Das Thema Hitze oder Hitzewelle wird in Deutschland immer wichtiger. Die Zahl der Tage, an denen das Thermometer mehr als 30 Grad anzeigt, nimmt zu. Und vielen Menschen macht das zu schaffen – und für einige sind die hohen Temperaturen gesundheitsgefährdend oder sogar lebensgefährlich.

Wie die Kirchen gegen Hitze helfen können

Bei der Suche nach Gegenmaßnahmen ist die Stadt Nürnberg nun auf die Kirchen gestoßen. Wie der "BR" berichtet, sollen dort in einem neuen Hitzeaktionsplan besonders kühle Orte im Stadtgebiet ausgewiesen werden. An diesen können die Menschen Zuflucht vor der Hitze suchen. Ganz oben auf der Liste: Kirchen

Klar, die hohen Gebäude mit den dicken Steinmauern bleiben auch bei Höchsttemperaturen schön kühl. Und sowohl evangelische als auch katholische Kirchen stehen der Idee offen gegenüber. Die Kirchen seien groß, kühl und stünden für alle offen, sagt ein Sprecher des evangelischen Dekanats Nürnberg dem "BR".

Eine Sprecherin der katholischen Stadtkirche schlägt ähnliche Töne an, betont allerdings, die kühlungsbedürftigen Menschen müssten auch die Würde des Orts respektieren. 

Nur wenige Städte haben Aktionspläne gegen Hitze

Der Hitzeaktionsplan in Nürnberg soll am 27. Juli vorgestellt und dann direkt beschlossen werden. Bisher haben nur wenige deutsche Städte solche Aktionspläne, eine davon ist Mannheim. Längerfristiges Ziel solche Pläne ist es im allgemeinen, in Innenstädten für mehr Schatten und Abkühlung zu sorgen, zum Beispiel durch mehr Grünflächen und Brunnen

Schon 2015 wurden in Nürnberg laut Angaben der Stadt 33 Tage mit Temperaturen über 30 Grad gemessen. Bis zum Ende des Jahrhunderts soll die Zahl auf um die 45 Tage ansteigen. Besonders betroffen sind demnach die stark versiegelten, verdichteten und wenig durchlüfteten Stadtgebiete der Frankenmetropole: Bis zu 10 Grad könne die Temperaturdifferenz zwischen Stadt und Umland ausmachen.

Präses der EKD-Synode hatte die Idee auch schon

Ganz neu ist die Idee mit den Kirchen natürlich nicht. Schon 2019 hatte die heutige Präses der EKD-Synode, Anna-Nicole Heinrich, darauf hingewiesen, dass Kirchen - neben anderen Aufgaben - auch als Orte der Kühlung genutzt werden können. Amtsträger sollten nicht so viel über leere Kirchenräume klagen, wenn sich das ändern ließe, sagte Heinrich seinerzeit. 

Die Kirche als Gebäude müsse nicht nur sonntags um 10 Uhr zum Gottesdienst offen stehen, sondern könne vielfältig genutzt werden,

"auch zum Spaß haben, Treffen mit anderen Leuten, zur thematischen Auseinandersetzung oder um einfach mal Ruhe zu haben."

Unsere Kirche ist offen: Aktion der bayerischen Landeskirche

Auch schon vor Verabschiedung des Aktionsplans können von der Hitze erschöpfte Menschen in Kirchen Kraft und kühle Luft tanken. Und das natürlich nicht nur in Nürnberg. 

Während früher noch galt, dass evangelische Kirchen im Unterschied zu katholischen Kirchen oft nicht außerhalb von Gottesdiensten offen und begehbar warnen, ist dies heute nicht mehr der Fall.

So gibt es in Bayern die Initiative "Unsere Kirche ist offen. Treten Sie ein!", die unter den evangelischen Kirchen in Bayern diejenigen auflistet, die auch wochentags für Besucher*innen geöffnet sind. Auf einer Übersichtskarte kann sich der die Kühle suchende Mensch vorher schlau machen. Und vielleicht gibt es neben der körperlichen Erfrischung auch die Gelegenheit für eine geistige – wer weiß. 

So sieht es in Baden-Württemberg aus

Bei Temperaturen von bis zu 40 Grad Celsius kann man etwa im Ulmer Münster, der Kirche mit dem höchsten Kirchenturm der Welt, "cool" bleiben. "Bei uns wird es nie wärmer als 18 Grad Celsius", sagte Pfarrerin Stephanie Ginsbach. Etwa 5.000 bis 6.000 Menschen besuchen die größte evangelische Kirche in Deutschland jeden Tag.

Der Grund für die angenehmen Temperaturen sei, dass massive Gebäude eine längere Zeit benötigen, um sich der Umgebungstemperatur anzugleichen. Deshalb sei es in alten Gebäuden mit dicken Mauern, schweren Decken und wenigen Fenstern kühler ist als im Freien, erläuterte Nadja Golitschek, stellvertretende Sprecherin der Evangelischen Landeskirche in Württemberg.

Besonders kühle Bereiche in Kirchen seien etwa Untergeschosse, Grabkapellen oder auch die Seitenkapellen,  ergänzte das Erzbistum Freiburg. Vergleichsweise kühle Gegenden seien die höher gelegenen Gebiete im Schwarzwald und auf der Schwäbischen Alb. Dort böten Kirchen Urlaubern und Wanderern auch an heißen Tagen Orte, um zur Ruhe zu kommen und sich etwas abzukühlen.

Freiburger Münster sechs Grad wärmer als Ulm

Auch das katholische Freiburger Münster ist an heißen Tagen mit 24 Grad Innentemperatur noch angenehm. Warum es dort sechs Grad wärmer ist als im Ulmer Münster, erklärte Simone Richter von katholischem Stadtdekanat Freiburg. Grund dafür sei, dass die Sandsteinmauern die Wärme sehr gut speichern und das Gebäude den ganzen Tag von der Sonne bestrahlt wird.

Im Sommer sollten die Türen und Fenster von Kirchengebäuden geschlossen gehalten werden, damit die feuchtere  Warmluft nicht zu Kondensation auf den kühleren Innen-Oberflächen führt und so Schäden verursacht, empfehlen die Landeskirchen und Bistümer den Gemeinden.

Mehr Kirchenbesucher*innen während der Ferienzeit

Ob an heißen Tagen mehr Menschen die Kirchen zur Abkühlung besuchen, erheben die vier großen Kirchen im Land nicht. Die Diözese Rottenburg-Stuttgart registriert jedoch mehr Besucher während der Ferienzeit, etwa in Oberschwaben oder an besonderen Kirchen und Wallfahrtsorten.

In Mannheim sind gleich sechs evangelischen Kirchen Teil des Hitzeaktionsplans der Stadt. In Bruchsal sei die bislang geschlossene Lutherkirche während der Hitzewelle von 9 bis 21 Uhr  geöffnet, sagte Pressesprecherin Alexandra Weber von der Evangelischen Landeskirche in Baden. Dort werde auch Trinkwasser angeboten.

Heißer Abend, kühle Kirche

Kühl ist es auch noch in der badischen Bischofskirche, der evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, mit aktuell 22.5 Grad an der Orgel. Dort bereitet Kirchenmusikdirektor Christian-Markus Raiser den Internationalen Orgelsommer vor unter dem Motto: "Heißer Sommerabend, kühle Kirche und faszinierende Orgelmusik".

Eine der heißesten Kirchen in Baden-Württemberg könnte die evangelische Jakobuskirche in Heidelberg sein. Der verglaste moderne Kirchenbau wirke wie ein Treibhaus mit derzeit "guten 30 Grad", sagte Pfarrer Anselm Friederich-Schwieger. Zur "Abkühlung seelischer Art" lädt die Kirche dennoch jeweils montagabends ab 21 Uhr ein.

(mit Material von epd)