16.01.2020
Klimaschutz

Rund 100 Studierende unterstützen in Augsburg die Schülerdemos von "Fridays for Future"

Seit einem Jahr bestreiken jeden Freitag Tausende Schüler auf der ganzen Welt ihren Schulunterricht und demonstrieren für einen effektiven Klimaschutz. Seit vergangenem Sommer demonstrieren auch Studierende der Universität Augsburg mit.
Schülerdemonstartion in Augsburg
Nicht nur Schüler demonstrieren jede Woche in der Augsburger Innenstadt für den Klimaschutz. Auch rund 100 Studierende beteiligen sich regelmäßig an den Freitagsdemonstrationen.

Einmal in der Woche wird es in der Cafete der Evangelischen Studierendengemeinde richtig laut. Etwa 30 Menschen üben dort Trommeln. Getrommelt wird dann freitags in der Augsburger Innenstadt für den Klimaschutz. "Wir müssen laut sein, weil wir Menschen aufmerksam machen wollen", sagt der 23-jährige Alex Mai. Er studiert Mathematik an der Universität. Das Mathestudium sei sehr zeitaufwendig und fordere tägliche Anwesenheit. "Mathe-Studenten leben fast an der Uni", erzählt der junge Klimaaktivist. Für andere Aktivitäten neben dem Studium bliebe so gut wie keine Zeit übrig. Seit Juli 2019 organisiert er trotzdem die Bewegung "Studis for Future".

Ingo Blechschmidt, 31, ist bereits fortgeschritten in seinem Mathe-Studium und arbeitet als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Augsburg. Er engagiert sich neben "Studis for Future" auch bei "Scientists for Future". "Die Wissenschaft hat längst verlässliche Erkenntnisse geliefert, dass wir gegen die Klimakrise dringend handeln müssen. Wir sind bereits die Generation, die Enkel, die die Klimakrise betrifft", sagt Blechschmidt.

Klimakrise muss ernst genommen werden

Der Wissenschaftler hat das Gefühl, dass Menschen die bereits spürbaren Konsequenzen der Klimakatastrophe weder realisieren noch ernst nehmen. Es liege daran, dass viele die aktuellen Zahlen nicht kennen, findet der junge Wissenschaftler. Mit den Demonstrationen möchte er Menschen aufmerksam machen und dazu bringen, sich zu informieren. "Ich möchte, dass die Regierung die Klimakrise endlich ernst nimmt und die Wahrheit spricht", fügt er besorgt hinzu.

Das sei die letzte Chance, in fünf Jahren sei es zu spät, findet auch Alex Mai. Den Klimaaktivisten werde vorgeworfen, die Klimaproblematik zu übertreiben und Spaß beim Demonstrieren zu haben, erzählt der junge Mathematiker. "Aber uns treibt es, dass die Zeit knapp wird. Wir müssen demonstrieren. Wir dürfen nicht mehr zu Hause bleiben", finden die beiden Mathematiker.

Demonstration in Augsburg

Die Augsburger Aktivisten der "Studis for Future" haben ganz konkrete Anliegen, die vor allem für Augsburg relevant sind. Unter anderem müsse das Netz der öffentlichen Verkehrsmittel ausgebaut und vergünstigt werden, finden beide Mathematiker. "Es kann nicht sein, dass man mit dem Auto von Landsberg 20 Minuten bis zur Uni braucht, während es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln 1,5 Stunden dauert." Im vergangenen Jahr hätte die Stadt Augsburg ihre Klimaziele erreicht. Für dieses Jahr seien die Aussichten ziemlich schlecht, bedauern die beiden Klimaaktivisten.

Selbst die Augsburger Klimaziele reichten lange nicht aus, um das Pariser Klimaabkommen von 2015 zu erfüllen.

Das Abkommen legt nahe, dass die menschengemachte globale Erwärmung auf deutlich unter zwei Grad Celsius gehalten werden muss. Die Konsequenzen der globalen Erwärmung seien auch in Augsburg zu spüren. Der Stadtwald "Siebentischwald" sei bereits betroffen. Dort hielten die Bäume 30 Grad Hitze im Sommer nicht mehr aus. "Ein Förster hat mir erzählt, dass er Kastanienbäume pflanzt. Sie sind widerstandsfähiger", berichtet Alex Mai. Er und Blechschmidt hätten das Gefühl, dass die lokale Regierung solche Informationen verheimlicht. Sie selbst bezeichnen sich als unparteilich. "Aber wir sind absolut politisch, weil der Klimawandel uns alle als Gesellschaft betrifft", merkt Ingo Blechschmidt an.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Kommentar

Greta Thunberg
An Greta Thunberg scheiden sich die Geister. Längst ist die junge Schwedin selbst Gegenstand von Analyse, Kommentaren und Likes. Es ist ja auch bequemer, über Thunbergs Verkehrsmittel zu räsonieren, als den Kern ihrer Kritik ernstzunehmen. Denn der berühmteste Halbsatz des Jahres 2019 lautet: "How dare you?" - Wie können wir es wagen, noch länger wegzuschauen? Wenn wir ihn ernst nehmen, zwingt er uns aus der mentalen Komfortzone.
Sonntagsblatt