Von der Verwaltungsreformen bis hin zu Bildungsthemen: Die über hundert neuen Synodalen treffen sich erstmals in der neuen Wahlperiode zur Tagung der Landessynode 2026 in Bayreuth. Dort haben die Synodalen unter anderem ein neues Präsidium gewählt und verschiedene Ausschüsse gebildet.

Das Programm der Frühjahrssynode startete traditionell mit einem festlichen Gottesdienst. Am Sonntag, 22. März 2026 predigte Landesbischof Christian Kopp beim Einführungsgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche in Bayreuth.

Aktuell im Newsticker:

    Landessynode wählt neues Präsidium und verabschiedet Verwaltungsreform

    Donnerstag, 26. März 2026, 13:10 Uhr

    Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) hat ihre konstituierende Tagung am Donnerstag in Bayreuth abgeschlossen. Die 108-köpfige Synode wählte ein neues Präsidium, besetzte Ausschüsse und verabschiedete ein erstes Reformgesetz für die Kirchenverwaltung.

    Neues Präsidium

    Zur neuen Synodalpräsidentin wurde die Münchner Richterin Tanja Keller gewählt. Als erster Vizepräsident folgt der Student Luca-Fynn Schieblich aus Kulmbach, als zweiter Vizepräsident der Günzburger Pfarrer Frank Bienk. Die drei bilden gemeinsam mit zwölf weiteren gewählten Mitgliedern den Landessynodalausschuss, der für die kommenden sechs Jahre im Amt bleibt.

    Keller erklärte, sie erlebe die neue Synode als "engagiert, vielfältig und sehr arbeitsfähig" und zeigte sich zuversichtlich, die "Herausforderungen der Transformation" gemeinsam mit Landesbischof und Landeskirchenrat gestalten zu können.

    Gesetz zur Verwaltungsreform

    Ebenfalls beschlossen wurde ein Gesetz zur Verwaltungsreform, das am 1. Mai 2026 in Kraft tritt. Es verpflichtet Kirchengemeindeämter, Verwaltungsstellen und Verwaltungszweckverbände zur Zusammenarbeit in Regionalverwaltungen. Ziel ist eine gemeinsame Steuerung sowie abgestimmte Finanz- und Personalplanung.

    Ab 2027 soll zudem schrittweise ein zentrales Kompetenzzentrum für das Meldewesen aufgebaut werden. Oberkirchenrat Florian Baier begründete die Reform damit, "auch in Zeiten zurückgehender finanzieller Mittel eine qualifizierte Verwaltung gewährleisten zu können". Weitere Reformbeschlüsse sind für die Herbstsynode 2026 vorgesehen.

    Zukunft der Medienarbeit

    In einer Fragestunde diskutierte die Synode die Zukunft der kirchlichen Medienarbeit. Oberkirchenrat Stefan Blumtritt bekräftigte, die evangelische Publizistik in den Bereichen Nachrichtenagentur (epd), Fernsehen (efs) und Privatradio (efa) solle in ihrer Eigenständigkeit erhalten bleiben. Landeskirche und Evangelischer Presseverband hätten einen gemeinsamen Gesprächsprozess aufgenommen; eine Begleitgruppe der Synode ist geplant.

    Die nächste Synodaltagung findet vom 22. bis 25. November 2026 in Amberg statt. Schwerpunkt soll die Verabschiedung des Haushalts 2027 sein. 

    (om)

    Zwischen Cloud und Kontrolle: Landeskirche treibt ihre IT-Strategie voran

    Donnerstag, 26. März 2026, 10:58 Uhr

    IT-Leiter Markus Bönisch hat vor der bayerischen Landessynode die Digitalstrategie der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern skizziert. Die ELKB bewege sich dabei im Spannungsfeld von technologischer Abhängigkeit, politischer Unsicherheit und praktischen Anforderungen vor Ort.

    Im Mittelpunkt stünden vier Handlungsfelder: der Schutz der IT-Infrastruktur, die Modernisierung veralteter Systeme, die Entlastung der Gemeinden sowie der kontrollierte Einsatz von Künstlicher Intelligenz. Fortschritte gebe es etwa bei der flächendeckenden Zwei-Faktor-Authentifizierung, neuen cloudbasierten Anwendungen und digitalen Serviceangeboten wie einer erweiterten IT-Hotline und KI-Assistenten.

    Mit Blick auf die Abhängigkeit von US-Anbietern wie Microsoft betonte Bönisch, dass Daten zusätzlich bei europäischen Anbietern gesichert werden. Ein kurzfristiger Umstieg auf europäische Alternativen sei jedoch kaum realisierbar. Ziel bleibe eine zentral unterstützte, sichere und flächendeckend wirksame IT, die die Handlungsfähigkeit der Kirche langfristig stärkt.

    Mehr zu Bönischs Vortrag lest ihr hier.

    (tl)

    Zwei Männer am Rednerpult
    Oberkirchenrat Stefan Blumtritt (links) und der Direktor des Evangelischen Presseverbands für Bayern e.V., Roland Gertz, vor der Landessynode.

    Landeskirche hält weiter am Evangelischen Presseverband fest

    Mittwoch, 25. März 2026, 18:18 Uhr

    Die angekündigte Neuausrichtung der Kommunikationsarbeit in der bayerischen evangelischen Landeskirche nimmt konkrete Formen an. Oberkirchenrat Stefan Blumtritt und der Direktor des Evangelischen Presseverbands für Bayern (EPV), Roland Gertz, demonstrierten am Mittwoch vor der in Bayreuth tagenden Landessynode mit einem gemeinsamen Statement Einigkeit: "Uns beiden ist es wichtig, dass es auch in Zukunft beides gibt: Organisationskommunikation und Evangelische Publizistik", sagte Blumtritt. Nach Wochen der öffentlichen Auseinandersetzung habe man den angekündigten Gesprächsfaden aufgenommen und sei inzwischen in engem Dialog - "klar und verlässlich, offen und auch kontrovers, vor allem aber zukunftsorientiert".

    Es sei wichtig, konstruktiv nach vorn zu blicken und den gemeinsamen Gesprächsfaden zu verstetigen, um gemeinsam offene Fragen einvernehmlich zu klären und klare Aufträge abzustimmen, sagte Gertz. Außerdem sei es wichtig, dass die beiden Bereiche Kommunikation und EPV in engem Austausch stünden und dass gegenseitig Brücken gebaut würden - durch Inhalte und durch Personen. Gertz kündigte an, dass die Synode in den Transformationsprozess einbezogen werde. Geplant sei eine synodale Begleitgruppe, die bei der Herbsttagung Ende November der Synode berichten könne.

    epd-Landesdienst wird weiter finanziert

    Die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) hatte am 13. Februar bekannt gegeben, die Zuwendungen an den EPV mit seinen derzeit rund 50 Mitarbeitenden angesichts veränderter "finanzieller und medialer Rahmenbedingungen" zum Jahresende zu streichen und die Kommunikation über ihre eigene Arbeit auszubauen. Ausgenommen von den Streichungen waren von Anfang an der Landesdienst Bayern der Nachrichtenagentur "Evangelischer Pressedienst" (epd) sowie Teile der Rundfunkarbeit. Zuletzt hatte der EPV einen allgemeinen jährlichen Zuschuss von rund 2,6 Millionen Euro von der Landeskirche erhalten. Die Entscheidung hatte zu einer öffentlichen Auseinandersetzung zwischen EPV und Landeskirchenrat geführt. Auch bei der Synodentagung war die Kontroverse Thema.

    Blumtritt sagte vor der Synode über die Zukunft des EPV, dass der epd "im bestehenden Rahmen fortgeführt und auch weiter von der ELKB finanziert" werde. Auch die Arbeit der Evangelischen Funk-Agentur (efa) und des Evangelischen Fernsehens (efs) werde künftig im EPV fortgeführt. Das "Sonntagsblatt" sei auf einem guten Weg, sich ab Ende des Jahres finanziell selbst zu tragen. Für den Claudius Verlag, der noch nie am institutionellen Zuschuss der Landeskirche beteiligt gewesen sei, gebe es die Perspektive des Drucks und des Vertriebs der bayerischen/sächsischen Ausgabe des neuen Evangelischen Gesangbuchs ab 2028.

    EPV soll mehr zum medialen Dienstleister werden

    Über den Bereich Online - vor allem sonntagsblatt.de und die Social-Media-Kanäle - gebe es noch Gespräche, sagte Blumtritt. "Wohlwissend, dass es keine ganz schnellen Lösungen geben wird, stehen wir dafür ein, dass die Finanzierung dieser Bereiche durch die ELKB nicht zum 31. Dezember 2026 enden wird." Andere Produkte des EPV müssten sich außerhalb des regulären landeskirchlichen Zuschusses finanzieren. Zugleich betonte Blumtritt, dass sich alle Bereiche im EPV weiterhin "agil und zukunftsorientiert" weiterentwickeln müssten. Außerdem sei es wichtig, dass der EPV noch stärker als bisher zum medialen Dienstleister für die Landeskirche werde.

    (om/epd)

    Evangelische Kirche: Weniger Kirchensteuereinnahmen, weniger Kirchengebäude.

    Weniger Ressourcen, große Aufgaben: Kirchenleitung setzt auf gemeinsames Handeln

    Mittwoch, 25. März 2026, 11:39 Uhr

    Der Landeskirchenrat hat die neugewählten Synodalen bei deren konstituierender Sitzung in Bayreuth auf die gemeinsame Arbeit hin zu einer zukunftsfähigen Kirche eingeschworen. Man sei aufeinander angewiesen, "wenn wir mit unserer Kirche in die Zukunft gehen und diese Zukunft gemeinsam verantworten und gestalten möchten", sagte Oberkirchenrat Stefan Reimers in einem gemeinsamen strategischen Bericht des Landeskirchenrats am Mittwoch vor der Synode. Landessynode und Landeskirchenrat erzielten dann gute Ergebnisse, "wenn wir vernetzt arbeiten und transparent miteinander nachdenken und entscheiden".

    Im Landeskirchenrat sitzen der Landesbischof, die Abteilungsleiterinnen und Abteilungsleiter im Landeskirchenamt sowie die Regionalbischöfinnen und Regionalbischöfe. Beide Gremien gehören der evangelischen Kirchenleitung in Bayern an. Die bayerische Landkirche steht, wie die übrigen Landeskirchen und auch die katholischen Bistümer, angesichts zurückgehender Mitgliedszahlen und finanzieller Mittel vor einem großen Veränderungsprozess.

    Wenn man kleiner wird, muss man trotzdem groß denken

    "Ich glaube, wenn man kleiner wird, muss man trotzdem groß denken. Und neue Partner suchen. Und die Weite steigern", sagte Reimers. Laut Finanzchef Patrick de La Lanne wird die Finanzkraft der bayerischen Landeskirche bis 2035 um real 40 Prozent abnehmen. Oberkirchenrat Stefan Blumtritt sagte in seinem Part, dass die Jugendarbeit und das Ehrenamt künftige Schwerpunkte der Landeskirche seien. "Wir sind dabei, eine lernende Kirche zu werden." Auch Bildung, von frühkindlicher Erziehung über den Religionsunterricht an Schulen bis hin zur Erwachsenenbildung, ist für Blumtritt ein Schwerpunktthema.

    Oberkirchenrat Florian Baier ging in seinem Bericht auf die Gebäudefrage ein. Rund 6.000 Gebäude befänden sich aktuell im Eigentum der Kirchengemeinden und Gesamtkirchengemeinden, darunter rund 1.400 denkmalgeschützte Kirchen. In den kommenden zehn Jahren soll der Gebäudebestand um die Hälfte reduziert werden. "Wir sind uns der großen Bedeutung unserer Kirchen bewusst", sagte Baier. Derzeit würden Strategien entwickelt, um den Gebäudebestand zu reduzieren. Dazu zählten etwa die Verständigung auf einfachere baufachliche Standards oder der Dialog mit der katholischen Kirche, Staat und Kommunen um eine gemeinsame Weiternutzung.

    Das Bild - eine Kirchengemeinde, eine Pfarrerin - ist vorbei

    Der für Personalfragen zuständige Oberkirchenrat Stefan Reimers erläuterte die Bedeutung von multiprofessionellen Teams angesichts der sinkenden Zahl an Pfarrpersonen und Kirchenmitgliedern. Berufsübergreifendes Arbeite könne man lernen, das solle bereits in der Ausbildung von Theologen, Diakonien, Religionspädagogen oder Kirchenmusikern passieren. Regionalbischof Klaus Stiegler sagte, schon jetzt erlebten Mitarbeitende in der Diaspora und in ländlichen Räumen die Bedeutung der Teamorientierung. Es gehe nur gemeinsam. "Das Bild - eine Kirchengemeinde und eine Pfarrerin - ist vorbei und wird so auch nicht wiederkommen."

    (om/epd)

    Ein Mann am Rednerpult
    Stefan Reimers, ständiger Vertreter des Landesbischofs und Mitglied im Landeskirchenrat.

    Synodale wählen Mitglieder des Landessynodalausschuss

    Mittwoch, 25. März 2026, 10:19 Uhr

    Die Mitglieder des Landessynodalausschusses (LSA) stehen fest. Die bayerische Landessynode hat bei ihrer konstituierenden Sitzung am Mittwoch in Bayreuth nach mehreren Wahlgängen folgende Männer und Frauen aus ihren Reihen in das kirchenleitende Gremium gewählt:

    • Reiner Anselm, Theologieprofessor aus Gräfeling
    • Samuel Bammessel, Student aus Nürnberg
    • Gesine Clotz, Schulleiterin aus Ottobrunn
    • Stefan Fischer, Pfarrer aus Hirschau
    • Regina Fritz, Theologieprofessorin aus Nürnberg
    • Sabine Geyer, Dipl.-Sozialpädagogin aus Cadolzburg
    • Luisa Herrmann, Lehramtsstudentin aus München
    • Britta Müller, Dekanin in Nürnberg
    • Daniela Schmid, Pfarrerin in Selb
    • Carina Sehmisch, Religionspädagogin aus Hohenroth
    • Friedrich Sichermann, auszubildender Landwirt aus Ansbach
    • Markus Wierny, Geschäftsführer aus Erlangen

    Gesetzte LSA-Mitglieder qua Amt sind Synodenpräsidentin Tanja Keller sowie die beiden Vizepräsidenten Luca-Fynn Schieblich, Student aus Kulmbach, und Frank Bienk, Pfarrer aus Günzburg.

    Landessynodalausschuss hat 15 Mitglieder

    Der Landessynodalausschuss ist eines der vier kirchenleitenden Organe neben Landesbischof, Landeskirchenrat und Synode. Er führt die Geschäfte der Synode zwischen den zwei jährlichen Präsenztagungen im Frühjahr und im Herbst fort.

    So wird sichergestellt, dass die synodalen kirchenleitenden Organe immer handlungsfähig bleiben. Teil des 15-köpfigen LSA sind insgesamt neun nicht-ordinierte Synodale und sechs ordinierte. Das dreiköpfige Präsidium ist automatisch Teil des LSA.

    (om/epd)

    Fünf Menschen sitzen nebeneinander
    Das Präsidium der Landessynode. Die Präsidentin und die beiden Vizepräsidenten gehören automatisch zum Landessynodalausschuss.

    Landesbischof Christian Kopp: Kirche hat immer klug auf Veränderungen reagiert

    Dienstag, 24. März 2026, 11:26 Uhr

    Der bayerische Landesbischof Christian Kopp hat der Synode in seinem Bischofsbericht angesichts sinkender und finanzieller Ressourcen Mut zugesprochen. Kirche wolle weiter wirksam sein, dafür helfe auch die "Kunst des klugen Loslassens".

    Im Mittelpunkt kirchlichen Handelns steht laut Kopp immer die Frage, was die Mitglieder von der Kirche wollen. "Unser kirchenleitendes Handeln zielt auf konsequente, transparente und partizipative Achtung vor den Beiträgen aller Beteiligten", sagte Kopp am Dienstag in seinem Bericht vor der in Bayreuth tagenden bayerischen evangelischen Landessynode. Nötig seien dabei gute Entscheidungen und eine gute Kultur.

    Mit Blick auf den Veränderungsprozess, in dem sich die Landeskirche angesichts sinkender Mitgliedszahlen befindet, sprach Kopp den Synodalen Mut zu. Er verstehe, dass große Veränderungen die Menschen verunsicherten. In der Kirchenleitung wolle aber niemand Kirchengemeinden abschaffen. "Das Gegenteil ist der Fall." Die kreativen Kräfte vor Ort sollten gestärkt werden. Die Kirche habe immer klug reagiert auf die Anforderungen der jeweiligen Zeit. "Jetzt gehen wir genauso klug vor."

    Kopp: Wir sind immer noch eine reiche und wirksame Kirche

    "Wir setzen als Landeskirche konsequent auf die Verantwortung und die Gestaltungsfreiheit vor Ort und in den Regionen", sagte Kopp. Zugleich betonte er, dass es künftig nicht mehr gehe, "dass in einer Region alles für alle zu allen Zeiten angeboten wird". Man setze daher konsequent auf Wirkungen und gute Lösungen, Vereinfachungen und Zusammenwirken.

    Im weltweiten Vergleich sei die bayerische Landeskirche auch mit sinkenden Kirchensteuereinnahmen eine "unglaublich reiche und wirksame Kirche", sagte Kopp weiter. "Und darum sehe ich diese Beschäftigung mit dem Weniger als eine ganz normale menschliche Tätigkeit." Menschen hätten die Fähigkeit, sich an Gegebenheiten anzupassen. Dabei helfe auch die Kunst des klugen Loslassens. "Wir werden uns von Bestimmtem trennen, um wieder besser voranzukommen und wirksam zu sein."

    Christen setzen sich für Demokratie ein

    Angesichts der zunehmenden gesellschaftlichen Polarisierung sagte Kopp, dass Orte der Orientierung nötig seien, wo Spannungen ausgehalten würden und Vertrauen wachsen könne. Er wisse, dass Kirche genau so ein Ort sein könne. "Ich will weiterhin ein demokratisches Bayern und ein demokratisches Deutschland. Ich will eine stabile Demokratie", sagte Kopp. Dafür würden sich evangelische Christinnen und Christen immer einsetzen.

    (rh/epd)

    Synodalpräsidentin Tanja Keller will Gestaltungsspielräume für Veränderung schaffen

    Dienstag, 24. März 2026, 09:56 Uhr

    Die Landessynodalpräsidentin Tanja Keller erklärte in ihrer ersten Rede vor den Synodalen, sie habe "ein gutes Gefühl" und nehme viel Aufbruchstimmung wahr sowie den "Mut, Dinge zu verändern". Sie freue sich auf sechs Jahre gemeinsamer Arbeit. Für die Zukunft der Kirche brauche es eine klare Vision: "Ich versuche mir vorzustellen, was in zehn Jahren sein wird – wie wir Kirche sein werden, auch wenn manches weniger geworden ist." Sie selbst lege viel Wert auf Kommunikation und wolle vor allem eines: Die Arbeit der Synodalen unterstützen. 

    In ihrer Ansprache erinnerte sie an das Jahr 2020 und die damaligen düsteren Prognosen, verbunden mit dem wachsenden Bedürfnis der Gesellschaft nach Trost und Hoffnung. Es habe die Frage im Raum gestanden, wie kirchliche Arbeit künftig aussehe, wie etwa die Arbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen verteilt werde. Trotz großer Ungewissheit seien damals entscheidende Weichen gestellt worden. Diese gelte es nun umzusetzen. 

    Auch heute stellten die begrenzte Ressourcen und der gesellschaftliche Wandel die evangelische Kirche vor große Herausforderungen. Die offenen Fragen müssten theologisch, organisatorisch und rechtlich gestaltet werden. Veränderung gehöre zum "Wesen von Kirche". 

    Kirchliche Strukturen müssten dem Auftrag dienen und könnten daher verändert werden. Viele in den Gemeinden geschaffenen Einrichtungen – etwa Kitas oder Gebäude – seien inzwischen überdimensioniert und stünden nicht mehr im Verhältnis zur aktiven Gemeinde. Beheimatung entstehe dadurch, gemeinsam Glauben zu leben, "unabhängig von den Immobilien". Die Strukturen passten vielerorts nicht mehr zur Realität. Zudem gebe es Gruppen, die noch zu wenig im Fokus der Arbeit stünden, wie etwa Kinder im Grundschulalter, Singles oder Menschen mit Migrationshintergund. Hier gebe es aber schon gute Konzepte und Ideen. Diese zeigten, dass durchaus innovative Ideen vorhanden seien.

    Für die künftige Arbeit wünsche sie sich klare Auskunft über kirchenrechtliche Rahmenbedingungen. Recht müsse der Organisation Kirche Halt und Orientierung geben, aber auch Gestaltungsspielräume eröffnen. "Wir sind Synode und können diese Spielräume schaffen", betonte Keller. Es gelte, mutig auszuloten, was möglich sei – und diese Überlegungen theologisch zu reflektieren.

    (rh)

    Eine Frau am Rednerpult
    Die frischgewählte Synodalpräsidentin Tanja Keller.

    Zweiter Sitzungstag beginnt mit Andacht des Synodalen Luca-Fynn Schieblich

    Dienstag, 24. März 2026, 09:37 Uhr

    In seiner Andacht zu Beginn des zweiten Synodentags am Dienstag, 24. März hat der Synodale Luca-Fynn Schieblich an die Synodalen appelliert, mutig in Vorleistung zu gehen. Die Synode zeichne sich durch sehr verschiedene Menschen aus mit einem großen Altersunterschied. Doch dies zeige die ganze Breite der Kirche. Sie alle eine der Glaube an Gott. Er wünsche den Synodalen, mit Mut voranzugehen und neuen Wegen zu vertrauen.

    Als Nächstes auf der Tagesordnung wird die neu gewählte Präsidentin ihre erste Ansprache halten. Es folgen der Bericht von Landesbischof Kopp sowie die Besprechung der dringenden Anträge sowie der Themenwünsche zur Aktuellen Stunde. 

    Neues Präsidium vollständig gewählt

    Montag, 23. März 2026, 18:55 Uhr

    Das Präsidium der bayerischen Landessynode ist vollständig: Neben der neuen Präsidentin Tanja Keller sind bei der konstituierenden Synodentagung in Bayreuth Luca-Fynn Schieblich und Frank Bienk ins Amt der Vizepräsidenten gewählt worden. Schriftführer sind für die nächsten sechs Jahre Daniela Senger und Joel Brodersen. 

    Mit Luca-Fynn Schieblich hat die Landessynode ihren wohl jüngsten ersten Vizepräsident: Der 21-jährige Student aus Kulmbach übernahm als jüngstes Synodenmitglied zu Beginn der Tagung traditionsgemäß die Rolle des Schriftführers, bevor er sich als Kandidat ums Vizepräsidenten-Amt bewarb. Dort setzte sich Schieblich - der auch Mitglied der Evangelischen Jugend sowie der Jungen Union Kulmbach ist - in der Stichwahl mit 71 Stimmen gegen den Windsbacher Dekan Klaus Schlicker (30 Stimmen) durch.

    Von seiner Wahl zeigte Schieblich sich "geplättet" und nannte sie ein "gutes Signal nach außen". "Wir brauchen Energie und Motivation", sagte der frisch gewählte Vize im Gespräch mit Evangelischen Pressedienst (epd), beides wolle er in die Arbeit im Präsidium einbringen.

    Mit 70 Stimmen zog anschließend der Günzburger Pfarrer Frank Bienk, wieder in der Stichwahl gegen Dekan Schlicker (34 Stimmen), ins zweite Vizepräsidenten-Amt ein. Seine Vision sei, "dass wir viel flexibler werden in unserem Denken, in unseren Strukturen, damit wir leichter reagieren und wieder mehr auf den Weg bringen können für unsere Kirche", sagte der 50-Jährige dem epd. Er freue sich auf die Zusammenarbeit im Präsidium, "das ist ein tolles Team und wir werden miteinander einiges bewegen können", sagte Bienk.

    Zur Schriftführerin wurde Daniela Senger, 44 Jahre, Ärztin aus Pegnitz, gewählt. Ihr Kollege als Schriftführer ist Joel Brodersen, 28 Jahre, Doktorand an der TU München. Somit ist das fünfköpfige Präsidium für die nächsten sechs Jahre komplett. 

    (om/epd)

    Eine Frau am Rednerpult
    Die frischgewählte Synodalpräsidentin Tanja Keller.

    Synodale wählen Tanja Keller zur neuen Präsidentin

    Montag, 23. März 2026, 15:35 Uhr

    Die Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) hat eine neue Präsidentin: Die Münchner Richterin am Arbeitsgericht Regensburg Tanja Keller wurde am Montag in Bayreuth im ersten Wahlgang zur Synodalpräsidentin gewählt. Die 108 Mitglieder des bayerischen Kirchenparlaments sprachen sich mit 76 zu 31 Stimmen für die 60-jährige Juristin aus – gegen ihre Gegenkandidatin Sabine Geyer, Diplom-Sozialpädagogin aus Cadolzburg.

    Keller ist seit 2020 Mitglied der Landessynode und war zuletzt sechs Jahre im Landessynodalausschuss aktiv. Beruflich engagiert sie sich neben ihrer Tätigkeit als Richterin seit Jahren besonders in den Bereichen Digitalisierung der Justiz und Frauenförderung – Letzteres bereits aus ihrer früheren Zeit im bayerischen Sozialministerium.

    Sie folgt damit der langjährigen Präsidentin Annekathrin Preidel in ein Amt, das die Synodaltagungen leitet und eine wichtige Schnittstelle zwischen Synode, Landeskirchenrat und Landesbischof bildet.

    In ihrer Bewerbungsrede vor der Wahl griff Keller zum Bild des Pilgerns: Die Synode gleiche einer vielfältigen Pilgergruppe – mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten, Perspektiven und Erfahrungen, aber einem gemeinsamen Ziel. Ihre Aufgabe als Präsidentin sei es, diese Gruppe zu begleiten und dafür zu sorgen, "dass wir keine Einzelkämpferinnen und -kämpfer bleiben, sondern dass wir gemeinsam unterwegs sind". Die Vielfalt der Synode verstand Keller dabei ausdrücklich als Stärke: "So viel Erfahrung, Wissen, so wichtige Herzensthemen – was für ein großartiger Proviant für den Weg!"

    Für die laufende Synodalperiode betonte sie die Dringlichkeit eines raschen Starts: "Wichtig ist mir, dass wir ins Laufen kommen, damit wir schnell arbeitsfähig werden." Zugleich mahnte sie eine langfristige Perspektive an: "Einfach weiter so – das wird nicht mehr funktionieren."

    Landesbischof Christian Kopp würdigte die Wahl als wichtiges Signal: "Mit Tanja Keller gewinnt die Synode eine erfahrene Persönlichkeit, die juristische Kompetenz, breite kirchliche Erfahrung und einen klaren Blick für die Herausforderungen in unserer Kirche mitbringt."

    (om)

    Scheidende Synodalpräsidentin Preidel: Aufgabe war "Freude und Ehre"

    Montag, 23. März 2026, 11:40 Uhr

    Die konstituierende Tagung der neuen bayerischen Landessynode hat  in Bayreuth begonnen. In ihrem abschließenden Rechenschaftsbericht informierte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel über die Arbeit des Landessynodalausschusses (LSA) seit November 2025.

    Seit der Herbsttagung sei der LSA zu vier Sitzungen zusammengekommen, sagte Preidel. Das Verfahren der Wahlprüfung habe die "Rechtmäßigkeit" und "Ordnungsmäßigkeit" der Synodalwahl sichergestellt. Zudem habe sich das Gremium mit der Tagesordnung der konstituierenden Tagung sowie mit Berichten des Landesbischofs, des Landeskirchenrats und der Verwaltung befasst.

    Der LSA stimmte zudem der Neuaufstellung des Arbeitsbereichs Medizinethik in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern (ELKB) einstimmig zu: Drei bislang parallel arbeitende Gremien sollen in einem neuen Arbeitskreis Medizinethik zusammengeführt werden, der künftig dreimal jährlich tagt. Ziel sei es, "Doppel- und Dreifachstrukturen zu vermeiden" und die fachliche Kompetenz zu bündeln, sagte Preidel.

    Ebenfalls beschlossen wurde mit zwei Enthaltungen die Verlängerung der halben Projektstelle für das evangelisch-franziskanische Zentrum "Barfuß im Herzen der Stadt" an der Augsburger Barfüßerkirche um zwei weitere Jahre bis Mitte 2028. Solche Projektstellen dienten dazu, innovative Modelle zu entwickeln und auf besondere Herausforderungen zu reagieren.

    Darüber hinaus habe der LSA ein Kirchengesetz zur Weiterentwicklung der Verwaltungsstrukturen beraten und zur Beschlussfassung weitergeleitet. Ziel der Reform sei es unter anderem, die Zusammenarbeit in Verwaltungsregionen zu stärken und ein Kompetenzzentrum für das kirchliche Meldewesen aufzubauen. 

    Zum Abschluss ihrer Amtszeit betonte Preidel, es sei "eine Freude und eine Ehre" gewesen, die Aufgaben des Gremiums wahrzunehmen und "den Weg in die vor Ihnen liegende Arbeit zu ebnen". Sie dankte für die "konstruktive und vertrauensvolle Zusammenarbeit" in den vergangenen sechs Jahren.

    (om)

    Eine Frau mit roter Brille
    Die scheidende Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel.

    Landesbischof: "Füreinander" lautet der "christliche Verhaltenskodex"

    Sonntag, 22. März 2026, 17:06 Uhr

    Christliches Verhalten macht das Leben nach Ansicht des bayerischen Landesbischofs Christian Kopp "schöner und besser". Kern christlicher Verantwortung sei es, "immer den und die anderen im Blick" zu behalten, sagte der evangelische Theologe am Sonntag laut Predigtmanuskript im Gottesdienst zur Eröffnung der konstituierenden Sitzung der neu gewählten Landessynode in der Bayreuther Stadtkirche: "Füreinander - das ist der christliche Verhaltenskodex. So leben Christinnen und Christen."

    Kopp sagte mit Blick auf die Geschichte von Jakobus und Johannes (Markus 10,35-45), Konkurrenz sei ein "ganz normales menschliches Phänomen". Wenn man jemanden mag, wolle man in seiner Nähe sein - aber Nähe sei "leider eben oft auch das Einfalltor für schwierige Gefühle". Die Erwartung von vielen Menschen sei, dass es unter Christen anders zugehe: "Aufmerksam, respektvoll, liebevoll, spürbar anders", sagte Kopp. Die neue Synode könne nun mit den anderen kirchenleitenden Organen beweisen, dass dies so ist.

    Wahl zum Präsidium steht im Mittelpunkt

    Bei der konstituierenden Tagung der Landessynode in Bayreuth von Sonntag bis Donnerstag (22. bis 26. März) stehen die Wahlen des Präsidiums, des Landessynodalausschusses sowie die Bildung der Ausschüsse im Mittelpunkt. Der Wahlausgang fürs Präsidentenamt ist offen, die bisherige Präsidentin Annekathrin Preidel hat nach langjähriger Zugehörigkeit nicht mehr für die Synode kandidiert.

    (om/epd)

    • Die Frühjahrstagung der neugewählten Landessynode wurde am Sonntagabend mit einem Gottesdienst eröffnet.
    • Die Frühjahrstagung der neugewählten Landessynode wurde am Sonntagabend mit einem Gottesdienst eröffnet.
    • Die Frühjahrstagung der neugewählten Landessynode wurde am Sonntagabend mit einem Gottesdienst eröffnet.
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