14.03.2020
Digitalisierung

Internetcafé für Senioren feiert 20-jähriges Bestehen - "Unbeschwertheit ist weg"

Im Frühjahr 2000 eröffnete in Würzburg eines der bayernweit ersten Internetcafés für Senioren. Die Ehrenamtlichen rund um den inzwischen 82-jährigen Herbert Schmidt führen ältere Mitbürger behutsam an Computer und Internet heran. In diesem Jahr feiert die Einrichtung ihr 20-jähriges Bestehen. Die Themen haben sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich weiterentwickelt: die Fragen zu Laptop, Tablet und Smartphone sind heute viel vielschichtiger.
Seniorin am Smartphone

Herr Schmidt, was war damals die Idee, ein Internetcafé für Senioren in Würzburg zu gründen?

Herbert Schmidt: Meine Mitstreiter und ich wollten der älteren Generation eine Möglichkeit geben, sich mit moderner Technik auseinanderzusetzen. Da ging es in erster Linie nicht mal ums Internet, sondern um Computer an sich. Viele Ältere hatten damals ja noch gar keinen PC und wollten auch nicht "noch einen Fernseher" in der Wohnung haben. Als wir das Internetcafé dann eröffnet hatten, kamen immer mehr Menschen der Generation 55 plus, die sich langsam an Computer rantasten wollten. Zuerst ging es um Textverarbeitung, dann um Mails schreiben - und irgendwann landete man dann auch bei Suchen und Einkaufen.

Wie hat sich die Arbeit im Internetcafé für Senioren durch die Digitalisierung seit 2000 verändert?

Schmidt: Es gibt heute eigentlich keinen Besucher mehr, der noch nie mit PCs, Tablets oder Smartphones in Berührung gekommen ist - daher müssen wir zumindest nicht mehr so oft bei Null anfangen. Früher war es mehr die unwissende Neugierde, die die Senioren zu uns geführt hat, inzwischen sind es konkrete Probleme, bei denen sie Hilfe suchen: Warum funktioniert meine Videokonferenz auf dem Laptop nicht mehr? Wie kaufe ich sicher im Internet ein? Wie benutze ich Suchmaschinen gezielt? Das Ziel der Ehrenamtlichen bei uns ist: Wir wollen die Gäste an der Eingangstür mit ihren Problemen abholen und ihnen helfen.

Internetcafé sind heute so gut wie ausgestorben - das war 2000 noch anders. Wieso gibt es Ihr Internetcafé noch?

Schmidt: Wir sind ja kein Ort, an dem man einfach nur für sich ins Internet geht. Wir bieten ja quasi ehrenamtliche Hilfe zur Selbsthilfe. Und die ist noch nötig, weil es eben immer noch Menschen gibt, die nicht allein mit der Technik zurechtkommen - zumindest dann nicht, wenn Probleme auftauchen oder wenn etwas nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Unsere Arbeit hat sich auch insofern gewandelt, weil die Unbeschwertheit aus den Anfangstagen des Massen-Internets weg ist. Unsere Gäste kommen immer häufiger mit Fragen zu Themen wie zum Beispiel Sicherheit und Datenschutz.

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