Ein Programm mit "nachhaltigerer Bedeutung" soll die 71. Ausgabe des Nürnberger Musikfestivals ION vom 24. Juni bis 3. Juli bieten. Neben Konzerten mit großen Werken Geistlicher Musik und der neuen Reihe "Nightflight" soll es erstmals ein Forum mit Meisterkursen, Vorträgen und Workshops geben, sagte der geschäftsführende ION-Intendant Moritz Puschke am Mittwoch in Nürnberg. Es soll außerdem Initiativen geben, die auch nach der ION weitergeführt werden und dem Traditionsfest mehr Relevanz in Nürnberg und der Region sichern sollen.

Von Neo-Klassik bis Techno

Mit Hania Rani, einem Star der Neo-Klassik, startet die Konzertreihe "Nightflight" am 24. Juni: Vier jeweils um 23 Uhr beginnende Nachtkonzerte in St. Martha sollen Musik zwischen Klassik, Jazz und Pop bieten. Dabei kommt es auch zu ungewöhnlichen Paarungen: Am 3. Juli trifft beispielsweise der Techno-Musiker und Konzeptkünstler "Pantha du Prince" auf ein klassisches Ensemble unter der Leitung von Hartwig Groth von der Nürnberger Hochschule für Musik.

In Nürnberger Kirchen werden bekannte Werke geistlicher Musik aufgeführt. Das britische A-cappella-Oktett VOCES8 spielt mit der Academy of Ancient Music Händels "Messias" am 25. Juni in St. Sebald, das Ensemble Lauschwerk führt tags darauf in St. Nikolaus und St. Ulrich das "Requiem" von Brahms und die "Exequien" von Schütz auf. Frieder Bernius bringt mit dem Kammerchor Stuttgart am 1. Juli in St. Lorenz Schuberts Messe Es-Dur und Mendelssohns Vertonung des 95. Psalms auf die Bühne.

Offen für Experimente

Dazu gesellen sich einige Experimente: Die ION bringt den Orgelprofessor Martin Sturm aus Weimar mit dem Münchner Soul- und Funkmusiker Hansi Enzensperger im Konzert und im Meisterkurs zusammen. Angela Metzger aus München wartet am 27. Juni mit der Uraufführung eines neuen Werkes von Philipp Maintz auf, welches das Musikfest ION 2020 in Auftrag gegeben hat. Junge Kunstschaffende seien eingeladen, ihre Fragen an ikonische Werke der Musikgeschichte zu richten.

Rund 220 Nürnberger Schülerinnen und Schüler erarbeiten gemeinsam mit Friedhilde Trüün das Projekt "SingBeethoven", mit dem die ION am 25. Juni eröffnet wird. "Rund 800 Kinder werden zwischen Ostern und Pfingsten in dem Schulprojekt die Orgel bis in ihr Innerstes erkunden", erklärte Puschke eine weitere Aktion. Ihm gehe das Herz auf, wenn die Weltstars VOCES8 nach dem Konzert nicht abreisen, sondern mit der ökumenischen Kinder- und Jugendkantorei Nürnberg zusammen einen Workshop machen und am nächsten Tag die Ergebnisse öffentlich präsentieren.

Workshops und Vorträge

Es gibt begleitend zu den Konzerten fachpraktische Workshops, Künstlergespräche und Vorträge zu Themen von "Social Media für Musikerinnen und Musiker" (27. Juni) von Mitarbeitenden des Evangelischen Presseverbands (EPV) bis zu "Brahms, die Bibel und sein Requiem". Zudem werden im Vorfeld der Konzerte vertiefende Angebote zu Werken und Künstlerinnen und Künstlern digital auf der Website des Festivals angeboten.

Die Vernetzung mit Kulturinitiativen vor Ort und mit überregionalen Institutionen sei ein wichtiger Bestandteil des Musikfests ION, sagte Nürnbergs Kulturbürgermeisterin Julia Lehner bei der Vorstellung des Programms. So werden die Kirchengemeinden und die Kirchenmusik der Innenstadtkirchen Nürnbergs künstlerisch in die ION-Nacht und die Festgottesdienste eingebunden. Zusammenarbeiten gibt es mit der Hochschule für Musik Nürnberg, dem Bardentreffen, der städtischen Musikbibliothek sowie zahlreichen Schulen der Stadt Nürnberg.

All you need is... love!

Das Festivalmotto "All you need is..." lehnte sich nicht zufällig an die ähnlich lautende Beatles-Hymne "All you need is love" an. Für Puschke war die Titelwahl nach zwei schwierigen, von den Einschränkungen im Zuge der Corona-Pandemie geprägten Jahren passend, weil gerade Kulturschaffende und Kulturfans etwas für ihr "Seelenheil" benötigten. Nun komme noch der Krieg in der Ukraine hinzu, weshalb mal mit seinem vielfältig heterogenen Programm auch ein Stück weit "Friede von unten" schaffen wolle.