Bibelreferenzen in der Rockmusik
Vor 50 Jahren entstand mit "Stairway to Heaven" von Led Zeppelin einer der berühmtesten Songs der Rock-Geschichte. Seitdem wird über den Inhalt des epischen Stücks gerätselt. Die Metaphern, die im Lied verwendet werden, erinnern häufig an Bibelstellen.
Led Zeppelin in der Musikhalle Hamburg, März 1973

Vor 50 Jahren ist mit "Stairway to Heaven" ein Song entstanden, der bis heute zu den größten Klassikern der populären Musikgeschichte gehört: Am 8. November 1971 erschien das vierte Album der britischen Hard-Rock-Band Led Zeppelin, auf dem das Stück zum ersten Mal zu hören war. Die Takte 8 bis 16 erklingen seit 2007 jeden Mittag vom Glockenturm des Rathauses in Fürth bei Nürnberg.

"Stairway to Heaven" entstand in einer Zeit der spirituellen Suche

Acht Minuten lang dauert die Suite rund um die ominöse Lady, die "Glitter für Gold" hält, sich eine Himmelsleiter (eng. "stairway to heaven") kauft, aber nie dort oben ankommen wird. Auf ihrem aussichtslosen Weg irritiert sie ein "Zeichen an der Wand", ein Pfeifer ruft zur Vernunft, die Maikönigin versteckt sich in den Hecken, während im weißen Licht ihr Schatten größer als ihre Seele zu werden scheint.

Starker Tobak? Seit "Stairway to Heaven" erschien und die Symbole auf dem Album-Cover mindestens ebenso viele Fragen aufwarfen wie das alles überragende Stück, beißen sich Fans und Hasser die Zähne an dem epischen Rock-Song aus. Sänger und Textautor Robert Plant soll die Worte während einer Phase der "spirituellen Suche" verfasst haben.

Die Metaphern in "stairway to heaven" und wofür sie stehen

In der Bibel kommt eine Himmelsleiter im Traum Jakobs in Genesis 28 vor: Er sieht eine Treppe, die auf der Erde stand und bis zum Himmel reichte. Auf ihr steigen Engel Gottes auf und nieder. Oben steht Gott und verspricht ihm: Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben.

Die Autoren des Buches "Led Zeppelin - Alle Songs", Jean-Michel Guesdon und Philippe Margotin, sezieren Plants Metaphern Strophe für Strophe und stellen das Stück und dessen Entstehungsgeschichte ebenso wie andere Zeppelin-Songs in einen nahezu wissenschaftlich-historischen Kontext. Der Himmelsleiter-Kauf wird als eine Art Ablass-Handel interpretiert, wie ihn die katholische Kirche einst praktiziert hat, um den Gläubigen die Hoffnung auf ein schöneres Jenseits zu verkaufen.

Jedoch kommen in dem Lied der Käuferin schon bald danach Zweifel, ob der Kauf der Wahrheit letzter Schluss war. Sie blickt im Text nach Westen - eine Anspielung auf den biblischen Kain, der nach dem Brudermord in ein Land östlich von Eden flüchtet? Weitere möglich Bezüge lassen sich zu Tolkiens "Herr der Ringe" ("rings of smoke") ausmachen.

Um jetzt die Verwirrung noch in eine diabolische Richtung zu lenken, kommen im Buch auch die Unkenrufer zu Wort, die in der Lady auf der Himmelsleiter keine wohlwollende Anspielung auf den Traum Jakobs in Genesis 28 sehen, sondern teuflische Botschaften. Die allerdings erst auffallen, wenn man Teile des Stücks rückwärts abspielt - eine klassische Verschwörungserzählung rund um Rockstücke.

Der Werdegang der Led Zeppelin-Mitglieder

Led Zeppelin galten vor 50 Jahren eher als Paradebeispiel für kraftstrotzende Rock-Götter als für dunkle Horror-Metaller - diesen Posten hatten damals Ozzy Osbourne und Black Sabbath für sich gepachtet. Trotzdem hatte sich Zeppelin-Gitarrist Jimmy Page verdächtig gemacht, mit dem Okkulten zu spielen, als er am Loch Ness in das sagenumwobene Boleskine-Haus einzog, im dem einst ein berüchtigter Satanist lebte.

Robert Plant nannte seine Bandkollegen in Anlehnung an Jesu Bezeichnung für die Zebedäus-Söhne Jacobus Major und Johannes "Söhne des Donners". Immerhin ging es für die Band nach der mysteriösen vierten Platte für Album Nummer fünf zu den Heiligen, in die "Houses of the Holy" - dessen Titelsong aber erst auf Platte Nummer sechs war.

Die realen "Dämonen" Alkohol und Drogen, stetige Begleiter der Bandmitglieder bei ihrem rastlosen Lebensstil, sorgten nur wenige Jahre später für das Aus: Am 27. Juni 1980 spielte Led Zeppelin einen der letzten Auftritte überhaupt in der Nürnberger Messehalle. Drummer John Bonham kollabierte bei "Black Dog", das Konzert musste abgebrochen werden. "Stairway to Heaven" wurde an diesem Abend nicht mehr gespielt, dafür aber am 7. Juli 1980 beim letzten Zeppelin-Gig in der Berliner Eisporthalle. Am 25. September 1980 erstickte Bonham nach einem Alkohol-Exzess am eigenen Erbrochenen. Led Zeppelin löste sich auf.

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