15.03.2018
SchlaU-Schule München

SchlaU-Schule München will Integration statt Abschiebung

Die SchlaU-Schule München hat gemeinsam mit 17 anderen Organisationen den Offenen Brief "Integration statt Abschiebung" an die bayerische Staatsregierung unterzeichnet. Christian Stegmüller vom Trägerverein der Schule erklärt im Interview, warum die SchlaU-Schule sich eine andere Flüchtlingspolitik wünscht.
Christian Stegmüller.
Christian Stegmüller ist politischer Referent des Trägervereins Junge Flüchtlinge e.V., der seit 2000 die SchlaU-Schule München betreibt.

Die SchlaU-Schule bringt junge Flüchtlinge in zwei bis vier Jahren zum Mittelschulabschluss. Viele von ihnen können vorher kein Deutsch und nicht mal lesen und schreiben. Für ihre Arbeit wurde die Schule im vergangenen Jahr mit dem Münchner Schulpreis ausgezeichnet. Der politische Referent des Trägervereins der SchlaU-Schule und Jurist Christian Stegmüller (33) im Interview:

 

Warum unterstützt die SchlaU-Schule den Offenen Brief an die Staatsregierung?

Christian Stegmüller: Die SchlaU-Schule zeigt, wie erfolgreiche Integration funktionieren kann: indem man jungen Menschen auf Augenhöhe begegnet und ihnen Chancen ermöglicht. 90 Prozent unserer Schülerinnen und Schüler schaffen innerhalb kürzester Zeit den Mittelschulabschluss. Allerdings haben wir miterlebt, wie sich die Willkommenskultur von 2015 innerhalb von zwei Jahren zu einer Angstkultur gewandelt hat. Flüchtlinge werden heute vor allem als Problem der öffentlichen Sicherheit wahrgenommen. Wir fragen nicht mehr: Was brauchen Flüchtlinge? Sondern immer häufiger: Wie schützen wir uns vor ihnen? Diese Entwicklung halten wir für falsch.
 

Sie kritisieren in dem Brief, dass die bayerische Flüchtlingspolitik abschiebeorientiert sei. Sind die SchlaU-Schule und der Trägerkreis Junge Flüchtlinge e.V. grundsätzlich gegen Abschiebungen?

Christian Stegmüller: Wir fordern rechtsstaatlich saubere und faire Verfahren. Dazu gehört eine angemessene und rechtzeitige Verfahrensberatung. Massenhaft werden heute Asylbewerber ohne jegliche Vorbereitung in die wichtigste Anhörung ihres Lebens geschickt. Wir fordern auch, dass Anerkennungsquoten die Situation im Herkunftsland widerspiegeln. Die Situation in Afghanistan beispielsweise hat sich in den vergangenen Jahren nicht wesentlich verändert - die Anerkennungsquoten von Afghanen hingegen schon, leider zum Schlechten. Das ist nicht sachlich, sondern politisch motiviert. Zuletzt wünschen wir uns, dass die individuellen Belange der Geflüchteten gewürdigt werden, und dass sie ihre Rechte wahrnehmen können. Wenn das alles so ist - und leider ist das immer häufiger nicht der Fall - müssen wir mit dem Ergebnis eines negativen Asylverfahrens leben.
 

Was würde ein politischer Perspektivwechsel bringen?

Christian Stegmüller: Politik hat Vorbildfunktion. Egal, ob man es gut findet oder nicht: Auf nicht absehbare Zeit werden konstant Flüchtlinge nach Deutschland gelangen. Natürlich ist das eine Herausforderung. Wenn aber schon immer mehr Politiker Mut und Anstand vermissen lassen, kann man das erst recht nicht von den Bürgern erwarten. Wir dürfen nicht, wie es derzeit Parteien aller Couleur tun, ein Zerrbild von Flüchtlingen zeichnen. Studien belegen, dass Flüchtlinge sich absondern und eher straffällig werden, wenn sie keine Perspektive haben. Das Problem, vor dem wir Angst haben, schaffen wir uns dann letztlich selbst, indem wir Flüchtlinge so ausgrenzen, wie es derzeit vielfach getan wird.

 

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