24.11.2020
Sterben

Palliativmedizinerin Claudia Bausewein rät: "Frühzeitig mit dem Tod auseinandersetzen"

Zu einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit den Themen "Tod und Sterben" will die Palliativmedizinerin Claudia Bausewein mit ihrem neuen Buch "99 Fragen an den Tod" ermutigen. Sich mit dem eigenen Tod zu beschäftigen kann befremdlich sein und Angst einflössen. Wer sich früh damit beschäftigt, ist laut der Palliativmedizinerin Claudia Bausewein aber besser vorbereitet.
Krankenbett Krankenhaus Symbol

Zu einer frühzeitigen Auseinandersetzung mit den Themen "Tod und Sterben" will die Palliativmedizinerin Claudia Bausewein mit ihrem neuen Buch "99 Fragen an den Tod" ermutigen.

Oft entstehe "eine große Not und Hilflosigkeit" bei Betroffenen und ihren Angehörigen, wenn sie mit einer lebensbedrohlichen Krankheit konfrontiert seien, sagte die Direktorin der Klinik für Palliativmedizin am LMU Klinikum München im Gespräch mit dem Sonntagsblatt.

Wer sich hingegen früh mit dem Thema beschäftige, mache sich manches bewusst und wisse, wo er im Zweifelsfall Hilfe bekomme. "Die Beschäftigung mit dem Tod ermöglicht außerdem auch einen anderen Blick aufs Leben."

Beantwortung häufiger Fragen zum Thema sterben

In ihrem Buch "99 Fragen an den Tod - Leitfaden für ein gutes Lebensende" geben Bausewein und Co-Autor Rainer Simader vom österreichischen Hospizdachverband in acht Kapiteln Antworten auf Fragen, die in der Begleitung von Sterbenden häufig auftauchen. Aus dem Blickwinkel der Sterbenden und dem der Angehörigen geht es um allgemeine Fragen zum Umgang mit Diagnosen, zu organisatorischen und emotionalen Belangen.

Aber auch konkrete medizinische Fragen werden geklärt: Was hilft gegen Panik? Tut Sterben weh? Woran erkennt man, dass der Tod eingetreten ist?

Auch für das Gespräch mit Menschen am Lebensende bieten Bausewein und Simader Leitplanken: Authentisch und wahrhaftig sein, offene Fragen stellen, sich an den Bedürfnissen der Betroffen orientieren.

Extrem wichtig sei es, nicht zu beschwichtigen: "Barmherzigen Lügen im Sinne von "Das wird schon wieder" gehen an der Situation des Menschen vorbei", weiß die Palliativmedizinerin aus ihrer 25-jährigen Berufspraxis. Die Betroffenen spürten meistens "ziemlich gut, was los ist". Um die Scheu vor solchen Gesprächen zu überwinden, könne man bei einem Bier mit Freunden üben: "Was bedeutet mir das eigene Leben, oder was wäre, wenn ich heute Nacht sterben würde?", nennt Bausewein als Einstiegsfragen.

Die letzte Lebensphase

Entgegen der allgemeinen Wahrnehmung sei die letzte Lebensphase für viele Sterbenskranke oft eine sehr reiche Zeit, betont Bausewein: "Der Blickwinkel verschiebt sich." Während Gesunde oft mehr in der Zukunft lebten, stünden für Menschen am Lebensende Begegnungen im Mittelpunkt.

Der Besuch der Enkel, das Miteinander zuhause in der Familie, wärmende Sonnenstrahlen oder Vogelgezwitscher: "Für Schwerkranke könnten Dinge Erfüllung bedeuten, die sie früher gar nicht so realisiert hätten", sagt die Medizinerin.

Durch die Corona-Pandemie bekämen die Themen "Tod und Sterben" teilweise mehr Gewicht, sagt Bausewein. Um künftigen Krisenstäben eine Praxishilfe an die Hand geben zu können, würden derzeit Palliativeinrichtungen innerhalb des Netzwerks Universitätsmedizin Handlungsempfehlungen für "Palliativversorgung in Pandemiezeiten" erarbeiten, der im März 2021 vorliegen soll.

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