21.05.2020
Umwelt

Wie die EU nach Corona die Lebensgewohnheiten ändern und Biodiversität fördern will

Beim Wiederanfahren der Wirtschaft nach der Corona-Krise dürfen wir "nicht in die schädlichen alten Gewohnheiten zurückfallen", findet die EU-Kommission. Sie will, dass Europa natürliche Ressourcen schont und Nahrungsmittelsysteme umbaut.
Mohnblume Wiese Blauer Himmel Feld

Neue Naturschutzgebiete, mehr Biolandwirtschaft und drei Milliarden Bäume: Die EU-Kommission hat in Brüssel Pläne vorgelegt, um den Verlust der biologischen Vielfalt zu stoppen. Daneben sollen Erzeugung und Verbrauch von Nahrungsmitteln nachhaltiger und gesünder werden.

Die Corona-Krise habe gezeigt, "wie anfällig uns der zunehmende Verlust an biologischer Vielfalt macht und wie wichtig ein gut funktionierendes Lebensmittelsystem für unsere Gesellschaft ist", erklärte die Kommission. Die Strategie für Biodiversität unter dem Slogan "Mehr Raum für die Natur in unserem Leben" und die Strategie für ein faires, gesundes und nachhaltiges Lebensmittelsystem "Vom Hof auf den Tisch" waren allerdings schon vor der Krise angekündigt worden.

EU-Strategien für Biodiversität und Lebensmittelsystem

Im Einzelnen will die Kommission bis 2030 beispielsweise mindestens 30 Prozent von Europas Landfläche und Meeren zu Schutzgebieten machen, derzeit seien es 26 Prozent an Land und elf Prozent bei den Meeren. Der Einsatz hochriskanter Pestizide soll um die Hälfte gesenkt werden. Daneben will die Kommission einen Fahrplan für die Anpflanzung von mindestens drei Milliarden neuen Bäumen bis 2030 vorlegen

Um Wildtieren, Pflanzen, Bestäubern und natürlichen Schädlingsbekämpfern Platz zu bieten, sei es außerdem nötig, mindestens zehn Prozent der landwirtschaftlichen Fläche mit für sie günstigen Elementen wie Hecken, Trockenmauern und Teichen zu gestalten. Außerdem müsse bis 2030 mindestens ein Viertel der landwirtschaftlichen Fläche ökologisch bewirtschaftet werden. Ein weiteres Vorhaben sind rechtlich verbindliche Ziele, um Lebensmittelabfälle zu verringern.

Die geplanten Maßnahmen zielen nicht nur auf Umweltschutz, sondern auch auf die Gesundheit der Verbraucher, die Wettbewerbsfähigkeit der Bauern und die Erholung und langfristige Stärkung der gesamten Wirtschaft. Beispielsweise biete die Biolandwirtschaft pro Hektar 10 bis 20 Prozent mehr Arbeitsplätze, argumentiert die Kommission. Und der Schutz von Küstenfeuchtgebieten könne der Versicherungsbranche jährlich 50 Milliarden Euro einsparen, indem er Hochwasserschäden senke.

EU-Parlament und Regierungen sowie die Bürger sind nun aufgerufen, die Pläne zu diskutieren. Dann will die Kommission sie konkretisieren beziehungsweise umsetzen.

Greenpeace begrüßt Vorschläge, Bauernverband übt Kritik

Das erste Echo war geteilt. Während Greenpeace die Vorschläge für das Lebensmittelsystem mit Blick auf die Massentierhaltung und Fleischproduktion als ungenügend kritisierte, lobte der Grünen-Europapolitiker Martin Häusling: "Die Ideen und Ziele der neuen EU-Landwirtschafts- und Ernährungsstrategie sind im Großen und Ganzen zu begrüßen." Der WWF und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland begrüßten die Richtung beider Strategien.

Dagegen sprach der Deutsche Bauernverband von einem "Generalangriff auf die europäische Landwirtschaft". Um eine produktive, wettbewerbsfähige und ressourcenschonende Landwirtschaft zu erreichen, müsse statt auf neue Auflagen verstärkt auf Zusammenarbeit gesetzt werden, erklärte Präsident Joachim Rukwied.

Der Chef des Agrarausschusses im Europaparlament, Norbert Lins, sieht in den Vorschlägen der Kommission für das Lebensmittelsystem "mehr Stückwerk als Strategie. Anstatt die ganze Lebensmittelkette anzuschauen, liegen der Fokus und die Verantwortung hauptsächlich auf der 'Farm' - das ist weder fair noch erfolgsversprechend", urteilte der CDU-Politiker.

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