Kunst
Normalerweise gräbt sich Künstler Benjamin Zuber auch mal tage- oder wochenlang in sein Berliner Atelier ein - bei der "art residency wildbad" geht das nicht: Kunstwerke sollen dort möglichst öffentlich entstehen. Wie Zuber damit klarkommt.

Werkzeuge stehen auf Tischen, dicke Kabel in rot, schwarz und weiß liegen auf dem Boden, dazwischen Holzpaletten und Plexiglasscheiben. Schon bei einem Blick durch die Fenster im Vorbeigehen sieht man: In der einstigen Schwimmhalle des Wildbads Rothenburg wird gearbeitet. Benjamin Zuber steht mittendrin, verschränkt lässig die Arme, und sagt: "Im Moment bin ich vor allem noch mit den technischen Dingen beschäftigt." Dem Aufbau von 3D-Druckern etwa.

Benjamin Zuber ist gebürtiger Bamberger und Wahlberliner

Benjamin Zuber, 39 Jahre alt und gebürtiger Bamberger, ist dieses Jahr der "Artist in Residence" im Wildbad. Bei einer Pressekonferenz im April sagte er, er will mit seiner künstlerischen Arbeit "an die Geschichte des früheren Sanatoriums im Taubertal" anknüpfen. Stangen mit Haltegriffen, wie man sie etwa aus Bussen und Bahnen kenne, sollten Teil seines Werks für die Parkanlage des Wildbads werden, sagte er. Veränderte "Anatomietafeln", wie man sie aus Arztpraxen kenne, könnten auch dabei sein.

Zu sehen ist davon derzeit aber noch nichts, Zuber erzählt nun mit Bedacht von seinem Vorhaben: "Normalerweise spreche ich zu diesem frühen Zeitpunkt eines Projekts noch nicht so richtig darüber." Seine Ideen und Konzepte verändern sich für gewöhnlich während des Entstehungsprozesses. Doch die Nahverkehrs-Haltestangen, dreidimensional gedruckte Objekte, die an menschliche Körperteile oder Orthopädietechnik erinnern sollen, sind immer noch Teil seines Plans, sagt der Künstler.

Gleichwohl steht beim Projekt "art residency wildbad" genau die Beobachtung des künstlerischen Prozesses im Mittelpunkt - etwa mit regelmäßigen Atelierbesuchen. "Die Entstehungsphase hier ist sehr öffentlich, sehr kondensiert und sehr konzentriert." Das mache natürlich auch den Reiz aus. Er habe sich deshalb auch dagegen entschieden, mit einem ausgearbeiteten Konzept nach Rothenburg zu kommen und "einfach nur noch umzusetzen, was ich schon im Kopf habe", erläutert Zuber.

Ethische Dimension in den Werken

Viel mehr als über konkrete Details kann Zuber derzeit etwas über die "Assoziationsräume" seines geplanten Kunstwerks für den öffentlichen Raum sagen. Es geht um das Miteinander synthetischer und lebendiger Materialien, über gedruckte Kunststoff-Objekte, die dabei aber organisch anmuten. Alles wiederum eingebunden in ein Konstrukt aus industriellen Bus-Haltestangen, die ein weltweites Zeichen zivilisatorischer Entwicklung seien und zugleich an medizinische Griffhilfen erinnerten.

Das Ganze bekommt damit auch eine ethische Dimension: "Wie erhebt sich der Mensch über seine Umwelt?", fragt Zuber und ergänzt: "Im Guten wie im Schlechten, meine ich." Es geht also auch um den medizinischen Fortschritt und seinen Grenzen. Zugleich will Zuber auch einen Anknüpfungspunkt zum Wildbad heute schaffen - also der Nutzung als evangelische Tagungsstätte der Landeskirche. "Eine Anmutung der Skulptur als Kultstätte einer unbekannten Zivilisation" schwebt ihm vor.

Einfluss von persönlichen Erfahrungen

Ein Stück weit werden auch persönliche Erfahrungen in das Kunstwerk einfließen - autobiografisch will Zuber das aber lieber nicht nennen. Vor ungefähr zweidreiviertel Jahren habe er sich beim Aufbau einer Ausstellung beide Fersen zertrümmert: "Vor diesem Unfall habe ich mir selten Gedanken über die eigene Verletzlichkeit gemacht." Die Erfahrungen in Krankenhaus und Rehaklinik waren nachhaltig: "Das Ambiente soll Genesung vermitteln, dabei ist man umgeben von Krankheit und Invalidität."

Dazu bietet das wildromantisch gelegene Wildbad einen enormen Kontrast. "Es ist super, hier zu arbeiten", sagt Zuber. Zuhause in Berlin grabe er sich auch manchmal tage- oder wochenlang in sein Atelier ein, die Ruhe am Tauber-Ufer komme ihm da sehr gelegen. Auch wenn ihn vor drei Wochen, da ist der Wahl-Berliner ehrlich, der längere Abschied von der Großstadt geschmerzt hat: "Gerade jetzt, wo langsam alles wieder aufgemacht hat, und einem bewusst wird, was man vermisst hat." 

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