28.11.2019
Herz für soziale Fragen, Kultur und Sport

Christian Kopp tritt als Regionalbischof von München-Oberbayern an

Der Kirchenkreis München und Oberbayern hat ein neues Gesicht: Ab 1. Dezember ist Christian Kopp Regionalbischof für die 500.000 evangelischen Christen zwischen Mittenwald und Freising. Der 55-Jährige war bislang Dekan in der Nürnberger Südstadt. Im Gepäck hat er wenig Erwartungen, viel Neugier und ein paar in Oberbayern nützliche Fertigkeiten.
Regionalbischof Christian Kopp
Ein Urbayer und Wahlfranke mit Münchner Hintergrund: Oberbayern ist für den in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsenen Christian Kopp vertrautes Gelände; in München hat er studiert.

Wenn Christian Kopp mit dem Auto von Nürnberg nach Süden fährt, beschleicht ihn auf der Höhe von Freising so ein Kribbeln. Bei guter Sicht taucht etwa hier die Alpenkette am Horizont auf. "Ich liebe das", sagt Kopp mit einem Blick, als stünde er schon auf dem Gipfel und genieße das Panorama.

Die letzten 20 Jahre hat der gebürtige Regensburger, der in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen ist, als Pfarrer in Nürnberg Wurzeln geschlagen, dort sind seine beiden – längst erwachsenen – Kinder groß geworden. Ist er also mehr Franke oder mehr Altbayer? "Eindeutig Bayer", antwortet Kopp geschickt und ergänzt pflichtschuldig, dass er "den ganzen Freistaat super" finde. Dass er als erklärter Bergfex aber am liebsten jeden Urlaub am Alpenrand verbringen würde, verrät er trotzdem.

Regionalbischof zwischen Alpenkette und Hollerdau

Eine ausreichende Dosis Bergblick ist für die nächsten zehn Jahre gesichert, wenn Christian Kopp als Regionalbischof des Kirchenkreises München und Oberbayern zwischen Mittenwald und Altötting, zwischen Berchtesgaden und Landsberg, zwischen Freising und Kiefersfelden in seinen zwölf Dekanaten mit ihren 150 Gemeinden unterwegs ist.

Anders als im protestantischen Kernland Frankens begegnet er hier der klassischen Diaspora: Protestanten sind hier die Minderheit gegenüber den Katholiken und der immer stärker werdenden Gruppe der Konfessionslosen.

Was bringt er an protestantischem Selbst- und Traditionsbewusstsein aus Nürnberg mit an die neue Wirkungsstätte? "Ich bringe ganz wenig mit", sagt Kopp offensiv bescheiden:

"Ich bin der Neue, ich will mir anschauen wo Dinge gut laufen und Menschen weiterbringen".

Wenig Erwartungen hat der neue Regionalbischof im Gepäck, dafür aber viel Fachwissen: Kopp war nach seinem Vikariat Hochschulpfarrer; er hat die landeskirchliche Kommunikationsinitiative geleitet, war nebenberuflich als Gemeinde- und Organisationsberater tätig und schließlich zehn Jahre lang klassischer Gemeindepfarrer von St. Georg in Nürnberg-Kraftshof.

Am 15. September 2013 wurde er als Dekan in Nürnberg-Süd eingeführt, wo er sich u. a. um die Arbeitsschwerpunkte Personalführung, Interreligiöser Dialog, Soziales und Arbeitswelt kümmerte.

Bündnis für soziale Gerechtigkeit

Soziale Fragen werden auch in seinem neuen Amt ein Schwerpunkt sein. Der Takt in Städten wie München habe in den letzten zehn Jahren enorm zugenommen. Zu den wichtigsten Fähigkeiten von Menschen gehöre heute, "das unvorstellbare Tempo der Veränderung zu verkraften", sagt Kopp. Lebensqualität und Wohlergehen der Gemeinschaft dürften dabei nicht auf der Strecke bleiben.

Schon in Nürnberg ist der Dekan eingebunden gewesen in ein starkes Bündnis aus Gewerkschaft, Stadtmission, Kirche, Politik, kirchlichem Dienst in der Arbeitswelt. Ob kirchliches Handeln politisch sein darf, ist für ihn keine Frage: "Wir haben den Auftrag, uns einzusetzen für die Schwachen. Was wir leben und arbeiten, ist politisch." Er wolle versuchen, das Evangelium in Kontakt mit allen gesellschaftlichen Kräften zu bringen.

"Die Botschaft der Nächstenliebe tut jedem gut, egal ob er Christ ist oder nicht",

sagt Kopp, dessen Frau Julia ebenfalls Pfarrerin ist. Dafür wolle er sich "nimmermüde" vernetzen und den Glaubensschatz der Kirche "by heart", aus vollem Herzen unter die Leute bringen.

Gemütlich lässt es der Rennradfahrer jedenfalls nicht angehen: Bis zu seinem offiziellen Einführungsgottesdienst am 9. Februar will Kopp wenn möglich in jedem Dekanat "einen vollgepackten Tag" verbringen und sich in Politik und Ökumene vernetzen. Bei drei Schwestern und 35 Cousins und Cousinen sei ihm die Netzwerkerei quasi in die Wiege gelegt, merkt Kopp scherzhaft an.

Netzwerker und Sportler

Bewährtes Mittel zum Krafttanken nach arbeitsreichen Tagen ist für ihn der Sport, egal ob Laufen, Schwimmen, Radfahren oder Bergsteigen. Inspiration und Entspannung holt sich der Hobbykoch im Theater oder Museum, bei einer Runde Schafkopf oder beim Besuch der beiden Enkelkinder, ein und drei Jahre alt. Oder beim Blick auf die Berge, die man bei Föhn ja auch von München aus sehen kann.

Predigt-Tipp

Dienstantritt mit Gottesdienst

Seine erste Predigt als Regionalbischof von München und Oberbayern hält Christian Kopp pünktlich zu Dienstantritt am Sonntag, 1. Dezember, im 10-Uhr-Gottesdienst in der evangelischen Lukaskirche am Mariannenplatz.

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