12.10.2020
Seenotrettung

"Alan Kurdi" erneut in Italien festgesetzt - Hilfsorganisation spricht von "politisch motivierter" Aktion

Das deutsche Seenotrettungsschiff "Alan Kurdi" der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye ist unterwegs. Unser Newsticker informiert aktuell über Veränderungen und Neuigkeiten.

Deutsches Rettungsschiff "Alan Kurdi" erneut in Italien festgesetzt

Montag, 12. Oktober: Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" darf den Hafen von Olbia auf Sardinien vorerst nicht verlassen. Die italienische Küstenwache habe die Weiterfahrt unter anderem wegen Sicherheitsmängeln untersagt, teilte Gorden Isler von der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye mit. Die Hilfsorganisation bezeichnete die abermalige Festsetzung des Schiffes als "politisch motiviert", dadurch würden Menschenleben gefährdet.

Die Organisation mit Sitz in Regensburg verwies darauf, dass deutsche und spanische Fachbehörden der "Alan Kurdi" nach einer langen Werftpause vor kurzem erst Einsatzbereitschaft attestiert hätten. Sea-Eye werde gegen die erneute Festsetzung Klage einreichen, sagte Isler. Sea-Eye habe bereits das Auswärtige Amt und Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) um Unterstützung gebeten.

Die "Alan Kurdi" ist im Mittelmeer im Einsatz, um in Seenot geratene Flüchtlinge zu retten. Die Überquerung des Mittelmeers gilt als eine der gefährlichsten Flüchtlingsrouten der Welt.

"Alan Kurdi": Alle Flüchtlinge von Bord gegangen

Sonntag, 27. September: Nach einer Nacht an Bord des Rettungsschiffs "Alan Kurdi" im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens ist auch die zweite Hälfte der insgesamt 125 Flüchtlinge an Land gegangen. Nachdem bei sämtlichen Flüchtlingen Corona-Abstriche gemacht worden seien, sei auch die Besatzung auf Covid-19 getestet worden, teilte die Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt,  auf Twitter mit. Die Ergebnisse stünden noch aus. Die italienischen Behörden hätten die Besatzung jedoch bereits zu einer zweiwöchigen Quarantäne verpflichtet. Eine Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung der Flüchtlinge weiter nach Marseille fahren zu dürfen, sei abgelehnt worden.

61 Flüchtlinge der "Alan Kurdi" waren am Vortag in Olbia von Bord gegangen und laut Medienberichten in einem Gebäude der Feuerwehr untergebracht worden. Dann wurde die Ausschiffung laut Sea-Eye von den Behörden unterbrochen.

Unter den Flüchtlingen waren den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Ein Fünftel der Geretteten solle auf Sardinien verbleiben, die übrigen 100 würden auf andere europäische Länder verteilt, hieß es.

125 Flüchtlinge mit "Alan Kurdi" vor Küste von Sardinien

Samstag, 26. September, 19.29 Uhr. Die Hälfte der 125 Flüchtlinge auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" hat die erste Nacht nach der Ankunft im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens weiterhin an Bord verbracht. Nach Angaben der Organisation Sea-Eye, die die "Alan Kurdi" betreibt, wurde die Ausschiffung der Migranten am Freitagabend unterbrochen. Die 61 Flüchtlinge, die an Land gegangen und auf das Coronavirus getestet worden waren, wurden dem örtlichen Internet-Nachrichtendienst "Olbianova" zufolge in ein Gebäude der Feuerwehr gebracht.

Die italienischen Behörden ordneten für die Besatzung der "Alan Kurdi" laut Sea-Eye eine zweiwöchige Quarantäne an. Eine Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung der Flüchtlinge weiter nach Marseille fahren zu dürfen, sei abgelehnt worden.

Unter den Flüchtlingen sind den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Ein Fünftel der Geretteten solle auf Sardinien verbleiben, die übrigen 100 würden auf andere europäische Länder verteilt, hieß es.

125 Flüchtlinge wurden auf Covid-19 getestet

Freitag, 25. September, 14.26 Uhr. Die 125 Flüchtlinge auf dem deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" sind im Hafen von Olbia im Norden Sardiniens auf Covid-19 getestet worden. Gegen Abend wurde mit der Ausschiffung begonnen, sagte Gorden Isler von der Regensburger Hilfsorganisation Sea-Eye, die das Schiff betreibt, dem Sonntagsblatt. Zunächst hatte es geheißen, die aus Seenot Geretteten sollen an Bord zurückkehren, bis die Ergebnisse vorlägen, berichtete der italienische Rundfunk am Freitag. Nur die Frauen und Kinder sollten das Schiff verlassen dürfen. Nach Diskussionen mit den italienischen Behörden sei es der deutschen Crew aber gelungen, nun auch eine Lösung für die Männer zu finden, sagte Isler. Ein leeres Gebäude sei vorbereitet worden, in dem sie unterkommen könnten.

Unter den Flüchtlingen sind den Angaben zufolge 50 Minderjährige. Das Schiff war tagelang im Mittelmeer umhergefahren und machte sich schließlich auf den Weg nach Marseille, bis ihm ein Hafen zugewiesen wurde. Die französische Regierung habe noch am Mittwochabend auf eine Lösung gedrungen und erfolgreich an Italien appelliert, die humanitären Grundsätze im Fall der "Alan Kurdi" zu beachten, erklärte Sea-Eye.

Gegen die Erlaubnis für das Schiff, den Hafen von Olbia anzulaufen, protestierten die Regionalregierung und Politiker der rechtsnationalen Lega. Das italienische Innenministerium hatte die "Alan Kurdi" am Vortag wegen drohenden schlechten Wetters angewiesen, einen Hafen in Sardinien anzulaufen. Die 125 Geretteten seien nun schon sieben Tage an Bord der "Alan Kurdi" gewesen. Der Crew sei von den Behörden bereits eine 14-tägige Quarantäne angekündigt worden. Die Bitte des Kapitäns, nach der Ausschiffung weiter zum Zielhafen Marseille fahren zu dürfen, sei bislang abgelehnt worden.

Rettungsschiff "Alan Kurdi" darf Hafen nicht verlassen

8. Mai 2020, 12.12 Uhr: Weil die italienische Küstenwache bei einer Untersuchung technische und betriebliche Mängel festgestellt habe, dürfe das Rettungsschiff bis auf weiteres den Hafen nicht verlassen.

Die Alan Kurdi hatte bei ihrem letzten Einsatz 146 Flüchtlinge aus dem Mittelmeer gerettet und nach langer Irrfahrt einer italienischen Fähre übergeben, auf der die geflüchteten Menschen wegen des Corona-Pandemie in Quarantäne gekommen waren.

Die Liste der Beanstandungen durch die Küstenwache seien technisch lösbare Aufgaben, erklärte Sea-Eye. Dabei würden die Seenotretter mit den italienischen und deutschen Behörden kooperieren, berechtigte Beanstandungen beheben und das Schiff für den nächsten Einsatz vorbereiten.

Allerdings dürfte die Beseitigung der Mängel vor dem Hintergrund der Corona-Krise dazu führen, dass die Alan Kurdi im Mai zu keinem neuen Einsatz auslaufen könne.

Zivile Rettungsschiffe sind nach Einschätzung von Sea-Eye die häufigst kontrollierten Schiffe im zentralen Mittelmeer. Während an sich nur eine Hafenstaatkontrolle im Jahr üblich sei, sei die Alan Kurdi in den letzten 16 Monaten vier Mal in Spanien und Italien überprüft worden.

Die letzte Kontrolle durch den Flaggenstaat Deutschland in Tarent habe ergeben, dass die Alan Kurdi korrekt registriert und zertifiziert sei und sich rechtskonform verhalte, teilte die Regensburger Organisation mit.

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