22.02.2017
Synode

Synodalpräsidentin Preidel im Interview

Wie soll die Kirche der Zukunft aussehen? Kann im ländlichen Raum alles beim Alten bleiben? Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel spricht über ihre Visionen.
Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel.
Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel.

Frau Preidel, die Landessynode diskutiert über »Kirche im ländlichen Raum«. Worum geht's?

Preidel: Wie die Kirche der Zukunft aussehen kann, ist das große Thema, das über der gesamten Synodalperiode steht. Wir wollen auf die sich verändernden Rahmenbedingungen in Kirche und Gesellschaft blicken und daraus Strategien für unser Handeln ableiten. Wie kann unsere Kirche ihre Strahlkraft behalten und verstärken? Wie können wir für die Kommunikation des Evangeliums sorgen? Wie kann die Kirche Jesu Christi eine echte Alternative sein und bleiben? Wie können wir unser Profil schärfen und das Netzwerk der Kirchengemeinden effizient organisieren?

Manche Pfarrstellen auf dem Land sind jahrelang unbesetzt. Wie kann man bei Theologen die Landlust fördern?

Preidel: Ich möchte es weiter fassen: Wie kann man überhaupt den kirchlichen Berufsgruppen das Land schmackhaft machen? Einerseits durch Motivationsanreize. Auch in der Ausbildung sollte auf die attraktiven Seiten der Landgemeinden aufmerksam gemacht werden. Pfarrer, die selbst auf dem Land tätig sind, könnten im Predigerseminar von den positiven Seiten ihrer Arbeit berichten.

Ein Lieblingsbild der Menschen ist das vom »Licht im Pfarrhaus«, das nicht ausgehen dürfe.

Preidel: Dem Wandel der Rahmenbedingungen stehen gleichbleibende Bilder von Kirche und kirchlichem Handeln gegenüber - und manchmal auch entgegen. Eines dieser Bilder ist »Licht im Pfarrhaus«, das nicht ausgehen darf. Ich halte es für wichtiger, dass das Licht in der Kirche nicht ausgeht. Es gibt keine gleichlautenden Lösungen für alle ländlichen Räume - denn die sind viel zu unterschiedlich. Für die Ausstattung der Gemeinden bedeutet dies, dass die Formel für die Schlüsselzuweisung neben einem Faktor, der struktur- und entwicklungsschwachen Räumen Rechnung trägt, auch qualitative Kriterien berücksichtigen muss.

Die zweite Hauptklage der Gemeinden lautet: Bürokratie hemmt unsere Kreativität.

Preidel: Wenn wir mit der Bürokratie als bremsendem Gegenüber rechnen, engen wir unseren Blick und unsere Spielräume von vornherein ein. Wir benötigen Weitblick. Derzeit wird die Reform der Verwaltung vorangebracht. Den Verwaltungsdienstleistungen für Kirchengemeinden gilt ein besonderes Augenmerk. Wir brauchen den Mut, ausgetretene Pfade zu verlassen und neue Wege zu gehen. Wichtig erscheint mir in diesem Zusammenhang der Prozess »Profil und Konzentration«: Hier wird gefragt, was wir getrost loslassen können, wo wir Schwerpunkte setzen wollen und wo wir unser Profil schärfen können.

Was erhoffen Sie sich von der anstehenden Synodaltagung?

Preidel: Neben dem Rückgang der Mitgliederzahlen verändern sich auch die Formen der Bindung an die Kirche. Und: Wir stehen vor einer großen Pensionierungswelle der Pfarrerinnen und Pfarrer. Damit müssen wir umgehen. So wie wir vor einem Jahr den demografischen Wandel thematisch ins Zentrum gestellt haben, wollen wir nun auf die ländlichen Räume schauen. Wir wollen sehen, was dort gut gelingt. Und wir wollen sehen, wo es Probleme gibt. Ich bin mir sicher, dass wir von den ländlichen Räumen lernen können. Mit dem besonderen Format des Dienstagsmarkts am Thementag der Synode, bei dem sich die Akteure im ländlichen Raum vorstellen, eröffnen wir ein Forum für den Austausch.

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