Es ist neun Uhr morgens, als sich die Tore der Philharmonie öffnen und die bei Frühlingstemperaturen wartenden Chorsänger einlassen. Mit dabei ist Ruth Reinhardt aus dem schwäbischen Dettingen bei Heidenheim. Zuhause singt die Krankenschwester mit ihrer Alt-Stimme in einem Chor, jetzt sind sie zu sechst mit dem Auto angereist, um mitzusingen. "Das macht Spaß", sagt sie, "wir machen da gerne mit". Doch jetzt muss sie los, den Mantel an der Garderobe abgeben. Mit den Noten in der Hand macht sie sich dann auf den Weg nach "Block Q", ihrem "Einsatzort" im Ensemble des großen Chores.

Gut eine Stunde später ist es soweit. Die Sänger haben mittlerweile alle ihre Plätze eingenommen, fast alle der 2378 Sitze sind belegt. In der Mitte der Bass, erkennbar an einem grünen Schild mit der Aufschrift "Bass". Links sitzen die Tenöre (lila Schild), rechts die Alt-Stimmen (gelb). Vorne die große Bühne und darüber die mächtigen Orgelpfeifen. Kurz nach zehn Uhr hebt im Saal die Musik an und reißt die Zuhörer mit.

"Das ist ja eine Stimmung", sagt dann auch Marcel Volkmann von der evangelischen Stiftung "Creative Kirche", die das Pop-Oratorium über Luther angestoßen hat. 2017 jährt sich zum 500. Mal dessen Thesenanschlag. Aus diesem Anlass wird das musikalische Werk über das Leben des Reformators deutschlandweit in verschiedenen Standorten auf die Bühne gebracht, der Chor setzt sich dabei aus ehrenamtlichen Sängern zusammen. Die Uraufführung des Pop-Oratoriums war im Oktober 2015 in Dortmund, jetzt ist der Süden der Republik an der Reihe.

Im Mittelpunkt des Werkes steht Martin Luther, der 1521 vor dem Reichstag von Worms aufgefordert wird, seine kirchenkritischen Aussagen zu widerrufen. Mit Rückblenden und Ausblicken rund um das dortige Geschehen wird musikalisch diese Geschichte erzählt - komponiert von dem Düsseldorfer Pianisten Dieter Falk.

Und auch er steht bei der Münchner Probe auf der Bühne und schmeichelt ein wenig dem Gasteig: "Das ist die schönste Probe-Location, die ich je gesehen habe." Und erzählt, dass er vor 40 Jahren in München schon mal Lieder für Katja Ebstein komponiert habe. Schließlich greift er in die Tasten des Keyboards und animiert die Sänger zu einem "warm-up" mit Luther-Chorälen wie "Ein feste Burg" oder "Christ ist auferstanden", ein Lied aus dem 13. Jahrhundert, in dorischer Tonart.

Gegen 10.20 Uhr geht es dann richtig los mit der Chorprobe. Die Bühne betritt nun Dirigent Michael Martin, Gospelreferent des Popularmusikverbandes der evangelischen Landeskirche. Er wird sich an diesem Tag mit Hans-Georg Stapf, Pop-Kantor aus Augsburg abwechseln. Ganz vorne rechts in den Sitzreihen, beim Bass, macht sich auch Markus Bettinger für die Chorprobe bereit. Der Polizist ist aus Nördlingen nach München gekommen, mit zwei Kollegen des Kirchenchores. Und nein, er findet das Oratorium nicht schwierig zu singen.

Um 10.45 Uhr stimmt der Riesenchor an: "Luther, Luther, wer ist Luther? Martin Luther?" und Dirigent Martin sagt: "Wow, klingt toll, vielen Dank." Später bei den Takten 11 bis 16 heißt es aber dann: "Wir sind eine Spur zu langsam. Das Orchester wird nicht auf uns warten." So geht die Chorprobe weiter bis zum Nachmittag. Bis es schließlich zum letzten Mal aus vielen Kehlen zu Luther musikalisch heißt: "Da kommt er, seht ihn an. Ungebeugt, ein starker Mann." (epd)

Besuchen Sie den Stand des Sonntagsblattes bei der Aufführung am 18.3.2017 in der Olympiahalle. Sie finden uns in der Nähe des Eingangs Ost!

Link-Tipp

Lutherpedia

Alle Aktivitäten der Lutherdekade auf einen Blick: Auf der Webseite www.lutherpedia.de finden sich Reportagen, Tipps und Hintergrundinformationen zur Reformationsdekade - multimedial und interaktiv.