fünf Minuten ins Wasser gelassen werden. An Bord der Ribs wird immer jeweils ein Einsatzfahrer, ein Kommunikator und ein medizinischer Helfer sein. Durch eine Rettungspforte an Bord der "Sea-Eye 4" werden die Geflüchteten in Empfang genommen.

Das Schiff soll den Heimathafen Regensburg bekommen, wo der Verein seinen Sitz hat. Beim ersten Sea-Eye-Schiff, der "Alan Kurdi", ist es Hamburg. Aber die Hansestadt habe nicht deutlich gemacht, dass ihr das Thema Menschenrettung viel bedeute, kritisiert Isler. "Außer warmen Worten kommt da nicht viel", sagt er und verweist auf das Bekenntnis zum "Sicheren Hafen". Bei der Aufnahme von Menschen aus den griechischen Lagern ist ihm Hamburg viel zu zurückhaltend

Die "Sea-Eye 4" ist das zweite Schiff, das United4Rescue ins Mittelmeer schickt. Das Bündnis wurde maßgeblich von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) initiiert. Seit November 2019 gibt es den Trägerverein "Gemeinsam Retten e.V.", im August 2020 startete das erste Bündnisschiff "Sea-Watch 4" zu seiner ersten Mission. 

Kirchlich initiiertes Bündnis finanziert weiteres Rettungsschiff

Montag, 16. November: Das kirchlich initiierte Bündnis "United4Rescue" wird den Kauf und maßgeblich auch den Umbau eines neuen Rettungsschiffs "Sea-Eye 4" finanzieren. Wie der Betreiber, die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea Eye mitteilte, liegt das ehemalige Offshore-Versorgungsschiff aus dem Jahr 1972 im Hafen von Rostock und soll für seine Rettungseinsätze im Mittelmeer ausgerüstet werden

Der Ratsvorsitzende der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, begrüßte die Finanzierung des neuen Bündnisschiffes:

"Ich bin dankbar dafür, dass Sea Eye nun ein weiteres Schiff in den Einsatz im Mittelmeer bringen kann."

Gerade die letzten Tage hätten gezeigt, wie dringend notwendig das ist. "Das konkrete Handeln der zivilen Seenotretter überwindet die Ohnmacht, die wir empfinden, wenn wir die Bilder von ertrinkenden Menschen im Mittelmeer sehen. Nur durch unsere Unterstützung können sie gerettet werden."

"Ohne die Unterstützung durch das Bündnis wäre der Kauf eines so großen Schiffes für uns unvorstellbar geblieben", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler laut Mitteilung. Mit seinen 55 Metern Länge und elf Metern Breite sei es größer als das derzeitige Rettungsschiff "Alan Kurdi" der Organisation.

Die "Sea-Eye 4" werde in der Lage sein, mehr Menschen aufzunehmen und zu versorgen als die bisherigen Sea-Eye-Schiffe. Sea-Eye rettet nach eigenen Angaben seit 2016 mehr als 15.000 Menschen im Mittelmeer das Leben.

"United4Rescue" unterstützt bereits das Rettungsschiff "Sea-Watch 4", das derzeit in Italien festgesetzt ist. Bei der "Sea Watch 4" habe das Bündnis so viel Unterstützung erfahren, dass man beschlossen habe: "Wir schicken noch ein Schiff", so Sandra Bils, Gründungsmitglied von "United4Rescue".

Bedford-Strohm betonte, dass die evangelische Kirche auch in Zukunft die zivile Seenotrettung nach Kräften unterstützen werde, "solange Menschen weiter zu Hunderten im Mittelmeer ertrinken und niemand sonst sie rettet."

Dem Bündnis gehören mehr als 660 zivilgesellschaftliche Gruppen an, darunter die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Das Bündnis wird sich insgesamt mit 434.000 Euro am Projekt beteiligen. Um die "Sea-Eye 4" möglichst schnell in den Einsatz schicken zu können, hat "United4Rescue" eine Spendenkampagne auf der Website www.wirschickennocheinschiff.de gestartet.

Laut Sea-Eye-Informationen ist die spanische "Open Arms" derzeit das einzige zivile Rettungsschiff auf dem Mittelmeer. Die anderen sechs zivilen Hochseeschiffe seien wegen angeblich technischer Mängel festgesetzt. Weil es kaum sichere, legale Fluchtwege gibt, wagten Menschen weiterhin die lebensgefährliche Überfahrt über das Mittelmeer.

Ein weiteres ziviles Rettungsschiff sei daher notwendig. Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union ignorierten ihre Pflicht zur Seenotrettung, sagte Isler. Sie weigerten sich ihrer staatlichen, humanitären Aufgabe im Mittelmeer nachzukommen.

Zugleich erinnert das Bündnis mit einem Unterwasser-Requiem an die Menschen, die weiterhin auf ihrer Flucht nach Europa ertrinken. Dabei spiele die dänische Künstlergruppe "Between Music" die Europahymne mit Spezialinstrumenten auf dem Grund des Mittelmeers. Das Video werde am 15. November europaweit veröffentlicht. Auch appelliere "United4Rescue" mit einer Petition an EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden und sich für staatliche Seenotrettung einzusetzen.

Sea-Eye präsentiert neues Rettungsschiff "Sea-Eye 4"

Mittwoch, 11. November: Die Regensburger Seenotrettungsorganisation Sea-Eye stellt an diesem Sonntag (15. November) ihr neues Rettungsschiff vor. Das vierte Schiff der Hilfsorganisation sei deutlich größer als die bisherigen Rettungsschiffe, teilte Sea-Eye am Dienstag mit. Es sei die Antwort von Sea-Eye auf die zunehmenden Anforderungen, die im Einsatz an zivile Rettungsschiffe gestellt würden.

Bereits im September hatte Sea-Eye den Kauf des neuen Schiffes angekündigt. Es solle nun mit Spenden zum Rettungsschiff umgerüstet werden. Das neue Rettungsschiff werde künftig den Namen "Ghalib Kurdi" tragen. Geplant sei eine Schiffstaufe, bei der Abdullah Kurdi, der Vater der ertrunkenen Kinder Ghalib und Alan Kurdi, das Schiff taufen werde.

Aufgrund der Corona-Einschränkungen könne derzeit kein Termin für eine Schiffstaufe festgelegt werden. "Aus tiefem Respekt vor der Familie und dem Schmerz, den die Familie in sich trägt, muten wir es ihnen nicht zu, den Namen schon jetzt in allen Medien und auf unserem Schiff zu lesen", sagte Sea-Eye-Vorsitzender Gorden Isler. Deshalb werde das neue Schiff vorerst den Projekttitel "Sea-Eye 4" tragen.

Die Umrüstung zum Rettungsschiff sei eine "enorme Herausforderung" für den Regensburger Verein, der auf Spenden angewiesen sei. An dem ambitionierten Projekt seien insgesamt 237 Menschen beteiligt, größtenteils arbeiteten sie ehrenamtlich.

Deutsches Rettungsschiff "Alan Kurdi" erneut in Italien festgesetzt

Montag, 12. Oktober: Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" darf den Hafen von Olbia auf Sardinien vorerst nicht verlassen. Die italienische Küstenwache habe die Weiterfahrt unter anderem wegen Sicherheitsmängeln untersagt, teilte Gorden Isler von der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye mit. Die Hilfsorganisation bezeichnete die abermalige Festsetzung des Schiffes als "politisch motiviert", dadurch würden Menschenleben gefährdet.

Die Organisation mit Sitz in Regensburg verwies darauf, dass deutsche und spanische Fachbehörden der "Alan Kurdi" nach einer langen Werftpause vor kurzem erst Einsatzbereitschaft attestiert hätten. Sea-Eye werde gegen die erneute Festsetzung Klage einreichen, sagte Isler. Sea-Eye habe bereits das Auswärtige Amt und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) um Unterstützung gebeten.

Die "Alan Kurdi" ist im Mittelmeer im Einsatz, um in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten. Die Überquerung des Mittelmeers gilt als eine der gefährlichsten Flüchtlingsrouten der Welt.

"Alan Kurdi": Alle Flüchtlinge von Bord gegangen

Sonntag, 27. September: Nach einer Nacht an Bord des Rettungsschiffs "Alan Kurdi" im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens ist auch die zweite Hälfte der insgesamt 125 Flüchtlinge an Land gegangen. Nachdem bei sämtlichen Flüchtlingen Corona-Abstriche gemacht worden seien, sei auch die Besatzung auf Covid-19 getestet worden, teilte die Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt,  auf Twitter mit. Die Ergebnisse stünden noch aus. Die italienischen Behörden hätten die Besatzung jedoch bereits zu einer zweiwöchigen Quarantäne verpflichtet. Eine Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung der Flüchtlinge weiter nach Marseille fahren zu dürfen, sei abgelehnt worden.

61 Flüchtlinge der "Alan Kurdi" waren am Vortag in Olbia von Bord gegangen und laut Medienberichten in einem Gebäude der Feuerwehr untergebracht worden. Dann wurde die Ausschiffung laut Sea-Eye von den Behörden unterbrochen.

Unter den Flüchtlingen waren den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Ein Fünftel der Geretteten solle auf Sardinien verbleiben, die übrigen 100 würden auf andere europäische Länder verteilt, hieß es.

125 Flüchtlinge mit "Alan Kurdi" vor Küste von Sardinien

Samstag, 26. September, 19.29 Uhr. Die Hälfte der 125 Flüchtlinge auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" hat die erste Nacht nach der Ankunft im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens weiterhin an Bord verbracht. Nach Angaben der Organisation Sea-Eye, die die "Alan Kurdi" betreibt, wurde die Ausschiffung der Migranten am Freitagabend unterbrochen. Die 61 Flüchtlinge, die an Land gegangen und auf das Coronavirus getestet worden waren, wurden dem örtlichen Internet-Nachrichtendienst "Olbianova" zufolge in ein Gebäude der Feuerwehr gebracht.

Die italienischen Behörden ordneten für die Besatzung der "Alan Kurdi" laut Sea-Eye eine zweiwöchige Quarantäne an. Eine Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung der Flüchtlinge weiter nach Marseille fahren zu dürfen, sei abgelehnt worden.

Unter den Flüchtlingen sind den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Ein Fünftel der Geretteten solle auf Sardinien verbleiben, die übrigen 100 würden auf andere europäische Länder verteilt, hieß es.

125 Flüchtlinge wurden auf Covid-19 getestet

Freitag, 25. September, 14.26 Uhr. Die 125 Flüchtlinge auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" sind im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens auf Covid-19 getestet worden. Gegen Abend wurde mit der Ausschiffung begonnen, sagte Gorden Isler von der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt, dem Sonntagsblatt. Zunächst hatte es geheißen, die aus Seenot Geretteten sollen an Bord zurückkehren, bis die Ergebnisse vorlägen, berichtete der italienische Rundfunk am Freitag. Nur die Frauen und Kinder sollten das Schiff verlassen dürfen. Nach Diskussionen mit den italienischen Behörden sei es der deutschen Crew aber gelungen, nun auch eine Lösung für die Männer zu finden, sagte Isler. Ein leeres Gebäude sei vorbereitet worden, in dem sie unterkommen könnten.

Unter den Flüchtlingen sind den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Die französische Regierung habe noch am Mittwochabend auf eine Lösung gedrungen und erfolgreich an Italien appelliert, die humanitären Grundsätze im Fall der "Alan Kurdi" zu beachten, erklärte Sea-Eye.

Gegen die Erlaubnis für das Schiff, den Hafen von Olbia anzulaufen, protestierten die Regionalregierung und Politiker der rechtsnationalen Lega. Das italienische Innenministerium hatte die "Alan Kurdi" am Vortag wegen drohenden schlechten Wetters angewiesen, einen Hafen in Sardinien anzulaufen. Die 125 Geretteten seien nun schon sieben Tage an Bord der "Alan Kurdi" gewesen. Der Crew sei von den Behörden bereits eine 14-tägige Quarantäne angekündigt worden. Die Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung weiter zum Zielhafen Marseille fahren zu dürfen, sei bislang abgelehnt worden.

Rettungsschiff "Alan Kurdi" darf Hafen nicht verlassen

8. Mai 2020, 12.12 Uhr: Weil die italienische Küstenwache bei einer Untersuchung technische und betriebliche Mängel festgestellt habe, dürfe das Rettungsschiff bis auf weiteres den Hafen nicht verlassen.

Die Alan Kurdi hatte bei ihrem letzten Einsatz 146 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und nach langer Irrfahrt einer italienischen Fähre übergeben, auf der die geflüchteten Menschen wegen des Corona-Pandemie in Quarantäne gekommen waren.

Die Liste der Beanstandungen durch die Küstenwache seien technisch lösbare Aufgaben, erklärte Sea-Eye. Dabei würden die Seenotretter mit den italienischen und deutschen Behörden kooperieren, berechtigte Beanstandungen beheben und das Schiff für den nächsten Einsatz vorbereiten.

Allerdings dürfte die Beseitigung der Mängel vor dem Hintergrund der Corona-Krise dazu führen, dass die Alan Kurdi im Mai zu keinem neuen Einsatz auslaufen könne.

Zivile Rettungsschiffe sind nach Einschätzung von Sea-Eye die häufigst kontrollierten Schiffe im zentralen Mittelmeer. Während an sich nur eine Hafenstaatkontrolle im Jahr üblich sei, sei die Alan Kurdi in den letzten 16 Monaten vier Mal in Spanien und Italien überprüft worden.

Die letzte Kontrolle durch den Flaggenstaat Deutschland in Tarent habe ergeben, dass die Alan Kurdi korrekt registriert und zertifiziert sei und sich rechtskonform verhalte, teilte die Regensburger Organisation mit.

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