Sprache
Leichte Sprache macht Texte und Veranstaltungen für alle Menschen zugänglicher. Drei Fragen an Andreas Preuß, der auf Leichte Sprache angewiesen ist.
Andreas Preuss arbeitet in den Augustinum-Werkstätten in Schleißheim. Leichte Sprache hilft ihm im Alltag.

Andreas Preuß arbeitet seit 40 Jahren in den Schleißheimer Augustinum-Werkstätten. Er ist dort Vorsitzender im Werkstatt-Rat und vertritt rund 200 Mitarbeiter. In seiner Freizeit macht der 58-jährige Münchner bei der "Offenen Behindertenarbeit" (OBA) mit. Preuß hat eine Lernbehinderung. Texte und Veranstaltungen in "Leichter Sprache" helfen ihm im Alltag.

Herr Preuß, wo ist Leichte Sprache im Alltag für Sie besonders wichtig?

Andreas Preuß: Bei Veranstaltungen. Denn wenn ich merke, da sind mehr Menschen ohne Behinderung als Menschen mit, dann denke ich oft schon: "Oh!" Und am Gesichtsausdruck der anderen Menschen mit Behinderung sehe ich, dass die auch überlegen, was der da vorn jetzt gerade meint. Bei uns im Werkstatt-Rat haben wir Blätter in Leichter Sprache gemacht, mit Bildern. Das ist wichtig für Arbeitsabläufe und bei Umfragen.

Gibt es genug Angebote in Leichter Sprache?

Preuß: Es gibt mehr als vor zwei oder drei Jahren. Aber es wäre gut, wenn es noch mehr gäbe, vor allem bei Veranstaltungen. Gut ist: Es gibt verschiedene Homepages in Leichter Sprache, wo Leute sich das auch vorlesen lassen können. Das find ich ganz gut! Wenn ich etwas lese, und dann kann ich es hören und nochmal lesen. Dann weiß ich: Ah! Das ist in diesem Text gemeint.

Wann ärgern Sie sich über Schwere Sprache?

Preuß: Wenn ich im Internet einen Text lese, wo mich das Thema interessiert. Dann sitz ich da und muss nochmal lesen und nochmal. Und ich denke: "Also tut mir leid, ich komm jetzt da nicht ganz mit, was die eigentlich mitteilen wollen." Grad bei Politik denk ich mir: "Ja hallo? Man kann doch das auch viel einfacher erklären!" Manchmal sind Sachen in Schwerer Sprache gut erklärt, indem bei manchen Wörtern ein Sterndl dran ist, wo man unten nachlesen kann, was es heißt. Aber es gibt viele Texte, wo ich mir denk: Entweder ihr macht's ein Sterndl hin, oder ihr schreibt es gleich in Leichter Sprache.

Leichte und Einfache Sprache im Internet

LEICHTE SPRACHE: Texte in Leichter Sprache haben kurze Sätze. Lange Wörter werden durch einen Binde-strich oder einen Medio•punkt getrennt. Fremdwörter kommen nicht vor oder werden erklärt. Passende Bilder erläutern den Text. Die Schrift ist groß. Artikel sind übersichtlich. Das "Netzwerk Leichte Sprache" hat die Regeln hier zusammengefasst.

EINFACHE SPRACHE: Für Einfache Sprache gibt es keine festen Regeln. So wird ein Text besser verständlich: Sätze haben höchstens einen Nebensatz. Übliche Fremdwörter aus der Alltagssprache sind erlaubt, andere werden erklärt. Der Text ist durch Absätze und Überschriften übersichtlich gestaltet.

INFOS IN EINFACHER SPRACHE: Der Deutschlandfunk macht seit fast zehn Jahren Nachrichten in Einfacher Sprache. Es gibt unter dem Titel "Nachrichtenleicht" einen Podcast und eine Hörfunksendung. Immer mehr Menschen nutzen dieses Angebot, sagt der Deutschlandfunk: Wer Lernschwierigkeiten hat, wenig Deutsch spricht, nicht gut lesen kann oder eine Krankheit wie Demenz hat. Oder wer schwierige Sachen gern mal einfach erklärt haben will.

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