Kirchliche Nächstenliebe
Diakonie - diesen Begriff hat wahrscheinlich jeder schonmal gehört, sei es im Zusammenhang mit Kindergärten, Altenheimen oder Flüchtlingsprojekten. Aber was bedeutet eigentlich Diakonie? Und was ist der Zusammenhang mit Kirche?
Wie Diakonie und Kirche zusammenwirken können, erklärt Oberkirchenrat Detlev Bierbaum.

Diakonie kommt vom altgriechischen Wort diakonía, das "Dienst" bedeutet. Gemeint sind alle Aspekte des Dienstes am Nächsten. Heute ist die Diakonie der soziale Dienst der evangelischen Kirchen und gehört zu den großen Wohlfahrtsverbänden in Deutschland mit über 460.000 hauptamtlich Beschäftigten. Beim Diakonischen Werk Bayern arbeiten zurzeit etwa 89.000 Mitarbeiter.

"Kirche und Diakonie sind zwei verschiedene Säulen mit den gleichen Wurzeln. Das soziale Engagement und die Nächstenliebe sind das Erbgut des christlichen Glaubens und werden von der Diakonie vertreten", sagt Pfarrer Michael Bammessel, Präsident der Diakonie in Bayern.

Die Hauptarbeitsfelder der Diakonie sind die Kinder- und Jugendhilfe und die Altenhilfe.

In Bayreuth kümmert sich zum Beispiel die Dr.-Kurt-Blaser-Schule im Heilpädagogischen Zentrum der Diakonie Bayreuth um Kinder mit besonderem Förderbedarf - wie die kleine Mia, die das Down-Syndrom hat. Die Diakonie Neuendettelsau, der größte diakonische Träger in Bayern, bietet Auszeit-Seminare für Menschen, die sich selbst um ihre Angehörigen kümmern. Ein Projekt für jedes Alter ist das Mehrgenerationenhaus in Schwebheim im Dekanatsbezirk Schweinfurt. Die Besonderheit: Es ist eins der wenigen Häuser, das Flüchtlinge integrieren will.

Auch die Kranken- und Behindertenhilfe sind wichtige Tätigkeitsfelder der Diakonie. Sie bietet Beratung für Menschen mit psychischen Handicaps, Zuverdienst-Arbeitsplätze oder Englischunterricht - alles mit dem Ziel, allen Menschen die gleiche Achtung und Wertschätzung entgegen zu bringen. Auch für Menschen, die Schwierigkeiten haben, einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt zu bekommen, hat die Diakonie viele Angebote - zum Beispiel im Diakoniedorf Herzogsägmühle oder bei der Münchner diakonia.

Rechtlich sind Diakonie und Kirche zwei völlig getrennte Organisationen, da die Diakonie privatrechtlich, die Kirche öffentlich-rechtlich organisiert ist.

Bisher galt, dass die Mitarbeiter in verantwortlicher Position auch Mitglied einer Kirche sein mussten. In Bayern ändert sich das nun: Künftig kann es im Bereich von Kirche und Diakonie auch muslimische Erzieherinnen oder nicht christliche Altenpfleger geben. Grund zur Freude haben alle Angestellten der Diakonie in Bayern was die Bezahlung angeht: Die Vergütung steigt ab 1. Januar 2018 um mindestens 2,1 Prozent.

Und nicht zuletzt ist die diakonische Arbeit in Deutschland auch ein Vorbild für andere Länder. So lebt der südkoreanische Pfarrer Dong Jin Kim schon seit eineinhalb Jahren mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern in Deutschland, um mehr über die praktische Diakoniearbeit zu lernen. Sein Ziel: Nach der Rückkehr in seine Heimat will er ein kirchliches Altenheim aufbauen. Sein Traum wäre es, damit den Grundstein für ein großes Diakoniewerk wie in Neuendettelsau zu legen.

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