Der ehemalige Präsident des Diakonischen Werks Bayern, Michael Bammessel, ist entsetzt, dass heute Machthaber verschiedener Länder offen mit dem Einsatz von Atomwaffen drohen. In einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd) aus Anlass des 80. Jahrestags des Abwurfs der Atombombe über Hiroshima (6. August) sagte Bammessel:
"umso wichtiger ist es, an die schrecklichen Folgen des ersten Atombombenabwurfs in Hiroshima zu erinnern".
Ginkgo aus Hiroshima: Zeichen der Hoffnung in Nürnberg
Bammessel hat aus dem Samen eines "überlebenden" Ginkgobaums aus Hiroshima einen Baum gezogen. Der ist nun etwa zwei Meter hoch und soll am Mittwoch auf einer der begrünten Terrassen an der Friedenskirche in Nürnberg einen neuen Standort bekommen. Der Samen sei dem Rotary-Club Nürnberg-Reichswald, dem Bammessel angehört, von Überlebenden der damaligen Katastrophe bei einer internationalen Konferenz in Toronto 2018 übergeben worden, berichtete der Pfarrer.
"Ihre eindringliche Friedensmahnung kann uns nicht kaltlassen."
"Frieden ist ein zartes Pflänzchen": Symbolkraft des Ginkgos
Sieben Jahre lang hat er sich um die Aufzucht des langsam wachsenden, besonderen Ginkgobäumchens gekümmert. Ein Ginkgo, der nahe dem Explosionszentrum der Hiroshima-Bombe stand, in Brand geriet, aber im Jahr darauf wieder neu austrieb, hat den Samen geliefert, wie Bammessel erklärt.
In den ersten Jahren habe er um den Spross gerade im Winter immer wieder gebangt, erzählt er.
"Frieden zwischen den Nationen ist keine Selbstverständlichkeit, er ist ein zartes Pflänzchen und braucht Pflege - so wie dieses Bäumchen in den ersten Wintern."
Gedenkfeier in Nürnberg: Friedensglocke und Pflanzzeremonie
Bei der öffentlichen Pflanzaktion würden unter anderem der evangelische Pfarrer der Johanniskirche, Ulrich Willmer, und Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König (CSU) sprechen, sagte Bammessel. Der Festakt beginnt um 12 Uhr mit dem Läuten der Friedensglocke, die mit über 8.000 Kilogramm die schwerste Glocke in einer evangelischen Kirche in Bayern ist. Der Rotary-Club Nürnberg Reichswald setzt einen Stein neben den Baum, auf dem unter anderem steht: "Als Mahnung zum Frieden am 6. August 2025 gepflanzt".
Als überlebende sogenannte "Hibakusha-Bäume" bezeichnet man die 170 Bäume, die nach dem Atombombenangriff 1945 im folgenden Jahr wieder austrieben. Unter ihnen sind Kampferbäume, Ginkgos, Trauerweiden oder Oleanderbäume. Ihre Nachkommen wurden in zahlreichen Städten auf der Welt als Friedenssymbole gepflanzt.
Historische Verantwortung: Die verheerenden Folgen der Atombombe
US-Präsident Harry Truman hatte im Juli 1945 angeordnet, die Massenvernichtungswaffe einzusetzen. Nach dem Abwurf der Atombombe über Hiroshima waren Zehntausende Menschen sofort tot. Sie starben in den Trümmern zusammenstürzender Gebäude oder verbrannten in Sekundenschnelle im Feuerball, der noch am Boden Temperaturen von 6.000 Grad Celsius erreichte.
80 Prozent der überwiegend aus Holz gebauten Häuser Hiroshimas waren zerstört, der Atompilz stieg 13 Kilometer hoch in die Atmosphäre. Nach einigen Tagen begannen die Menschen unter der Strahlenkrankheit zu leiden. In den Wochen und Monaten nach dem Angriff starben qualvoll noch einmal 70.000 bis 100.000 Menschen.