Am Montag hat Bärbel Bas ihren Rücktritt als Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende erklärt. Dem vorausgegangen waren der Tod ihrer Stieftochter sowie, wie sie selbst berichtet, öffentliche Angriffe, auch aus der Union. Über die Hintergründe ihres Rücktritts und dessen Folgen für den Politikbetrieb wurde bereits viel geschrieben.

Ein Aspekt kam in den Porträts jedoch selten vor: Bas' Verhältnis zu Religion und Kirche. Es ist aufschlussreicher, als es zunächst scheint.

Bärbel Bas: Konfessionslos, aber nicht kirchenfern?

"Zur Freiheit hat uns Christus befreit", sagte Bärbel Bas bei der ökumenischen Barbarafeier in Duisburg am 8. Dezember 2024. Sie zitierte Paulus (Gal 5,1), sprach über Menschenwürde, Gewissen und die Verantwortung für andere. Zudem schlug sie eine Brücke von der Bibel zum Grundgesetz, von christlicher Tradition zur freiheitlichen Demokratie. Dabei machte sie keinen Hehl daraus, dass sie weder Theologin noch konfessionell gebunden ist.

Die Barbarafeier bei den Hüttenwerken Krupp Mannesmann verbindet die Verehrung der Heiligen Barbara mit der Geschichte der Industrie, der Identität des Ruhrgebiets und den Zukunftssorgen der Beschäftigten.

Bas ist in Duisburg politisch verwurzelt. Sie spricht über eine Tradition, die religiöse Überlieferung und gesellschaftlichen Zusammenhalt miteinander verbindet. Ihr Auftritt zeigt, wie selbstverständlich sie religiöse Sprache verwenden kann, ohne für sich selbst einen konfessionellen Glauben zu beanspruchen.

Bärbel Bas und die Kirchen: Nähe ohne Bekenntnis

Bereits ein Jahr zuvor hatte Bas bei der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) über die gesellschaftliche Rolle von Religion gesprochen. Ihre eigene Haltung beschrieb sie mit einer Formulierung des Soziologen Max Weber als "religiös unmusikalisch". Zugleich betonte sie, wie wichtig Kirchen und andere Religionsgemeinschaften gerade in Krisenzeiten sind.

Sie könnten Brücken zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen bauen, Menschen in schwierigen Lebenssituationen begleiten und sich für Frieden und Zusammenhalt einsetzen. Sie seien wichtige Partner des Staates, gerade bei sozialen Fragen. Auch ihre Fähigkeit, Werte zu vermitteln und Menschen zu erreichen, hob Bas hervor.

Was über ihre religiöse Prägung bekannt ist

Über Bas’ persönliche religiöse Sozialisation ist öffentlich wenig bekannt. Sie wurde am 3. Mai 1968 in Walsum, dem heutigen Duisburger Stadtteil, geboren und wuchs mit fünf Geschwistern in einer Arbeiterfamilie auf. Biografische Darstellungen konzentrieren sich meist auf ihren beruflichen und politischen Werdegang.

Auch ihre Konfession war nicht bekannt, als sie 2021 zur Präsidentin des Deutschen Bundestages gewählt wurde. Ein Beitrag des katholischen Portals "Kirche und Leben" beschäftigte sich damals mit der Frage, wie christlich Bas sei. Anlass hierfür waren unter anderem ihre Schirmherrschaft für das Malteser Hospiz St. Raphael in Duisburg sowie ihre öffentliche Bezugnahme auf das Osterfest während der Corona-Pandemie.

Beides belegt Berührungspunkte mit christlichen Einrichtungen und religiösen Traditionen. Ob Bas selbst glaubt oder religiöse Rituale praktiziert, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten. 

Freiheit, Gewissen und Menschenwürde

Wie Bas religiöse Traditionen einordnet, wird insbesondere in ihrer Predigt bei der Barbarafeier deutlich. Sie greift die paulinische Vorstellung von Freiheit auf und verbindet sie mit der Verantwortung des Einzelnen für andere. 

Freiheit bedeutet in dieser Perspektive nicht nur, ungehindert eigene Interessen zu verfolgen. Sie verlangt auch, die Würde anderer zu achten und Verantwortung für das Gemeinwesen zu übernehmen.

Auch das Gewissen spielt in ihrer Rede eine Rolle. Bas stellt eine Verbindung zwischen der persönlichen Gewissensentscheidung und der parlamentarischen Demokratie her, in der Abgeordnete ihrem Gewissen verpflichtet sind. So werden biblische Motive zu Ausgangspunkten für Überlegungen über politische Verantwortung.

Religion als gesellschaftliche Ressource

Bas spricht den Kirchen eine eigenständige gesellschaftliche Aufgabe zu. Sie sollen Menschen zusammenbringen, Orientierung bieten und sich zu sozialen und politischen Herausforderungen positionieren. Dass sie sich selbst öffentlich zu keiner Konfession bekennt, steht dieser Wertschätzung nicht entgegen. 

Ihre öffentlichen Äußerungen legen nahe: Ihr Verhältnis zum Christentum ist weniger durch ein persönliches Bekenntnis als durch die Anerkennung seiner gesellschaftlichen Bedeutung geprägt.