Antisemitismus

Antisemitismus

Kampf um Respekt: In den Straßen Wedding wurde er als Jude verprügelt, muslimische Freunde wie Şahin (rechts) hatte Arye (links) nur wenige.
Persisch ist er, deutsch und israelisch. Die Heimatminister dieser Welt bekommen bei so einem Schnappatmung. Die Kurzfassung seines Lebens: von der Straßengang im Berliner Wedding zum Pressesprecher der israelischen Armee. Arye Sharuz Shalicar kennt sich ganz gut damit aus, zwischen allen Stühlen zu sitzen. Sein jüngstes Buch "Der neu-deutsche Antisemit" ist eine Abrechnung mit dem aufflammenden Antisemitismus in Deutschland – knapp 75 Jahre nach dem Ende des Holocaust.

80 Jahre Novemberpogrom

Holocaust Zeitzeuge Walter Joelsen
Weil sein Vater jüdische Wurzeln hatte, wurde Walter Joelsen (Jahrgang 1926) als sogenannter "Halbjude" von den Nazis verfolgt. Im Gedenkgottesdienst zu 80 Jahre Novemberpogrom spricht der 92-jährige Zeitzeuge am 18. November in der Versöhnungskirche der KZ-Gedenkstätte Dachau über seine Erfahrungen.

"Lübecker Märtyrer" vor 75 Jahren

Er war Nationalsozialist und Antisemit, er träumte von einer überkonfessionellen deutschen Kirche, die einem "arischen Jesus" folgen sollte. Und er starb vor genau 75 Jahren zusammen mit drei katholischen (und inzwischen seliggesprochenen) Lübecker Amtsbrüdern als Widerständler gegen das NS-Regime: Der evangelische Pfarrer Karl Friedrich Stellbrink (1894-1943) war ein schillernder und widersprüchlicher Mensch. Seine Biografie wirft bis heute Fragen auf.

80 Jahre nach der Reichspogromnacht

Holocaust Mahnmal Berlin Gedenkstätte Kreuz
"Keine deutsche Identität ohne Auschwitz?" - In Hinblick auf das 80. Gedenken an die Reichspogromnacht trafen sich zu diesem Thema der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche Heinrich Bedford-Strohm, der katholische Kardinal Reinhard Marx und Josef Schuster, Präsident des Zentralrats der Juden. Der sagte, die Wortmeldungen, es müsse auch mal gut sein mit der Erinnerung an die NS-Gräueltaten, würden zwar nicht mehr, aber lauter. Weshalb das stete Erinnern wichtig ist.

Geschichte

Brennende Synagoge in Ludwigsburg - Reichspogromnacht 9./10. November 1938
Der 9. November ist ein "Schicksalstag" der deutschen Geschichte: 1848, 1918, 1923, 1989 – von der Revolution bis zum Mauerfall häufen sich an diesem Datum die historischen Wendepunkte. Nach der Wiedervereinigung war der 9. November als Nationalfeiertag im Gespräch. Doch der 9. November war auch der Höhepunkt der Novemberpogrome 1938: Euphemistisch als "Reichskristallnacht" bezeichnet, markiert dieses Datum den Übergang von der Diskriminierung zur offenen Verfolgung der Juden durch das nationalsozialistische Deutschland, die in einen industriell betriebenen Völkermord mündete.

Passionsspiele Oberammergau 2020

Passionsspiele 2020 - Gottesdienst zur Gelübdeerneuerung am 20.10.2018: Geistliche vor dem Kreuz.
Alle zehn Jahre ist Oberammergau im Ausnahmezustand: Das weltweit erfolgreichste Laienspiel geht zurück auf ein Pest-Gelübde aus dem Jahr 1633. Ein ökumenischer Gottesdienst und die mit Spannung erwartete Bekanntgabe der Hauptdarsteller markierten nun den Auftakt der Passionsspiele 2020. Erstmals wird ein Oberammergauer muslimischer Herkunft eine Hauptrolle spielen.

Antisemitismus

Der frühere Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) ist der erste Antisemitismusbeauftragte Bayerns. Seit er Mitte Mai sein neues Amt inne hat, ist er damit beschäftigt, eine Geschäftsstelle aufzubauen und ein Meldesystem für antisemitische Vorfälle vorzubereiten. Im Gespräch mit sonntagsblatt.de erzählt er, was er unter einer Kultur des Hinschauens versteht, warum ihm die Erinnerungsarbeit so wichtig ist und wie sich die Formen des Antisemitismus in den vergangenen Jahren verändert haben.

Musik und Versöhnung

Der israelische Tenor und Wahl-Augsburger Yoéd Sorek bei einem Auftritt mit »Simas Liedern« bei einem Festival in Amsterdam.
Jahr für Jahr werden die Zeitzeugen weniger, die als Überlebende vom Holocaust berichten können – auch von ihrem Leben nach dem Überleben. Ein Zeitzeuge einer Zeitzeugin ist der israelische Tenor Yoéd Sorek. Mit den jiddischen Liedern seiner Großmutter Sima tritt der Wahl-Augsburger auf Bühnen in ganz Europa auf – aber auch vor bayerischen Schulklassen oder Gemeinden.

Judenhass

Hinter »Israelkritik« oder der »BDS«-Bewegung verbirgt sich heutiger Antisemitismus (Demonstranten in Australien, 2010).
Von "Kippa Colonia" bis "Berlin trägt Kippa": In mehreren deutschen Städten gab es Ende April 2018 Solidaritätsaktionen für jüdische Bürger. Anlass waren der Echo-Skandal um die Rapper Kollegah und Farid Bang unddie Häufung antisemitischer Übergriffe - zuletzt auf zwei Männer mit Kippa in Berlin. Doch was ist eigentlich Antisemitismus? Ein Überblick.

Kirche und Nationalsozialismus

Abmarsch aus der Missionsanstalt: Schüler des Neuendettelsauer Missionsseminars bildeten einen eigenen SA-Trupp. Das Foto entstand 1935.
Umfassend, abgründig, fesselnd: Der Historiker Hans Rößler (geb. 1935) hat die Geschichte der Protestantismus-Hochburg Neuendettelsau in der NS-Zeit geschrieben. Für sein Buch "National­sozialismus in der fränkischen Provinz. Neuendettelsau unterm Hakenkreuz" erhält Rößler nun den Pechmann-Preis der bayerischen evangelischen Landeskirche.