Sinti und Roma
Sinti und Roma leben seit über 600 Jahren in Deutschland und gelten als eine der vier nationalen Minderheiten. Aufgrund von Vorurteilen werden sie allerdings auch heute noch häufig diskriminiert und ausgegrenzt. Doch was zeichnet diese Bevölkerungsgruppe aus, wo kann ich mich informieren und welche Organisationen gibt es?
Sinti und Roma Gruppen und Organisationen
Sinti und Roma Gruppen und Organisationen

Bundeszentrale für politische Bildung

Die Bundeszentrale für politische Bildung ist für außerschulische politische Jugend- und Erwachsenenbildung, aber auch für politische Bildung in der Schule verantwortlich. Sie gibt regelmäßig kostenlose Hefte zu bestimmten Themen heraus und hat mit "fluter:" auch ein eigenes Jugend-Magazin. Auf einer umfassenden Themenseite gibt es viele Informationen zu Geschichte, Verfolgung oder Diskriminierung der Sinti und Roma in der Gegenwart. Der Frage "Was ist Antiziganismus", wird in einer eigenen Ausgabe nachgegangen. Die Handreichung "Kritische Auseinandersetzung mit Antiziganismus" kann kostenlos bestellt werden.

Das YouTube-Video "Antiziganismus begegnen" stellt gut zusammengefasst dar, in welchen Situationen Sinti und Roma auch heute noch Ausgrenzung und Benachteiligung erfahren.

Bei flutertv erzählen Jazz-Sängerin Dotschy Reinhardt und Sozialarbeiterin Eva Adam, mit welchen Problemen sie konfrontiert sind und was sie gesellschaftlich ändern wollen.

Open Society Roma Initiatives: "Antiziganismus"?

In der Sinti und Roma-Community gibt es Diskussionen, ob man den Begriff "Antiziganismus" verwenden soll. Der Begriff enthält "Ziganismus", abgeleitet vom verletzenden Z-Wort. Einige aus der Sinti und Roma-Community schlagen deshalb vor, stattdessen "Antiromaismus", "Anti-Roma-Rassismus" oder auch "Gadje-Rassismus" zu sagen ("Gadje" bezeichnet Nicht-Roma und -Sinti).

Andere plädieren dafür, den bekannteren Begriff Antiziganismus beizubehalten: Denn trotz aller Nachteile drückt er aus, was andere Begriffe für den Rassismus gegen Sinti und Roma nicht beinhalten: Er macht klar, worum es bei der Diskriminierung der Minderheit geht, nämlich stereotypische Vorurteile der Mehrheitsgesellschaft. Der Begriff verdeutlicht, dass diese Vorstellungen nichts mit der Lebensrealität von Sinti und Roma zu tun haben.

Zudem verdeutlicht er, dass von dieser Form der Diskriminierung auch Menschen betroffen sein können, die lediglich für Sinti und Roma gehalten werden, wie beispielsweise - Achtung, Klischees - wohnungslose oder im Zirkus arbeitende Menschen. Zuletzt wurde er auch als verbindlicher Begriff in die Arbeitsdefinition der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA) aufgenommen.

Zentralrat Deutscher Sinti und Roma

Seit 1982 ist der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma der unabhängige Dachverband der 16 Landes- und Mitgliedsverbände. Er stellt die bürgerrechtliche und politische Interessenvertretung der deutschen Sinti und Roma dar und setzt sich für die gleichberechtigte Teilhabe der Sinti und Roma in Politik und Gesellschaft ein. Dafür steht er in kontinuierlichem Dialog mit Bundes- und Landesregierungen und nimmt an Konferenzen der EU, des Europarats und der OSZE teil.

Dokumentationszentrum Heidelberg

Das Dokumentations- und Kulturzentrum Deutscher Sinti und Roma ist ein Ort der Begegnung und des Dialogs mitten in Heidelberg. Hier wird mittels Vorträgen, Ausstellungen, Filmvorführungen, Konzerten und Exkursionen die die reiche Kultur der Sinti und Roma erlebbar gemacht. Weitere Schwerpunkte neben Literatur, Malerei und Musik sind die Menschenrechte und das Eintreten gegen Diskriminierung und Ausgrenzung. Vor dem Hintergrund der Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus werden hier vielseitige Angebote zu Antirassismusarbeit, Pädagogik und Bildung angeboten.

Studierendenverband der Sinti und Roma in Deutschland

Der Studierendenverband der Sinti und Roma in Deutschland setzt sich neben Förderung der Forschung durch junge Sinti*zze und Rom*nja für eine pluralistische und antirassistische akademische Landschaft ein. Er möchte im Studium und beim Übergang zum Beruf helfen sowie eine Vernetzung der Studierenden anstreben.

RomaniPhen

In einem YouTube-Video über das Feministische Rom*nja Archiv RomaniPhen berichten mehrere Frauen, wie Sinti und Roma in Deutschland gegen Rassismus kämpfen.

Zum Beispiel mit dem Romnja Power Month, einem Monat voller Veranstaltungen rund um Leben und Kultur der Bevölkerungsgruppe. Das Programm des Romnja Power Month 2021 ist auf der Homepage von RomaniPhen e.V. zu finden.

Phral Mende - Wir über uns

In der Dokumentation "Phral Mende - Wir über uns" werden zahlreiche Akteure aus der Bürgerrechtsarbeit der Sinti und Roma vorgestellt. Als Schritte zum Abbau von Rassismus gegen Sinti und Roma wird Empathie und Perspektivenübernahme seitens der Mehrheitsgesellschaft gesehen. Dies kann nur mit Bildung und Aufklärung geschehen. Ziel ist eine inklusive Gesellschaft, in der niemand aufgrund seiner Herkunft oder seines Äußeren benachteiligt und diskriminiert wird.

Initiative Rromnja

Der Blog Initiative Rromnja - ein Zusammenschluss von Berliner Roma-und-Sinti-Frauen - informiert über verschiedene gesellschaftliche Themen. Die Artikel befassen sich mit der Kritik an den Asylrechtseinschränkungen durch das "Asylpaket II", der Diskussion um die Baumaßnahmen der Deutschen Bahn am Berliner Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma in Europa oder Namensänderungen von Saucen. Neben Demonstrationen gegen Rassismus rückt die Initiative mit Lesungen oder Konzerten die Kultur der Sinti und Roma in die Öffentlichkeit.

Romanity

Gemäß dem Ausspruch Albert Einsteins: "Es ist leichter einen Atomkern zu spalten als ein Vorurteil" setzt sich Romanity für einen besseren Austausch zwischen Sinti und Roma sowie der Mehrheitsgesellschaft ein. Hier erzählen junge Menschen in "Beiträge zum Nachdenken", wie sie das Leben in Deutschland als Sintizza oder Rom erfahren und was sie sich für die Zukunft wünschen. Durch gegenseitiges Kennenlernen, vor allem mittels Kunst und Kultur, sollen Brücken über Vorurteile und Stereotype geschlagen werden. Denn was haben der Sänger Saban Bajramovic, die Songwriterin Marianne Rosenberg und Paul Hartmut Würdig (alias "Sido") gemeinsam …?

Madhouse München

Madhouse ist eine gemeinnützige GmbH, die als Vermittler zwischen Roma, Sinti und der Mehrheitsgesellschaft dient. Sie initiiert Kultur- und Fortbildungsveranstaltungen und bietet Fachberatungen für Schulen, Bezirkssozialarbeit und weiteren Erziehungshilfeträgern an.

Rom e.V. Köln

Seit 1986 setzt sich Rom e.V. Köln für die Menschen- und Bürgerrechte von Sinti und Roma ein. Hier wird Beratung in allen Sozial- und Aufenthaltsfragen angeboten und bei Fragen zu Familienarbeit geholfen. Darüber hinaus gibt es eine ganztägige Vorbereitungsschule für Roma-Kinder, einen Kindergarten sowie verschiedene Freizeitaktivitäten im Bereich Sport, Musik und Kunst. Angegliedert ist auch ein Dokumentationszentrum mit Bibliothek und Archiv, in dem Kulturveranstaltungen zu Widerstand gegen Rassismus, individueller und struktureller Diskriminierung und vor allem gegen Abschiebungen stattfinden. Dort befinden sich auch annähernd 4.000 Bildpostkarten und Grafiken über Diskriminierungspraktiken der Mehrheitsgesellschaft. Im Projekt DigiRom, das durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung gefördert wird, kommt es nun zu einer systematischen Erforschung des Archivmaterials.

Snetberger Center

Der aus Ungarn stammende Gitarrist und Komponist Ferenc Snetberger ist Träger des ungarischen Verdienstordens sowie des Franz-Liszt-Preis. 2021 erhielt er das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland. Darüber hinaus betreibt der Musiker das Snetberger Center, das sich um die musikalische Ausbildung ungarischer Roma-Kindern aus sozial benachteiligten Familien kümmert. Bisher haben 300 Studierende das Musik-Projekt abgeschlossen, von denen sich 60 an Gesangsschulen oder Hochschulen für Musik einschrieben. Aktuell sind die Studierenden in 53 Jazz- oder klassischen Ensembles organisiert.

Jugend-Netzwerk TernYpe

Das Jugend-Netzwerk TernYpe vereinigt junge Sinti und Roma aus Deutschland, Spanien, Italien, Polen, Ungarn, der Slowakei, Mazedonien, Bulgarien und Albanien. Ziel ist, dass junge Roma als europäische Bürger*innen ihr Umfeld zu einer inklusiven Gesellschaft umgestalten können. Sie kämpfen gegen Diskriminierung und Ausgrenzung, indem sie gegen Vorurteile und Stereotype angehen. Aufgabe ist, Vertrauen und Respekt für eine vielfältige Gesellschaft zu schaffen. Dafür werden Trainingskurse, Aktionen und Auftritte sowie internationale Konferenzen und Diskussionen angeboten.

Minderheitenrat

Der Minderheitenrat ist die Vertretung der vier autochthonen nationalen Minderheiten und Volksgruppen Deutschlands. Neben den deutschen Sinti und Roma gehören die Lausitzer Sorben, die Friesen sowie die Dänen in Südschleswig zu dem Gremium. Aufgaben sind politische Vertretung der Gruppierungen, Öffentlichkeitsarbeit und Beratung.

Europäischer Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma

Der Europäische Bürgerrechtspreis der Sinti und Roma dient als ein Signal an Politik, Medien und Gesellschaft gegen tief verwurzelte Klischees und Vorurteilsstrukturen vorzugehen. Ziel ist die Überwindung alltäglicher Ausgrenzung der Minderheit. Mit dem Preis werden Einzelpersonen, Gruppen oder Institutionen der Mehrheitsbevölkerung ausgezeichnet, die sich in vorbildlicher Weise für eine Verbesserung der Menschenrechtssituation der Sinti und Roma eingesetzt haben.

Der Bürgerrechtspreis wird alle zwei Jahre vergeben. 2019 wurde er dem ehemaligen Staatspräsidenten der Slowakischen Republik, Andrej Kiska, verliehen. Der Sonderpreis ging an Piotr Cywiński, Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau.

Themenseite Sinti & Roma

Das Thema "Sinti & Roma" gehört zu den Schwerpunkten von Sonntagsblatt.de. Auf unserer Themenseite findet Ihr Artikel, Hintergrundinformationen, Videos, Interviews und viele Tipps und Empfehlungen. Hier geht es zum Dossier "Sinti & Roma".

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