Die Modeschneider*innen des Beruflichen Schulzentrums in Schweinfurt haben mit einem „Konsumplaner“ einen Preis gewonnen. Die Klasse gewann mit ihrem Projekt beim Schulwettbewerb zur Entwicklungspolitik bundesweit den 4. Platz und bekam noch ein Preisgeld von 500 Euro für den Landessieg. Religionspädagogin Renate Käser hat das Projekt begleitet. 

Rieke Harmsen: Sie unterrichten an einer Berufsschule und haben im vergangenen Schuljahr mit den Maß- und Modeschneider*innen an der Alfons-Goppel-Berufsschule in Schweinfurt einen Konsumplaner entwickelt. Wie kam es dazu?

Renate Käser: Ich arbeite als kirchliche Religionspädagogin an einer staatlichen Berufsschule. Den Konsumplaner haben die Schülerinnen und Schüler entwickelt. Ich hatte zuvor gelernt, wie man Projekte möglichst schülergesteuert organisiert. Ich gebe den inhaltlichen Input, und die Schülerinnen und Schüler überlegen, wie sie das Thema in einem Projekt umsetzen.

Wie sah die Projektarbeit konkret aus und was ist dieser Konsumplaner?

Renate Käser: Die Schülerinnen der Fachrichtungen Textilhandwerk und Textilindustrie wollten eine Art App entwickeln. Sie haben viele Fragen erarbeitet, die dabei helfen sollen, den eigenen Kleiderkonsum zu hinterfragen. Zum Beispiel: Ziehe ich dieses Kleidungsstück oft an? Passt es zu meinen anderen Sachen? Oder, wenn ich einkaufen bin: Habe ich so etwas schon? Brauche ich das wirklich? Je nach Antwort gibt es entsprechende Empfehlungen.

Und woher hatten Sie Ihr Wissen zu Konsum?

Renate Käser: Wichtig ist dazu der Beitrag von Mission EineWelt. Von dort erhalten wir viele Materialien und fachliche Impulse. Außerdem zeigt das Projekt, wie wertvoll gute Netzwerke sind. Durch die Zusammenarbeit verschiedener Partner konnten wir die Idee der Schülerinnen und Schüler erfolgreich umsetzen und vielen Menschen zugänglich machen.

Wie wurde das technisch umgesetzt?

Renate Käser: Das war tatsächlich eine Herausforderung. Eine Schülerin hatte zunächst eine App gefunden, mit der sich die Fragen umsetzen ließen. Allerdings konnte am Ende nur sie selbst darauf zugreifen. Deshalb haben wir nach einer anderen Lösung gesucht. Mit Unterstützung der E-Learning-Stelle der bayerischen Landeskirche haben wir dann das Projekt für Mebis umgesetzt, das ist die Plattform, die alle Schulen nutzen können. In einem weiteren Schritt haben wir dann dafür gesorgt, dass der Konsumplaner auf einer offenen Plattform steht und über einen QR-Code von allen Menschen genutzt werden kann.

Wie haben die Schülerinnen und Schüler auf die Auszeichnung reagiert?

Renate Käser: Sie waren natürlich sehr stolz. In der Pädagogik spricht man davon, dass sie Selbstwirksamkeit erfahren haben. Die Schülerinnen und Schüler haben erlebt, dass ihre Arbeit wahrgenommen und anerkannt wird. Gleichzeitig wollten sie mit dem Projekt einen Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten. Gerade in der Textilbranche beschäftigen sich viele mit Themen wie problematischen Produktionsbedingungen oder der Wegwerfmentalität bei Kleidung. Deshalb überlegen sie, wie sie zu Veränderungen beitragen können.

Glauben Sie und die Schüler*innen, dass digitale Hilfsmittel das Konsumverhalten verändern können?

Renate Käser: Beides war uns wichtig: Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Konsumverhalten und die Wirkung nach außen. Der Konsumplaner ist an unserer Schule auch in weitere Nachhaltigkeitsprojekte eingebunden. So organisieren wir regelmäßig Kleidertauschpartys. Dort passt der Konsumplaner gut ins Konzept, weil er dazu anregt, den eigenen Bedarf zu hinterfragen. Wir erleben dabei durchaus, dass sich Einstellungen verändern.

Wenn Sie selbst vor einer Kaufentscheidung stehen: Welche Kriterien sind für Sie am wichtigsten?

Renate Käser: Für mich sind Qualität und die Herkunft eines Produkts wichtig. Natürlich soll Kleidung auch gefallen. Billigkleidung, bei der ich schon am Preis erkenne, dass die Herstellungsbedingungen möglicherweise problematisch sind, kaufe ich nicht. Durch die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern schaue ich heute insgesamt deutlich genauer hin.