27.08.2019
Krebsprävention

Brustkrebsvorsorge mit Sehbehinderten in Nürnberg

Jedes Jahr erkranken in Deutschland 70.000 Frauen an Brustkrebs. Bei 18.000 verläuft die Krankheit tödlich. Das Startup-Unternehmen missionMED aus Erlangen hat nun in Nürnberg das Pilotprojekt "Brustkrebsvorsorge: Anleitung zur taktilen Selbstuntersuchung" gestartet. Dabei sollen Frauen lernen, durch eine monatliche Untersuchung ihrer Brust kleinste Veränderung wahrzunehmen.
Brust Krebs Untersuchung Tasten Frau krank gesund

Das Projekt geht bis zum 6. September. Bis dahin können sich Frauen zum Erlernen der taktilen Selbstuntersuchung anmelden.

Man wolle die Aktion in Deutschland flächendeckend einführen, sagte Sprecherin Simone Duve.  Bislang gehen die meisten Frauen zur Tastuntersuchung einmal im Jahr zum Gynäkologen. Diese Untersuchung sei aber nicht so effektiv, wie eine Untersuchung durch eine medizinisch taktile Untersucherin (MTU), sagte Danielle-Joelle Toussaint.

Toussaint, die als MTU am Projekt mitwirkt, ist hochgradig sehbehindert, so wie alle ihre Kolleginnen.

"Blinde und sehbehinderte Frauen verfügen über einen überlegenen Tastsinn", berichtete Toussaint.

Sie könnten kleinste Gewebeveränderungen in der weiblichen Brust erkennen und so einen wichtigen Beitrag zur Früherkennung von Brustkrebs leisten. Dabei gingen sie nach einer medizinisch anerkannten und wissenschaftlich abgesicherten Methode vor, mit der sie erwiesenermaßen noch kleinere Gewebeveränderungen als ein sehender Arzt erkennen könnten.

Zum Auftakt untersucht eine MTU eine Stunde lang die Brust der Frau. "Ich kann drei Millimeter große Knoten tasten", sagte Toussaint. Bei der Anleitung zur taktilen Selbstuntersuchung (ATU) lernen die Frauen im Anschluss an die Untersuchung, wie sie sich systematisch selbst untersuchen können. Ziel sei, dass die Frau "per Du mit ihrer Brust wird". "Wer selbst lernt, die Brust systematisch abzutasten, spürt schon früh Veränderungen im Gewebe", erklärt auch Pressesprecherin Duve. Dies könne lebensrettend sein, da nicht der Tumor lebensgefährlich sei, sondern eine Streuung im Körper.

Statistiken verdeutlichen, wie sinnvoll eine Selbstuntersuchung ist.

Nur rund 20 Prozent der Frauen, schätzt Toussaint, untersuchen ihre Brust regelmäßig selbst. Von 100 erkrankten Frauen haben 70 Prozent den Tumor selbst ertastet.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Bewusstsein für Minderheiten

Erfinder der ertastbaren Punktschrift ist der Franzose Louis Braille (1809-1852)
Bibeln oder Gesangbücher in besonders großer Schrift, eine Homepage, auf der man sich Texte vorlesen lassen kann, Helfer für den Gang zum wöchentlichen Gottesdienst: Kirchengemeinden müssen sich darauf einstellen, dass ein zunehmender Anteil ihrer Gemeindemitglieder nicht mehr gut sieht - und deswegen Hilfe nötig hat. Den wenigsten ist das allerdings bewusst.

Blindenhunde

Autor
"Such ascensore" - wenn Daniel Puff mit Blindenführhündin Lotta unterwegs ist und einen Fahrstuhl sucht, spricht der Nürnberger Italienisch. Rund 40 Befehle hat das Tier in dieser Sprache gelernt. Hilfreich, damit der Hund nicht in der Öffentlichkeit von zufälligen Kommandos auf fränkisch verwirrt wird. Das ist nur einer der Tricks, die Blindenführhunde während ihrer Ausbildung lernen.