27.09.2019
Jubiläum

Nürnberger Christuskirche wird 125 Jahre alt

Sie hat ihr Gesicht und Innenleben in den 125 Jahren immer wieder verändert: die Christuskirche in Nürnberg-Steinbühl. Wenn am 28. und 29. September Jubiläumskirchweih gefeiert wird, wird nicht nur an die vielen alten Geschichten und Kontroversen erinnert, sondern vor allem nach vorne geblickt.
Auch Bogenschießen ist in der Christuskirche regelmäßig an der Tagesordnung.

Die Christuskirche in Nürnberg-Steinbühl war stetig im Wandeln und Werden. Ungewollt, als sie im Zweiten Weltkrieg nahezu zerstört wurde, oder beim großen Brand im Jahr 1993. Gewollt, als 2008 mit einem Umbau das Gemeindezentrum in die Kirche einzog. Die Jahre haben die Kirche geprägt – und sie wiederum war und ist immer ein wichtiger Anlaufpunkt für die Steinbühler. Wenn am 28. und 29. September Jubiläumskirchweih gefeiert wird, wird nicht nur an die vielen alten Geschichten und Kontroversen erinnert, sondern vor allem nach vorne geblickt.

"Unsere Kirche ist da drüben, das ist nur der Turm": Diesen Satz spricht Pfarrer Christof Meißner öfters, wenn Ortsunkundige vor dem markanten, im frühgotischen Stil gebauten Kirchturm stehen, der von der am 23. September 1894 eingeweihten Kirche noch übrig geblieben ist, die in der Nacht auf den 2. Januar 1945 den Bomben der Alliierten zum Opfer gefallen war. Nur wenige Meter entfernt entstand dann der am 16. Juni 1957 eröffnete Neubau, der es für damalige Verhältnisse in sich hatte.

Meistermann-Fenster

Allen voran wären da die wertvollen Kirchenfenster von Georg Meistermann zu nennen, die erst vor wenigen Jahren aufwändig restauriert wurden, nachdem die Kirchengemeinde eine Fundraising-Aktion gestartet hatte, um ihren Teil der rund 170.000 Euro Kosten aufzubringen. Aber auch das ungewöhnliche Christusbild des Schweizer Künstlers Meinrad Burch-Corrodi sorgte damals lange für Gesprächsstoff. "Es gab Pfarrer, die sich weigerten, hier zu predigen, und sogar Besucher, welche die Haltung der Hand der Figur als 'Deutschen Gruß' interpretierten", erinnert sich Konrad Bergler, der fast 30 Jahre Mesner in der Christuskirche war.

Bergler ist so etwas wie das Gedächtnis der Christuskirche, hat ordnerweise Bilder und Zeitungsausschnitte gesammelt und kann vieles aus der bewegten Vergangenheit der Kirche erzählen. Zum Beispiel dass die Mitarbeiter der einstigen, nahe gelegenen Siemens-Schuckert-Werke noch vor Arbeitsbeginn zur Andacht in die Kirche kamen. Oder die für viel Diskussionsstoff sorgende Episode mit dem Pfarrer, der noch in den 1990er-Jahren keine weiblichen Kollegen auf die Kanzel predigen lassen wollte.

Heute undenkbar. Auf der zweiten Pfarrstelle sitzt mit Marion Hegwein selbstverständlich eine Frau, daneben gibt es Diakon Torben Schultes und seit knapp einem Jahr Pfarrer Christof Meißner. Der in Scheinfeld aufgewachsene Geistliche hat sich schnell in den nach dem Umbau 2008 von Künstlerin Meide Büdel umgestalteten Kirchenraum mit seinem frei schwebenden Altar verliebt. "Ich wollte hierher, weil die bunt gemischte Gemeinde und Steinbühl mit seiner vielschichtigen Gesellschaft eine echte Herausforderung sind", sagt der 37-Jährige. Dass Mesner Manfred Dötschel seit rund zehn Jahren mit einer Kinder- und Erwachsenengruppe regelmäßig zu Bogenschießübungen in der Kirche lädt, daran habe er sich erst ein bisschen gewöhnen müssen. Schließlich liegt seine Bürotür direkt hinter dem Ziel, wenn die Schützen vom Taufstein aus abziehen.

PuK im Dreieck

Jedoch gehören solche lebendigen Aktivitäten einfach zur Christuskirche und ihren Menschen dazu. Eine chinesische sowie eine armenische Gemeinde aus der Südstadt nutzen den Kirchenraum regelmäßig für Gottesdienste. "Gemeinschaft" könnte auch das Motto der rund 4.200-Seelen-Gemeinde lauten, die im Nürnberger Süden mit den benachbarten Gemeinden aus Lichtenhof und St. Peter seit Juni zusammen einen Gemeindeboten herausbringen. Ein Ergebnis der Arbeit einer Projektgruppe, die seit zwei Jahren nach Wegen der Öffentlichkeitsarbeit sucht. "Wir teilen uns darüber hinaus auch noch den Kirchenchor und eine Band", erklärt Kirchenvorständin Jutta Dehmel. Allesamt Maßnahmen, mit denen man dem kirchlichen Reformprozess "Profil und Konzentration" Rechnung tragen will. Oder wie Dehmel es im Hinblick auf dieses Dreierbündnis von Kirchengemeinden ausdrückt: "Wir schießen den PuK im Dreieck." 

Die Jubiläumsfeierlichkeiten "125 Jahre Christuskirche" starten am Samstag, 28. September, mit einem Konzert der ökumenischen Pfarrer-Band "Gut drauf" – mit Pfarrer Christof Meißner am Schlagzeug. Tags drauf findet um 11 Uhr der Festgottesdienst mit anschließendem Gemeindefest statt.

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