Reisen & Krimis
Wie können wir im Urlaub eine Stadt neu erkunden? Einen Krimi-Führer auf den Spuren von Kommissar Brunetti haben zwei Münchner verfasst.
Zwei Münchner folgen in Venedig den Spuren von Commissario Brunetti - und entdecken die Original-Schauplätze der Krimiserie von Donna Leon.

Sie kennen Venedigs Gassen und Kanäle wie vermutlich kaum ein Münchner: Karl-Ludwig Heinrich und Elisabeth Hoffmann haben mehrmals für einige Monate in der italienischen Küstenstadt gelebt, um sich einen Traum zu erfüllen. Die beiden Krimifans haben die Bücher von Donna Leon über Commissario Brunetti exegetisch gelesen - und kennen sämtliche Schauplätze der Romane.

Angefangen hat alles eher aus Neugier, erzählt Hoffmann. "Wir haben die Krimis von Donna Leon gelesen und bei einem Besuch in Venedig im Jahr 2001 gemerkt, dass die Schauplätze aus den Krimis tatsächlich existieren", sagt sie. Zwar hätten sie auch einen Krimi-Stadtplan für Venedig entdeckt, doch sei dieser so schlecht gewesen, dass sie beschlossen hätten, einen besseren Plan zu veröffentlichen.

Auf den Spuren von Commissario Brunetti

"Wir haben dann die Bücher analysiert und sind mit Block und Bleistift durch die Stadt gelaufen und haben alles notiert und die Schauplätze aufgenommen", berichtet Hoffmann. In mühsamer Kleinarbeit sei dann der erste Stadtplan entstanden mit rund 200 Schauplätzen. "Zum Glück haben wir später auch einen kleinen Verlag gefunden, der das Projekt mit uns realisiert hat", ergänzt Ehemann Heinrich.

Nach dem Stadtplan entstand eine ganze Reihe von Publikationen. In "Auf den Spuren von Commissario Brunetti" werden sämtliche Krimi-Schauplätze aus den Büchern vorgestellt, für Filmliebhaber gibt es ein Buch mit der Beschreibung aller Drehorte. Zuletzt erschien noch ein Buch über die Inseln des Archipels, die in den Krimis eine besondere Rolle spielen.

Das Münchner Ehepaar teilt sich die Arbeit auf: Während Hoffmann für die redaktionelle Arbeit zuständig ist und erläutert, in welcher Szene der Schauplatz eine Rolle spielt, hat sich Heinrich auf die Fotos spezialisiert. Inzwischen verwaltet er die Fotos - es sollen über 40.000 verschiedene Motive sein - in einer Datenbank. Diese bilden die Grundlage für die Bücher, die nicht nur reich bebildert sind, sondern auch über ein Stichwortverzeichnis und eine Übersichtskarte verfügen.

Die Stadt Venedig ist für das Ehepaar inzwischen zu einer zweiten Heimat geworden. Alle paar Jahre nehmen sich der Informatiker und die Sozialarbeiterin eine Auszeit und mieten sich für ein paar Monate eine kleine Wohnung in der Lagunenstadt. Tagsüber streifen sie durch die Stadt und notieren, was sich verändert hat. Auf der Homepage werden dann aktuelle Nachrichten verbreitet: Dort wurde die Bäckerei Frangipane im Cannareggio geschlossen und hier am Campo San Giustina ist der Second-Hand-Laden Giustina einem Café gewichen.

Webseite für Brunetti-Fans und Venedig-Reisende

Auf der Facebook-Seite der beiden tummeln sich nicht nur Brunetti-Fans, sondern auch viele Venedigbesucher, die nach einer Empfehlung für ein schönes Café suchen. Doch da hält sich das Ehepaar eher zurück: "Die Menschen sollen die Stadt selbst entdecken", erklären die beiden. Lieber liefern sie spektakuläre Fotos von der Lagunenstadt zu Tages- und Nachtzeiten, die kaum ein Tourist erlebt. Und aktualisieren regelmäßig ihre Bücher: Von "Auf den Spuren von Commissario Brunetti" ist inzwischen eine erweiterte, dritte Auflage erschienen.

Zuletzt haben die beiden Venedig mitten in der Corona-Pandemie erlebt. "Die Stadt war leer, es gab fast keine Boote auf dem Canal Grande. Die Leute haben Italienisch mit uns gesprochen und nicht Englisch", erzählt Heinrich. Extrem verändert habe sich auch der Lärmpegel in der Stadt: "Man hörte erst die Schritte von einer Person, bevor sie dann um die Ecke kam."

Die Auszeit in Venedig hat das Münchner Paar auch gleich für ein neues Projekt genutzt. Gedanklich widmen sie sich gerade der Bretagne und dem Autoren Jean-Luc Bannalec. Seit einigen Monaten arbeiten sie an einem Krimiführer zu den Schauplätzen von Kommissar Dupin. "In der Bretagne geht es mehr um die Landschaft als um die Kultur, und so geben wir eher Anregungen für Wanderungen", sagt Hoffmann.

 

 

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