Jugend im Krisengebiet
Zwei Münchner Fotografen geben mit ihrem Projekt OurVoice Jugendlichen, die im Libanon im Flüchtlingslager leben, die Chance, ihre Erfahrungen und Gedanken kreativ auszudrücken. Eine erste digitale Ausstellung der entstandenen Fotografien wird in einem Livestream-Event am Montag, dem 22. November, eröffnet.
Erol Gurian: Mädchen im Libanon
Erol Gurian: Mädchen im Libanon

Die zwei Münchner Fotografen Erol Gurian und István Velsz lernten sich über ihre Arbeit mit der libanesischen NGO Beyond Association kennen und starteten kurz darauf ihr gemeinsames Projekt OurVoice. Zusammen organisieren sie jetzt schon zum sechsten Mal einen Workshop, bei dem Jugendliche aus dem libanesischen Flüchtlingslager Shatila die Grundlagen des Journalismus kennenlernen und anschließend eigene kreative Projekte verwirklichen. Diese Projekte werden von den beiden Fotografen ins Englische übersetzt und auf der Website von OurVoice veröffentlicht. Die Fotografien der Kinder werden am 22. November 2021 in einem Livestream vorgestellt.

Das Projekt OurVoice

Das Projekt OurVoice unterstützt Kinder und Jugendliche aus dem Libanon dabei, ihre Gedanken und Gefühle kreativ auszudrücken. Mit der Unterstützung der Beyond Association werden Jugendlichen zusammengebracht, die sich für verschiedene Formen von Medien interessieren. In einem Workshop werden ihnen die Grundlagen des Journalismus beigebracht. Unter professioneller Anleitung halten die jungen Teilnehmer*innen ihre Gedanken schriftlich fest, fotografieren Eindrücke aus ihrem Alltag oder filmen kurze Videobeiträge. Die entstandenen Texte und Videos werden redigiert, ins Englische übersetzt und auf der OurVoice-Website veröffentlicht.

Den Kindern wird etwas beigebracht, "was sie ihr Leben lang nutzen können", sagt Erol Gurian. Er hofft, mit den Bildern der Jugendlichen auch in Deutschland und Europa Menschen erreichen, die ebenfalls bereit sind, Fotografien aus ihrem Alltag zu teilen. Die Kinder im Libanon können laut dem Fotojournalisten von einem regen Bilderaustausch profitieren.

Präsentation in einem Youtube-Live-Event

Die Fotografien, Texte und Videos der Jugendlichen werden am Montag, dem 22. November, auf Youtube in einem Livestream vorgestellt. Die Bilder sind im Shatila-Camp in Beirut entstanden und geben einen Einblick in den Alltag der jungen Fotografen. Die Arbeiten sind das Ergebnis des sechsten Workshops, den OurVoice dort im Juli veranstaltet hat.

Katie Gallus wird die Präsentation moderieren und das Projekt und dessen Kooperationspartner vorstellen. Höhepunkt des Events soll die Eröffnung einer 3D-Galerie sein, die virtuell betreten werden kann. Außerdem sollen Zuschauer die Gelegenheit bekommen, in einem Livechat Fragen zum Projekt zu stellen.

Die Initiatoren des Projekts

OurVoice ist eine Initiative des Münchner Fotografen und Dozenten für Fotojournalismus, Erol Gurian, und dessen Freund und Kollegen, István Velsz. Der Themenschwerpunkt der journalistischen Tätigkeit Gurians liegt in den Bereichen Migration und soziale Randgruppen. Er bereist seit 2015 regelmäßig den Libanon, um mit Bildern von der Situation der syrischen Geflüchteten dort zu berichten.

Durch seine Kooperation mit der libanesischen NGO Beyond Association wurde er speziell auf die Situation der Jugendlichen aufmerksam. Die ohnehin schon schwierige Zeit des Erwachsenwerdens wird durch die Krisensituation, in der sie leben, verkompliziert. "Ich hatte den Wunsch, ihnen etwas mitzugeben", so Gurian. Aus diesem Wunsch entsprang das Projekt OurVoice, dessen Workshops nun bereits schon zum sechsten Mal veranstaltet wurden.

Erol Gurian

Erol Gurian ist Fotograf, Fotojournalist und Dozent. Er unterrichtet unter anderem an der Deutschen Journalistenschule und ist Dozent an der Universität Hildesheim.

Er erhielt für seine Reportage "Bekaa Blues" den Lagois-Förderpreis 2016 zum Thema "Frauen auf der Flucht".

Mit seinen Fotografien lenkte er den Blick auf das Leben syrischer Flüchtlingsmädchen im libanesischen Bekaa-Tal, in dem 400.000 Menschen in Zeltstädten des UNCHR-Hilfswerks leben. Die Kinder der Geflüchteten müssen bei sengender Hitze Erntearbeiten verrichten. Vor allem die Mädchen leben dort in prekären Situationen. Sie müssen auf dem Feld arbeiten, wo sie nur halb so viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen, werden häufig bedroht, vergewaltigt oder im Alter von zwölf Jahren verheiratet, um die finanzielle Situation der Familien aufzubessern.

Erol Gurian erzählt in seinen Fotos von einem Projekt in einer sicheren Zone der libanesischen Non-Profit-Organsiation "Beyond Association". Seine Fotografien sind Teil der Wanderausstellung "Auf der Flucht: Frauen und Migration", die hier ausgeliehen werden kann.

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