Franz von Assisi ist eine der einflussreichsten Persönlichkeiten der Kirchengeschichte: Er prägte mit seiner radikalen Hinwendung zu Armut, Frieden und Schöpfungsverbundenheit nicht nur Ordensgemeinschaften, sondern auch Kunst, Spiritualität und gesellschaftliche Reformbewegungen. Seine Devise "Arm dem armen Christus nachfolgen" inspirierte den früheren Kardinal Jorge Bergoglio zur Wahl seines Papstnamens. Zum 800. Todestag im Jahr 2026 erinnern Museen, Bildungseinrichtungen und Kirchen an das Leben und Werk des Franziskaners.
Erstmals Überreste in Assisi zu sehen
Zum UNESCO-Weltkulturerbe wurde die Stadt Assisi schon im Jahr 2000 erklärt. In der historischen Altstadt finden sich die Basilika San Francesco und zahlreiche weitere mit dem heiligen Franziskus verbundene Stätten. Dazu zählen unter anderem die Kathedrale San Rufino, die Basilika Santa Chiara, das Kloster der Chiesa Nuova, der Minervatempel, die Kirche Santa Maria Maggiore, die Abtei San Pietro, die Basilika Santa Maria degli Angeli mit der Porziuncola, das Santuario di Rivotorto, das Eremo delle Carceri sowie das Kloster San Damiano.
In Jahr 2026 wird insbesondere für die Pilger eine Reise nach Assisi zum Pflichtprogramm gehören. Denn dort sollen laut Vatikan erstmals in der Geschichte die sterblichen Überreste des Heiligen öffentlich gezeigt werden. Die Überreste können vom 22. Februar bis 22. März 2026 in der Unterkirche der Basilika San Francesco in Assisi, nahe dem Papstaltar, besichtigt werden. Der Raum wurde eigens so gestaltet, dass Pilger geschützt, geordnet und in einer betenden Atmosphäre an der Reliquie vorbeiziehen können. Der Eintritt ist kostenlos, jedoch ist eine vorherige Online-Reservierung über die Seite SanFrancescoVive.org erforderlich. Bereits jetzt sind den Veranstaltern zufolge über 150.000 Anmeldungen eingegangen.
Ausstellung im Dommuseum Salzburg
Eine große Ausstellung zu Franz von Assisi zeigt das Dommuseum Salzburg. Unter dem Titel "LebensKunst" werden Kunstwerke, Handschriften und Objekte aus acht Jahrhunderten gezeigt. Von 24. Mai bis 2. November 2026 ist die Ausstellung zu sehen, die sich als Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zwischen spirituellem Erbe und kultureller Reflexion versteht. Gezeigt werden Skulpturen, Gemälde, liturgische Objekte sowie Zeugnisse franziskanischer Frömmigkeit vom Mittelalter bis zur Gegenwart.
Das Besondere: Während der gesamten Ausstellungsdauer sind Ordensleute verschiedener franziskanischer Gemeinschaften vor Ort. Sie begleiten Gruppen, beantworten Fragen und geben Einblicke in ihre heutige Lebenspraxis. Damit wird ein zentrales Anliegen der Kuratoren sichtbar – die Verbindung von Kunst und gelebtem Glauben, die den franziskanischen Traditionen eigen ist.
Akademien bieten Studienreisen an
Etliche Bildungseinrichtungen und Akademien bieten 2026 Studienreisen an nach Umbrien. Die Reisen führen an bedeutende Orte, an denen Assisi gewirkt hat, und beschäftigen sich mit der geistigen und kulturellen Welt des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Italiens.
Die Akademie im Saarland etwa bietet im Herbst 2026 eine Reise an, die "Orte und Kirchen der Gotik und Renaissance" erkundet und sich der Frage widmen will, wie "religiöse Vorstellungen, soziale Realitäten und künstlerische Ausdrucksformen einander durchdrangen".
Auch unsere Sonntagsblatt-Redaktion bietet eine Leserreise an. Die Busreise führt nach Assisi und den Wirkungsstätten von Franz von Assisi.
Fahrrad-Pilgerweg zum Sonnengesang des Heiligen Franziskus in Nordrhein-Westfalen
Wer es lieber sportlich mag, der kann sich in Salzkotten in Nordrhein-Westfalen auf einen Fahrrad-Pilgerweg begeben. Die Route führt durch Dörfer, unberührte Natur und kulturelle Highlights. Die Radstrecke ist 54 Kilometer lang und führt an elf Stationen vorbei, die sich etwa dem Bruder Wind, dem Salz, Lob und Dank oder Mutter Erde widmen.
Franz von Assisi
Franz von Assisi, geboren 1193/94 im italienischen Assisi als Francesco ("der kleine Franke"), gilt als einer der bedeutendsten Heiligen des Christentums. Nach einem radikalen Bruch mit seinem wohlhabenden Elternhaus wandte er sich einem Leben in Armut, Demut und konsequenter Nachfolge Christi zu. Franziskus nannte sich und seine Brüder "fratres minores", die Geschwisterlichkeit (fraternitas) und das menschlich wie sozial Unscheinbare (minoritas) prägten seine Bewegung und ihren Geist. Franz von Assisi starb am 3. Oktober 1226 in Assisi und wurde 1228 von Papst Gregor IX. heiliggesprochen.
Zu seinen charakteristischen Attributen in der Kunst zählen die Wundmale Jesu sowie seine besondere Nähe zur Tierwelt – dargestellt durch Wolf, Lamm, Fische und Vögeln. Franz von Assisi gilt als Patron Italiens sowie der Stadt Assisi.
Der Bruder, Mystiker und Prophet wurde im Laufe der Jahrhunderte für etliche Themen vereinnahmt: Er gilt als "Stütze der Kirche", "Vorläufer der Reformation", "Patron der Ökologie" und "Prophet der Weltreligionen". Er ist Schutzheiliger der Armen, Kranken, Strafgefangenen, Schiffbrüchigen und zahlreicher Handwerksberufe wie der Weber, Schneider oder Tuchhändler. Seit 1980 gilt er zudem als Patron der Sozialarbeit und des Umweltschutzes.
Im Kirchenjahr widmen ihm die christlichen Kirchen einen Feiertag: Die katholische Kirche feiert ihn am 4. Oktober, viele evangelische Kirchen erinnern sich seiner am 3. Oktober.
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