1.07.2018
Kirchenumbau

St. Nikolaikirche in Marktbreit: Architektur-Studenten gewinnen Wettbewerb

Wie sieht der Kirchenraum der Zukunft aus? Architektur-Studierende der Hochschule Würzburg-Schweinfurt ließen ihrer Fantasie in einem Seminar (beinah) freien Lauf – und erarbeiteten teils bemerkenswerte Konzepte für einen Umbau der St. Nikolaikirche in Marktbreit. Drei davon wurden prämiert.
Christiane Druschel und Julia Alsheimer gewannen den ersten Platz beim Förderpreis des Architekten- und Ingenieurvereins
Christiane Druschel und Julia Alsheimer gewannen mit ihrem Entwurf zur Sanierung der St. Nikolaikirche in Marktbreit den ersten Platz beim Förderpreis des Architekten- und Ingenieurvereins.

Der Innenraum wirkt spartanisch, fast sogar ein bisschen karg. Die Wände sind weiß getüncht, der Boden hell. In der Mitte steht ein Tisch, darum scheinbar lose angeordnet ein paar hölzerne Hocker. So stellen sich die Architekturstudentinnen Christiane Druschel und Julia Alsheimer den Kirchenraum der Zukunft vor. Genauer gesagt: die St. Nikolaikirche in Marktbreit (Dekanat Kitzingen). Beim diesjährigen Förderwettbewerb des Architekten- und Ingenieurvereins Würzburg (AIV) plante das Duo Sanierung und Umbau und gewann den mit 1.000 Euro dotierten ersten Preis.

Die Marktbreiter Gemeindepfarrerin Jacqueline Barraud-Volk, selbst Mitglied der Jury, hatte sich von Anfang an in den Entwurf der beiden verguckt. "Das ist ein sehr mutiges Raumkonzept, das der Gemeinde in seiner Schlichtheit durchaus einiges abverlangt", sagt Barraud-Volk, die auch Vizepräsidentin der VELKD-Generalsynode ist. Doch gerade junge Leute suchten genau solche Kirchenräume, die eine besondere Atmosphäre ausstrahlen, ein gutes Gefühl vermitteln. Ganz besonders habe ihr an dem Entwurf die neue Einbindung der Kirche an den Marktbreiter Schlossplatz gefallen, die es so bisher nicht gebe, sagte die Theologin.

St. Nikolaikirche in Marktbreit im Fokus des Architekten-Wettbewerbs

Der Jury-Vorsitzende Thomas Oechsner war voll des Lobs für den Siegerentwurf. Der Altar werde geschickt durch das "Deckengehänge akzentuiert, das Zentrum des Raums definiert". Dieser Himmel besteht nicht aus einer beliebigen Form, sondern entsteht aus einem Netz von Linien, die den Wirkungsraum Luthers zeigen. Die beiden Studentinnen haben den Lebensweg des Reformators auf einer Landkarte fixiert und daraus eine plastische Skulptur gemacht.
Ein Manko an dem Entwurf ist dem Jury-Chef zufolge aber die Aufgeräumtheit des Raums: Er muss fortwährend gepflegt werden, wohl durch die Pfarrerin und den Pfarrer: "Unachtsamkeiten wird dieses Raumkonzept nur schwer verzeihen."

Die jeweils 23-jährigen Preisträgerinnen waren von der Auszeichnung überrascht. "Wir fanden das Thema sehr spannend – eigentlich haben wir aber kaum kirchliche Bezüge", sagte Christiane Druschel. Die Arbeit sei gerade deshalb herausfordernd gewesen, die Zusammenarbeit mit Pfarrerin Barraud-Volk "wirklich cool". Das findet auch ihre Kommilitonin Julia Alsheimer: "Wir sind beide katholisch und waren überrascht, was in einer evangelischen Kirche alles denkbar ist." Mit ihrem Entwurf wollten sie der Gemeinde "große Flexibilität" ermöglichen, von der kleinen stillen Meditationsrunde bis zum Weihnachtsgottesdienst: "Deshalb mussten viel Inventar und Kunst weichen – entweder ganz oder in die Nebenräume."

Siegerentwurf wird nur teilweise umgesetzt

Würzburgs Stadtbaurat und Architektur-Professor Christian Baumgart, der das Seminar mit betreut hat, dankte der Pfarrerin und Pfarrer Thomas Volk "für den Mut, so eine Aufgabenstellung zuzulassen". Nicht überall dürfe man so befreit über eine Sanierung und Umgestaltung nachdenken. Die 21 Studierenden hätten sich in ihren 14 Arbeiten "sehr gründlich" eingelassen und "viele Fragen sowie vieles infrage gestellt".

Umgesetzt werden soll der Siegerentwurf des Duos zwar nicht eins zu eins – obwohl St. Nikolai demnächst saniert wird. "Aber wir nehmen viele Anregungen aus diesem Wettbewerb mit", erläuterte Barraud-Volk.

Die heutige St. Nikolaikirche in Marktbreit stammt aus der Mitte des 15. Jahrhunderts, Vorgängerbauten sind bis ins 13. Jahrhundert bezeugt. Neben denkmalgeschützter Bausubstanz gibt es auch weniger wertvolle Ein- und Umbauten neuerer Zeit. Auch damit setzten sich die Studenten auseinander.
Den zweiten Preis (600 Euro) erhielt das Duo Sarah Trinschek und Oswin Hennig, der dritte Preis (400 Euro) ging an Andreas Schröter. Maßgeblich organisiert wurde der Wettbewerb von Diplom-Ingenieurin Barbara Bauner, der Kunstbeauftragten der Landeskirche in Unterfranken und Vorstandsmitglied im AIV Würzburg.

 

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