Pfarrer Roland Sievers, Evangelische Christuskirche Oberstdorf, erzählt, wie er Frauen unterstützt, die eine Mutter-Kind-Kur oder Mütterkur in Oberstdorf machen. Die Klinik Hohes Licht ist eine der 74 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken für Mutterkuren und Mutter-Vater-Kind-Kurmaßnahmen in Deutschland. Jährlich kommen rund 800 Frauen hierher.

Pfarrer Roland Sievers: "Frauen erzählen, sie haben immer nur funktioniert"

"Als Seelsorger bekomme ich viel mit von den Belastungen und Problemen der Frauen. Ich spreche mit Frauen, die sich fragen, wo sie eigentlich geblieben sind mit Haushalt und Kindern. Eine Frau erzählte mir, sie habe zehn Jahre lang ihr Leben nach ihrem Mann ausgerichtet. Ihrem Mann zuliebe sei sie in dessen Heimat gezogen, obwohl sie nicht gut mit den Schwiegereltern auskam. Sie habe immer nur funktioniert und nie getan, was ihr selbst Freude bereite. Erst in der Kur habe sie wieder spüren gelernt, was dem eigenen Körper und dem Ich gut tue.

Viele Frauen kommen zu mir, weil sie etwas bedrückt. Hier sind sie weit weg von zu Hause und vertrauen sich eher einer fremden Person an. In vielen seelsorgerlichen Gesprächen geht es um das Gefühl von Schuld. Manche Frauen fühlen sich schuldig, weil sie ihre Angehörigen nicht pflegen oder ihre Kinder nicht richtig lieben können – oder weil eines der Kinder Suizid begangen hat. Andere Frauen kommen zur Beichte und erzählen von bedrückenden Erlebnissen.

Wir Pfarrer aus Oberstdorf arbeiten eng mit der Klinik Hohes Licht zusammen. Die Frauen, die zur Kur kommen, erhalten zur Begrüßung einen Flyer, in dem wir die Angebote der Kurseelsorge erklären. An einem der ersten Abende organisieren wir eine nächtliche Laternenwanderung. Das ist eine gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen, denn beim Laufen können viele Dinge einfacher ausgesprochen werden als am hellichten Tag in einem Seminarraum. Bei der Laternenwanderung halte ich oft eine kleine Andacht – mal geht es um die Sternstunden des eigenen Lebens, oder aber um die Geburt der Kinder oder das Gefühl von Geborgenheit und Schutz. Anschließend stimmen wir gemeinsam ein Lied an."

Pfarrerin Daniela Ditz-Sievers: "Wir singen Lieder, die Kraft geben"

"Besonders gerne kommen die Frauen zum Singen. Etwa 90 Minuten singen wir Lieder, die einfach eingeübt werden können. Wir arbeiten ohne Noten und Blätter, oft tanzen wir dazu oder machen Gebärden. Das hat etwas sehr Meditatives. Es gibt Lieder, die Kraft geben, aber auch Lieder, bei denen wir den anderen Menschen in die Augen schauen oder sie berühren. Ganz oft fließen dann Tränen. Denn die Musik berührt uns Menschen unmittelbar und trifft unsere Emotionen.

Zum Abschluss der Kur bieten wir einen Segnungs-Gottesdienst an. Bei diesem Gottesdienst legen wir den Frauen die Hände auf die Schultern und sprechen einen Segen. Die Frauen, die rechts und links stehen, legen der gesegneten Frau ebenfalls die Hand auf die Schulter. Zum Abschluss zeichnen wir ein Kreuz auf die Stirne.

Der Segen gibt vielen Frauen das Gefühl, sich aufgehoben zu fühlen und gewappnet zu sein für schwierige Zeiten. Er bildet den Abschluss einer Zeit, in der die Frauen gefühlt haben, wie es ist, sich an einen gedeckten Tisch zu setzen und mal nicht funktionieren zu müssen.

Die seelsorgerlichen Angebote runden die Kur ab. Sie bieten Stärkung und Unterstützung. Oft sind die Frauen ganz erstaunt, wenn der Ehemann sie am letzten Tag abholt und der Alltag wieder beginnt. "

Mutter-Kind-Kur in der Klinik Hohes Licht

Erfahrungsberichte von Frauen

Ingeborg, 70 Jahre alt, 3 Kinder: „Mein Mann muss gepflegt werden. Das kostet mich viel Kraft. Ich bin zu Hause in ein tiefes Loch gefallen. Hier war das Paradies. Ich konnte mich an einen gedeckten Tisch setzen. Jetzt kann ich wieder gerade stehen. Ich habe mir einen großen Zettel geschrieben mit vielen Anregungen, die ich von hier mitnehme.“ Die ganze Geschichte von Ingeborg in diesem Artikel.

L., 44 Jahre, 2 Kinder: "Die Stille hier ist wie ein Segen. Ich habe in der Kur eine große Distanz zum Alltag gewonnen. Das gibt mir Kraft." Lesen Sie die Geschichte von L.

Karin, 48 Jahre, ein Kind: "Mein Kind braucht 24 Stunden am Tag Unterstützung. Vor lauter Arbeit hat es mich zu Hause nicht mehr gegeben. Hier musste ich zum ersten Mal nicht funktionieren. Ich habe gelernt, dass ich nicht alles selbst regeln muss. Es gibt einen Weg aus der Erschöpfungsspirale." Lesen Sie hier die Geschichte von Karin.

 

Mutter-Kind-Kur & Mütterkur in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf

Die Klinik Hohes Licht ist eine der 74 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken für Mutterkuren und Mutter-Vater-Kind-Kurmaßnahmen in Deutschland. Jährlich kommen rund 800 Frauen hierher – von der 28-jährigen Mutter bis hin zur 83-Jährigen, die einen Angehörigen pflegt. Manche sind verheiratet, alle haben Kinder, oft zwei oder mehr, pflegen Kinder oder Erwachsene Angehörige oder sind alleinerziehend. Lesen Sie, welche Unterstützung Frauen in der Klinik Hohes Licht bekommen.