Mädchen und Frauen haben in allen Epochen die Gesellschaft geprägt. Manche haben mit ihrem Engagement Weltruhm erlangt, andere sind weitgehend unbekannt geblieben. Die Leihausstellung "Rebellinnen – Frauen verändern die Welt" stellt Frauen aus dem deutschsprachigen Raum vor, die für ihre Rechte und Überzeugungen kämpften. Ab dem Weltfrauentag am 8. März bis zum 31. März ist die Ausstellung in Schaufenstern sowie im Maximilian-Kolbe-Haus in Memmingen zu sehen.

Bei ihrem Besuch der Schau hat sich Bayerns Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ausgesprochen. Dafür brauche es gerade für Frauen starke Vorbilder, die ihr Leben in die Hand nehmen, etwas verändern und bestehende Strukturen hinterfragen, sagte sie.

Frauen und Mädchen müssten sichtbarer werden, betonte Scharf. Allzu oft veränderten sie die Welt im Verborgenen. "Sie lassen sich nicht von gesellschaftlichen Erwartungen leiten, sondern setzen sich selbstbewusst und mutig für ihre Ziele ein." Solche Vorbilder würden in der vom Evangelischen Presseverband für Bayern (EPV) entwickelten Schau "Rebellinnen" porträtiert.

Sozialministerin Ulrike Scharf in der Ausstellung Rebellinnen in Memmingen
Die bayerische Sozialministerin Ulrike Scharf (CSU) in der Ausstellung "Rebellinnen" in Memmingen

Was ist für Sie eine Rebellin, Frau Dekanin Schieder?
Eine Rebellin ist eine Frau, die es wagt, die vorhandenen Bilder im Kopf zu hinterfragen, auch die Bilder, die eine Gesellschaft prägen. Und da zu sagen: Wir entwickeln neue Gedanken, wir gehen in neue Richtungen, neue Wege entwickeln neues Rollendenken und neue Rollenbilder.

Claudia Schieder, Dekanin des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Memmingen

Was ist für Sie das Besondere an der Ausstellung "Rebellinnen", Herr Trieb?
Mir gefällt, dass man sich Vorbilder herauspicken und die Lebenslinien einzelner Frauen nachzeichnen kann.

Michael Trieb, Leiter der Volkshochschule Memmingen

Was macht eine Rebellin aus?

"Unseren Begriff von Rebellentum haben wir in der Ausstellung sehr weit gefasst, und das mit Absicht", erklärt die Kuratorin der Ausstellung, Rieke Harmsen. Dem Duden zufolge sei eine Rebellin eine weibliche Person, die sich an einem Aufstand beteiligt, die aufbegehrt und sich widersetzt. Als Synonym nenne das Wörterbuch die Begriffe "Aufständische" oder "Aufrührerin". Auch die Herkunft des Wortes "Rebellin" habe keinen friedlichen Hintergrund: So steht der lateinische Begriff "bellum" für Krieg.

"Unser Ansinnen ist alles andere als kriegerisch zu verstehen, auch wenn es viele mit unserer Ausstellung verwandte Themen gibt, die derzeit bisweilen hitzig diskutiert werden - vom Genderstern und einer geschlechtergerechten Sprache über Mansplaining bis hin zur gläsernen Decke oder der Meetoo-Debatte."

Die Ausstellungstafeln seien ein Angebot, sich mit den Biografien verschiedener Frauen zu beschäftigen. Ein QR-Code auf jeder Tafel führe zu einer Webseite mit weiterführenden Informationen. So werde die Ausstellung im digitalen Raum erweitert.

Ein weiterer Clou: Auf ihrer Wanderschaft durch Deutschland soll die Ausstellung bei jeder Station um ein Frauenporträt erweitert werden. "In Memmingen ist die frühere Gleichstellungsbeauftragte Sigrid Baur hinzugekommen, die unter anderem die Frauengeschichtswerkstatt mit ins Leben gerufen hat", so Harmsen. Weitere Frauen, die zur Ausstellung passen, könnten Ausstellungsbesucherinnen und -besucher an eine Mitmachtafel am Ende der Ausstellung pinnen oder sich direkt per Mail an das Redaktionsteam wenden.

"Rebellinnen" präsentiert Frauen aus verschiedenen Jahrhunderten

Vorgestellt werden bei der Eröffnung der Ausstellung 29 Frauen. Unter ihnen sind etwa die Widerstandskämpferin Sophie Scholl, die Reformatorin Argula von Grumbach, die Politikerin Elisabeth Schwarzhaupt, die Schauspielerin Marlene Dietrich, die Sozialarbeiterin Liselotte Nold, die Verlegerin Aenne Burda oder die Publizistin Wibke Bruhns. Sie alle verbindet ihr Einsatz für einen Sinneswandel in Gesellschaft und Politik.

Rebellinnen Ausstellungstafeln in Schaufenstern in Memmingen
Die Volkshochschule Memmingen zeigt bis Ende März 2022 die Ausstellung "Rebellinnen" an vielen Orten der Stadt.

Was erwartet die Gäste der "Rebellinnen"-Ausstellung, Herr Oberbürgermeister Schilder?
Sie treffen auf eine bunte Vielfalt an sehr starken Frauen. Frauen, die sich an verschiedenen Stellen engagiert haben, für das Thema Gleichstellung eingetreten sind oder immer noch eintreten. Gerade heute, bedingt durch die Corona-Pandemie und durch den Ukraine-Krieg, bekommt auch nochmal eine besondere Bedeutung, wie wir mit Freiheit umgehen. Und wie Frauen für ihr Recht auf Freiheit kämpfen.

Manfred Schilder, Oberbürgermeister von Memmingen

Das Sonntagsblatt ist Medienpartner

Die Ausstellung wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern. Weitere Förderer und Förderinnen sind die Rosa-Luxemburg-Stiftung Bayern, die Elisabeth-Schwarzhaupt-Stiftung, der Konvent Evangelischer Theologinnen in Deutschland sowie die Druckerei Pigture. Medienpartner ist das Sonntagsblatt.