7.02.2018
NS-Zeit

München benennt Platz nach Max Mannheimer

München hat jetzt einen Max-Mannheimer-Platz. Die Landeshauptstadt benannte die Fläche vor dem NS-Dokumentationszentrum nach einem der bekanntesten Holocaust-Überlebenden.
Max-Mannheimer-Platz
Der Platz vor dem Münchner NS-Dokumentationszentrum heißt jetzt Max-Mannheimer-Platz

Vor eineinhalb Jahren starb mit Max Mannheimer einer der bekanntesten Münchner und NS-Zeitzeugen - jetzt hat die bayerische Landeshauptstadt einen Platz nach dem Holocaust-Überlebenden benannt. Beim Festakt im Münchner NS-Dokumentationszentrum sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), Mannheimer sei ein "großer Mahner, aber auch Versöhner" gewesen, obwohl er so viel Unmenschlichkeit während des NS-Regimes erlebt habe. Die Umbenennung der bisherigen Brienner Straße 34 am NS-Dokuzentrum wurde bewusst auf den 6. Februar 2018 gelegt. An diesem Tag wäre Max Mannheimer 98 Jahre alt geworden.

Mit der Platz-Benennung wolle man die Erinnerung an Max Mannheimer öffentlich machen und im kulturellen Gedächtnis der Stadt verankern, sagte Reiter weiter. Dazu habe es keinen besseren Ort gegeben als vor dem NS-Dokumentationszentrum, für dessen Bau sich Mannheimer immer starkgemacht hatte. Dieser Erinnerungsort sei auch ein Vermächtnis von Mannheimer, betonte Reiter. Am Festakt nahmen auch die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sowie die evangelische Münchner Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler teil.

KZ-Überlebender Max Mannheimer
Max Mannheimer: »Auschwitz hat mich nicht verlassen.«

Mannheimers Sohn Ernst dankte in seiner Rede der Stadt München für die Entscheidung, einen Platz in München nach seinem Vater zu benennen. Der Name "Max Mannheimer" sei in der Nachbarschaft des NS-Dokumentationszentrums gut aufgehoben. Die Benennung an seinem 98. Geburtstag hätte seinen Vater sicherlich gefreut. Ernst Mannheimer sagte aber auch, er sei froh, dass sein Vater Entwicklungen von heute nicht mehr miterleben müsse - etwa zunehmenden Antisemitismus oder Nationalismus in Deutschland und Europa seit dem vermehrten Zugzug von Flüchtlingen.

Die Ordensschwester Elija Boßler vom Karmel Heilig Blut in Dachau, eine langjährige Wegbegleiterin Mannheimers, erinnerte an Mannheimers Leben. Nach seinen Erfahrungen in verschiedenen Konzentrationslagern habe er nie wieder deutschen Boden betreten wollen. Dennoch sei München seine zweite Heimat geworden. Trotz seiner Vergangenheit habe er sich seine Menschlichkeit bewahrt, er habe sich nie versteckt und sei offen auf die Menschen zugegangen - egal welcher Hautfarbe oder Religion. Das belege auch die Tatsache, dass er öffentlich im Telefonbuch zu finden gewesen sei, sagte Boßler.

Erinnerung an Max Mannheimer öffentlich machen

Max Mannheimer war einer der prominentesten NS-Zeitzeugen: Er überlebte mehrere Konzentrationslager, er war in Auschwitz, Theresienstadt und Dachau. Seine Eltern, seine Frau und drei Geschwister starben im KZ. Lange Zeit sprach Max Mannheimer nicht über seine Vergangenheit. Das änderte sich 1986, als er als Zeitzeuge in die Dachauer Versöhnungskirche eingeladen wurde. Die folgenden Jahrzehnte besuchte er Schulen und hielt mit zahlreichen öffentlichen Auftritten die Erinnerung an die Gräuel der Nazi-Diktatur wach. Dafür erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, unter anderem das Große Verdienstkreuz. Am 23. September 2016 starb Mannheimer im Alter von 96 Jahren.

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