2.12.2019
Interreligiöser Dialog in Deutschland

Bundespräsident Steinmeier nennt Islamisches Forum Penzberg "modellhaft"

Bei einem Besuch des Islamischen Zentrums in Penzberg hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier die Gemeinde als modellhaft bezeichnet. Dort werde das gelebt, was er sich für Deutschland wünsche: "Neugier aufeinander und Respekt voreinander."
Moschee Penzberg Imam Idriz Joachim Herrmann Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier

Als Modell für muslimische Gemeinden in Deutschland hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier das Islamische Forum Penzberg bezeichnet. Er habe in Penzberg "einen Ort kennengelernt, an dem das gelebt wird, was ich mir für unser Land wünsche, nämlich Neugier aufeinander und Respekt voreinander", sagte Steinmeier nach seinem Besuch der Penzberger Moschee am Montag.

Muslime unterschiedlicher Herkunftsländer beteten dort gemeinsam, die Verkehrssprache sei Deutsch, "und auch die Predigt wird immer häufiger auf Deutsch gehalten". Er sei froh, dass "offenbar viele deutsche muslimische Gemeinden in Penzberg nach Anleihen" für einen modern ausgerichteten Islam suchten, sagte der Bundespräsident.

Explizit würdigte er das Engagement der Muslime in der politischen Gemeinde Penzberg. "Das verdient noch viel mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit", sagte Steinmeier. In einer Zeit, in der "die Polarisierung und der Hass" in der Gesellschaft zunähmen, sei es beispielhaft, wenn sich Menschen unterschiedlichen Glaubens so respektvoll begegneten, wie es in Penzberg selbstverständlich sei.

Zuvor hatte Imam Benjamin Idriz seine Freude über den Besuch deutlich gemacht: "Wir sind alle sehr stolz", sagte der aus Bosnien stammende Geistliche des Islamischen Forums. Seine Hauptbotschaft an den Bundespräsidenten sei, "dass man das, was wir an Integration hier in Penzberg durch die sichtbare Moschee geschafft haben, auch anderswo schaffen kann". Idriz sprach sich für eine Imam-Ausbildung in Deutschland aus und plädierte für mehr finanzielle Förderung von europäisch geprägten Moscheeprojekten durch den Bund.

Als Schlüssel für das gute Miteinander in Penzberg hatte Gönül Yerli im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) "Vertrauen auf beiden Seiten" genannt. "In Penzberg sind wir alle eine Gemeinschaft und passen aufeinander auf", sagte die Vize-Direktorin des Islamischen Forums. Bürgermeisterin Elke Zehetner (SPD) nannte als Schlüssel zur Integration die gegenseitige Offenheit und "den besonderen Kontakt" zwischen den Religionsgemeinschaften in Penzberg.

Es sei Standard in Penzberg, dass zu öffentlichen Anlässen, Einweihungen und religiösen Festen immer katholische, evangelische, muslimische und kommunale Vertreter eingeladen würden.

Der Besuch des Bundespräsidenten wurde von Kundgebungen begleitet. Den etwa zehn Demonstranten von Pegida München boten über 300 Bürgerinnen und Bürger aus Penzberg mit bunten Luftballons und Trompeten Paroli. Der Bundespräsident nahm sich Zeit für die persönliche Begegnung mit den Demonstranten, bevor er ins Rathaus fuhr, um sich zum Abschluss seines Besuchs ins Goldene Buch der Stadt einzutragen.

Das Islamische Forum Penzberg wurde 2005 eröffnet. Das Freitagsgebet in der Moschee wird auf Deutsch, Bosnisch und Türkisch gehalten. Die Gemeinde betreibt eine Eltern-Kind-Spielgruppe, bietet Räume für Integrationskurse, veranstaltet Führungen und Seminartage zu Islam und interreligiösem Dialog. Neuestes Projekt ist ein Restaurant, das im Frühjahr 2020 öffnen soll.

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