"Warum gibt es eigentlich evangelisch und katholisch?" Kinder stellen solche Fragen ohne Umschweife. Im Sonntagsblatt-Podcast "Yascha fragt" tut das Yascha, der dem evangelischen Pfarrer Hannes Schott Fragen zu Gott, Glauben und Kirche stellt. Auch Erwachsene geraten bei dieser Frage, warum es zwei Konfessionen gibt, schneller ins Grübeln als die Kinder, die sie stellen.

Genau hier setzt der konfessionell-kooperative Religionsunterricht an: Er will Unterschiede nicht abschaffen, sondern gemeinsam entdecken. Wie das aussehen kann, wird am Freitag, 23. Oktober 2026, in Gars am Inn sichtbar – und hörbar. Am dortigen gastgebenden Gymnasium kommen Menschen zusammen, die diesen Unterricht gestalten und weiterentwickeln, unter dem Motto "Hand in Hand miteinand‘". Eingeladen haben das Institut für Religionspädagogik und Lehrkräftefortbildung (IRL) in Bayern, das Landeskirchenamt der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und die Community "Kilometer 10".

Zwei Kürzel, ein gemeinsamer Gedanke

RUmeK und KoRUk klingen zuerst einmal nach Amtsdeutsch. Hinter diesen Begriffen verbergen sich zwei Wege, wie evangelische und katholische Kinder in Bayern an Grund- und Mittelschulen gemeinsam Religion lernen können.

RUmeK – "Religionsunterricht mit erweiterter Kooperation" – wurde seit dem Schuljahr 2019/2020 an Grund- und Mittelschulen erprobt und gilt seit 2025/2026 dauerhaft. Gedacht ist er für Schulen, an denen für eine Konfession zu wenige Kinder da sind, um eine eigene Lerngruppe zu bilden. Dann wird wird Unterricht gemeinsam organisiert: nach dem Lehrplan der Mehrheitskonfession und von einer Lehrkraft, die dieser Konfession angehört.

KoRUk – "Konfessioneller Religionsunterricht kooperativ" – ist jünger. Das Modell startete zum Schuljahr 2024/2025 und wird bislang in den Jahrgangsstufen 1 und 2 der Grundschule erprobt, zunächst bis einschließlich 2027/2028. Evangelische und katholische Kinder lernen dabei zusammen; unterrichtet werden sie von einer evangelischen oder einer katholischen Lehrkraft.

Beide Modelle wollen konfessionelle Unterschiede ausdrücklich nicht verwischen. Die Profile sollen erkennbar bleiben, während die Kinder lernen, andere Perspektiven wahrzunehmen. In der Pressemappe zur Veranstaltung heißt es: "Konfessionell-kooperativer Religionsunterricht zeigt, dass Unterschiede nicht trennen müssen. Kinder und Jugendliche lernen gemeinsam, ihre eigene Perspektive zu verstehen und zugleich die der anderen wahrzunehmen."

Ein Lied als Bild für Zusammenarbeit

Dass das nicht nur Theorie bleibt, soll das Herzstück der Veranstaltung zeigen: Gemeinsam mit dem Kinderlieder-Duo Sternschnuppe bringen Schülerinnen und Schüler der Grundschule Inning am Holz und des Gymnasiums Gars das Lied "Hand in Hand miteinand‘" auf die Bühne. Später sind auch die Gäste zum Mitsingen eingeladen.

Das Lied ist älter als die beiden Unterrichtsmodelle. Margit Sarholz und Werner Meier von Sternschnuppe komponierten und produzierten "Hand in Hand" 2015 im Auftrag der Bayerischen Landeskoordinierungsstelle Musik für den Aktionstag Musik in Bayern. Es geht um Freundschaft, Solidarität und Zusammenhalt. Für den konfessionell-kooperativen Religionsunterricht dichtete das Duo zwei zusätzliche Strophen – so entstand das Mottolied "Hand in Hand miteinand‘".

Nicht weniger Profil, sondern mehr Perspektiven

Schulen und Lehrkräfte finden Unterstützung unter anderem bei "Kilometer 10". Die digitale Community verantworten die Landeskirche und das IRL gemeinsam. Seit dem Advent 2024 bietet sie Materialien, Unterrichtsimpulse und Hintergrundinformationen zu RUmeK und KoRUk an, darunter Startermaterialien für konfessionssensibles Unterrichten – und das Mottolied.

Dahinter steht eine grundsätzliche Frage: Wie viel Trennung braucht konfessioneller Religionsunterricht noch, wenn Kinder ohnehin gemeinsam zur Schule gehen und Freundschaften über Konfessionsgrenzen hinweg selbstverständlich sind? Die bayerischen Modelle antworten darauf nicht mit einem vollständig gemeinsamen Unterricht. Sie ermöglichen Kooperation, ohne dass evangelische und katholische Sichtweisen ineinander aufgehen. Das klingt nach einer typisch kirchlichen Balanceübung. Im Klassenzimmer wird daraus etwas sehr Konkretes: Kinder erfahren nicht nur, was sie selbst glauben könnten, sondern auch, warum andere dieselben Fragen anders beantworten.

Dalí und die Frage nach dem Blickwinkel

Wie unterschiedlich man auf dieselbe Sache schauen kann, greift auch die Ausstellung zur Veranstaltung auf. Im Pfarrheim Gars sind vom 18. bis 30. Oktober unter dem Titel "DALÍ in GARS – Bilder der Biblia Sacra" 30 Original-Lithografien aus Salvador Dalís Bilderzyklus "Biblia Sacra" zu sehen. Eröffnet wird die Schau am 18. Oktober mit einem Vortrag des Theologen und Dalí-Experten Dr. Herbert Specht, Pfarrer i. R. Am 23. Oktober lädt er ab 13 Uhr zum Kunstgespräch ein.

So endet die ZUsammenKUNFT dort, wo guter Religionsunterricht beginnen kann: nicht bei einer fertigen Antwort, sondern beim genauen Hinschauen. Menschen lesen dieselben biblischen Geschichten unterschiedlich, bringen eigene Erfahrungen mit, setzen andere Schwerpunkte und stellen andere Fragen.