Evangelische Dekanate in Bayern
Das Dekanat Schwabach mit seinen 26 Kirchengemeinden ist eines der ältesten Dekanate der bayerischen Landeskirche – und für die Geschichte der Reformation von herausragender Bedeutung.
Der Marktplatz in Schwabach.
Der Marktplatz in Schwabach mit Rathaus und Stadtkirche.

Touristen, die von Nürnberg über die Autobahn zum Touristenmagneten nach Rothenburg ob der Tauber fahren, kommen an Schwabach vorbei. Praktisch, eigentlich. Doch viele von ihnen lassen die hübsche Stadt in Mittelfranken links liegen – und verpassen damit ein mittelalterliches Kleinod, das gleich mehrere Besonderheiten zu bieten hat, vor allem: eine spannende Geschichte.

Dekanat Schwabach ist eines der ältesten in Bayern

Und so kommt es nicht von ungefähr, dass das evangelische Dekanat Schwabach mit Dekanin Berthild Sachs an der Spitze eines der ältesten Dekanate der bayerischen Landeskirche ist. Auch größenmäßig ist es ganz vorne mit dabei: Zum Dekanat Schwabach, das südlich an Nürnberg grenzt und neben der Stadt Schwabach weite Teile des Landkreises Roth und einen Teil von Nürnberg umfasst, gehören 26 Kirchengemeinden, in denen insgesamt mehr als 55.000 Evangelische leben.

Das Gebiet des heutigen Dekanats entspricht im Wesentlichen der Fläche, die Georg Friedrich der Ältere, Markgraf von Brandenburg-Ansbach, im Jahr 1556 zum Dekanat Schwabach erklärt hatte. 1556! Da war die Einführung der Reformation erst wenige Jahrzehnte her.

Schwabach und die Reformation – damals...

Überhaupt ist dies traditionsreiches protestantisches Gebiet: Zu ersten reformatorischen Bestrebungen kam es hier dank einer Bürgerbewegung bereits im Frühjahr 1523 und damit relativ früh. 1528 wurde in Schwabach die Brandenburg-Nürnbergische Kirchenordnung verabschiedet, in der bereits das lutherische Gemeindeverständnis zum Tragen kam.

Ein Jahr später, im Oktober 1529, fand hier der "Tag von Schwabach" statt, der auch überregional große Bedeutung hatte: Dabei berieten Vertreter der Städte Nürnberg, Straßburg, Ulm, Augsburg und Nördlingen sowie des Kurfürstentums Sachsen, des Landgrafentums Hessen und des Markgrafentums Brandenburg-Ansbach über die "Schwabacher Artikel", die im Sommer desselben Jahres von Philipp Melanchthon und Martin Luther verfasst worden waren.

Sie waren eine wichtige Grundlage für das Augsburger Bekenntnis (Confessio Augustana) von 1530, in der die Kernpunkte der evangelisch-lutherischen bzw. protestantischen Überzeugung festgehalten sind.

...und heute

Noch heute kann man diesem reformationsgeschichtlich wichtigen Ereignis am damaligen Tagungsort ganz direkt nachspüren, Einkehrmöglichkeit inklusive: Den Gasthof "Goldener Stern" am Schwabacher Marktplatz, wo vor fast 500 Jahren über die "Schwabacher Artikel" diskutiert wurde, gibt es noch immer.

All diese "vielfältigen Bezüge zur Reformationsgeschichte des 16. Jahrhunderts", wie es vonseiten der "Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa" (GEKE) heißt, brachten der Stadt einen von der GEKE verliehenen Ehrentitel ein: "Reformationsstadt Europas". So darf sich Schwabach seit 2017 zusammen mit mehr als 50 Städten nennen, darunter La Rochelle in Frankreich, Breslau in Polen sowie Luthers Geburtsstadt Eisenach und die Lutherstadt Wittenberg.

"Blutfarbige" Stadtgeschichte von Schwabach

Diese Auszeichnung war 2017 für Schwabach nicht der einzige Grund zum Feiern: In dem Jahr beging die Stadt auch das 900. Jubiläum ihrer schriftlichen Ersterwähnung – die sie einem heftigen Gewitter mit "blutfarbigen Blitzen" verdankt.

Damals, 1117, waren die beiden Mönche Berthold und Ortlieb aus dem schwäbischen Kloster Zwiefalten in der Gegend unterwegs und wurden vom Grafen Kuno von Horburg genötigt, in "Suabach", wie Schwabach damals hieß, zu übernachten. Nachts brach das Unwetter über das Dorf herein. Die Erfahrung muss den beiden Mönchen tief im Gedächtnis geblieben sein, denn immerhin erwähnten sie "Suabach" und die "blutfarbigen Blitze" zig Jahre später in ihrer handgeschriebenen Chronik.

Ganz zentral, am Martin-Luther-Platz und hinter dem Rathaus mit den beiden goldenen Türmen (Schwabach ist Goldschlägerstadt), thront die Stadtkirche St. Johannes und St. Martin, die vielen als "spätgotischer Geheimtipp" gilt. Etwas ganz Besonderes ist der 16 Meter hohe Hochaltar, der als Wandelaltar über eine Werktags-, eine Festtags- und eine Passionsseite verfügt und mehrmals im Jahr gewandelt wird.

Rund 10.000 evangelische Schwabacher gehören zur Kirchengemeinde von St. Johannes und St. Martin – die damit die zweitgrößte evangelische Gemeinde in Bayern ist.

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